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Trotz Sparkurses: Spanien droht der Schuldenkollaps

10.04.2012 | 18:26 |   (Die Presse)

Die spanische Regierung will weitere zehn Milliarden Euro einsparen. Indes lässt sich das Defizit kaum unter Kontrolle bringen.

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Wien/Jil. Spanien rückt in den Mittelpunkt der Schuldenkrise in Europa. Am Montag hat der spanische Premierminister, Mariano Rajoy, überraschend zusätzliche Einsparungen angekündigt. Ausgerechnet in den sensiblen Bereichen Gesundheit und Bildung will die Regierung in diesem Jahr weitere zehn Mrd. Euro einsparen.

Hinzu kommen die bereits eingeplanten 27 Mrd. Euro an Einsparungen. Ziel sei weiterhin, das Haushaltsdefizit 2012 auf 5,3Prozent zu senken. Die EU begrüßte die zusätzlichen Einsparungen. Das von der EU gewünschte Defizit würde eigentlich bei 4,4Prozent des BIPs liegen. Aber das würde Einsparungen von insgesamt 45 Mrd. Euro erfordern und sei unmöglich, so Premier Rajoy. Seit er die Verfehlung des von der EU vorgegebenen Defizitziels am zweiten März angekündigt hat, sind die Refinanzierungskosten (für zehnjährige Bonds) um mehr als einen Prozentpunkt gestiegen. Vergangenes Jahr hatte Spanien ein Defizit von 8,5Prozent. Angestrebt hatte man in Absprache mit der EU aber nur sechs Prozent Defizit. Ob Spanien sein Defizitziel heuer einhalten kann, bleibt abzuwarten. Das Ziel, schon 2013 ein Defizit von nur drei Prozent zu erreichen, liegt jedenfalls in weiter Ferne.

 

Point of no return?

Diese Zahlen zeigen, warum die Schuldenkrise in Europa weder durch den Schuldenschnitt in Griechenland noch durch die letzte Billionen-Geldspritze der EZB für Banken gelöst werden konnte. Trotz aller Einsparungen explodiert die Schuldenlast weiter. Selbst wenn die spanische Regierung es gegen den Widerstand der Opposition, der Gewerkschaften und der Demonstranten schaffen sollte, die Defizitziele einzuhalten: Das Ergebnis wäre ein Anstieg der Schuldenbelastung auf 79,8Prozent des BIPs schon in diesem Jahr.

Und das sind freilich nur die offiziellen Zahlen. Gemeinsam mit den Schulden der Regionen und den staatlichen Garantien für verschuldete Staatsbetriebe erreicht der spanische Schuldenstand nach Berechnungen von „Carmel Asset Management“ schon bald 90Prozent des BIPs. Ein Wert, von dem viele Ökonomen glauben, er sei der „Point of no return“ – also der Punkt, an dem die Schuldenspirale sich immer schneller dreht, bis der Staatsbankrott unvermeidlich ist. Die Regionen spielen auch eine Rolle bei den geplanten zusätzlichen Einsparungen im Gesundheitssystem: Nachdem dieses in den Aufgabenbereich der Regionen fällt, ist eher mit der politischen Blockade der Einsparungen zu rechnen als mit deren Umsetzung. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien liegt bei fast 50Prozent. Trotzdem bleibt der Arbeitsmarkt so stark reguliert wie kaum wo auf der Welt. Dazu kommen ein weiterhin implodierender Häusermarkt und die Rezession. Es ist also wenig verwunderlich, dass der Internationale Bankenverband IIF eine Vergrößerung der „Brandmauer“ für Europa fordert.

Spanien muss alleine 2012 rund 186 Mrd. Euro an Schulden finanzieren. Sollte das Vertrauen in das Land an den Märkten verloren gehen und die Geldgeber sich zurückziehen, würde die Eurokrise sich weiter verschärfen. Die vorhandenen Gelder in den Rettungsfonds EFSF und ESM würden für ein Bail-out Spaniens kaum ausreichen – erst recht, weil dann auch Italien wieder in Gefahr ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2012)

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29 Kommentare
 
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Mit der Zustimmung zum Palästinaprojekt

beim Völkerbund haben die Spanier ihre Schuld aus Isabella's Zeiten ja nur teilweise abgetragen. Die nächste Rate wird jetzt gezahlt.

Antworten Gast: Schamott
11.04.2012 20:38
0 0

Re: Mit der Zustimmung zum Palästinaprojekt

was?

2 0

Traurig

"Diese Zahlen zeigen, warum die Schuldenkrise in Europa weder durch den Schuldenschnitt in Griechenland noch durch die letzte Billionen-Geldspritze der EZB für Banken gelöst werden konnte."

Ist das nicht der zusammengefasste Satz, zahleicher Kommentare der vergangenen Monate, die von Presse-Leser gepostet wurden und nicht der Politikerkaste zugehörig sind?

Gast: freund?
11.04.2012 09:19
2 0

kennen wir....



vorige woche der erste akt der schmiere :

WIR spanier brauchen kein geld von außen..

jaja, WANN ist alternativlos?

WANN ist alternativlos

EFSF/ESM sind Konstrukte, um die "Alternativlosigkeit" nicht bei jeder Spritze neu ansprechen oder (Gott behüte) diskutieren zu müssen. Da diesbzgl. alles in trockenen Tüchern ist, ist die Antwort auf Ihre Frage: Jetzt; Eigentlich: Schon längst. Es muss nur nicht mehr grossartig erwähnt werden.

Was mich ernsthaft stört, ist: Mir ist klar, dass die Alternativen verdammt teuer kommen. Dass das alles nicht so einfach ist.
Aber es muss doch bitte irgendeinen Plan B geben, bevor 700Mrd. eingesetzt werden. Irgendeinen Plan, der vorher mal durchgerechnet wurde.
Und dass bisher tatsächlich keine Alternative berechnet wurde macht mir ein wenig Angst. Denn das kann nur bedeuten, dass dieser Weg nach dem Willen demokratisch nicht legitimierter Personen gegangen werden muss - koste es, was es wolle.


Gast: mir reichts
11.04.2012 09:14
4 1

xxx

wie lang wirds dauern, bis man den auftraggebern melden kann: mission erfüllt. europa zer+stört.

Gast: smilefile
11.04.2012 07:52
3 1

Schön langsam,...



kristallisiert sich die wahre Fratze der Union,...es wird eine Zentralregierung mit Bundesstaaten,...

Und das war mit Einführung des Euro von Anbeginn geplant,...

Gast: quoVadis
11.04.2012 07:27
7 0

erst die Schulden, jetzt die Arbeitslosigkeit und

. . . dann die Umverteilung zum Superstaat.
Eine Politik ohne Kohäsion, Gemeinsamkeiten und Auftrag; eine Diktatur welche dem Kapitalismus und freien Markt frönt.
Europa muss zurück in die Landeswährungen.
Weg mit dem Sumpf der Pfründe- und Privilegienwirtschaft
. . . für eine christliche Arbeiterbewegung, eine Familienpartei für soziale Gerechtigkeit. Persönlichkeitswahlrecht.
anyway
http://www.aktion21.at/index.html?menu=182&id=1342#comments

Gast: Jose Maria Sanchez
11.04.2012 02:04
0 0

Outdated

"Trotzdem bleibt der Arbeitsmarkt so stark reguliert wie kaum wo auf der Welt." Seit zwei Monate hat Spanien eine neue radikale pro-business Arbeitsmarkregulierung (vielleicht zu radikale). Jil hätte es gerade erfahren sollen.

Gast: Petrus W. Buchholz
11.04.2012 01:18
1 0

Vergleichen

Man muss vergleichen zu urteilen. Was für ein Schuldenbelastung hat Österreich, gemeinsam mit den Schulden der Regionen und den staatlichen Garantien für verschuldete Staatsbetriebe? Überraschung. Höher als die von Spanien?

"Trotz aller Einsparungen explodiert die Schuldenlast weiter"

"Die grösste Beschränktheit der menschlichen Spezies ist ihre Unfähigkeit, die Exponentialfunktion zu verstehen."
[A. Bartlett]

0 0

Re: "Trotz aller Einsparungen explodiert die Schuldenlast weiter"

stimmt, denn bei gleichbleibendem exponenten (zinssatz) handelt es sich bei der typischen zinseszinsverschuldung um keine exponentialfunktion.

Re: Re: "Trotz aller Einsparungen explodiert die Schuldenlast weiter"

Deshalb steigt ja auch der Zinssatz (="Risikoaufschlag") mit dem Grad der Verschuldung (wie man an der jeweiligen Höhe der Anleihenkupons auch innerhalb der EUR-Zone ablesen kann) - ein Selbstläufer.

keine exponentialfunktion

Das ist kleinlich ;-)

Gast: trader1
10.04.2012 22:30
0 0

denksportaufgaben

leichte denksportaufgabe : schlecht für den euro ?
schwerere denksportaufgabe: wie kann man sich auf das was passieren wird, einstellen ?
.. die lösung steht im wirtschaftsteil in der heutigen presse :-)

Alles wie immer.

Bei Bildung und Gesundheit muss gekürzt werden, für Banken ist keine Summe zu hoch...

http://www.banken-in-die-schranken.at

Es ist also wenig verwunderlich, dass der Internationale Bankenverband IIF eine Vergrößerung der „Brandmauer“ für Europa fordert

In der Tat: Wenig verwunderlich

Gast: downtoground
10.04.2012 21:46
0 0

Ein paar Monate

haben wir noch Zeit bis ... Ja, was tun wir dann? Ausser reden ... Diesmal Spanien Geld zu horrenden Zinsen borgen? Sorry, wir wollen doch retten, oder? Ist doch alles Sch ... Spanien ist hoch verschuldet, spart am falschen Ende/Anfang, hebt die Steuern an, zermürbt die schon klein gewordene Mittelschicht noch mehr, Verkauf von Immobilien geht ab 1.Mai auf 10% statt wie visher von 7%, sehr logisch ... der Immobilienmarkt, von dem Spanien teilweise abhängt wir dadurch angeregt, klar, dream on ....
Lösung? Hm, Nord-Südachse, Hilfsgelder ohne Zinsen für drei Jahre. Vielleicht hat dann Spanien noch eine Chance, wenn auch eine sehr kleine. Aber Europa so wie es jetzt ist ... wohl nicht. Lo siento mucho pero lo veo casi imposible.

Krieg mit anderen Mitteln

Leider nutzen diese Artikel nichts.
Eine Lösung bei allen Themen kann nur sein, die Bevölkerung möglchst gut auszubilden, die Gesundheitsversorgung hoch zu halten, um die Arbeitskraft abzusichern.
Was sicher nicht hilft, aber gerne getan wird sind doppelt und dreifache Infrastrukturprojekte, die wenig Zusatznutzen stiften, aber eine Industrie mit wenig Beschäftigungseffekt fördern. (Bau ist so ein Beispiel)
Energieimporte sollten so schnell als möglich substituiert werden.
Was aber von besonderer Bedeutung ist, politisch strategisch zu denken, auch wenn das immer schwerer wird, je später damit begonnen wird.

www.europa-heute.com

Die Krise war nie weg

So langsam kommen auch die großen Medien auf den Trichter, dass die Eurokrise noch voll im Gange ist.

Das konnte man in den letzten Wochen, zusammen mit steigenden Börsen, glatt vergessen. Jetzt auf einmal besinnt man sich wieder auf die wirklichen Probleme.

Die Krise war nie weg: http://www.krisenblick.de/

Man muss nur darüber berichten.

Gast: pleiti
10.04.2012 20:43
1 1

Spanien nicht mehr zu retten - Euro fällt

Der Target 2 Saldo beträgt im Feb. -211 Milliarden. Die Banken rinnen in Richtung Deutschland aus. Der Tartget 2 Saldo beträgt dort im März +615 Milliarden. Der EURO ist eine Fehlkonstruktion. Alles nachzulesen in
www.querschuesse.de . Die Deutsche Bundesbank sitzt auf wertlosen Forderungen gegenüber den südlichen Notenbanken ohne Sicherheiten. Die EZB haftet zwar dafür. Sie kann ausser Geld drucken nichts mehr machen.
Der EURO ist offensichtlich in der Endphase.

Was jetzt kommt ist eine hohe Inflation und eine Flucht in Sachwerte. Ein Umstieg in Gold und Sachwerte scheint die richtige Strategie zu sein.
Italien hat im März einen negativen Target 2 Saldo von 270 Milliarden. Auch dort rinnen die Banken aus.

Das Endspiel Euro ist nicht mehr aufzuhalten.
Da hilft auch kein Rettungsfonds mehr.

Re: Spanien nicht mehr zu retten - Euro fällt

wenn du deine Infos von dieser Seite hast und diese unkommentiert und unreflektiert für wahr nimmst, tust du mir leid. so findest du etwa zum Thema Schusswaffen in den USA fast ausschließlich von der Waffenlobby in Auftrag gegebene und von Waffenproduzenten finanzierte Studien! Die sind genauso wahr und ehrlich, wie von Global 2000 finanzierte Studien zum Klimawandel. Habe mich bezüglich deines Postings nur kurz durchgeglickt, ist nicht schwer die Finanzierer "interessanter" Ergebnisse zu eruieren. Versuchs mal selbst, dann verstehst du höchstwahrscheinlich meine Skepsis!

Da gibt es wieder enorme Gewinnchancen für Österreich!!!

Fekter wird sich wieder dafür stark machen, dass wir den Spaniern ein paar Milliarden leihen, welche wird dann hoch verzinst zurück bekommen, genauso wie sie es mit Griechenland gemacht hat.

Fekter hat da ein echtes Perpetuum Mobile der Staatsfinanz erfunden!

"Austria is too small for Fekter", Sie müsste EU.Wirtschaftkommissar werden.

Gast: technomane
10.04.2012 20:24
1 0

wo bleibt bruessel

spanien, portugal, griechenland,..die eu. Wann wachen die Herren in Bruessel auf.Dieser Eu wirtschaftsraum kann nur gerettet werden wenn laender wie china kein weiteres

Lohndumping
Rohstoffdumping
Waehrungsdumping betreibe

Bitte agieren sie, import zoelle, waehrungsabschlaege, importverbote fuer rohstoffe...

Antworten Gast: Bärenfalle...
11.04.2012 06:53
0 0

Re: wo bleibt bruessel

Na da würde die Verbrauchspreisinflation schlagartig durch die Decke schießen wenn nicht mehr der Großteil unseres Konsums durch chinesische Billiglöhner produziert würde.

Dies umfasst natürlich auch Vorprodukte welche zur Erzeugung der Waren im Miniwarenkorb benötigt werden (also ohne iPhones und Flachbildschirme)

Vom Folientunnel für den Salatkopf, das Kugellager in der Brotteigmaschine bis zum Zitzengummi der Melkmaschine.

Da hat man dann statt 9% Inflation im Mini-Warenkorb dann plötzlich 39% (ungefähr)

Deswegen wird ihr Vorschlag nicht passieren denn:

a) die Politik hat ein Problem wenn die Preise explodieren

b) die Banken hätten Erklärungsbedarf wie das denn mit dem funny money so funktioniert und wieso plötzlich soviel davon rumschwirrt (natürlich nicht in den Brieftaschen der Verbraucher)


Gast: Steuersubstrat
10.04.2012 18:15
2 0

Spanien ist gefallen..

Die Zinsen sind ja nur noch nicht in die Decke geschossen weil der Markt wieder eine alternativlose Geldspritze der EZB erwartet. Der ESM wird vor dem 1. Juni kommen und die sozialistische Enteignung ohne Rechtsgrundlage wird als "hochprofitable" Rettung Europas gefeiert. Die sogenannten Reformen sind in Wahrheit nicht umsetzbar und existieren mehr oder weniger nur auf dem Papier. Aber es sind schlagende Argumente für den Erhalt der Hilfsgelder. Barroso wird nun wieder seine "Freunde" besuchen und ihnen die Brieftaschen klauen. Die Pleitestaaten sollten sich beeilen Insolvenz anzumelden da den letzten die Hunde beissen. Dem Bürger Geld stehlen können diese EU Beamte hervorragend aber eine Bank geordnet in die Insolvenz schicken haben sie seit 2007 nicht geschafft. Das ist Arbeitsverweigerung. Des weiteren haben die Bürger Europas auch ein Recht dass nur fähige und gesunde (fitness) Politiker ihr Amt ausführen. Bei aller Anteilnahme ihrer Problemzonen Herr Juncker aber ein mit blutdrucksenkenden Medikamenten geschwängerter Politiker entscheidet über das Schicksal Europas? Das ist nicht hinnehmbar!!!

 
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