Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), hat davor gewarnt, die Probleme des griechischen Staates mit denen anderer südeuropäischer Länder zu vergleichen. Es sei "geradezu fahrlässig, die Probleme Griechenlands sofort auf andere Staaten zu übertragen", sagte Nowotny mit Blick auf Italien und Spanien. In Bezug auf einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands meinte er: "Eine gute Notenbank muss für alle Eventualitäten gerüstet sein, aber sie muss nicht über alle Fragen sprechen." Die Diskussion sei von "ungesunder Hektik" geprägt, und wirke "ein bisschen wie psychologische Kriegsführung".
Warnung vor "massiven Erschütterungen"
Auswirkungen eines möglichen Griechenlandausfalls auf die Nationalbank wurden nicht beziffert, aber Nowotny warnte vor möglichen massiven Erschütterungen. Er verneinte die Frage, ob die Nationalbank eine Rekapitalisierung brauche, sollte es zu einem solchen Szenario kommen. Das Risiko sei adäquat gedeckt, sagte Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek.
Die Nationalbank stellte am Donnerstag ihre Bilanzzahlen 2011 vor.Die Nationalbank hat ihre Risikovorsorgen 2011 um 400 Millionen Euro auf 7,2 Milliarden Euro erhöht.
Nowotny rief zur Haushaltsdisziplin in der Eurozone auf: "Zur Stabilisierung der Finanzmärkte ist strikte Budgetdisziplin nötig." Er hoffe, dass es in Österreich zu einer strikten Umsetzung des Fiskalpakts komme.
Die Konjunkturentwicklung in der Eurozone sei sehr unterschiedlich. Während die Konjunktur in anderen Ländern schlechter werde, könnte es in Österreich (und Deutschland) vielleicht zu einer Anhebung der Prognose kommen. Auf eine Frage nach Eurobonds verwies Nowotny auf Anleihen der Europäischen Investmentbank (EIB), seines früheren Arbeitgebers. Diese Anleihen seien "in einem gewissen Sinn ja Eurobonds". Nowotny wollte eine dritte große Finanzspritze durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht ausschließen, die EZB habe aber bereits "massive Maßnahmen gesetzt und es wäre nicht gut, den Eindruck zu erwecken, dass jedes Mal etwas Neues serviert werden muss".
(APA)
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