20.05.2013 18:35 Merkliste 0

Ein billiger „Geuro“ für die Griechen

22.05.2012 | 18:34 |  von Wolfgang Böhm (Die Presse)

Die Deutsche Bank hat ein Modell entwickelt, wie Griechenland eine Parallelwährung einführen könnte. Diese würde der Regierung in Athen vorerst Liquidität verschaffen und eine Rückkehr in den Euro ermöglichen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Frankfurt. Langsam wird es konkret. Noch dominiert zwar in der politischen Führung der Euroländer die Durchhalteparole: Griechenland müsse in der Währungsunion gehalten werden. Doch mit den Neuwahlen am 17.Juni könnten sich die Voraussetzungen dafür dramatisch ändern. Kommt nämlich in Athen eine neue Regierung an die Macht, die sich vom Sparprogramm verabschiedet, kann das Land nur noch über das Risiko eines völligen politischen und ökonomischen Glaubwürdigkeitsverlusts der Kreditgeber im Euro gehalten werden. Zu erwarten ist deshalb eher, dass die Geldgeber ihre Zahlungen einstellen und Griechenland die Eurozone verlassen muss.

Ein Schritt mit schwerwiegenden Konsequenzen, wie die Deutsche Bank in einer neuen Studie warnt. Es käme zu einem Sturm auf die Banken, einem Kollaps des Wirtschaftssystems und zu schweren sozialen und politischen Spannungen. Als Alternative schlägt der Chefvolkswirt der Bank, Thomas Mayer, deshalb die vorübergehende Einführung einer griechischen Parallelwährung, den „Geuro“, vor. Er soll den goldenen Mittelweg zwischen Totalaustritt des Landes und einer Schuldeneskalation in Europa ermöglichen.

Das Modell geht davon aus, dass die griechische Regierung neue Schuldscheine ausgibt, die zur Basis einer neuen Währung neben dem Euro werden. Mayer erklärt gegenüber der „Presse“, dass diese Scheine mit großer Wahrscheinlichkeit von jenen genutzt würden, „die dringend Zahlungsmittel benötigen“. Stellen die internationalen Geldgeber ihre Zahlungen ein, könnte die griechische Regierung auch ihre sonstigen Ausgaben (Gehälter, Sozialleistungen etc.) über diese neue Währung abwickeln. So käme das neue Parallelgeld immer stärker in Umlauf. Die Deutsche-Bank-Studie geht davon aus, dass bald auch viele Löhne und andere Zahlungen in „Geuro“ abgewickelt würden. Ob dies in der Praxis funktioniert, ist allerdings fraglich. Die beiden Wirtschaftsexperten Bernd Lucke und Manfred J.M. Neumann präsentierten zuletzt ein ähnliches Modell in einem Beitrag für das „Handelsblatt“. Sie schlugen vor, dass eine griechische Parallelwährung zum Euro gesetzlich verpflichtend zur Hälfte bei jeder Finanztransaktion Anwendung finden müsste. Der Vorteil des Modells wäre jedenfalls, dass die Sparguthaben der Griechen weiterhin in Euro verbleiben könnten. Es käme zu keinem radikalen Schnitt, der das Eigentum der Bevölkerung reduzierte. Allerdings würde eine solche Parallelwährung den Wert der Löhne mindern. Gleichzeitig würden aber auch inländische Waren günstiger.

Die Parallelwährung könnte von der Regierung nach Belieben abgewertet werden. Es sei zu erwarten, so heißt es von der Deutschen Bank, dass der „Geuro“ bald etwa die Hälfte des Euro wert wäre. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit griechischer Dienstleistungen und Exportgüter auf dem europäischen Binnenmarkt deutlich erhöhen. Damit würde beispielsweise Griechenland als Reiseziel für Urlauber aus anderen EU-Ländern wieder attraktiver. Und der „Geuro“ hätte in dieser Konstruktion noch einen weiteren Vorteil: Sobald die Regierung in Athen ihre Schulden wieder in den Griff bekommen hat, könnte sie die neue Währung wieder einziehen. „Sie könnte sogar völlig zurückkehren, indem sie die Geuro gänzlich gegen Euro zurückkauft“, heißt es im Deutsche-Bank-Papier.

Ein Pferdefuß des Modells sind die griechischen Banken, die bei einer solchen Restrukturierung der griechischen Staatsschulden massiv verlieren würden. Sie müssten laut der Studie in einer europäischen Bad Bank aufgefangen werden, die durch Gelder aus dem Euro-Rettungsschirm rekapitalisiert werden müsste.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

118 Kommentare
 
12 3
Gast: JonSwift
23.05.2012 18:01
0 0

Parallel-Währung auch für uns

Warum sollte nur Griechenland eine Parallel-Währung haben? Für Oesterreich, Deutschland und einige andere wäre das auch eine prüfenswerte Idee. Es könnte der erste Schritt zu einem Nord-Euroverbund sein. Wir könnten uns so eine Option eröffnen, uns der Eurobond-Abzocker zu entledigen.

Das hat uns gerade noch gefehlt:

Eine gute Idee von der Deutschen Bank ... Die hat in den letzten Jahren doch immer wieder bewiesen, daß sich selbst noch in den miesesten Situationen ein gutes Geschäft machen läßt. Nicht, daß ich das der DB nicht gönne; aber den Griechen wird das nicht helfen.
Viel besser wäre, wenn wir das wie bei den Insolvenzen der Privatpersonen und Firmen machen: Wir betreiben Exekution. Und statt der darauffolgenden Verwertung ermöglichen wir den Griechen, die uns dann gehörenden Teile wie Fußball-Stadien, Akropolis etc. nach und nach zu günstigen Konditionen zurückzukaufen. Ich bin sicher, die werden all ihre Energie und all ihren Ehrgeiz in die Waagschale werfen, um das zu ermöglichen. Effekt: Wir haben ein gewisses Maß an Sicherheit (ein fröhlicher Gedanke: Auf der Akropolis weht die rot-weiß-rote Fahne ...), die Griechen ihr Gesicht gewahrt, der Euro ist entlastet und unsere Bürger müssen nicht im Übermaß für die Schulden anderer blechen. Und wenn unsere griechischen Freunde in Verzug geraten sollten, drohen wir mit der Renovierung der Akropolis!
Pfiat Di, Deutsche Bank ...!

was ist an der Deutschen Bank deutsch

nichts nichts nichts

Parallelwährungen,

sind meiner Ansicht das einzige Mittel um die unterschiedlichen Wirtschafssysteme funktionieren zu lassen.

Dirch diese Währung konnen auch die Sozialen Folgen der Sparkurse abgefedert werden da eine regionale Wirtschaft für die Lebensbedürfnisse überschaubar bleibt.

3 0

Warum nicht gleich ehrlich sein und das Konstrukt "Gacki" nennen?

wär doch stimmiger.

Gast: guestgast
23.05.2012 10:53
5 1

vielleicht

sollte sich die geistige Elite der DB einen Regenwurm einführen. Damit verdoppelt sich der IQ selbiger.

Gast: gast 99
23.05.2012 10:49
1 0

Nicht viel anderes als eine neue Drachme,

nur das bestehende Guthaben nicht angegriffen werden. Frage : was passiert mit bestehenden Schulden. Wenn die auch nicht angegriffen werden sind alle Schuldner (Staat Banken Private ) pleite da sie Ihre Schulden in Neudrachmen, verzeihung GEuro, nie bedienen können. Oder seh ich das falsch.

Eine Billion Euro sind nicht genug ...

EZB-Chef Mario Draghi dürfte bald gezwungen sein, den Banken ein drittes Mal mit einer Milliardenflut unter die Arme zu greifen.

Griechische Banken verlieren pro Woche über 600 Millionen Euro an Einlagen.

http://bit.ly/MFQnRR

Gast: DI
23.05.2012 08:01
6 0

Geuro,

allein die Namenskreationen zeigt die Hilflosigkeit der Politiker, vielleicht ahnen die inzwischen, dass sie sich verantworten müssen? Die neue Währung der GR wird wohl Drachmen heißen. Besser wäre es, wenn die neue Währung der Nettozahlerländer DM heißen würde. Der Traum ist vorbei, das Projekt EU und Euro gescheitert. Wie viel Milliarden hat diese Erkenntnis gekostet? Alleine GR, zuerst Förderungen damit man sie aufnehmen kann, dann Förderung als Mitglied, jetzt Förderung weil pleite, dann Förderung weil Ex-Mitglied usw. Wie viel Milliarden sind das? Wann bekommt der Steuerzahler was ab? Roland Düringer, wir sind wütend!!!

15 2

faymann für Eurobonds!

der Bundeskanzler will den von Generationen aufgebauten Wohlstand an den verschwenderischen Club Med verschenken. ich kann es mir nur so erklären, dass der Mann noch unbedarfter ist, als man glaubte.

Der Euro


ist Deutschlands Wiedergutmachung 10.0!

Wir sollten aus dem Euro aussteigen, er behindert uns nur!

Sarrazin hat recht, wie fast immer!


Griechen raus aus der EU!

alles andere ist nur ein Schrecken ohne Ende. Dieses Land hat in einer solidarischen Gemeinschaft nichts zu suchen, sie haben immer nur Probleme gemacht.
und wie Herr Schellhorn in seinem Kommentar ganz richtig schreibt, wenn Erpressung Schule macht, ist die EU am Ende.
Man wird diesen Fall verkraften und die anderen Wackelkandidaten, die schon die Eurobonds als Rettung vor dem bösen Sparen einkalkulieren, werden es sich noch überlegen.

Gast: CE
23.05.2012 02:42
8 1

Die Super-Ökonomen

haben ja alle den Verstand verloren. Jetzt sollen den Griechen in einem einheitlichen Wirtschaftsraum nach Hunderten Milliarden an Subventionen und Krediten auch noch einen Handelsvorteil mit einer eigenen Währung eingeräumt bekommen??? Nur damit die im "Euro" bleiben dürfen??? Ich glaubs ja nicht. Dann werden wir bald eine Euro-Lira, Euro-Peseten und Euro-Escudos haben. Sind ja auch alle finanzmarod und werden mit Nachdruck die gleichen Vorteile wie die Griechen verlangen. Am besten der Euro wird gleich aufgelöst.

Klingt theoretisch nicht so schlecht,

nur müßte gleichzeitig die Spekulationsmöglichkeit abgestellt werden. Ein Weg dazu wäre die Verstaatlichung auf Zeit der taumelnden, nicht nur griechischen, Banken. Aber das wollen deren jetzige Eigentümer nicht und die sitzen mit unserer Politik und unseren "Eliten" zusammen. W.

Re: Klingt theoretisch nicht so schlecht,

aber dann Zocken halt die Beamten und Politiker umso hemmungsloser. Konsequenzen hat sowas ja nicht, s. Schmied, BAWAG PSK usw.

Re: Re: Klingt theoretisch nicht so schlecht,

Ja die Frau Min.Schmied, die auch beim Budgetieren Manches vergißt. Sie war im Vorstand der ersten notverstaatlichten Bank, der Kommunalbank. Eine Untersuchung läuft und läuft und....Man hört fast nichts davon. Hoffentlich hören wir zumindest die Einstellung....Und Journalisten können ja (auch) sooo diskret sein - vergleicht man mit z.B. HAA. Auch der Hinweis "Herr Rat mein Computer ist abgestürzt" genügte dem Richter wohl auch nur bei Herrn Flöttl. Auch die Geschichte mit der bulgar. Mobiltel (Taus, Cordt, Schlaff und Elsner) wird eigentlich nur sehr nebenbei behandelt. Einkauf durch das Konsortium um 800 Mio.€ und Verkauf nach 2 Jahren um das Doppelte - an die Telekom. Tipgeber für das Konsortium ein Telekom-Chef und Aufsichtsrat der bulg. Mobitel...W.

11 7

Ö-Euro, Alpen-Euro oder Schilling ?

Unseres Erachtens klingt "Schilling" besser.
Man könnte die neue österreichische Währung auch Ö-Euro oder Alpen-Euro nennen.

EU-Austrittspartei ist jedenfalls gegen weitere Steuergeldzahlungen an Banken, Parteien und EU. Das ist der Bevölkerung unzumutbar.

PS: EU = Europas Untergang

neue Drachmen

Das britische Traditionsunternehmen De La Rue plc. soll angeblich schon den Auftrag erhalten haben, neue Drachmen zu drucken. Die arbeiten schon am neuen Design.
Ist geil, gell?

Re: neue Drachmen

ja, angeblich...

Ein weiterer Schachzug in der Hinhaltetaktik der Deutschen Bank !

Die Staatspleite Griechenlands ist nicht zu verhindern. Das ganze "Rettungstheater" dient ausschließlich dazu, die Banken möglichst viele ihrer Schäfchen ins Trockene bringen zu lassen.

Gast: b754
22.05.2012 21:05
4 7

die deutsche bank mehr muss man nicht wissen

und merkel ihr handlanger

4 3

Vorschlag

Greuro klingt genauer! Und die Nordeuropäer sollten den Neuro einführen!

Revoluzzer?

Für einen Banken-Volkswirt auf jeden Fall. Wäre ein Schritt in die richtige Richtung: weg vom Monopol- und Zwangsgeld.

http://www.banken-in-die-schranken.at/volksbegehren/140-die-forderungen-im-detail#Neue_Waehrung_Steuergutschrift

2 14

poster

wenn ich manche postings lese, dann weiß ich warum europa keine zukunft hat.
pinkelt man sich in AT gern ans eigene bein und gibt dann dem wind die schuld?

Re: poster

Na ja, Sie haben ja jetzt wenigstens ihr großes Geschäft gemacht.. :)

0 0

Re: Re: poster

das soll ja nicht verboten sein, wenn beide parteien zufrieden sind.

 
12 3

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...