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Spanien kämpft ums Überleben: „Kreditlast stranguliert das Land“

12.04.2012 | 17:14 |  von unserem Korrespondenten Ralph Schulze (Die Presse)

Spanien kämpft mit aller Macht um seinen angekratzten Ruf. Das jüngste Vertrauenssignal an Europa und die Finanzwelt ist der Beschluss einer Schuldenbremse. Sie soll ab 2020 das hohe Defizit in Spanien stoppen.

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Madrid. Spanien kämpft mit aller Macht um seinen angekratzten Ruf als verlässlicher EU-Partner. Und gegen wachsende internationale Sorgen, dass das schlingernde Euro-Schuldenland es vielleicht doch nicht schaffen könnte, aus eigener Kraft aus der tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise zu kommen. Der konservative Regierungschef Mariano Rajoy wies Befürchtungen, dass nach Griechenland, Irland und Portugal auch Spanien vom Eurofonds gerettet werden müsse, energisch zurück: „Das ist nicht der Fall, und es wird auch in der Zukunft nicht so sein.“

Zugleich warnte Spaniens Ministerpräsident davor, dass die schwere Kreditlast durch den riesigen Schuldenberg „das Land stranguliert“. Rajoy: „Wir müssen unbedingt aus diesem Teufelskreis heraus.“ Spanien muss heuer 29 Milliarden Euro für die Kredittilgung aufbringen – das ist der zweitgrößte Haushaltsposten nach den Ausgaben für Renten und Arbeitslosenunterstützung.

Spanien hatte es 2011 nicht geschafft, sein Haushaltsdefizit, wie versprochen, deutlich zu senken. Statt der angestrebten sechs Prozent Neuverschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), landete das Land bei einem Minus von 8,5 Prozent. Das Loch könnte noch tiefer werden, da Regionen und Kommunen viele Milliarden an unbezahlten Rechnungen vor sich herschieben, etliche Rathäuser sind kurz vor der Pleite.

Mit massiven Sparpaketen und Reformen versucht Spanien seit Monaten, seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen und die Unruhe an den Finanzmärkten zu besänftigen. Das jüngste Vertrauenssignal an Europa und die Finanzwelt ist der Beschluss einer radikalen Schuldenbremse. Damit wird der Regierung, den Regionen und Kommunen die Aufnahme neuer Schulden ganz verboten – wenn auch erst von 2020 an. „Wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen“, mahnte Rajoy.

Arbeitslosigkeit bei 24 Prozent

Zuvor hatte Rajoy ein Anti-Krisen-Paket durchgepeitscht, das Rekordeinsparungen und Sondereinnahmen (vor allem aus Steuererhöhungen) von 27 Milliarden vorsieht. Überall wird die Axt angesetzt. Sogar in so wichtigen Bereichen wie Bildung, Forschung, Gesundheit, Jugend, Altenpflege, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsförderung. Auch Bauern und Beamte müssen kürzertreten. Regionen und Kommunen bürden den Bürgern weitere Lasten auf: Nahverkehr, Müllabfuhr, Schul- und Kindergarten werden teurer.

Geholfen haben die Reformversprechen bisher wenig, um die internationalen Sorgen zu dämpfen. Auch weil sich die Finanzmärkte an nüchternen Zahlen orientieren. Diese sprechen nach vier Jahren Krise nicht für eine Besserung in Spanien. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter und wird demnächst die 24-Prozent-Marke überspringen, die Wirtschaftsleistung schrumpft heuer um geschätzt 1,7 Prozent – und die Schuldenkrise scheint außer Kontrolle.

Vor allem deswegen klettern die Risikoprämien, die Spanien für frisches Geld an den Finanzmärkten bezahlen muss: Zehnjährige spanische Kreditanleihen werden mit knapp sechs Prozent Zinsen gehandelt, drei Mal mehr, als für deutsche Bundesanleihen verlangt wird. Die Aufnahme milliardenschwerer Staatskredite, ohne welche das Königreich seine laufenden Kosten nicht mehr bezahlen kann, engt Spaniens Handlungsspielraum ein. „Die Lage“, räumt Rajoy mit der ihm eigenen Trockenheit ein, „ist sehr schwierig.“

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4 Kommentare
Gast: Petrus W. Buchholz
13.04.2012 12:10
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Prognosen?

Sagt guesto, "in Nicht-Systemmedien (also ausserhalb der Eurozone) wird Spanien ohnehin als neues Griechenland gehandelt". Wer sagt das? Geschichte hat zu viele Beispiele von namenlosen, oft voreingenommenen "Prognosen".

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Rajoy

hat allein diese woche ca. 44mal festgestellt, dass Spanien keinen Bailout brauchen wird, ja gar nicht haben kann, da sein Land leider zu gross wäre für ESM & Konsorten. Rhabarber, Rhabarber.....

Ein netter Wink mit dem Zaunpfahl....
Ich wette 10:1, dass innert 6 Monaten der ESM auf 2 oder sogar 3 Billionen erweitert wird....

In Nicht-Systemmedien (also ausserhalb der Eurozone) wird Spanien ohnehin als neues Griechenland gehandelt. Dazu passt ja auch der Satz „Kreditlast stranguliert das Land“ sehr gut. Der nicht ausgesprochene, nur laut gedachte Nebensatz dazu lautet natürlich ", und deshalb brauchen wir einen Schuldenschnitt".

Gast: Jose Sanchez
13.04.2012 02:08
1 1

Nicht so ausser Kontrolle

Die Schuldenlast von Spaniens Staat is niedrieger als die von Österreich, und die staatliche angestrebten Neuverschuldung wurde in 2011 erreicht. Das Problem sind die Regionen, deren Verschuldung in 2011 ausser Kontrolle war. Gerade in 2011 eine Verfassungsreform wurde gebillig (vereinbart von die zwei Hauptparteien: die Sozialisten, damals in der Regierung, und die Volkspartei, jetzt in der Regierung), damit der Staat die Neuverschuldung von Regionen gesetzlich zwingend kontrollieren kann. Diese Verfassungsreform wird jetzt angewandt.

Spanien muss heuer 29 Milliarden Euro für die Kredittilgung aufbringen – das ist der zweitgrößte Haushaltsposten nach den Ausgaben für Renten und Arbeitslosenunterstützung

2020 ist früh genug. 1/4 arbeitslos, 6% Zinsen p.a., Rezession
Welche Zahlen müssen jetzt bitte noch auf den Tisch, um diese Währungsunion aufzuwecken? Spanien (und die Folgen) ist deutlich zu schwer für den "Rettungsschirm", die vorgelegten Zahlen lassen Spekulation auf Heilung als grob fahrlässig erscheinen.

Ich habe keine Lust auf Schwarzmalerei, aber kann mir bitte irgendjemand, der etwas davon versteht, durchargumentieren, wie das realistisch noch gutgehen kann? (aber bitte nicht "alternativlos", d.h. ich will nicht wissen, warum *was anderes* nicht funktioniert - ich will wissen, wie *das* funktionieren kann).

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