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Kapitalflucht: Angst vor griechischem „Bank Run“

17.05.2012 | 17:04 |   (Die Presse)

Immer mehr Griechen plündern ihre Bankkonten. Sie fürchten sich vor einer Wiedereinführung der Drachme, was einen rapiden Wertverlust ihrer Einlagen zur Folge hätte. Auch von der EZB bekommen Banken kein Geld mehr.

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Wien/Ag./Weber. Angesichts der politischen Krise ihres Landes verlieren immer mehr Griechen das Vertrauen in ihr Finanzsystem. Am Montag sollen sie zwischen 700 und 800 Millionen Euro von ihren Konten abgezogen haben. Nach Angaben von zwei griechischen Banken erreichten die Abflüsse am Tag darauf dasselbe Niveau. Offenbar fürchten die Griechen eine Wiedereinführung der Drachme, was einen rapiden Wertverlust ihrer Einlagen zur Folge hätte.

Zwar kämpfen die griechischen Geldhäuser schon seit der Verschärfung der Krise im Jahr 2009 mit einem steten Abfluss von Kapital ins Ausland. Seit Anfang 2010 haben sich die Einlagen der privaten Haushalte bei den Banken von 195 auf 140 Mrd. Euro im März 2012 reduziert. Derart hohe Summen innerhalb weniger Tage sind aber ungewöhnlich. Auch wenn von einem klassischen „Bank Run“ mit langen Schlangen vor den Kassenschaltern noch nichts zu spüren ist, warnt die griechische Zentralbank vor einer Panik.

Seitdem alle Versuche zur Regierungsbildung gescheitert sind, ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Griechenland die Eurozone verlassen wird. Bei den Neuwahlen am 17. Juni könnten radikale Kräfte die Oberhand gewinnen, die dem Sparkurs ein Ende setzen und das Land in den Bankrott führen könnten. Diese Gefahr belastete auch den Euro: Die Gemeinschaftswährung fiel sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag zeitweise unter die Marke von 1,27 Dollar.

Geld wird zu Hause gebunkert

Vermögende Griechen haben ihr Geld schon länger in Sicherheit gebracht, etwa in die Schweiz. Seitdem die beiden Länder aber ein Steuerabkommen ähnlich jenem zwischen Österreich und der Schweiz verhandeln, haben sie begonnen, sicherere Domizile für ihr Vermögen zu suchen. Griechische Sparer bunkern ihr Vermögen zu Hause. Ein Teil dürfte aber auch in die Nachbarländer fließen: Bei der bulgarischen Bank-Austria-Tochter Bulbank gebe es vermehrt Kundenanfragen aus Griechenland, sagte ein Sprecher des Instituts.

Schlechte Nachrichten für Griechenlands Banken kamen am Mittwoch auch aus Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte an, einige der angeschlagenen Institute nicht mehr zu refinanzieren. Dadurch will die Notenbank ihr Risiko begrenzen. Den betroffenen Banken stehen noch die Liquiditätshilfen der griechischen Notenbank zur Verfügung. Nach den aktuellsten Daten stellte die EZB per Ende Jänner rund 73 Mrd. Euro als Nothilfe zur Verfügung, die griechische Zentralbank rund 54 Mrd. Euro. Dieser zweite Posten dürfte in Zukunft steigen.

„Sobald die Rekapitalisierung abgeschlossen ist, was unserer Einschätzung nach bald sein wird, werden die Banken wieder Zugang zu den Refinanzierungsoperationen des Eurosystems erhalten“, teilte die Zentralbank mit.

Abflüsse auch in Spanien

Bei einer Rede in Frankfurt erklärte EZB-Chef Mario Draghi, man werde Griechenland nicht um jeden Preis in der Eurozone halten: „Die EZB wird bei ihren Prinzipien keine Kompromisse eingehen, um Griechenland in der Eurozone zu halten“, erklärte Draghi. Obwohl er klarmachte, dass er einen Verbleib Griechenlands im Euro präferiere, ist es seine bisher klarste Aussage zu einem möglichen Euroaustritt des Landes.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat dieses Szenario nach Angaben seiner Chefin, Christine Lagarde, bereits durchgerechnet. In einem Interview mit dem niederländischen Fernsehen warnte sie, dass dieser Schritt „extrem teuer und das nicht nur in Griechenland“ wäre. Ein Austritt des Landes aus dem Euro sei nicht ihre Hoffnung, aber man müsse sich auf das Schlimmste vorbereiten.

Auch in Spanien machen sich die Sparer mittlerweile Sorgen um ihre Banken: Die seit Kurzem verstaatlichte Bankia verzeichnete in der vergangenen Woche Abflüsse von einer Milliarde Euro. Dies entspreche in etwa einem Prozent der Einlagen, heißt es in einem Bericht der Zeitung „El Mundo“. Demnach sei der schnelle Abfluss von Geldern, der schon seit Längerem anhält, ein Grund für die Verstaatlichung des Instituts gewesen.

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30 Kommentare
 
12

Da helfen Artikel wie in dieser Zeitung zum Beispiel

noch dazu die Panik zu verstärken!

Gast: unbeteiligter
18.05.2012 08:48
1 0

Tja das Endspiel für Eu und Euro ...l

laufen.

Fragt sich nur noch welches Land die Eu bonzen nach dem crash aufnehmen wird.

0 0

Re: Tja das Endspiel für Eu und Euro ...l

Teppichland - als Vorleger.

Spannende Unfähigkeit

Wo sind die nationalen griechischen Politiker, die die Verantwortung übernehmen und die Reste der griechischen Volkswirtschaft vor die Hunde gehen lassen ?

Das ist das Ergebnis wenn Populisten ohne Mittel Politik betreiben.



Re: ansehen

ein sehr wertvoller Link für EU-Reife/Kritische-Interessenten, die sich informieren und formieren wollen!
Danke!

1 3

Re: ansehen - was?

. . . ein Kommentar sollte kurz und bündig sagen, worum's geht.
Bei Interesse wird man auch weiterlesen etc..

Re: Re: ansehen - was?

Wenn man E*SM erwähnt, dann wird der Kommentar mitsamt Link gelöscht.
Daher wählte ich die Schlichtheit.

4 0

Was heißt da reißerisch plündern ???

Wenn die Menschen ihr Geld von der Bank holen ? was soll da die populistische Schlagzeile,ist ja schon so schlimm wie beim Schmierblatt "Österreich"

Gast: Joes World
17.05.2012 19:58
6 1

Die Weltkriege sind auch nicht von einem Tag auf den anderen ausgebrochen. Sie haben sich über Jahre davor angekündigt. Zumindest für die, die denken konnten und sehen wollten. Hermann Hesse war einer der Warner, aber zu wenige wollten hören oder verstehen.


So ähnlich scheint es hier mit einer kommenden Wirtschaftskrise zu laufen, die sich gewaschen haben wird. Und auch wenn die Gräuel des 2. Weltkrieges mit nichts zu vergleichen sind, so könnte in Folge der sich anbahnenden wirtschaftlichen Katastrophe auch die soziale Ordnung Europas schwer beschädigt werden. Um es vorsichtig auszudrücken.

Ein Alarmzeichen dafür, ist die Art und Weise wie die Politik mit der sich anbahnenden Katastrophe umgeht. Zwischen klein reden und beruhigen hört man ganz klar heraus, dass die Regierenden nicht weiter wissen. Sowohl auf europäischer Ebene, als auch in Österreich.

Als Österreicher kann man nur der eigenen Regierung und dem Schweigepräsidenten mahnend zurufen, uns nicht länger mit vorgeschobenen Pimpifaxthemen abzulenken, die von ORF bis zu den instrumentalisierten Boulevardblättern gepushed werden. Denn Politiker wurden nicht gewählt, um der Bevölkerung unentwegt Sand in die Augen zu streuen. Sie haben die Bevölkerung aufzuklären, wohin die Reise geht und wie sie diese Reise gestalten wollen. Und wenn sie nicht weiter wissen, dann ist auch dies der Bevölkerung zu vermitteln.

Etwas sollte allen klar sein: Probleme löst man nur, wenn man sie auch ernst nimmt. Und sich ihnen mit seiner ganzen Energie stellt. Und nicht den Kopf bei der nächsten ORF Besetzung oder weiteren Inseraten hat. Oder seine Arbeitstage damit verbringt, wie man dem politischen Gegner am besten eines auswischen kann.

2 2

Re: Die Weltkriege sind auch nicht von einem Tag auf den anderen ausgebrochen. Sie haben sich über Jahre davor angekündigt. Zumindest für die, die denken konnten und sehen wollten. Hermann Hesse war einer der Warner, aber zu wenige wollten hören oder verstehen.

eine der klügsten, wenn auch inhaltlich viel zu zahmen, Beiträge in diesem Forum.

Chapeau!

Gast: Davidof
17.05.2012 19:55
0 0

Ich Hoffe die kaufen alle Aktien

Mit dem violence Geld koennen sie Kurse meiner Aktien befluegeln :)

2 3

Für mich ist der Gedanke unerträglich,...


das meine Steuergelder derzeit dazu dienen und weiter dienen werden eine EU Regierung ausschliesslich bestehend aus bankrotten Naz:is und Marxisten zu finanzieren.

Offensichtlich stelle ich eine verschwindende Minderheit dar - trotzdem werde ich, und wenn ich ganz allein dagegen stehe mich mit allen mir zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln wehren.

Das alles stört mich mehr als das finanzielle Desaster. Das kann man hinkriegen - aber eine solche undemokratische Regierung, aus beiden ultra-radikalen Ecken des möglichen Spektrums das Morbideste - da gibt es keine Gespächsbasis.


Antworten Gast: daswars
18.05.2012 09:37
2 0

Re: Für mich ist der Gedanke unerträglich,...

Diese Gedanken quaelen sicherlich auch sehr viele Griechen.

Aber denken Sie doch weiter. Wer kann sich jetzt mit den (noch) Radikalen anlegen und sie vorgreifend verurteilen?

Denn was haben die zwei Grossparteien, die so demokratisch tun und glauben das Salz der Erde zu sein, aus der Jahrtausendchance Griechenlands gemacht? Jeder Tag ein neues Verbrechen gegen das Volk, eine Pluenderungsorgie der Foerderungen und der oeffentl. Gelder bis hin zur Aufnahme dieser ungeheuren Schuldenberge. Die Zersplitterung des Volkes in Meine und die Anderen. Da darf ich an die "gruenen Kaffeehaeuser" erinnern, wo nur Sozis willkommen waren. Kultivierung des korrupten Staates usw. usw.

Schlimmer haette es kaum eine andere "Elite" machen koennen.

Eigentlich sind diese beiden Parteien voellig unwaehlbar geworden. Denn auch in den letzten 2 1/2 Jahren wurden zwar Arbeitnehmer und Rentner bis zum gehtnichtmehr geschroepft, aber von einer Bereinigung des bis aufs Mark korrupten Staates ist bis auf Feststellungen gewisser schreiender Untaten kaum etwas zu sehen.

Vielmehr wird gegen die EU gehetzt, besonders gegen Merkel und D. Das fuehrte dann dazu, dass z.B das Haus des Herrn Reichenbach in Berlin beschmiert und sein Auto abgefackelt wurde.

Ich bin nur froh, dass ich nicht in GR waehlen muss. Ich wuesste nicht, wen.

1 0

Re: Re: Für mich ist der Gedanke unerträglich,...

Da ist schon was drann...
Richtig!

Den Griechen geht es wie und - lauter übles penetrantes Gesocks und Wiederholungstäter, die auf dem Wahlzettel stehen..

0 0

den Griechen geht es wie UNS


Antworten Gast: Joes World
17.05.2012 19:59
0 0

Re: Für mich ist der Gedanke unerträglich,...


Völlig richtig.

Gast: Halbwissen
17.05.2012 19:27
0 0

Die laufen aber ganz schön langsam !


Griechenland...

...ist erst der Anfang. Spanien folgt als nächstes. Und das wird (mit dem ESM-Vertrag erst recht!) sehr teuer...

http://mmaier.bplaced.net/2012/05/nach-griechenland-folgt-spanien-der-dominoeffekt/

Antworten Gast: Halbwissen
17.05.2012 19:35
1 0

Re: Griechenland...

Mit oder ohne Vertrag wird es teuer !

Da alle Länder rund um die Exportweltmeister abwerten müssen.
Aber nicht um 5 Prozent.
Und zwar so lange bis jede Exportfabrik in die neuen Billiglohnländer verlegt ist.
Opel macht mit der Astraproduktionsverlegung nach England heute den Anfang.
Oder war der Anfang die Insolvenzwelle in der deutschen Solarindustrie ?
Cjina hat auch schon Exportprobleme.

Gast: 1. Parteiloser
17.05.2012 19:07
1 1

Die Griechen mach das, aus der persönlichen Sicht, auf jeden Fall richtig!

Wer die Währungskonvertierungen von Ländern zur Entschuldung betrachtet, der kann auch erkennen, dass diese staatlichen Konvertierungen immer zum Nachteil der Guthaben erfolgten. Anders wären, die notwendigen, Entschuldungen der Staaten ja auch niemals möglich gewesen.

Die Griechischen Sparer, auch wenn es Korruptionsgelder sein sollten, die müssen doch auf den Guthaben mit einem Wertverlust von etwa 50% rechnen (Abwertung der neuen Drachme, sollte diese notwendig werden). Die Reaktionen sind also nur zu verständlich und mussten auch so erwartet werden.

Der Abzug von Geldern wird aber eher kein Problem für die Banken sein, weil die EZB auch die Liquidität am Bargeldsektor sichergestellt hat. Das Drucken war zwar doch ein wenig mehr Arbeit als die Buchung der 1 Billion, wurde aber schon lange gemacht.

Problematisch könnte die Hoffnung sein, dass mit dem Euro in 3 Jahren noch irgendetwas gekauft werden kann. Frankreich wird jetzt sehr schnell zum Zusammenbruch des Euros und der EU führen, stark unterstützt von Italien.

Gast: gast345
17.05.2012 18:59
4 1

das nennt man wohl zensur

bei dem thema gibt es nur 5 kommentare???

sind wir schon so weit

Antworten Gast: Eurorettungsschirm
17.05.2012 19:47
2 1

Re: das nennt man wohl zensur

falls es ihnen noch nciht aufgefallen ist, seit ca 1 Woche kommt, egal zu welchem Thema, kaum noch was durch

Antworten Gast: Halbwissen
17.05.2012 19:42
1 1

Re: das nennt man wohl zensur

Das nennt man wohl Feiertag !

Das Forum ist doch nur während der Arbeitszeit voll.

Gast: Rufer in der Wüste
17.05.2012 18:51
4 1

Vermögende Griechen ......

Solidarität ja, aber warum soll der deutsche, österreichische Mittelstand die Zeche zahlen, während die griechischen Oligarchen ihre nie versteuerten Milliarden nach London usw. in Sicherheit gebracht haben. Also ihr griechischen Superreichen, rückt freiwillig die Hälfte eures unversteuerten Vermögens heraus, eure Brüder und Schwestern hungern, aber das ist euch wurst. Lieber eine 3. Yacht, ein zusätzliches Appartment in St. Moritz und eine kleine Südseeinsel, als den Notleidenden substantiell zu helfen. Warum fordert das kein einziger Politiker in Europa? Weil nach dem Selbstverständnis aller Politiker immer nur die Solidarität des kleinen Mannes eingefordert wird. Da ist sich Links und Rechts selten einig.

Gast: fritierteeuroscheine
17.05.2012 18:06
2 4

Kontaktsperre?

Das soll man nun glauben? Ich glaube das nicht. Auch wenn es hart wird - man kann dem Griechischen Volk nur wünschen aus der Zwangswährung irgendwie herauszugelangen. Glauben kann man das erst, wenn es soweit ist/sein sollte. Mir scheint, man lässt sie gar nicht.

 
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