22.05.2013 10:27 Merkliste 0

EZB richtet Krisenstab zu Griechenland ein

23.05.2012 | 12:35 |   (DiePresse.com)

Die österreichische FMA warnt indessen vor einer neuen Systemkrise bei einem Rauswurf der Griechen aus dem Euro. Ein Gremium unter Asmussen soll die EZB auf eine Eskalation vorbereiten.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Europäische Zentralbank (EZB) wappnet sich nach einem Pressebericht gegen eine mögliche Eskalation der Lage in Griechenland. Nach Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" hat die Notenbank einen Krisenstab unter Vorsitz des deutschen Direktoriumsmitglieds Jörg Asmussen eingerichtet, der sich mit dem Thema Griechenland beschäftigt. Auch bei der Deutschen Bundesbank befasse sich eine entsprechende Arbeitsgruppe unter Leitung von Vorstandsmitglied Joachim Nagel mit dem Thema.

Beide Notenbanken lehnten am Mittwoch einen Kommentar zu dem Bericht ab. Zuletzt hatte Asmussen aber klargestellt, dass die EZB weiter nach "Plan A" arbeite, nach dem die Griechen in der Euro-Zone bleiben.

Angesichts der unsicheren politischen Lage in Griechenland werde ein Austritt des Landes aus der Währungsunion unter Notenbankern nicht mehr ausgeschlossen, hieß es in dem Zeitungsbericht. EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt aber versichert, dass die EZB den Verbleib der Griechen in der Euro-Zone weiterhin wolle.

Eurozone plant ebenfalls Vorbereitungen

Eine Arbeitsgruppe der Euro-Länder hat Kreisen zufolge die Regierungen aufgefordert, nationale Notfallpläne für den Fall eines Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft auszuarbeiten. Jeder einzelne Staat müsse seinen eigenen Plan vorbereiten, sagten zwei Vertreter der Währungsunion am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sei am Montag während einer Telefonkonferenz der Arbeitsgruppe, die aus Vertretern aller 17 Euro-Länder besteht und die Treffen der Finanzminister vorbereitet, verabredet worden.

"Die Arbeitsgruppe vereinbarte, dass jedes Euro-Land einen Notfallplan vorbereiten sollte für die möglichen Folgen eines griechischen Abschieds vom Euro", sagte ein Vertreter. "Bisher wurde noch nichts vorbereitet auf Ebene der Euro-Zone, aus Angst, dass dies durchsickern könnte." Ein zweiter Vertreter bestätigte die Angaben.

FMA warnt vor Systemkrise

Sollten die Griechen tatsächlich aus der Eurozone fliegen, warnte am Mittwoch die Spitze der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) vor einer neuen Systemkrise, die die Finanzplätze in der ganzen Eurozone und die ganze Welt erschüttern könnte. Nicht umsonst machte sich auch der amerikanische Präsident Sorgen um das Schicksal des Mittelmeerlandes.

Wegen der stark abgebauten Anleihebestände wäre eine Griechenland-Pleite für die heimischen Banken zwar kein direktes neues Abschreibungsproblem mehr. "Aber die Frage ist, ob Griechenland ein isoliertes Ereignis wäre oder ein weiteres Systemereignis", sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl in Wien. "Ich traue mir dazu keine Prognosen zu und halte all jene für sehr mutig, die behaupten, es wäre kein Problem, wenn Griechenland aus dem Euro rausfliegt."

"Wir sähen das sehr sehr kritisch", sagten die FMA-Vorstände heute, und zwar für alle Finanzplätze Europas. "Wir können nicht abschätzen, was das heißt."

 

(APA/Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

5 Kommentare
Gast: ösi
23.05.2012 16:33
0 0

Zu spät

Den Krisenstab hätte man vor dem EUR-Beitritt von GR einrichten sollen. Dann hätte man den getürkten Zahlen der Rating-Agentur keinen Glauben geschenkt.

Re: Zu spät

Eigentlich schon, bevor man den ersten Schein druckt. Hellas ist ja nur einer der apokalyptischen Reiter.

Wie sich herausstellt wurde ein gesamter Währungsraum ohne Plan B, ohne Risikobewertung, ohne Notfallplan, ohne Bedachtnahme auf die Folgen von Vertragsbruch etc. etc. gegründet.

Das ist der wahrscheinlich wüsteste Fall unfassbar verantwortungsloser Zockerei, den zumindest dieser Teil der Welt je gesehen hat.

"Bisher wurde noch nichts vorbereitet auf Ebene der Euro-Zone, aus Angst, dass dies durchsickern könnte." Ein zweiter Vertreter bestätigte die Angaben

Das ist ein wenig verwirrend. Zuerst wird nichts vorbereitet und die Währung einem Risiko ausgesetzt, um sie keinem Risiko auszusetzen. Wollen wir mal so glauben.
Aber warum wird dann jetzt getan, was damals angeblich ein Risiko gewesen wäre - nämlich die Sache auszuplaudern?

Die österreichische FMA warnt indessen vor einer neuen Systemkrise...

Ok.
Wieviel?

0 0

Was hat denn die EZB für eine Krise?

Ist doch alles heile Welt!

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...