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Sarrazin: Der Euro als Europas „Weg zur Hölle“

22.05.2012 | 18:35 |  von nikolaus Jilch (Die Presse)

Der ehemalige Notenbanker Thilo Sarrazin zweifelt nicht nur am Euro. Er stellt sich gegen alle Politiker, die die Eurokrise dazu nutzen wollen, die „Vereinigten Staaten von Europa“ zu schaffen.

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Wien. Wieder ist ein Damm gebrochen. Thilo Sarrazin hat damit schon Erfahrung. Mit seinem ersten Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ hat er die Das-wird-man-ja-noch-sagen-dürfen-Fraktion starkgemacht. Sein neues Buch wird dasselbe für die Euro-Debatte leisten. Mit einem wichtigen Unterschied: Die Integrationsdebatte ist schwammig und oft beliebig. Die Frage, ob Deutschland und Europa den Euro wirklich brauchen, ist viel konkreter.

Auch „Europa braucht den Euro nicht“ wird ein Bestseller werden. Auf 420 Seiten beschreibt Sarrazin akribisch, wie es zu der Geldordnung kam, in der wir heute leben. Er erklärt anhand des Goldstandards die Vorzüge stabilen Geldes, findet die Achillesferse der Reservewährung US-Dollar und erläutert, warum die strikte Hartwährungspolitik der Deutschen Bundesbank vor allem den Franzosen ein Dorn im Auge war.

 

Direkter Angriff auf Angela Merkel

Den Euro beschreibt Sarrazin als vorläufiges Endergebnis einer Reihe monetärer Experimente in Europa, die allesamt gescheitert sind. Für dieses Thema ist der Ökonom und Ex-Notenbanker Sarrazin deutlich besser qualifiziert als für Integrationsfragen. Das Ziel von Sarrazins Buch ist aber eindeutig die deutsche Politik. Der Titel „Europa braucht den Euro nicht“ ist eine direkte Replik auf Angela Merkels berühmte Aussage: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“

Merkel hatte bei der Verabschiedung des zweiten Hilfspaketes für Griechenland behauptet, Abenteuer würde ihr der Amtseid verbieten. „Für ein Abenteuer hielt sie es offenbar, das Hilfspaket abzulehnen und eine Insolvenz Griechenlands ins Auge zu fassen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Ein Abenteuer war es, eine Währungsunion ohne politische Union zu beginnen, ein Abenteuer war es, alle relevanten Regeln des Maastricht-Vertrages zu brechen, und ein Abenteuer war es, im Mai 2010 in eine ,Rettung‘ Griechenlands einzusteigen, ohne einen Überblick zu haben und das Ende absehen zu können“, schreibt Sarrazin.

Die Geschichte vom „Eurogewinner Deutschland“ entlarvt Sarrazin als Mythos – und tritt die Beweisführung mit statistischem Material an. Auch Griechenland ginge es ohne Euro laut Sarrazin besser. Tatsächlich hätte die gemeinsame Währung sogar zur Desintegration Europas beigetragen, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit des „Club Med“ untergraben und zu einer „internen Zahlungsbilanzkrise“ in Europa geführt habe. „Wer die großen Visionen, die sich um den Euro ranken, außer Acht lässt und sich mit den Augen eines Buchprüfers über vorhandene Zahlen beugt, der kommt nicht umhin festzustellen: Ein ökonomischer Gewinn war die gemeinsame Währung in den ersten 13 Jahren ihrer Existenz nicht, wohl aber sind erhebliche Drohverluste aufgelaufen“, schreibt Sarrazin.

Mit der bisherigen Preisstabilität im Euroraum zeigt sich der Autor zwar zufrieden. Er warnt aber, dass die Rettungsversuche große Inflations- und andere Risken (vor allem für Deutschland) mit sich bringen. „Der Weg zur Hölle ist eben mit guten Vorsätzen gepflastert: Ein gerader und abschüssiger Weg führte vom 25. März 2010 über 16 Rettungsgipfel zu immer höheren deutschen Hilfen und Garantien, die schließlich ein Risiko von über 500 Mrd. Euro umfassten.“

Sarrazin beklagt den Bruch des Maastricht-Vertrags und die Außerkraftsetzung der „No-Bail-out-Klausel“. Er beschreibt, wie er vom Euroskeptiker zum Eurofan und wieder zum Euroskeptiker geworden ist: Weil all die Dinge, die den Euro modern und zukunftsträchtig gemacht haben, inzwischen verschwunden sind. Statt einer unabhängigen Zentralbank, die auf Geldwertstabilität achtet, sei aus der EZB eine gewaltige Notenpresse geworden, an der sich die Südländer beliebig bedienen können. Und statt einer No-Bail-out-Politik in Europa sei zuerst mit dem EFSF und jetzt mit dem ESM eine permanente Transferunion errichtet worden. In dieser Missachtung der „liberalen“ Grundgedanken der Währungsunion sieht Sarrazin den wahren Fehler, der Europa bedroht.

 

Soll Deutschland aus dem Euro austreten?

„Die gemeinsame Währung wird nicht aus dem Blickwinkel der ihr immanenten Logik betrachtet, sondern ausschließlich als Vehikel für einige weitere Schritte Richtung ,Vereinigte Staaten von Europa‘ angesehen“, schreibt Sarrazin. „Diejenigen, die jede Diskussion um den Euro oder einen Austritt Griechenlands mit einem ,Scheitern Europas‘ in Verbindung bringen, argumentieren letztlich wie Erich Honecker, der kurz vor dem Fall der Mauer sagte: ,Vorwärts immer, rückwärts nimmer.‘“ Angela Merkel und Helmut Kohl (CDU) sind für Sarrazin genauso Vertreter dieser „Ideologie“, wie Sigmar Gabriel (SPD) und Cem Özdemir (Grüne).

In seinem Schlusswort setzt Sarrazin dann zum Dammbruch an: Wenn der Euro nicht bald wieder auf die stabile Basis gestellt wird, die mit Maastricht-Vertrag, No-Bail-out-Versprechen und EZB-Mandat einmal für ihn gebaut wurde, dann müsse Deutschland „grundsätzlich andere Lösungswege beschreiten, die auch den Austritt aus der Währungsunion nicht ausschließen“. Die Idee vom „Bundesstaat Europa“ sei eine Utopie, deren Umsetzung in weiter Ferne liege, so Sarrazin: „Die einzige langfristige Chance für Europa: ein Kontinent der Nationalstaaten, der seine Kräfte dort bündelt, wo es zweckmäßig ist, und dort individuelle Flexibilität lässt, wo das einzelne Land dies wünscht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2012)

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407 Kommentare
 
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Ich hab das Buch gelesen - es ist im iTunes store für's iPad verfügbar

es ist zwar ein langer Wälzer aber in der Aussage stimmig, klar formuliert, einfach und flott lesbar und wirklich lesenswert weil aus jeder Zeile enorme Fachkompetenz durchleuchtet.

Das hätten unsere Abgeordneten vor der ESM Abstimmung lesen sollen - leider haben sie für Realitäten keine Zeit, da sie vorrangig ihre eigene Scheinwelt bedienen müssen.

Es gibt eben Prioritäten und Prioritäten...

Gast: istjagut
30.06.2012 00:26
0 3

Baldrian für Sarrazin

Schon wieder so ein Aufregerbuch. Gähn.

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Schon wieder so ein Aufregerbuch. Gähn...

sagte der für die Realität blinde Lemming, als er von den Nachdrängenden über die Klippe geschubst wurde...

Gast: Jessas
01.06.2012 17:57
7 0

Sarrazin: Der Euro als Europas „Weg zur Hölle“

Womit haben wir das verdient? Bald sitzen wir alle in unserem überwachten Europa mittellos auf der Straße und werden von der Scharia Miliz drangsaliert.

Gast: biersauer
31.05.2012 15:30
4 0

Mit der Wahl des roten Franzosen Hollande, hat sich die stabile Eu-Wärung...

plötzlich als ein Weickäse herausgestellt, weil nun stürzt unser so hochgejubelter Euro ab und alles wird damit noch teurer.
Nun wird es schwierig im Dollarbereich einzukaufen und die Dollars wqerden bei uns alles zusammenkaufen, wie wir das zum Anbeginn mit dem damals weichen Euro svchon erlebt haben.
Die Chinesen haben damit ihre Chance, ihre ehemals schundigen Dollars, bei uns günstigst los zu werden.
SO wird bald so manche Aktie und auch Grundbesitz in den fernen Osten wechseln, was angesichts der Unfähigkeit unserer Startegen sogar ein Segen sein kann.

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Zahlen

Wieviele der Berufsaufgeregten und Sarrazingegner das Buch wohl wirklich gelesen haben und nicht nur einer Rezession aus der linken Parteizentrale lauschten, wäre sehr interessant.

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Re: Zahlen

Hat es doch erst neulich der Pisa Test erwiesen ,dass die Leute in Österreich Probleme mit lesen und verstehen haben.
Das erleichtert den Stimmenfang natürlich erheblich !

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Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

spricht aus, was sicher jeder halbwegs informierte Mensch eh´schon denkt
"„ Die Vereinigten Staaten von Europa“ sind das Ziel, koste es was es wolle.

Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Es gibt immer noch Leute, die 1 PLUS 1 immer noch nicht addieren können ! Als erstes mußte die DM verschwinden , sie wurde dem Dollar zu stark , und es kam aqch der Super EURO , und jetzt war auch der besser als der Dollar ! Wer hat denn mal darüber nachgedacht , wenn es eine wirtschaftlich starke EU gäbe ? Was wäre dann mit der US Wirtschaft ? DSer Irak wollte lieber mit eurpäiosche Staaten Oelgeschäfte machen und nicht an die USA liefern , genauso verhält es sich mit anderen Oel exportirenden Ländern , also müssen Unruhen geschaffen werden , um so mit ein Export in EU Länder zu verhindern ! Wer hat das größte Kapital in seinen Händen ? Weil die USA kein Oel vom Iran bekommt, muß ein Embargo her , und die will natürlich dann auch kein Oel ! Sarazzin wird dies bald auch sicher noch näher erleutern !

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Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

JA HOFFENTLICH BALD !!!

Antworten Antworten Gast: Callisto
23.05.2012 21:19
5 5

Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Sicher nicht.
Und wenn sie es versuchen gibts Krieg.

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Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Und solche Helden wie Sie werden in den Krieg ziehen?

Ja süß ist der Tod für´s Vaterland!

Re: Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Glaube ich kaum,als Pazifist !! Ich würde erst denken und dann schreiben !

Re: Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Mal ernsthaft: Wie wollen Sie das Projekt denn sonst durchziehen? Auf demokratischem Weg geht sich das so wie die Dinge stehen nicht aus.

Re: Re: Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Sie haben recht,daher haben wir ja auch eine parlamentarische Diktatur und keine Demokratie.

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Re: Re: Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Solche Entwicklungen laufen wesentlich schneller, als man glaubt!

Siehe 1989, Ende des Kommunismus und Ende der Sowjetunion!
Hätte niemand 2 Jahre vorher für möglich gehalten!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Interessanter Gedanke. Ich gebe zu, in diesen Dingen visionslos (und auch leidenschaftslos) zu sein.
Meine Priorität liegt eher in der Art und Weise, in der sich Wandel vollzieht.
Wenn´s einigermassen sauber mit demokratischen Mitteln abläuft, ist mir alles Recht.

Wenn´s ein paar Hanseln beschliessen, sie zufälligerweise zu diesem Zeitpunkt der Geschichte Kanzler/Präsident oder sonstwas sind (und die Völker nicht wirklich dahinterstehen) wird´s brenzlig. Das war´s, was ich meinte.

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

"...die Völker nicht wirklich dahinterstehen...(

Hören´s auf mit den "Völkern".

Wer braucht denn schon Völker, wenn es um Menschen geht!
Völker haben nicht einmal "Rechtspersönlichkeit".

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Leider verrät Sarazzin kein Geheimnis, sondern

Wenn´s Ihnen besser gefällt, nennen Sie´s "Mehrheit".
Aber ich denke, Sie wissen, worauf ich hinauswill.

Also dass ist die Rettung !

Sarrazin wo warst du bis jetzt !?

nur politische eurofanatiker

glauben das die EU europa ist, nur dieselben fanatiker glauben, dass die EU dank dem euro stabil ist. nein , das gegenteil ist der fall.

zuerst müssten alle länder ähnliche voraussetzungen aufweisen, dann könnte man mittels volksabstimmungen irgendwann auch eine einheitswährung zusammenbringen. aber nicht mit einer diktatorischen EU, die kritiker kriminalisiert uns steuergeld verprasst. die meisten sind nicht gewählt = undemokratisch

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naja Hr. Jilch, wer ist zu Integrationsfragen schon "qualifiziert"

haben 'Sozialingeneure' diesselbe fachliche Authoritaet auf ihrem 'Gebiet' wie Ingeneure die chemische Fabriken entwerfen? bei Integration gibt es keine richtigen und falschen Antworten, da ist Politik eine Frage nicht von harten Formeln sondern von Modestroemungen auf den weichwissenschaftlichen Fakultaeten, und diese Miniparadigmen ('turns') aendern sich im postmodernen Zeitalter so alle 10 Jahre. Sarrazin's soziale Kommentare waren klar formuliert und fanden nicht ohne Grund grossen Widerhall im Zeitalter der vernebelnden 'political correctness' .

..vernebelnde poltical correctness...

So ist es. Leider.
Niemand hat eine Lösung parat.
Viel mehr noch, als man S. vorhalten kann, keine Lösung parat zu haben, sind Lügen zu verurteilen, die den Bürgern seit längster Zeit durch maßgebliche Politiker (u deren Gefolge) vorgebracht werden.

6 1

Einmal mehr der Klassiker von 2010: Verheugen über die EU und Deutschland:


www.youtube.com/watch?v=PsYveYuArLA

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Re: Einmal mehr der Klassiker von 2010: Verheugen über die EU und Deutschland:

Die DE GesmbH
http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=EO9Ao3HAKwQ

Gast: schonbald
23.05.2012 14:14
6 4

inwien

hier ein kleiner link für die europäische nahe zukunft

http://www.youtube.com/watch?v=qDHmn09yEw0&feature=player_embedded

 
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