22.05.2013 20:58 Merkliste 0

Die Investoren lassen Spanien fallen

14.06.2012 | 17:44 |   (Die Presse)

Spanien habe „äußerst limitierten Zugang zum Finanzmarkt“, befindet die Ratingagentur Moody's und setzt das krisengeplagte Land um drei Stufen herab. Reichen 100 Milliarden Euro zur Rettung tatsächlich aus?

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/stef. Noch zu Wochenbeginn war vereinzelt von einer „Beruhigung“ die Rede, von einer „leichten Entspannung“ der Lage in Spanien. Die EU hatte gerade beschlossen, den Iberern mit bis zu 100 Mrd. Euro unter die Arme zu greifen. Damit sollen die angeschlagenen Finanzinstitute über Wasser gehalten werden.

Nur wenige Tage später zeigt sich zum wiederholten Mal, dass Hilfsgelder alleine den Euro mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht retten werden. Die Investoren warten auf weitreichendere Lösungsvorschläge. Sie äußern vermehrt die Sorge, dass die Europäische Union lediglich „gutes Geld schlechtem Geld nachwirft“ – und lassen deshalb zunehmend die Geldbörse stecken.

Die Marke von sieben Prozent

So hat die spanische Regierung bloß  noch einen „äußerst limitierten Zugang zum Finanzmarkt“, befindet die Ratingagentur Moody's. Sie stufte das krisengeplagte Land am Donnerstag um drei Stufen auf „Baa3“ herab. Soll heißen: Ein Zahlungsausfall ist deutlich wahrscheinlicher geworden. Auch in den kommenden Wochen wird die Reise eher nach unten als nach oben gehen: Moody's prüft eine weitere Herabstufung, ebenso wie die anderen großen Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch.

Besonders deutlich zeigt sich die dramatische Lage Spaniens am Anleihenmarkt. Zehnjährige Staatspapiere notierten am Donnerstag bei einer Rendite von 6,99 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro. Ab einem Wert von sieben Prozent gilt ein Land de facto als vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Zum Vergleich: Österreich muss für seine zehnjährigen Papiere aktuell 2,36 Prozent zahlen, Deutschland 1,45 Prozent.

Tatsächlich warnen viele Beobachter davor, dass Spanien die Hilfsgelder nicht zurückzahlen können wird. Moody's erwartet, dass die Staatsverschuldung noch heuer auf 90 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen wird. Die Neuverschuldung betrug im Vorjahr neun Prozent, heuer dürfte sie bei über sechs Prozent liegen. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten schätzen, dass die Gesamtverschuldung bis 2017 aufgrund des aktuellen Hilfspakets auf 110 Prozent des BIP steigen wird. Bislang war man von maximal 100 Prozent ausgegangen.

Ein Fass ohne Boden?

Spanien ist nach Irland, Portugal und Griechenland das vierte Land der Eurozone, das unter dem Rettungsschirm Schutz sucht. Bei Spanien betonte die EU, das Land werde es aus eigener Kraft schaffen. Der Betrag von 100 Mrd. Euro sei bloß nötig, um den angeschlagenen Finanzsektor, allen voran das Großinstitut Bankia, zu retten.

Allerdings gehen viele Beobachter davon aus, dass 100 Mrd. Euro keineswegs genug sein werden. Das Brüsseler Center for European Policy Studies schätzt, dass den spanischen Instituten Verluste von 380 Mrd. Euro ins Haus stünden. Den Großteil davon könnten sie alleine nicht stemmen. Muss der Staat erneut einspringen, wären weitere EU-Hilfen nötig. Oder die Iberer schlittern so wie Griechenland in die Staatspleite. Eine Option, die von den EU-Partnern zumindest offiziell stets „ausgeschlossen“ wird.

Eine wichtige Rolle wird in den kommenden Monaten weiterhin die Europäische Zentralbank (EZB) spielen. Im Mai stiegen die durchschnittlichen Ausleihungen spanischer Institute auf 287,8 Mrd. Euro. Im Monat zuvor waren es 263,5 Mrd. Euro gewesen. Bereits in der Vergangenheit war die EZB eingesprungen, wenn europäischen Krisenländern der Zugang zum Kapitalmarkt verwehrt blieb. So hat die Zentralbank Staatsanleihen schwächelnder Euroländer im Wert von 216 Mrd. Euro gekauft.

Das allerdings erhöht ebenso wie die Rettungsschirme das Risiko für die anderen EU-Staaten. Sollte die EZB auf ihren Staatsanleihen sitzen bleiben, müssten die nationalen Zentralbanken – und damit die Steuerzahler – Geld zuschießen, um das Grundkapital zu erhöhen. Nicht zuletzt deshalb hütet sich die EZB bislang davor, weitere Staatspapiere von Krisenländern zu kaufen.

vergrößern

Es bleiben „maximal drei Monate“

Laut IWF-Chefin Christine Lagarde bleiben der Politik in der EU noch „maximal drei Monate, um den Euro zu retten“. Sie traf diese Aussage vor zwei Tagen. Das Tempo, mit dem die Investoren Spanien die kalte Schulter zeigen, deutet darauf hin, dass ihre Einschätzung optimistisch ist. Der nächste Wackelkandidat steht bereits fest: Die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen ist diese Woche erstmals seit Monaten wieder auf über sechs Prozent gesprungen.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

15 Kommentare
Gast: lanzvonL.
15.06.2012 21:32
0 0

Prof. Sinn vom IFO sagte es deutlich:

42% aller Menschen die den EURO benutzen leben in einem der hochverschuldeten südlcihen EU-Ländern.

Udn - es ist völlig ausgeschlossen, diese riesige menschenanzahl auf dauer zu erhalten.

Weder durch ESM, noch durch Eurobonds, noch durch irgendwelche "Ausgleichszahlungen"!

Damit sagte er nix anderes als dass der EURO, so wie er heute angelegt ist, absolut keine Zukunft hat!

Man müsste soviel nach Süden zahlen, soviel Geld kann man den hiesigen Steuerzahlern garnicht wegnehmen!

Der ESM, der hinter dem Rücken der Wahlbevöklerung jetzt durchgepeitscht werden soll, ist nur ein Symptom der EU-Syndikateure.

Ein reiner Akt der Verzweiflung, nämlich ungehindert und ohne Grenzen Fantasiegeldbeträge in das EURO-System reinzuschiessen!

aber - wiegesagt, die Märkte werden sich auch nicht durch Fantastrillionen-bürgschaften der Noch-nettozahler beeindrucken lassen.

Denn - 40% der EURO-Bürger haben ihren Wohlstand fast nur durch Zahlungen und EZB-Transfers aus dem Norden.

Udn - wie Prof. Sinn richtig sagt - soviel Geld kann man garnicht drucken, was die südlcihe Eu-Bevlökerung brauchen würde, um ihren Wohlstand auch nur annähernd aufrechterhalten zu können.

Gast: Zackinger
15.06.2012 15:55
0 0

Treffsicherheit unserer Finanzministerin

Frau Fekter ist der Auffassung, dass die spanische Wirtschaft und die Budgetkonsolidierung dieses Landes auf einem guten Wege sind ( http:www.format.at/articles ). Diese Aussage ist angesichts der folgenden Zahlen erstaunlich:

Das Budgetdefizit Spaniens in % des BIP hat sich von 2007 bis 2011 wie folgt entwickelt: 2007: +1,0 %, 2008: -4,5 %, 2009: -11,2 %, 2010: -9,3 %, 2011: -8,9 % ( http:// www.faz.net/aktuell/Wirtschaft ).

Das reale BIP-Wachstum Spaniens hat sich von 2007 bis 2011 wie folgt entwickelt: 2007: +3,5 %, 2008: +0,9 %, 2009: -3,7 %, 2010: -3,5 %, 2011: -5,5 % ( http:// www.dnet.at/elis/Tabellen ).

Die Arbeitslosenrate Spaniens hat sich von 2008 bis 2012 wie folgt entwickelt: 2008: 11,33 %, 2009: 18,01 %, 2010: 20,07 %, 2011: 21,64 %, 2012: 24,20 % ( http:// de.statista.som/statistik/daten ).

Pompfüneberer

Nun haben sie wieder zugeschlagen, die feinen schwarzgekleideten Herren. Natürlich nach bestem(?) Wissen fällen sie ihre vernichtenden Urteile. Früher waren die Pompfüneberer (Bestatter) so gekleidet. Anscheinend versuchen sie Europa mit ihren Ratings zu vernichten. Österreich haben sie das Triple AAA aberkannt und es hatte null Auswirkung auf unsere Wirtschaft und Kreditwürdigkeit! Wen wundert es, sind diese doch amerikanische Privatfirmen, die weltweit agieren. Die USA haben Billionen $ Schulden (bei China), aber sie haben trotzdem AAA. Man könnte meinen, da könnte Absicht dahinterstecken. Und unsere teure EU Kommission ist nach wie vor ratlos, statt eine europäische Ratingagentur zu installieren!

Artikel lesen, eigene Meinung bilden und bei Gefallen weiterempfehlen

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/goodbye-euro-d201491.html

Es wird allen

17 € Staaten so ergehen.

Dieses Schneeballsystem "Rettungsschirm" kann nicht funktionieren.

Alle Hilfszahlungen haben bisher nur eines bewirkt, die Zinsen sind weiter gestiegen!!!!!

Und es wird allen €-Staaten so gehen.
Die 4 unter dem Schirm hat man ja schon klein gekriegt, die anderen stehen mit hohen Summen in der Haftung, und genau das wird den Anlegerns demnächst dämmern.

dann werden die Zinsen für ALLE auf für Deutschland sehr schnell steigen.
Auch Euro-Bonds werden nicht mehr helfen. Die sind doch der Hoffnung, das die Bonität Deutschlands dafür sorgt das die Zinsen sehr stark fallen. Nur Deutschland ist auch nur noch ein Kartenhaus. Nehmen wir Haftung aus den Rettungsschirmen, T2 und andere verdeckte Kredite steht Deutschland mit mehr als 1 BILLION in der Haftung !!!!!!!!!!!!!!!!

Egal was die nun machen, es endet alles damit das die Haftungsrisiken die Staatshaushalte belasten was wiederum das Rating drückt und die Zinsen steigen lässt.

Das System € ist am Ende, es will nur keiner fallen lassen aus Stolz oder sonst was.
Am Ende wird die kollektive Pleite der gesamten EU stehen!!

Gast: Na und?
15.06.2012 07:18
1 1

Das kann auch Österreich passieren!

Eine Ratingagentur kommt drauf, Ostrisiko der Banken + ausgelagerte Schulden = schlechteres Rating (wir haben AAA eh schon los!).

Daraufhin steigen die Kosten für Schulden, daraufhin explodiert der Staatshaushalt.

Wenn es eine Ratingagentur wirklich darauf anlegt, ist Österreich in zwei bis vier Monaten bankrott.

Re: Das kann auch Österreich passieren!

Kommt noch nur keine Sorge !!!!!

Wir stehen schon in der Reihe der Abwertungskanditaten wie alle €-Staaten.

Ist nur eine Frage der Zeit.

0 0

Europa

... wird lernen müssen sich selbst zu finanzieren.

Antworten Gast: wn9
14.06.2012 23:53
1 1

Europa ... wird lernen müssen sich selbst zu finanzieren.

Die Frage beim Finanzieren eines Staates ist, woher das Geld kommt.

Da gibt es beim Geldbesorgen diese Möglichkeiten:
1) Das Geld kommt aus Umverteilung- Nur Banken und Zentralbanken schaffen ja Geld, alle anderen (Privatpersonen, Unternehmen, Staat selbst- verteilen nur um- nehmen ein und geben aus).
zB vermögende Privatpersonen borgen dem Staat Geld. Dies ist ja auch zu deren Vorteil. Diese wohnen ja auch in Staaten und haben etwas von staatlichen Leistungen- zB Straßen. Zudem zahlen diese ja nicht wirklich Steuern. Kommt das Argument, es wird dann das Geld transferiert- einfach eine Transaktionssteuer dazugeben und am Transfer als Staat mitverdienen.

2) Die Bankenmethode: Geld aus dem Nichts über Fiat money schaffen, ist nicht schwer. Das könnte jeder. Geldschöpfung über fiat money funktioniert ja so einfach, dass man sich fast vor den Kopf stösst, weil es so banal ist; auch das so etwas überhaupt möglich ist, lässt schmunzeln.
Der Staat soll einfach sein Geld selbst schaffen.
Es ist ohnehin interessant, warum sich souveräne Staaten von wenigen Personen,die Geldschöpfungsmacht wegnehmen haben lassen. Geldschöpfung in externer Hand ist ja nicht wirklich zum Vorteil der Staaten. Damit entmündigen Volksvertreter Staaten und das Volk.

90% der Geldschöpfung wird über normale Hausbanken über Kreditvergabe geschaffen. Interessant wäre eine Besteuerung von Banken auf Fiat money Geldschöpfung.
Da könnte der Staat vermehrt am Geldschöpfungsprozess aus dem Nichts mitverdienen.

Gast: Reflector
14.06.2012 21:27
0 0

100 Mrd. reichen nie aus


Es gibt halbwegs seriöse Schätzungen wonach die Verbindlichkeiten (Staat, Kommunen, Banken) um die ES alimentiert werden muss ca. 500 Mrd. ausmachen.

Da Bankbilanzen aber nicht reale Werte beinhalten, sondern Phantasiezahlen, kann das leider niemand genau sagen.

Also kommen zu den 9.000 € pro EU Bürger Kopf an Rettungsgeldern nochmals ca. 1000 € dazu womit sich die Summe auf ca. 10.000 € pro Kopf oder auf ca. 40.000 € pro vierköpfige Familie erhöht.

Dies werden aber nicht die letzten Bankretttungsbelastungen sei, denn wenn der ESM ersteinmalionstlliert ist und mit einer Banklizenz versehen wird, dann lassen die Banken endlich die Sau raus, denn dann braucht man sich nur mehr zu bedienen ohne dieses ewige Fordern.

Re: 100 Mrd. reichen nie aus

Stimme ihnen völlig zu.

Besonders heikel wird sein: Die Banken haben Ihre Bilanzen noch nicht OFFEN gelegt.
Ausserdem war der spanische Bankenstresstest gefakt, man bog sich die Zahlen so hin wie man Sie brauchte !!!!1

Da liegen noch einige Leichen im Keller.
Gehen wir davon aus das genausoviel wie in GR verschleiert wird, dann können wir getrost die 100 MRD mit dem Faktor 10,5 multiplzieren, das wäre dann mehr als
1 Billion.

Klar reichen die 100

Sie brauchen ja nur 40. .. oder 30.
Oder hat die Presse in den letzten Tagen Unfug geschrieben?

ja

für ein par Tage sicher

Gast: anderswo
14.06.2012 19:44
0 0

es geht ans Eingemachte


http://www.boerse-go.de/artikel/zeigen/articleId/2855015

Mario Draghi, Chef der EZB, als "Helfer" Griechenlands, im Auftrag von Goldman Sachs?

Antworten Gast: wir werden für dumm verkauft
15.06.2012 10:23
0 1

Re: es geht ans Eingemachte

Mari Draghi arbeitete für die Weltbank und von 2002 bis 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London!!! (vgl. Wikipedia)

Letzten Sommer finalisierten die USA ihren Staatsstreich in der EU:
- den widerspenstigen Strauss-Kahn durch die folgsame Lagarde beim IWF ersetzt
- Besetzung der EZB-Schlüsselstellen mit wallstreetgeeichten Doppelstaatsbürgern (USA+EU-Land)
- Monti in Italien
- EU-Schalstellen wurden ebenfalls mit Doppelstaatsbürgern infiltriert (USA+EU-Staat, z.B. Menschenrechte, Migration...)

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...