25.05.2013 18:31 Merkliste 0

IWF warnt vor neuer Kreditkrise in Europa

18.04.2012 | 17:12 |   (DiePresse.com)

Der IWF warnt vor einem Einbruch der Kreditvergabe und einem Fallen des Wirtschaftswachstums.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor einer neuen Kreditkrise in Europa mit möglichen weltweiten Folgen gewarnt. Es bestehe die Gefahr, dass europäische Banken in den kommenden Jahren ihre Bilanzen zu schnell verkürzen und dadurch die gesamte Kreditvergabe deutlich einschränken, sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, Jose Vinals, am Mittwoch in Washington.

Im schlimmsten Szenario mit einem neuen Schock auf dem Finanzmarkt könne die Kreditvergabe bis Ende 2013 um 4,4 Prozent sinken, wodurch das Wirtschaftswachstum um 1,4 Prozent fallen würde. Die europäischen Gesetzgeber könnten das aber durch eine Fortsetzung ihres derzeitigen Reformkurses verhindern. Ohne weitere Turbulenzen gehe die Vergabe um 1,7 Prozent zurück - mit weiteren Reformen sogar nur um 0,6 Prozent. Letztere Werte seien durchaus im Bereich einer vernünftigen Entschuldung im Bankensektor, so der IWF.

Bereits die jüngsten politischen Manöver im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise hätten für eine größere Entspannung auf den Finanzmärkten gesorgt. Nach Ausweitung der Rettungsschirme für die Eurozone seien Risikoaufschläge für Staatsanleihen gesunken, Kreditmärkte hätten sich geöffnet und an den Börsen sei es bergauf gegangen, heißt es im neuen IWF-Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, der am Mittwoch in Washington vorgelegt wurde. Aber "es ist zu früh um zu sagen, dass wir aus der Krise sind", so Vinals.

Hinzu kommt, dass die Analyse des IWF-Berichts ist nicht mehr ganz aktuell ist. Wegen Sorgen um Spanien hatten die Renditen der Staatspapiere von Euro-Schuldensündern zuletzt wieder angezogen. Außerdem machen die meisten Experten nicht allein die zuletzt stark vergrößerten Schutzschirme, sondern vor allem die Flutung des Bankenmarktes mit günstigen Krediten durch die Europäische Zentralbank (EZB) für die Entspannung im ersten Quartal verantwortlich.

"EZB kann Strukturreform nicht ersetzen"

Die Zentralbank habe einen bedeutenden Beitrag zur Entspannung geleistet, sagte Vinals. Aber sie könne Strukturreformen durch die europäischen Politiker nicht ersetzen. Sie müssten "Investoren eine klare Vision aufzeigen, wohin sich Europa bewegt", um das Vertrauen der Märkte zu festigen. Für echte Stabilität und Zuversicht müsse dem aktuellen Krisenmanagement der 17 Eurostaaten ein Plan zur mutigen finanziellen und fiskalen Integration der Wirtschafts- und Währungsunion folgen. Eine stärkere gemeinsame Aufsicht über das Bankensystem etwa würde die Gefahren deutlich eindämmen.

Ungewiss machen die Lage nach IWF-Einschätzung auch die hohen Staatsschulden in vielen Ländern. Die im Vergleich zur Wirtschaftsleistung stark in den roten Zahlen stehenden USA und Japan etwa hätten keine verlässlichen Pläne für den mittelfristigen Defizitabbau. In Europa müsse der Kampf gegen die Schulden zudem besonders bedacht angegangen werden, um das ohnehin schwache Wachstum nicht zu gefährden. "Die Finanzkrise und Sorgen über Staatsschulden in einigen Ländern haben Investoren daran erinnert, dass keine Anlage als vollkommen risikolos angesehen werden kann", resümiert der IWF.

 

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

2 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
19.04.2012 11:23
0 0

Was, wenn die Banken die Bilanzsumme durch Abgabe der Staatsanleihen verkürzen?

Das Volumen von Eurostaatsanleihen beträgt doch schon um die 10.000 Mrd. Euro und stellt die größte Gefahr im Finanzsystem dar. Es sind auch die Papiere mit welchen am Heftigsten gezockt werden. Eigentlich haben die irren Staatsschulden erst das irre Bankensystem geschaffen und so ein 2. Monster für die Gesellschaft ins Leben gerufen.

Eine bessere Aufsicht der Politik über das Bankensystem würde doch nur die beiden Monster noch weiter anwachsen lassen. Es ist ja heute schon so, dass die Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital, auch nicht zu 1%, unterlegt werden müssen. Das, obwohl keinerlei Sicherheiten (außer EZB Geldschöpfung) vorhanden sind.

Ein Wirtschaftswachstum, welches nur auf Schulden basiert ist doch wie ein Luftschloss und wird daher langfristig nicht funktionieren können. Eine Eigenkapitalunterlegung von min. 30%, wie es auch früher üblich war, das wäre doch eine Grundvoraussetzung.

Die Angst wegen der fehlenden Kreditvergabe sehe ich an die Realwirtschaft überhaupt nicht. Die Banken suchen heute doch schon aktiv Kunden, welche vernünftige Projekte zum Finanzieren haben, die Realzinsen sind schon negativ. So billig war es noch nie, wahrscheinlich auch, weil die Nachfrage aus der Realwirtschaft so gering ist wie noch nie.

Kredite wollen doch nur noch die geschützten Bereiche, weil die sich selber Luftschlösser bauen. Die Banken wollen das auch, weil es Einnahmen bedeutet. 1% von der EZB und 4-5% aus ESP und I sind doch ein tolles Geschäft, oder?

Gast: Faymarx und Spindelenin
18.04.2012 19:10
0 0

Wo aber doch F&S durch ihre "gute Politik" die Krise in Österreich und Europa beenden konnten...

So steht es in den Zeitungen.

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...