21.05.2013 14:55 Merkliste 0

"Nicht zu spät für griechisches Wort des Dankes"

03.03.2012 | 16:32 |   (DiePresse.com)

FDP-Generalsekretär Döring fordert von Griechenland Dank für die Solidarität der Deutschen. Die Geduld sei in ganz Europa "sehr strapaziert".

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

FDP-Generalsekretär Patrick Döring hat die Griechen zu mehr Dankbarkeit gegenüber Deutschland aufgefordert. Die meisten Griechen würden zwar "erkennen, was wir leisten", sagte Döring der "Bild am Sonntag". Einige Politiker aber schimpften lieber auf Europa, anstatt eigene Fehler zu benennen. "Es bedrückt mich, dass Griechenland das einzige europäische Land in Schwierigkeiten ist", in dem es keine breite Allianz für die Durchsetzung notwendiger Reformen gebe. "Es ist nicht zu spät für ein Wort des Dankes und Anerkennung für die Solidarität der Deutschen und aller Europäer", sagte Döring.

Einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone hält Döring für gefährlich: "Ich habe volles Verständnis dafür, dass die Größe der Beträge und die Abhängigkeit von den Finanzmärkten den Menschen Sorge macht. Aber ich komme als Ökonom zu dem Ergebnis, dass eine Pleite und ein Euro-Austritt Griechenlands weitaus schlimmere Konsequenzen für uns hätte als jedes Hilfspaket", sagte er der Zeitung.

Entscheidend sei, dass die Griechen umsetzen, was sie versprochen haben. "Die Geduld der Partner, in Deutschland und in ganz Europa, ist da inzwischen sehr strapaziert", sagte Döring weiter. "Deshalb gilt: Nur wenn mehr getan wird, wird auch mehr geholfen."

CSU diskutiert weiter über Griechenaustritt

Indes geht in der deutschen CSU - ungeachtet des Machtworts des deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - die Diskussion über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone weiter. Bayerns Finanzminister Markus Söder plädierte am Samstag für einen "Plan B". "Plan B heißt, Griechenland einen geordneten Ausstieg zu ermöglichen. Was auf keinen Fall geht, dass wir einen dritten oder vierten Rettungsschirm auflegen." Im Laufe dieses Jahres werde sich zeigen, ob die bisherige Griechenland-Hilfe ausreiche. "Ich persönlich habe Zweifel, dass das funktioniert." Deswegen müsse dann im Laufe des Jahres über eine Alternativlösung nachgedacht werden. Am Vorabend hatte die US-Ratingagentur Moody's die Bonität Griechenlands auf den niedrigsten Wert herabgestuft.

Griechen: Zorn gegen Deutsche mit ''dickem Portemonnaie''

Alle 12 Bilder der Galerie »

Offizielle CSU-Linie ist Söders Position aber nach wie vor nicht. Parteichef Horst Seehofer wollte nicht über ein mögliches Scheitern des zweiten Griechenland-Rettungsschirms spekulieren: "Ich glaube, dass kein Arzt in Deutschland Erfolg hätte, wenn er seine Therapie beginnt mit der Frage, ob diese scheitert." Seehofer nannte zwei Bedingungen als "rote Linien". Das deutsche Haftungsvolumen von 211 Milliarden Euro dürfe nicht erweitert werden und es dürfe Deutschland nicht selbst in Schulden stürzen, um anderen Ländern zu helfen.

Innenminister als Vorreiter

Seehofer schloss aber ebenfalls nicht aus, dass der derzeitige Umfang der Hilfen möglicherweise nicht ausreicht und Griechenland weitere Unterstützung fordert. "Wenn die Bundesregierung damit an uns herantritt, sehe ich das sehr skeptisch und darüber müssen dann unsere Parteigremien diskutieren." Seehofer nannte neben dem Vorstand auch die Einberufung eines CSU-Sonderparteitags. Momentan sei das aber noch nicht erforderlich

Als erster prominenter CSU-Politiker hatte der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone in die Diskussion gebracht. Nach dem Rüffel Merkels will Friedrich das aber inzwischen nicht mehr vorbringen. "Das Thema ist so komplex und muss so differenziert diskutiert werden, dass ich nicht den Eindruck habe, dass das in dieser plakativen Form angemessen ist", sagte Friedrich.

VW-Chef warnt vor deutschem Größenwahn

Aber es gibt auch deutschlandkritische Stimmen in Deutschland. VW-Chef Martin Winterkorn hat vor Überheblichkeit von deutscher Seite in der Eurokrise gewarnt. Deutschland sei Vorbild und viele andere Länder wollten davon lernen, doch berge dies "auch Gefahren", sagte Winterkorn der "Welt am Sonntag" und fügte hinzu: "Im Ausland wird uns gelegentlich ein gewisser Hang zum Größenwahn unterstellt." Andere Länder blickten voller Anerkennung, aber auch "mit einem gewissen Unbehagen" auf die Deutschen.

In seinem Konzern blieben auch angesichts blendender Verkaufszahlen alle mit beiden Füßen fest auf dem Boden, sagte Winterkorn der "Welt am Sonntag" und fügte hinzu: "In Deutschland sollte es auch so bleiben. Jetzt nur nicht übermütig werden."

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

21 Kommentare
Gast: Vogel Strauss
04.03.2012 15:35
0 1

Hang zum Größenwahn?? Harhar

Trifft eh nicht auf alle Deutschen zu, es gibt auch ganz Nette, aber die im Rheinland - naja!
Warum wohl haben die Deutschen diesen Ruf im Ausland? Nicht nur in GR, wohlgemerkt ...
PS: Ich darf das schreiben, ich hab einen Rheinländer in der Familie :)

Gast: Turbokapitalist
04.03.2012 10:45
0 1

Ave Abgela! Die zum Tode verurteilten Griechen grüßen dich...

Warum lassen die Deutschen Griechenland nicht Pleite gehen? Das Volk hungert, die ohnehin niedrigen Gehälter werden jetzt noch einmal um 25% reduziert. Die Preise bleiben aber in Euro. Wie sollen die Griechen überleben? Die Banken sollen aber ihr Geld aus dem Sonderkonto, das die Deutschen eingerichtet haben, bekommen. Also schönen Dank nach Deutschland, nööö???

Gast: Pensador
04.03.2012 10:38
2 0

Tausend Dank im vorhinein!

Tausend Worte des Dankes an Griechenland, schon im vorhinein!
Wenn es sich endlich freiwillig aus der €-Zone
zurückzieht!

Gast: Wofür.
04.03.2012 07:36
2 2

Wofür

Wofür sollen sich die Griechen denn bedanken? Dass sie nun Hungern? Gerettet werden hier nicht die "Griechen" sondern die "Banken". Da kann sich Herr Döring mal nach Dankbarkeit umschauen, vielleicht findet er was in den AGB.

Antworten Gast: Pensador
04.03.2012 10:45
1 1

Re: Wofür

Ja, die bööösen Banken!
Lasst sie einfach pleite gehen, die Bösewichte!
Dann sind sie endlich weg. Die Sparguthaben der Griechen und vielleicht auch unsere zwar auch. Aber das muss man schon in Kauf nehmen, beim Kampf gegen die Bannerträger des Kapitalismus!

Antworten Antworten Gast: denkmalnach
23.04.2012 18:30
0 0

ja, genau: die banken

Goldman Sachs hat Banken als Hauptkunden. Hat es also nicht doch etwas mit den Banken zu tun?

0 0

Re: Wofür

Ja, an die Banken und auch zum Bezahlen der offenen Rechnungen für bereits gelieferte oder noch zu liefernde Waffen.

Gast: Novaris
03.03.2012 18:50
6 2

Direkte Demokratie

Die "Hilfen" gehen zu 81% an die Banken.
Offensichtlich ist, dass nicht den Griechen sondern den Banken geholfen wird und das veranlaßt zu einer grundsätzlichen Betrachtung des "Hilfsverfahrens".
Die “Spielregeln” sollten anders sein. Anstatt, dass der Steuerzahler gegen Zins einen Kredit bei der Bank aufnimmt, um die Schulden eines x-beliebigen zahlungsunfähigen Schuldners der Bank zu begleichen und dafür gegenüber der Bank haftet, sollte der Steuerzahler den Abschreibungsverlust der Bank durch eine Beteiligung an selbiger ausgleichen und dadurch zukünftige Profitmöglichkeiten durch Eigentumsrechte (Dividenden, Kursgewinne) erwerben.

Der Geschäftsführer eines Unternehmens, der so handeln würde wie die Politik, hätte sofort seinen Job “verspielt” und sähe sich mit Schadenersatzforderungen konfrontiert.
Es ist somit offensichtlich, dass die Politiker Erfüllungsgehilfen der Banken sind — ohne für die “Spielverluste” zu haften und den “Rauswurf” bei der nächsten
Bu-Blockwahl (Block CDU/CSU/SPD/GRüne/Bündnis90/FDP) befürchten zu müssen.
Die “Spielverluste” zahlt in ungerechter Weise der Steuerzahler und er muss dafür Steuererhöhungen und Kürzungen bei den Sozialausgaben etc.etc. hinnehmen.

Deshalb : Weg mit den Parteien und ihrem Personal, die manipulier- und korrumpierbar durch die Eliten (Hochfinanz, Großkonzerne) sind und so dem Volk schwere und wohl auch untragbare Lasten (ESM etc.) aufbürden, hin zur DIREKTEN DEMOKRATIE via Referenden zu
allen Themen.

Re: Direkte Demokratie

sieht man ja auch bei uns wo das Geld hinfließt, VKB,Komunalkredit und Hypo!

2 5

Wenn es weiter nichts ist …

… bitte hier, stellvertretend für alle griechischen Vertreter des Geldadels hier ein einhelliges, allgemeines Dankeschön an Deutschland und Herrn Döring im Besonderen, also nichts leichter als das.

Nur ob dies auch tatsächlich der Mehrheitsmeinung innerhalb der griechischen Bevölkerung trifft, da sollte sich der feine Herr Döring bestens mal vor Ort kundig machen und einfach mal unter die Demonstranten mischen und dort nochmals den Dank persönlich einfordern. Mal sehen mit welchen Erkenntnissen er in Deutschland wieder ankommt … (°!°)

Gast: =EHM=
03.03.2012 18:08
4 3

Die Eu runiert ein Land

weil das Geld nicht zu denen fliesst, die den Schaden NICHT verursacht haben

sondern

zu denen, die jahrelang Mißwirtschaft betrieben haben und dann auch noch zeitgerecht vor dem großen Desaster das Geld außer Landes geschafft haben.

Die "großen" Deutschen erwarten sich einen Dank, in welcher Form denn?

Nur zu schade, Herr Döring, dass kein Krieg gegen Griechenland möglich ist, dann könnte Deutschland den Dank mittels ausreichend Raparationszahlungen einfordern.

Antworten Gast: G.F.-W
03.03.2012 22:11
1 1

Re: Die Eu runiert ein Land

Ich kann mich über einen derartigen Beitrag nur wundern, aber vielliecht ist diese Mentalität eine Art Schlüssel für die tw. Erklärung der anstehenden Problem.
In ihrer sicherlich angebrachten Verärgerung haben sie so beiläufig ein paar Kleinigkeiten vergessen, z. B. die leider halt schon längst verblichenen griechischen Penisionisten (wer darf sich ihrer Meinung nach für diese bei dem bösen Deutschland bedanken?), die sicherlich nur handvoll Griechen, die halt beim Arzt Rechtsanwalt, oder sonst wo bezahlen und dann "großzügig" auf eine Rechnung verzichten, das Finanzamt, das nicht imstanden ist, Steuern einzuheben, überhaupt fehlende rudimentäre Staatslemente usw. Wenn das aus dem ruder läuft sollte man die Ursachen nicht anderswo suchen und den Helfern eben Dank sagen.
Besser am Boden der Realität bleiben, und nicht durch bösartige Verkürzungen noch mehr kaput machen..

Gast: dresacher
03.03.2012 17:53
9 2

Ein Dankeschön der Banken

wäre auch nicht übertrieben, schließlich haben die das Geld erhalten.

Antworten Gast: Be-obachter
04.03.2012 10:05
2 0

Re: Ein Dankeschön der Banken

Dem schliesse ich mich vollinhaltlich an!

Weiters wünsche ich eine Entschuldigung dafür, dass uns die Banken jahrelang die Ohren vollgelabert haben, wieviel Geld sie im Osten verdienen würden.

Re: Ein Dankeschön der Banken

Die Leute, die jetzt deutlich weniger verdienen, werden sich mit einem Dankeschoen erheblich schwerer tun....

Re: Ein Dankeschön der Banken

Die Leute, die jetzt deutlich weniger verdienen, werden sich mit einem Dankeschoen erheblich schwerer tun....

bin sicher die europaische union wird 1000 jahre halten ... lol


Antworten Gast: Free
04.03.2012 08:56
2 1

Re: bin sicher die europaische union wird 1000 jahre halten ... lol

Das Vierte Reich sprich EU hält hoffentlich genauso kurz wie jenes davor...

Antworten Antworten Gast: hahahihihohohehee
23.04.2012 18:32
0 0

Re: Re: bin sicher die europaische union wird 1000 jahre halten ... lol

Dieser Kommentar ist mit das Lustigste, was ich je gelesen habe.

Danke Herr Döring....


....daß ihr die Banken unterstütz habt. Daß ihr uns so viele Panzer geliefert und die Kapitalflucht in die Schweiz und GB toleriert habt.

Danke Herr Döring, daß heute die Sonne aufgegangen ist und daß die D-Großmannsucht Europa retten wird.

Gast: freund !
03.03.2012 16:37
7 4

der steuerzahler, hier, und beim nachbarn,



wird es denjenigen paddeien, die das verbrochen haben, in dieses dritte-welt-land unser geld zu versenken, DANKEN.

2013 !!

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...