24.05.2013 15:03 Merkliste 0

Kritik an Lagarde: "Letzte was wir brauchen, ist Mitleid"

28.05.2012 | 16:08 |   (DiePresse.com)

IWF-Chefin Lagarde sorgt für Empörung in Griechenland. Sie kritisierte in einem Interview die Steuermoral der Griechen und bekundete, mehr an die Kinder im afrikanischen Niger als die Menschen in Athen zu denken.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die IWF-Chefin Christine Lagarde hat mit harten Worten zu Griechenland für Aufregung und Empörung in dem von einer schweren Finanzkrise gebeutelten EU-Land gesorgt. Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds hatte in einem Interview mit einer britischen Zeitung die Griechen wegen ihrer schlechten Steuermoral kritisiert und dabei gesagt, sie denke mehr an die Kinder im afrikanischen Niger als an die Menschen in Athen.

"Das Letzte was wir brauchen, ist das Mitleid der Frau Lagarde", sagte dazu am Sonntag der Chef des Bündnisses der radikalen Linken (SYRIZA), Alexis Tsipras. Die große Mehrheit der Griechen zahle Steuern. Warum die Reichen keine Steuern zahlen, solle Lagarde die Sozialisten und Konservative in Athen fragen und sich nicht an die Bürger wenden, meinte Tsipras weiter. Der Chef der griechischen Sozialisten, Evangelos Venizelos, rief Lagarde auf, sich erneut zu überlegen, was sie wirklich sagen wollte. Sie sollte diese Aussagen zurücknehmen.

"Ich sorge mich mehr um die Kinder in einem kleinen Dorf in Niger, die nur zwei Stunden Unterricht am Tag haben und sich zu dritt einen Stuhl in der Schule teilen. Sie brennen darauf, Bildung zu bekommen. An diese Kinder denke ich die ganze Zeit. Denn ich glaube, sie brauchen viel mehr unsere Hilfe als die Menschen in Athen", hatte Lagarde in dem am Samstag veröffentlichten Interview gesagt.

"Ich verstehe nicht, was das soll"

"Ich verstehe nicht, was das soll", meinte Giannis Michelakis, Sprecher der griechischen konservativen Partei Nea Dimokratia. "Es ist als ob man den Kranken, dem man die falsche Medizin gegeben hat, zur Verantwortung zieht."

Die Zeitung fragte auch, ob Lagarde ähnlich wie andere in Europa denke, Griechenland habe es sehr gut gehabt und müsse dafür nun zahlen. Ihre Antwort: "Das ist richtig." Es sei die Aufgabe des IWF und ihr Job, die Wahrheit zu sagen und den Ländern harte Konditionen aufzuerlegen.

Genau drei Wochen vor der erneuten Parlamentswahl zeichnet sich in Griechenland ein spannendes Rennen zwischen der Neue Demokratie (ND) und dem Linksbündnis SYRIZA ab. Insgesamt vier repräsentative Umfragen sehen die Konservativen als stärkste Kraft, die 23,3 bis 25,8 Prozent auf sich vereinen könnte.

Syriza und Demokraten liegen Kopf an Kopf

Die Radikallinken bleiben ihnen jedoch auf den Fersen und erhalten zwischen 20,1 und 23,2 Prozent. Weit abgeschlagen bleibt die sozialistische PASOK mit Umfrageergebnissen zwischen 12,6 und 14 Prozent. In allen Umfragen wollen mehr als 80 Prozent der Befragten, dass Griechenland in der Eurozone bleibt. Diese Umfragen wurden in der griechischen Presse am Sonntag veröffentlicht.

Nach Einschätzung der Meinungsforscher wird keine Partei die absolute Mehrheit im Parlament erreichen. Damit würde sich erneut die Koalitionsfrage stellen: Wer regiert mit wem in dem Land, das vor dem Zusammenbruch steht? Schon bei der Wahl am 6. Mai hatte keine Partei die absolute Mehrheit erreicht. Sondierungsgespräche zur Bildung einer Koalition blieben ohne Ergebnis. Bis zur Neuwahl am 17. Juni wird Griechenland von einer Interimsregierung geführt.

Journalisten streiken

Die Finanzkrise Griechenlands machte sich am Montag auch in den Medien bemerkbar. Aus Protest gegen Entlassungen und verspätete Gehaltszahlungen traten die griechischen Journalisten in einen 24-stündigen Streik. Zu dem Ausstand hatte der Journalistenverband (ESIEA) aufgerufen. Seit 2010 mussten wegen der dramatischen Finanzkrise zwei Traditionszeitungen (die konservative "Apogevmatini" und die linksliberale "Eleftherotypia") schließen.

 

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

87 Kommentare
 
12 3

Geld her und gusch?

ist das die griechische einstellung?

echt eine frechheit, wie arrogant sich diese faulen steuerschwindler und betrüger da unten aufführen!

die griechen tun immer so als hätten sie einen nationalstolz, den man nicht verletzen dürfe, dabei drängt sich aber die frage auf, aus was sie denn stolz sind!

auf eine kultur, die vor 2000 jahrne bestand hatte, oder auf eine marode wirtschaft, die einem entwicklungsland gleicht?

An der griechischen krise sind ALLE griechen schuld, und natürlich auch der staat als solches!
wenn man zu deppert ist seinen betrügerischen bürgern die steuern abzupressen, dann darf man sich als staat nicht wundern wenn man keine einnahmen hat!

was mikaelis da von sich gibt ist außerdem völliger schwachsinn!
niemand hat griechenland die falsche medizin gegeben!
sie haben sie selbst genommen, diese hieß konsum auf pump ohne eine wettbewerbsfähige exportwirtschaft zu haben!

ich kann lagarde nur recht geben, auch ich habe kein mitleid mit den griechen, die sind an ihrem schlamassel selbst schuld!
mitleid habe ich nur mit meinen steuereuros, die 50% meines einkommens ausmachen und die österreich für solche faulen nichtsnutze in einem faild state verschwendet!

Gast: Ruhepol
29.05.2012 16:53
0 0

Hütchenspieler


http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/39309/

Tja, wenn's ans zahlen geht hat immer der Steuerzahler den schwarzen Peter.

Gast: Mitleid
29.05.2012 15:31
1 0

Genau

Wir brauchen kein Mitleid, wir brauchen nur euer Geld.....

0 0

Reaktionen

die Reaktionen sind total richtig. die Frau soll zurücktreten. der IWF soll sich lieber darum kümmern, dass sich nicht irgendwelche Fettsäcke an den Krisen der Welt bereichern. dann wäre den Hungerleidenden in Afrika, den Griechen, Europa UND UNS am meisten geholfen. also: Hausaufgaben machen, Frau Schmallippe.

Gast: Ruhepol
29.05.2012 14:07
0 0

4,6 Billionen


für "Bankenrettung"

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/05/28/eu-geheimplan-nicht-mehr-steuerzahler-sondern-investoren-sollen-banken-retten/

Reaktion? Null.

Und soll das per ESM so weiter gehen?

Wie lange will man das Volk noch belügen und betrügen?

Gast: smilefile
29.05.2012 13:54
0 0

Wir können nur lernen!



Wir können nur lernen. Ein Volk umgeht den Steuerwahn der Volksvertreter. Und die Staatsgewalt gerät ins wanken. Wir bezahlen immense Beträge an Steuern, Abgaben uvm. Mit welchen Ergebnis? Es ist nie genug. Und unsere Schulden steigen. Es wird auch in Östereich an der Zeit, sich Gedanken über unsere Steuermoral zu machen.


Alter Erziehungsgrundsatz:

wer nicht hören will, muss fühlen. Ich fürchte, das griechische Volk wird diese Erfahrung machen müssen.

1 0

Wer kann die Gedanken des griechischen Linken lesen?

Hatte gerade diese Eingebung.
"Spart euch euer Mitleid, wir nehmen lieber Bares!"

Endlich Klartext statt Gutmenschen-Getue

Hurra!!! Endlich jemand der das ausspricht, das sich Millionen von Steuerzahlern und Wählern im ganz Europa schon seit Monaten denken!!' Die Politiker halten uns wohl für völlig vertrottelt... Zahlen oder raus ist der Wille des Volkes !

Gast: Schullie69
29.05.2012 10:59
2 0

Weiter so

Dies Dame wird mir/ uns immer sympthischer. Endlich mal kein Weichei die den Griechen den Speichel lecken.Schon wieder streiken Griechen weil Zeitungen nicht länger subventioniert werden oder keiner lesen will. Typische Verhalten dieser verkorksten Nation, falsche Zahlen falsche Bilanzen, Lug und Betrug auf der ganzen Linie - alles das wird anscheinend vergessen, kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen könnte wenn ich das Gejammere höre wie schlecht es auf einmal ist, nicht auf anderer Kosten zu leben.

Gast: bbc
29.05.2012 08:57
3 0

Klare Worte - andere Taten

Gut zu hören, dass unsere lieben Politiker jetzt ernst machen und die Griechen so richtig rügen.

Da fällt es dem Wähler dann gleich viel, viel leichter zu verzeihen, dass wieder 18 frische Milliarden (dieses mal direkt an die griechischen Banken) fließen.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/18-milliarden-euro-griechische-banken-erhalten-geldspritze/6682800.html

Damit wird der Einsatz in diesem Glücksspiel auf Kosten des Steuerzahlers wieder einmal erhöht und der gelernte Österreicher kann sich schon überlegen, was nach den Nationalratswahlen 2013 auf ihm so alles zukommen mag (MÖSt, MWSt, Pensionsalter, ...)

Gast: Generalmajor Lafaffel
29.05.2012 06:57
2 0

Jedes Volks wählt die Politiker

die ihm ähnlich sind.

passt so!

es ist ja so typisch, nicht nur für uns österreicher sondern generell für all jene die ihre schäfchen weitgehend im trockenen haben:
da kommt jemand daher und sagt was sache ist, nennt die ungeschminkte wahrheit.... na dann sind wir ihm böse und schleppen die angelegenheit tagelang durch alle arten von medien.
es tut ja so gut, ein angenehmes gefühl ist das, einen buhmann zu haben. endlich jemand auf den man die tomaten werfen kann.

griechenland hat vorsätzlich mist gebaut, auf dem rücken der EU, keiner hat sich wirklich darum geschert bis das kraut ausg'schütt war.
jetzt sollen sie gefälligst sehen wie sie von selber weiterkommen.
bravo, frau lagarde!

Aufruf an das Griechische Volk

Nehmt euer Schicksal in die eigene Hand, lasst euch nicht beeinflussen und fürchten von den Drohungen und Gebärden vieler EU-Politiker und Experten des IWF und anderer Gremien.
Schaut mit klarem Blick und nüchternem Verstand, wer im Lande verantwortlich ist und wer außer Landes dies verschleiern versucht.
Griechenland wird bestehen, wie es immer bestanden hat. Auf eigenen Füßen, mit eigenem Volk, einer selbstbestimmten Regierung und eigener Währung.
Fürchtet euch nicht, ihr seit nicht allein, auch wenn ihr nun als erstes Land die Selbstbestimmung wieder übernehmen solltet.
Ein selbstbestimmtes Schicksal ist besser und sicherer, als ein scheinbar sicheres Abteil auf einem sinkenden Schiff zu beziehen!


Gast: Reflector
29.05.2012 02:36
1 0

Vielleicht kommt es diesesmal durch

Diese ganze Sache ist ein abgekartetes Spiel zur Polarisierung und Aufhetzung.

Und Venizelos die Systemqualle hat deswegen auch als Counterpart den Ball gleich aufgenommen.

Damit treibt man Keile im Land und ausserhalb.

Man kennt dieses alte 'Eliten' Spiel auch unter den Namen 'Divide et impera'

http://www.youtube.com/watch?v=K6EN1YiORLs


9 0

Respekt

Die Zeit für klare Worte war längst reif!

Re: Respekt

Die Dame hat Recht!

Die Griechen haben sehr viele sozialgesetze geschaffen die sie nie hatten, mit unseren Geld.

Gast: pont9
28.05.2012 21:10
0 1

Wie erreicht man die griechische Bevölkerung?

Dass die Griechen ihre eigenen Politiker nicht am Nasenring durch Athen schleifen, kann nur damit zu tun haben, dass sie tatsächlich, jeder einzelne, das mit den Steuern nicht so ernst genommen hat. Zu hinterziehen und einfach für das Eingezahlte kaum Gegenwert zu bekommen (und Geld für Direktzahlungen zB an Ärzte sparen zu müssen), sind griechische Wechselwirkungen, die jetzt, wo kein Geld da ist, schwer zu durchbrechen sind.
Griechenland braucht jetzt Investitionen. Es braucht aber auch Personen von außen, die über die Mittelverwendung wachen. Nur: Wie erklärt man der griechischen Bevölkerung, dass ihre einzige Chance ein Vormund ist?

Gast: Beno
28.05.2012 20:23
3 1

--

Europa hat den Griechen Geld geliehen, damit sie in Europa einkaufen können.
Da beißt die Katze sich in den eigenen Schwanz

Endlich Europonds - Deine Schulden sind doch auch meine Schulden

Geteilte Schuld ist getilgte Schuld!

Die unbefriedigte Sehnsucht nach dem Duft des Frieden war es, warum die mutige Bürgerin Europa wagte. Und sie hat gut gewagt. Das Friedensprojekt war ein voller Erfolg, wissen Bürgerinnen heute in Chor zu berichten.

Ganz zufrieden ist die Bürgerin dennoch nicht. Noch! Immerhin weckte Faymann in ihnen die Sehnsucht nach mehr.

Wir wissen - Sein Erfolg, ist mein Erfolg. Und wie sieht es mit Schulden aus? "Das ist unfair, dann sind deine Schulden doch auch meine Schulden!", so die Bürgerin in voller inprunst!

Aber es kommt noch besser! Wenn jemand viel Schulden hat und diese werden auf ganz ganz viele kleine Schulden aufgeteilt, dann hat doch niemand wirklich große Schulden!

Das überzeugt mich! Das ist logisch! Das klingt gut! Das machen wir! - so die Reaktionen von Bürgerinnen die froh sind auch den finanziellen Frieden in Europa sicherzustellen.

Dank Elitärer und kluger Politik ist Griechenland finanziell abgesichert! Jetzt gewinnen wir alle. Alle für Europa - alle in Europa. Europa, da lebe ich, da bin ich zuhause. Europa - wo gemeinsames vor Egoismus gestellt wird.

Antworten Gast: gast45
29.05.2012 09:31
0 0

Re: Endlich Europonds - Deine Schulden sind doch auch meine Schulden

kompliment fuer den slogan geteilte schuld ist getilgte schuld .. orwell könnte es nicht besser formulieren:-)

1 0

Re: Endlich Europonds - Deine Schulden sind doch auch meine Schulden

Alle, die hier ein Minus vergeben haben, kennen anscheinend das Wort Ironie nicht.

Re: Re: Endlich Europonds - Deine Schulden sind doch auch meine Schulden

möglicherweise war es ironisch gemeint.
in dem fall würde ich dem schreiber aber empfehlen über schreibart nachzudenken. in jedem fall wäre ein rechtschreibkurs gut angelegtes geld.

0 0

Re: Re: Endlich Europonds - Deine Schulden sind doch auch meine Schulden

Alleine der Name einer Zeitung ist kein Schutz vor einfach gestrickten Lesern!!

1 0

Re: Re: Endlich Europonds - Deine Schulden sind doch auch meine Schulden

das war ironisch? muss man extra dazuschreiben....

 
12 3

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...