26.05.2013 09:12 Merkliste 0

Spanien: Teures Schuldenmachen

17.05.2012 | 16:56 |   (Die Presse)

Die Griechenland-Krise schwappt auf Spanien über. Auf dem Sekundärmarkt stieg der Renditeabstand zu Deutschland auf einen neuen Rekordwert. Am Mittwoch sprang die Zinsdifferenz auf über fünf Prozentpunkte.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Frankfurt/Ag. Spanien hat sich am Donnerstag wieder frisches Geld an den Anleihemärkten geholt. Durch die Auktion von drei Schuldverschreibungen, die 2015 und 2016 fällig werden, flossen 2,49 Mrd. Euro in die Staatskasse, wie die spanische Schuldenagentur mitteilte. Damit wurde das Maximalziel von 2,5 Mrd. Euro nur knapp verfehlt. Spanien hat nun mehr als die Hälfte seiner für 2012 avisierten Finanzierung abgeschlossen.

Doch die Zinsen, die das schuldengeplagte Land bieten muss, ziehen immer weiter an – und das weckt Zweifel über die nachhaltige Refinanzierungsfähigkeit. Um Spanien bis 2015 Geld zu borgen, verlangten Investoren Renditen zwischen 4,375 und 4,876 Prozent. Bei den letzten vergleichbaren Auktionen im April und Mai lagen diese Werte noch bei 2,89 beziehungsweise 4,037 Prozent. Bei einem weiteren Titel mit Laufzeit bis 2016 kletterten die Renditen gegenüber März von 3,374 auf 5,106 Prozent.

Deutschland als sicherer Hafen

Die Angst, dass die Griechenland-Krise auf Spanien überschwappen könnte, wächst: Auf dem Sekundärmarkt hatten die Risikoaufschläge für spanische Papiere gegenüber deutschen in den vergangenen Tagen neue Rekordstände erreicht. Am Mittwoch sprang die Zinsdifferenz auf über fünf Prozentpunkte, inzwischen ist sie wieder ein wenig gesunken. Am Donnerstagnachmittag verlangten Käufer für zehnjährige spanische Anleihen 6,29 Prozent, um 0,05 Prozentpunkte mehr als am Vortag. Das ist zwar kein Rekordhoch (im vierten Quartal des Vorjahres war die Rendite noch höher), doch die Unterschiede zwischen den europäischen Ländern werden immer größer.

vergrößern

Die Renditen für deutsche Anleihen rutschten auf ein neues Rekordtief: Am Donnerstag betrugen sie zeitweise 1,43 Prozent. Doch nicht nur auf dem Sekundärmarkt gehen die Preise für deutsche Bundesanleihen nach oben: Am Mittwoch hatte Deutschland zehnjährige Anleihen mit einer Rendite von 1,47 Prozent platziert – auch das ist ein neues Rekordtief. Angesichts der Sorgen um eine Verschärfung der Schuldenkrise im Euroraum waren die Papiere als sicherer Hafen gefragt.

Zum Vergleich: Die Rendite für zehnjährige österreichische Papiere betrug auf dem Sekundärmarkt zuletzt 2,49 Prozent.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
Gast: LegendIn
17.05.2012 23:07
1 0

Der EURO kann niemals funktionieren!

Man möge sich erinnern:

Zu Beginn des Euro gab es einen Stabilitätspakt. Und dieser Pakt wurde bald darauf reihum nicht eingehalten.

Das führte zur strukturellen Überschuldung vieler EURO-Länder, welche mit der Bankenkrise 2008 schlagartig voll sichtbar wurde.

Die einzige logische Antwort wäre radikales Kürzen der AUsgaben (fälschlich sparen genannt, aber kein einziges Land spart im SInne von Überschuss erwirtschaftebn) und bereinigen der strukturellen Perv ersitäten: sprich Entlassung der vielen hunderttausend unnötigen Beamten und Staatsbediensteten, Kürzung der überhöhten Pensionen, Anhebung der Pensionsalter, Kürzung nicht wettbewerbsfähig hoher Löhne usw. usw.

Aber was passiert? Es werden wieder populistische Kasperl-Politiker a la Hollande gewählt und der alte Wahnsinn des Schuldenmachens geht fröhlich weiter, beklatscht von all den sich verschämt "keynesianer" nennenden Sozialisten aller Parteien, welche niemals zugeben könnten, dass sie mit ihrer unbekümmerten Schuldenpolitik ganz Europa an den Rand der Pleite geführt haben.

Und so werden die Märchen vom "Kaputtsparen" gebetet, der "Kapitalismus" für tot erklärt (gibt es eine höhere Form des Kapitalismus als jahrzehntelang auf Schulden unverdienten Wohlstand zu erkaufen?) Und die mittlerweile nach 40 Jahren angewandten Sozialismus wirtschaftlich zu absoluten Analphabetten gewordenen Durchschnittsbürger glauben diesen Unsinn.

Bestes Beispiel Griechenland: 90% wollen im EURO bleiben, aber 80% wollen nicht ausgaben kürzen und reformieren!

Und so kann sich Europa vor dem Hintergrund der Globalisierung und seiner Selbstfesselung mittels gutmensch- und -natürlichen Auswüchsen darauf einstellen, bald zum Armenhaus der westlichen Welt zu werden.

gibt es eine höhere Form des Kapitalismus als jahrzehntelang auf Schulden unverdienten Wohlstand zu erkaufen?

Sie haben das Problem erkannt. Ob links oder neoliberal oder sonstwas. *Alle* Glaubensrichtungen haben die gemeinsame Basis von Gier und Neid.
Du hast, gib her.

Deshalb ist´s mir auch reichlich wurscht, woran Experten glauben. Aber dass es damit, sich für laufende Ausgaben zu verschulden, nicht geht, sollte jetzt wohl auch für den Stursten ausreichend bewiesen sein.
Was nicht heisst, dass wir in AT an diesen Beispielen wirklich lernen. Mag sein, das wir Wert darauf legen, einschlägige Erfahrungen selbst zu machen. Sollte es dazu kommen wäre wenigstens ein weiterer Beweis erbracht: Es gibt kein intelligentes Leben in diesem Land.

Abschusskandidat

Spanien wird wohl der nächste Abschusskandidat sein. 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, 25 Prozent im Bevölkerungsdurchschnitt, hoffnungslos verschuldet, und so gut wie kein Wirtschaftswachstum. Wenn die Spanier ebenso absacken, wie die Griechen, könnte das schon das Ende der Währungsunion einläuten. Die schwächelnde EU kann es sich nicht leisten, neben Griechenland, einen weiteren Staat mit hunderten Milliarden Subventionen durchzufüttern. Und das auf Jahrzehnte hinaus. Und wer weiß, wie es mit Italien weitergeht ...
Vermutlich wird noch, um des Machterhalts Willen, der verbliebene Wohlstand der übrigen Mitgliedsländer verbrannt, bevor das bittere Ende kommt.

Gast: pleiti
17.05.2012 18:36
2 0

Target 2 Saldo Ende April 302 Mrd

Wie dramatisch die Situation in Spanien ist, zeigt der Target 2 Saldo Ende April mit 302 Mrd. minus. Da gibt es eine riesige Kapitalflucht.

Rund 1800 Gesamtauslandsschulden, 24,4 % Arbeitslosigkeit, 3,5 % negative Leistungsbilanz, 6 Millionen leerstehende Immobilien usw.

In Spanien wird das Ende des Euros stattfinden. Zuerst werden noch die Deutschen ausgeplündert und dann wird Spanien pleite gehen.

Zurück bleibt ein Schuldenberg für den wir aufkommen müssen.

Mit ihrer sturen Kaputtsparhaltung führt Angela Merkel den Euro und die Eu in den Abgrund.

Leider versteht das unsere Regierung nicht.


Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...