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Nach FDP-Umfaller auch Österreich auf dem Weg zur Finanztransaktionssteuer

08.06.2012 | 21:25 |  von Regina Pöll und Karl Gaulhofer (Die Presse)

Österreichs Regierung atmet auf, die deutsche Opposition triumphiert: Für den Fiskalpakt akzeptieren die Liberalen eine Tobin Tax ohne Briten.

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Wien/Berlin. Es ist ein Aufatmen mit mehreren Monaten Verspätung: Am 10. Februar präsentierte Österreichs Regierung ihr Konsolidierungspaket bis 2016. Darin enthalten waren höhere und neue Steuern – auch eine in der EU abgestimmte Finanztransaktionssteuer, die damals noch lange nicht beschlossene Sache war. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vize Michael Spindelegger (ÖVP) hatten sie schon wagemutig eingepreist, mit 1,5 Mrd. Euro in den Jahren 2014 bis 2016. Brüssel will die Steuer ab 2014 einführen (Details siehe Info-Box). Tatsächlich stehen die Zeichen dafür nach einem Einlenken der deutschen FDP so günstig wie noch nie.

Das Signal aus Berlin sehen Kanzler und Vizekanzler positiv. Aus Faymanns Büro hieß es, man sei erfreut, dass Deutschland mittlerweile bereit sei, eine solche Steuer auch nur im Verbund weniger EU-Staaten zu verwirklichen. Eine „Koalition der Willigen“ sei zu befürworten. Die Kanzlerpartei hat seit der Finanzkrise stets gefordert, dass der Finanzsektor „seinen Beitrag leistet“. Immerhin sei er in der Krise mit vielen Millionen Euro unterstützt worden.

Die ÖVP trug diese Linie – unter Vorbehalten – schließlich mit. „Österreich hat sich immer für die europaweite Einführung der Finanztransaktionssteuer eingesetzt und wird das auch weiterhin tun“, sagte Spindelegger zur „Presse“. Die neue Bewegung gebe Österreich „weiter Auftrieb“. Eine „Koalition der Willigen“ ist für den Vizekanzler „nur mit starken Verbündeten“ umsetzbar.

 

Stich im Poker um den Fiskalpakt

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) hatte bereits im Vorfeld klargemacht, dass Österreich auch bei einer Transaktionssteuer mitmachen würde, die nicht in der gesamten EU gilt. Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) sprach von einem „Durchbruch“, er rechnet nun fix mit der neuen Steuer. Besonders euphorisch sind die Grünen: Finanzsprecher Werner Kogler erwartet einen deutlichen „Lenkungseffekt gegen Spekulationen“ und hohe Einnahmen für die nationalen Haushalte.

Folgendes Szenario ist wahrscheinlich: Zuerst lehnen die EU-Länder beim nächsten Europäischen Rat am 28. und 29. Juni den Vorschlag der Kommission für eine europaweite Finanztransaktionssteuer ab. Danach könnte die Initiative der „Willigen“ zum Beispiel in den Schlussfolgerungen festgehalten werden, und die betroffenen Länder könnten sich an die Umsetzung machen.

Dass die populäre Steuer ohne europäischen oder gar globalen Gleichklang nun tatsächlich Realität werden dürfte, hat mit dem innerdeutschen Poker um den Fiskalpakt zu tun. Noch im Juni will die Regierung ihn zusammen mit dem dauerhaften Rettungsschirm ESM durch den Bundestag bringen. Dazu aber braucht sie Stimmen der Opposition. Beflügelt von der französischen Konterrevolution Hollandes, wollen sich SPD und Grüne das ungeliebte Stabilitätskorsett so teuer wie möglich abkaufen lassen. Am weitesten geht ihr Wunsch nach einem Schuldentilgungsfonds. Durch ihn würden, ähnlich wie bei Eurobonds, ein Teil der Schulden in der Eurozone vergemeinschaftet und das Haftungsrisiko Deutschlands weiter erhöht werden. Dafür müsste die Koalition ihre Prinzipien über Bord werfen. Ähnlich sieht es bei staatlichen Infrastrukturprojekten aus, von denen sich die Opposition Wachstumsimpulse erhofft. Hier dürfte aber ein Kompromiss in letzter Minute durch kleinere Zugeständnisse mit Mitteln der Europäischen Investitionsbank möglich sein.

Am schnellsten und leichtesten fand sich eine Einigung zur Finanztransaktionssteuer. Die Union ist ja schon längst bereit, sie auch ohne den Finanzplatz London umzusetzen. Nur der kleine Koalitionspartner FDP leistete noch hinhaltenden Widerstand. Sein Kompromissvorschlag war eine Stempelsteuer nach britischem Vorbild, die ohne Devisen und Derivate auskommt. Am Donnerstag brach der Widerstand zusammen: Das viel weiter gehende Brüsseler Modell im kleinen Rahmen von nur neun Ländern ist nun plötzlich auch für die FDP akzeptabel.

 

Nebenwirkungen darf es nicht geben

Sigmar Gabriel zeigte sich begeistert über die „180-Grad-Wende“. Twitternd frohlockte der SPD-Chef: „Erster großer Fortschritt: Union/FDP folgen nach 2 1/2 Jahren unserer Forderung. Jetzt fehlt nur noch der Wachstumspakt.“ Damit die Liberalen ihr Gesicht wahren können, schloss eine Arbeitsgruppe der Fraktionen die befürchteten Folgen einfach schriftlich aus: Die Steuer müsse so ausgestaltet werden, dass es zu keinen Ausweichreaktionen kommt, sich erwünschte Börsengeschäfte nicht verlagern und europäische Finanzplätze nicht geschwächt werden. Auch Realwirtschaft und Kleinsparer dürfen nicht betroffen sein.

Wie ein Gesetzesentwurf aussehen soll, der diese erwartbaren Konsequenzen vermeidet, verriet die Arbeitsgruppe nicht. Die EU-Kommission selbst rechnet in einer hauseigenen Wirkungsstudie mit Wachstumseinbußen von einem halben Prozentpunkt der Wirtschaftsleistung. Laut „Financial Times“ sind dabei schon „wachstumsfördernde Maßnahmen“gegengerechnet, die mit den erhofften Einnahmen finanziert werden sollen. Wirken sie nicht, wäre dauerhaft mit 1,8 Prozentpunkten weniger Wachstum zu rechnen. Die FDP hätte theoretisch immer noch die Möglichkeit, im letzten Moment eine deutsche Unterschrift unter einen Neun-Länder-Vertrag zu verhindern. Damit rechnet aber niemand mehr ernsthaft.

Auf einen Blick

Am 5. Oktober 2011 hat die EU-Kommission ein Modell für eine Finanztransaktionssteuer vorgeschlagen, das sich nun u. a. Deutschland und Österreich EU-weit oder in einer „Koalition der Willigen“ vorstellen können. Vorgesehen ist ein Steuersatz von 0,1 % auf Aktien bzw. 0,01 % auf Derivate. Von einer Besteuerung ausgenommen sein sollen u.a. Spot-Transaktionen bei Devisengeschäften, Primärmarktgeschäfte, Transaktionen von Zentralbanken oder Spot-Transaktionen beim Rohstoffhandel. Bemessungsgrundlage soll das Transaktionsvolumen sein, die Einhebung soll am Ort der Niederlassung (am Firmensitz) erfolgen. Die Umsetzung ist für 2014 geplant. Österreichs Regierung rechnet für dieses Jahr bereits mit 500 Mio. € aus der neuen Steuer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2012)

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22 Kommentare
Gast: Valery
11.06.2012 10:15
1 0

Dümmste Steuer, die es gibt!

Wie leicht können internationale Investoren europäische Börsen, die diese Steuer einheben, vermeiden!

Diese Steuer ist eine Einladung, Kapital auf andere Länder umzulenken. Die Einzigen, die etwas dafür zahlen werden sind ein paar heimische Amateure, die kleine Beträge investieren. Davon wird das Budget nicht saniert.


Gast: trader1
10.06.2012 16:25
0 0

weil es war ist :-)

... aufklärung ist halt unangenehm :-)
.. wenn abzusehen ist, dass die aufregung gross sein wird, dann liegt man meistens goldrichtig :-)
.. wäre doch ein interessanter artikel warum der sozialismus vor allem in seiner österreichischen form der natürliche feind des bürgertums und der wirtschaft ist und was das ganze mit dem hinhauen auf den kapitalmarkt zu tun hat
.. den hinweis habe ich euch ja gegeben :-)

Gast: trader1
10.06.2012 15:41
0 0

aufklärung schadet nie ....

betrifft die steuer die handelsabteilungen der banken und versicherungen .. NEIN .. warum ? weil die wichtigsten handelsabteilungen in new york sitzen und amerikanischem recht unterliegen.

wem betrifft es dann wirklich ? .. die privaten kleinen aktionäre, leute, die ihr eigenes geld riskieren, im wissen dass sie es auch verlieren können, und sich dafür natürlich einen gewinn erhoffen ...
mit einem wort es sind unternehmer.

das unangenehme aus parteisicht dabei ist das jeder bürger so ein unternehmer werden kann .. ganz ohne partei, ohne freunderlwirtschaft , ohne konzession, ohne parteispenden, (der aktionär möchte ja der OEBB nicht einen viel zu langen tunnel durch den semmering verkaufen :-)
der aktionär braucht nur intelligenz, verstand, und information (steht mittlerweile ohnehin alles im geschäftsbericht .. man musz halt auch arbeiten, und die 200 seiten durchlesen und darüber nachdenken)

.. und solche unabhängigen leute können einer sozialistischen partei, die auf durch gemeindewohnungen, parteijobs und sozialleistungen abhängige wähler ziehlt, nur ein dorn im auge sein.

.. was mich allerdings wundert, ist das die ÖVP mitspielt, anstatt sich vor das unternehmertum der österreicher zu stellen, das ohnehin in den jahren der sozialistischen alleinregierung gefährlich und massiv dezimiert worden ist.

Antworten Gast: Gruftmaus
11.06.2012 10:25
0 0

Re: aufklärung schadet nie ....

Nat. haben sie recht !!
Aber wen interessiert die Wahrheit schon.
In diesem kleinen Forum erregen sie durch Erwähnung unbequemer Wahrheiten bloß die Aufmerksamkeit div. Kampfposter die auch (mit/in Kleinschreibung) prompt reagieren.
Wer ist avanti?
Wer war er/sie bisher....besser WO ?
Wer wird er/sie bald sein (innerhalb des Systems?)...und WO?


Antworten Antworten Gast: trader1
12.06.2012 01:03
0 0

Re: Re: aufklärung schadet nie ....

avanti heist vorwärts .. so wie der alte vorwärtsverlag der sozialisten :-) sie schaffen es nie diese kampfposter .. irgendwie hindert sie ihre eitelkeit immer daran den informierten bürger mit eigener meinung zu spielen :-)

Antworten Gast: avanti
10.06.2012 18:10
0 0

Re: aufklärung schadet nie ....

abgesehen vom konfusen inhalt deiner postings, wo hast du bitte rechtschreiben gelernt?

Antworten Antworten Gast: trader1
10.06.2012 21:27
0 0

Re: Re: aufklärung schadet nie ....

na geh avanti .. ein bisserl was besseres wie rhetorikschmähs für anfänger hätte ich mir schon erwartet ...

wenn man inhaltlich keine gegenargumente hat, wertet man den inhalt des beitrags durch eine unbestimmte wertung wie z.b. konfus ab, oder nimmt einen unwesentlichen aspekt wie rechtschreibung als kritikpunkt her .. (übrigens zum lachen, wenn man ausgerechnet diese kritik in kleinschreibung vorbringt:-)

Gast: trader1
10.06.2012 11:35
1 0

Hm

Hm .. Kann mir jemand verraten
Wie das die handelsabteilungen der
Deutschen Bank in New York betrifft
Ach so wurscht geht eh nur ums
Waehleranluegen

4 0

500 Mio. weniger Einnahmen

aufgrund der FTS trifft es wohl eher, denn die KESt Einnahmen werden sinken, aufgrund der Verringerung des Handelsvolumens durch die FTS.

Letzteres ist von ihren Befürworter ausdrücklich gewollt. Ersteres werden sie frühestens im Nachhinein kapieren wenn es zu spät ist.

Was soll diese alte Geschichte

mit der Transaktionssteuer? Das Neueste ist doch eine zentrale europäische Banküberwachung! Da braucht es diese Steuer nicht mehr.

Re: Was soll diese alte Geschichte

Die Banken werden in Zukunft auf Grund der neuen, scharfen Überwachung durch die EU an "gar nichts" mehr schuld sein. Im Gegenteil werden sie kaum mehr wo sich engagieren dürfen da immer Blasengefahr herrscht. Sie brauchen also eher Unterstützung statt Abzocke. .. Jedenfalls verstehe ich die neuesten Aussagen so. Ich nehme auch an dass diese ungemein korrekte und scharfe Kontrolle als erstes gleich morgen die spanischen Banken treffen wird...

Gast: Ali
09.06.2012 10:41
2 0

Wachstum

Lese ich das richtig? "Dauerhaft 1,8% weniger Wachstum". Das kann doch nicht gut gehen. Wann haben wir denn jetzt schon ein Wachstum von mehr als 1,8%??

Die Bilderberger


Befehlsausgabe zeigt ihre Wirkung!


Für die Briten ...

.... das grösste Geschäft der letzten beiden Jahrhunderte.
Zajlen werden die Zusatzpensionisten und die Unselbständigen in der ¨Abfertigung neu".

Gast: Gewa
09.06.2012 06:37
0 1

Wachstum?

Das was heute geschieht war lange geplant,und termingerecht eingetroffen.Der Bürger hat qualitäten eines Lemmings.Für eine kurze Zeit ein Arier zu sein(pleite Griechen)und danach sich selbst ertränken statt die Augen offen halten. aber das war vor 100 Jahren so,vor 70 Jahren so und heute ist wieder ein Pogrom,diesmal auf Griechen, abgelaufen.Den Nordländer sind mit Blindheit (Neid,Mißgunst,Feigheit) geschlagen da hilft nichts.
http://bueso.de/node/5727
Zuende zuhören wenn ihr eure Kinder liebt ...

Diese Steuer ist wohl ein Schildbürgerstreich

Mit den Einnahmen soll das Wachstum gefördert werden und unterm Strich wird das Wachstum gedämpft?

Was soll denn der Blödsinn?

Unlogisch

Wenn die Staaten unfähig sind, ihre Banken zu überwachen, müssten diese im Gegenzug für ihre Unfähigkeit laufende Steuern senken, da ja sowieso immer wieder Rettungspakete fällig werden welche "Sondermaßnahmen" auf Kosten der Bevölkerung erfordern! Wenn jedoch eine leistungsfähige Bankenüberwachung eingesetzt wird brauchen wir keine Finanztransaktionssteuer mehr für irgendwelche Rettungsmaßnahmen. Da passt nichts zusammen, Haupsache neue Steuern!!

Antworten Gast: Valery
11.06.2012 10:18
0 0

Re: Unlogisch

Was hat Bankenüberwachung mit Finanztransaktionssteuer zu tun?

Aber ich stimme zu, dass diese Steuer ein Schildbürgerstreich wäre!

Re: Re: Unlogisch

Ich denke, am Anfang der Diskussion über diese Steuer standen irgendwelche Versagensvorwürfe an den Finanzsektor. Dieses Versagen würde aber durch Kontrolle theoretisch verunmöglicht, eine Strafstweuer daher unnötig.

Re: Unlogisch

Und die neuen Steuern fließen wieder nur in den nimmersatten Filz.

Gast: Rettungsschirmschlüpfer Nr. 1-17
08.06.2012 22:03
2 1

Macht Deutschland platt!

scheint die Devise von Regierung (Und, ja, auch der Opposition, oder was sich als solche bezeichnet).

Fakten auf den Tisch!

Wieviele Milliarden dieser Finanztransaktionssteuer bleiben für österreichische Pensionisten, Pflegebedürftige, Behinderte, Bildung, Arbeitsmarktförderung usw.?

Genau NULL!

Wieviel zahlen wir dann weniger an EU-Mitgliedsbeiträgen und diverse Hilfsfonds wie EFSF und ESM ein?

Genau NULL!

Wieviel wird zur Tilgung der österreichischen Staatsschulden verwendet?

Genau NULL!

Das ist nur ein weiterer Anschlag der Linken gegen die Nationalstaaten zur Errichtung eines Völkerkerkers EUdSSR.

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