21.05.2013 20:15 Merkliste 0

Euro-Rettungsschirm zu klein für Italien

13.06.2012 | 14:13 |  JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Italien dürfte der nächste Kandidat für den Euro-Rettungsschirm sein. Doch dafür ist der wohl zu klein. Die Italiener selbst wollen davon auch noch nichts wissen. Die Reformen beginnen allerdings zu stocken.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Nächster Halt Rom: Die Modalitäten der 100 Milliarden Euro „schweren“ spanischen Bankenrettung sind im Detail noch nicht einmal fixiert, da taucht schon der nächste Rettungskandidat im Visier der Märkte auf: Italien. Diesmal wird es aber richtig heftig: Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und der viertgrößte Schuldenmacher der Welt. Sollte dieses Land unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen, wird das die Kapazität der bisherigen Rettungsfazilitäten sprengen.

Reformen stocken, Zinsen steigen

Die Italiener selbst wollen davon auch noch nichts wissen: Regierungschef Mario Monti ging gestern empört auf die österreichische Finanzministerin Maria Fekter los, weil diese sich in einem TV-Interview „vorstellen“ konnte, dass auch Italien Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm benötigen könnte (siehe unten stehenden Artikel).

Dabei hatte Fekter nur ausgesprochen, was unter Finanzexperten zuletzt schon als ausgemachte Sache galt. Denn die Reformen, die Monti im vorigen Herbst auf den Weg gebracht hat, beginnen zu stocken, während die Wirtschaft immer tiefer in die seit drei Quartalen anhaltende Rezession rutscht. Das treibt die Staatsschuldenquote hoch: 123,5 Prozent dürften es heuer noch werden, 135 Prozent könnten es schon im kommenden Jahr sein. Nur Griechenland ist in der Eurozone in Relation zu seiner Wirtschaftsleistung noch höher verschuldet.

So etwas macht die Finanzmärkte nervös: Die Rendite italienischer Staatsanleihen ist gestern erstmals seit Langem wieder über sechs Prozent gesprungen. Sehr hohe Verschuldung und sehr hohe Zinsen gelten als eine Art tödliche Mischung.

Wenn es nicht gelingt, die Zinsen für die Staatsschuld wieder zu senken, dann ist demnächst Feuer auf dem Dach. Der Finanzbedarf Italiens für die Refinanzierung seiner Staatsschuld ist nämlich gigantisch. Bis 2014 laufen Staatsanleihen im Volumen von 487 Milliarden Euro aus. Um die Anleihegläubiger „bedienen“ zu können, muss der Staat frisches Geld in eben diesem Volumen aufnehmen. Gelingt dies auf dem Markt nicht oder nur zu untragbar hohen Zinsen, dann muss der Rettungsschirm einspringen.

Abgewirtschaftet: Zehn hässliche Fakten über Italien

Alle 11 Bilder der Galerie »

Den es in diesem Fall wohl zerreißen würde: Der geplante dauerhafte Rettungsschirm ESM hat ein „freies“ Kreditvolumen von 500 Milliarden Euro, von dem möglicherweise 100 Milliarden für die Bankenrettung in Spanien benötigt werden. Der Rest reicht nicht einmal mehr für den italienischen Finanzbedarf der kommenden beiden Jahre aus.

Als wahrscheinlich gilt aber, dass vor einem derart drastischen Schritt der Versuch gestartet würde, die Rendite der Staatsanleihen (etwa durch weitere Maßnahmen der EZB) auf ein tragbares Maß herunterzubekommen. Das hat schon einmal geklappt, allerdings nur vorübergehend.

Experten sehen die Lage Italiens auch deshalb etwas weniger dramatisch, weil die Probleme des Landes überwiegend auf zu hohen Altschulden beruhen, das Bankensystem aber als relativ gesund gilt. Das kann sich ändern, wenn Griechenland aus dem Euro austreten muss und der daraufhin in Südeuropa einsetzende „Bank-Run“ auch die italienischen Geldinstitute in Mitleidenschaft zieht.

Dann werden die noch stabilen EU-Länder wohl sehr tief in die Budgetkassa greifen müssen. Denn Italien ist ja nicht das einzige Land mit künftigem Geldbedarf. Auch Zypern dürfte schon demnächst unter den Schirm flüchten. Ein ungeordneter Austritt Griechenlands aus der Eurozone könnte sogar französische Banken schwer in die Bredouille bringen.

Spaniens Banken brauchen mehr

Und der spanische Bankensektor ist mit den 100 Milliarden, die jetzt aus Europa fließen werden, auch noch lange nicht saniert. Analysten gehen davon aus, dass die spanischen Geldinstitute ihre Karten noch nicht aufgedeckt haben und das wahre Ausmaß durch umfangreiche Kreditstundungen noch verschleiern. Die wirkliche Dimension der „faulen“ Immobiliendarlehen dürfte in der Zwischenzeit auf über 260 Milliarden Euro gestiegen sein. Mit ein Grund, dass die Ratingagentur Fitch gestern gleich 18 spanische Banken herabgestuft hat.

Das Brüsseler Center for European Policy Studies meint übrigens, dass den spanischen Instituten Verluste von bis zu 380 Milliarden Euro ins Haus stünden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

324 Kommentare
 
12 3 4 5 6 7
Gast: EFF EFF
13.06.2012 19:46
1 0

Pimco greift Deutschland an.

Mit dem französischen Doppeldefizit gerät auch Frankreich ins Visier der Finanzmärkte. Die USA könnten sich aus Frankreich zurückziehen und den illegalen EU-Zockertisch mit Leichtigkeit hochgehen lassen. Gegenhalten könnten nur die deutschen Banken mit ca. 800 Milliarden aus Kapitalflucht und Rückziehern aus den PGIS gebunkert bei der Buba.
Doch auf welcher Seite stehen die deutschen Finanzinstitute?
Pimpco, der weltgrößte Aufkäufer von Staatsanleihen und Subunternehmen des deutschen Allianzkonzerns will sich aus Deutschland zurückziehen. Allianz ist einer der 50 globaler Spieler, die 60% der Weltwirtschaft kontrollieren. Verlieren tun nur die Bürger, solange sie nicht auf die Barrikaden gehen.

Gast: Tomaschek V
13.06.2012 18:54
3 0

Druck auf Italien steigt weiter

Über Frau Fekter ist man hergefallen, als ob sie etwas verbrochen hätte, weil sie die Wahrheit, die jeder mit Hausverstand kennt, gesagt hat.

0 2

Re: Druck auf Italien steigt weiter

das problem ist: der druck steigt, weil jeder glaubt, dass italien ein problem hat. und erst dann(!) hat italien ein problem.

ist wie bei den stars: wenn viele glauben es ist ein star, erst dann wird er einer.

Gast: Mai
13.06.2012 18:52
3 0

Widerlich

Rund 120 Mrd. Euro schleusen die Italiener jährlich an den Steuerbehörden vorbei, ergab eine Berechnung der Tageszeitung "La Repubblica".

Die haben genug Geld.
Sie sollen sich selber helfen.

Jammerliesen, die auf Kosten anderer gut leben wollen.
Widerlich.

0 2

Re: Widerlich

genau und die ÖSI san die heiligen, machen keine schulden. glauben sie im ernst sie können das zurückzahlen?

Antworten Antworten Gast: Mai
13.06.2012 20:37
0 0

Re: Re: Widerlich

Unterschied = 0

Aber wir jammern noch nicht.
Und bei uns versickert es im Wörther See.
Und wir haben noch die deutsche Option.

Gast: werbistdu
13.06.2012 18:05
5 0

Fekter hat leider Recht

...mit ihrer Aussage über Italien.
Das sieht doch der dümmste Mensch, was in Italien los ist.
Die Warheit tut oft weh, und als Politiker in der EU darf man nur sagen, was den Nachbarn gefällt, und das ist oft nicht die Warheit.

0 0

Re: Fekter hat leider Recht

alles hat seine zeit.wenn ich das richtige zur falschen zeit sage ist es falsch

0 1

Re: Fekter hat leider Recht

italien hat schon etwa 20jahren diesen schuldenstand, da kommt ihre frau fekter und sie jetzt drauf?

Gast: watch the real gangsters!
13.06.2012 18:04
2 1

...

Nicht nur die Staaten, auch die Banken sind nur Spielsteine der global agierenden Bankst€r. Wobei manche Banken es wohl selber oft gar nicht merken, wie sie von Anderen abgezockt werden.
Was sind die nächsten Raubzüge?

- Italien ist ja schon - auch örtlich- naheliegend. Wann kommt Österreich dran?

Zuerst scheinbar die schwächeren Spielsteine am Rand des Spielfeldes: Gri, Irland, Portugal, Spanien. Dann Italien, Frankreich. Am Ende rauben Sie wohl die Mitte des Spielfeldes mit Österreich und Deutschland, die schon vorher "mithelfen" konnten, in einem Zug aus.
Die Frage ist nur, wie weit Politiker Mitwissende oder sogar Mittäter sind...

Länder wie

Deutschland, Österreich, Holland, Schweden, Finnland, etc. - schlicht der Norden - sollte sich vom Süden trennen. Der Süden ist ein finanzielles Fass ohne (!) Boden.

0 1

Re: Länder wie

und dann hat natürlich der süden keine schulden mehr im norden. löst sich alles wunderbar auf.

liebe frau bundesminister für bildung, sie sollten sich mal um die wirtschaftlich bildung ihres volkes kümmern.

Gast: HB4242
13.06.2012 17:55
1 0

Druck auf Italien steigt weiter ....

Na klar wird der Druck stärker ...

Griechenland war und ist nur ein Musterfall.

Man hat gesehen, die Spekulationen funktionieren. Dann war Spanien an der Reihe. Under wieder hats funktioniert.

Jetzt ist Italien im Visier. Und wieder wird es funktionieren ...

Als nächstes Frankreich, bis es die ganze EU zerreisst.
Und die Politiker sitzen da, wie das Kaninchen vor der Schlange ....

Und da soll mir einer erklären, warum wir all diese Kohle nach Brüssel überweisen, um all diese "Spezialisten" durchzufüttern !!!

PS: Mir ist schon klar, das wird alles nicht von Brüssel gesteuert !

Die EU ist wie eine Gazzelle

Die Gazzellen merken erst nach 100 Meter, dass sie angeschossen sind!

Nationalismus ... als einziger Ausweg ...

.... und den dürfen wir nicht gehen.
Wir werden solang "international" bleiben, bis es kracht.

Ist es Nationalismus,

wenn einem das Hemd näher ist als der Rock?

Es geht nicht um eine Abschottung der Volkswirtschaften - das wäre wirklich Nationalismus und hätte für alle Beteiligten (vor allem für uns selbst) fatale Folgen, sondern einzig darum, dem schlechten Geld nicht auch noch gutes hinterherzuwerfen.

Niemand schuldet irgendjemandem einen "Bailout".

Ein wesentlicher Kriegstreiber für den zweiten Weltkrieg waren die maßlosen Reperationszahlungen die Deutschland nach dem 1. Weltkried aufgezwungen wurden

Die haben ein an sich kriegsmüdes Volk wieder richtig in die Arme der nationalen Hetzer getrieben.

Deshalb haben sich die Siegermächte nach dem 2. Weltkrieg auch entschieden das nicht zu wiederholen.

Aber jetzt wird der Umstand dass immer Deutschland zahlen muss im Euro bleiben muss etc stillschweigend immer mit dem Krieg begründet - also als nichts anderes als verstekcte Reperationszahlungen.

Aber wenn das übertrieben wird und Detuschland auch noch beschimpft wird - und das tun Frankreich, Italien, Griechenland derzeit - dann besteht die Gefahr dass das Deutsche Volk sich wieder abwendet von Europa.

Und das wäre nicht gut für Europa - wie die Geschichte lehrt

Weil wenn sich jemand einen alleingang in Europa am ehesten leisten könnte dann wären das von größe und stärke am ehesten noch die Deutschen - das sind aber derzeit die die es am wenigsten tun. Aber die Deutschen Bürger haben schon ziemlich die Nase voll

Deshalb sollen es die PIGS auch nicht übertreiben.

Re: Ein wesentlicher Kriegstreiber für den zweiten Weltkrieg waren die maßlosen Reperationszahlungen die Deutschland nach dem 1. Weltkried aufgezwungen wurden

Dieses Argument stimmt gar nicht. Die Deutschen bringen es immer ins Gespraech um sich zu verteidigen!

Antworten Antworten Gast: HB4242
13.06.2012 19:24
0 0

Re: Re: Ein wesentlicher Kriegstreiber für den zweiten Weltkrieg waren die maßlosen Reperationszahlungen die Deutschland nach dem 1. Weltkried aufgezwungen wurden

Sehr geehrter Herr Dr. House,

ich vermute mal, Sie haben nicht Geschichte studiert ....

(müssen Sie auch nicht, ist aber trotzdem interessant)


Dafür. ..... .

... muss man nicht Geschichte studieren

Gast: Bürger01
13.06.2012 16:42
1 9

Deutschland überspannt den Bogen ......

Wenn der Euro zerbricht , können sich die Deutschen Ihr Geld wohin auch immer stecken .
Die EU-Politik ist nicht in der Lage , eine Wirtschaft konkurrenzfähig zu machen - alles was sie bisdato verbockt hat sind Subventionen (Marktverzerrung) und Rettungen von Bankenleichen . Diese Unfähigkeit die Realität zu sehen , ist das eigentliche Problem !

Re: Deutschland überspannt den Bogen ......

Sie schieben ein Scheitern des Euro den Deutschen in die Schuhe. Ausgerechnet jenen, die am meisten für den Südländer-Wahn zahlen müssen. Damit liegen Sie aber total falsch. Berlin ist nicht Brüssel. Dort sind die Schuldigen zuhause, in Brüssel und nicht in Berlin.

Antworten Antworten Gast: HB4242
13.06.2012 19:28
1 0

Re: Re: Deutschland überspannt den Bogen ......

Also in Brüssel ist unsere Kohle ganz sicher nicht geblieben !

Das geht noch etwas tiefer !

(Die in Brüssel sind auch nur Handlanger ...)

Re: Re: Deutschland überspannt den Bogen ......

Deutschland hat nicht schlecht verdient an Italien, Spanien und Griechenland in den letzten 10 Jahren. Das darf man auch nicht vergessen.

Und?

Sie haben dafür auch geliefert.

Um es mit der sprichwörtlichen Leberkässemmel zu erklären:

Der Fleischer schuldet mir für meine 1,50EUR eine Leberkässemmel, aber nicht eine Leberkässemmel und nochmal 1,50 EUR dazu.

0 1

Re: Und?

und wenns nix zum liefern hätte geben?

deutschland hat geliefert und kredite gegeben.

 
12 3 4 5 6 7

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...