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"Griechenland wird seine Schulden nie ganz zurückzahlen"

14.06.2012 | 18:48 |  von Oliver Grimm (Die Presse)

Der deutsche Wirtschaftsexperte Ferdinand Fichtner warnt vor den Folgen eines griechischen Euro-Austritts. Griechenland werde zumindest einen Teil seiner bereits empfangenen Hilfskredite für immer schuldig bleiben.

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Berlin. Einer der führenden deutschen Volkswirte hält es für sicher, dass Griechenland zumindest einen Teil seiner bereits empfangenen Hilfskredite für immer schuldig bleiben wird. Diese teilweise Staatsinsolvenz Athens werde den anderen Euroländern aber weniger große Verluste verursachen, falls Griechenland Mitglied der Eurozone bleibt.

„Ich meine, dass Griechenland nie in der Lage sein wird, seine Schulden ganz zurückzuzahlen. Darum werden die öffentlichen Gläubiger über kurz oder lang auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Das ist ziemlich offensichtlich“, sagte Ferdinand Fichtner, Leiter der Abteilung für Konjunkturanalyse im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, am Mittwoch im Gespräch mit EU-Korrespondenten aus mehreren Ländern.

Ein Verlassen der Griechen aus der Währungsunion, verniedlichend „Grexit“ genannt, wäre seiner Ansicht nach nicht im Interesse der anderen Eurostaaten. „Sowohl aus politischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht ist es vorzuziehen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt. In der Eurozone ist diese Situation kontrollierbar. Wenn Griechenland aber austritt, wäre die Regierung mit einer neuen, schwachen Drachme wahrscheinlich unfähig, die Schulden zurückzuzahlen.“

Im Rahmen des ersten Hilfsprogramms hat Athen bis Ende Dezember 2011 73 Milliarden Euro erhalten. 52,9 Milliarden Euro davon stammen von den Euroländern, 20,1 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Darüber hinaus hat die Europäische Zentralbank griechische Staatsanleihen im Ausmaß von bisher vermutlich rund 55 Milliarden Euro auf den Märkten gekauft. Eurozone und IWF haben ein neues Hilfsprogramm mit der früheren Athener Regierung ausverhandelt, das neben einer teilweisen Streichung der Schulden bei privaten Gläubigern 130 Milliarden Euro an neuen Hilfskrediten zu besonders niedrigen Zinsen vorsähe. Ob es in Kraft tritt, hängt davon ab, ob sich bei den Wahlen am Sonntag eine Regierung herauskristallisiert, welche die versprochene Budgetsanierung und Staatsreform einhält.

Fichtner, der früher in der Europäischen Zentralbank gearbeitet hat, hält auch wenig von dem Argument, dass die Einführung einer stark abgewerteten Drachme Griechenland im Handumdrehen die verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit zurückbringen könnte. „Ein Euro-Austritt wäre zwar verkraftbar, aber für alle Beteiligten die schlechteste Lösung. Die Produktion in Griechenland würde wohl zusammenbrechen, weil die griechischen Unternehmen mit der schwachen Drachme keine Rohstoffe und Vorprodukte mehr im Ausland kaufen könnten. Ich sehe nicht, was es bringt, wettbewerbsfähig zu werden, wenn man nichts hat, was man exportieren kann.“ Gleichzeitig verwahrte er sich dagegen, die ökonomischen Folgen eines „Grexit“ zu beziffern, wie das vielerorts getan wird. „Ganz ernsthaft: Welchen Sinn hat es, solche Zahlen zu erfinden? Das ist keine ernsthafte Wirtschaftswissenschaft.“

Zypern bekommt russischen Kredit

Das ebenfalls angeschlagene Euroland Zypern kann auf einen Hilfskredit aus Russland in der Höhe von fünf Milliarden Euro zählen. Das bestätigte Pawel Medwedew, Berater des russischen Zentralbankchefs Sergej Ignatjew, in der Moskauer Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“. Russland hat Interessen, an der Gasförderung von neu entdeckten Gasfeldern vor der Küste der Insel beteiligt zu werden, und hat dem Land bereits einen Kredit über 2,5 Milliarden Euro gewährt.

Zuletzt ist davon ausgegangen worden, dass nun auch Zypern gezwungen sein dürfte, den Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. Der aktuelle Finanzbedarf wurde auf vier Milliarden Euro geschätzt.

Auf einen Blick

Griechenland wird nach Ansicht von Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung seine Schulden nie gänzlich zurückzahlen. Deshalb müssten öffentliche Gläubiger auf Forderungen verzichten. Fichtner betont, dass es für die Partnerländer besser wäre, wenn Griechenland den Euro behält. Im Land selbst würde bei einem Austritt die Produktion zusammenbrechen, weil griechische Unternehmen mit der schwachen Drachme keine Rohstoffe und Vorprodukte mehr im Ausland kaufen könnten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)

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41 Kommentare
 
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Herr Fichtner - wie sind die Lottozahlen für den 1. April 2865, bitte?

Ich frage mich gerade, ob der hellsichtige Herr Fichtner als 'Finanzexperte' nicht den Beruf verfehlt hat, und sich - wenn schon nicht als Weissager (...zugegebenermaßen ein etwas obsoletes Berufsbild) - so doch besser als Zukunftsforscher verdingen sollte.
"Für immer" und "nie" sind doch sehr *erm* gewichtige Aussagen über ein Land, das vor ~2300 Jahren nicht nur Wiege unserer abendländische Kultur (wie auch Politik) war, sondern sich auch über lange Zeit blühender Prosperität und finanziellen Reichtums rühmen konnte.
Herr Fichtner - wie sind die Lottozahlen für den 1. April 7165, bitte?

Gast: Besser Tango statt Galeere
15.06.2012 12:20
0 0

Ich hätte jetzt gerne meinen Anteil an Fekters "Gutem Geschäft" in bar ausbezahlt bekommen, um meinen Neustart im boomenden Lateinamerika besser finanzieren zu können

Die Schwellenländer boomen,
während die von den unfähigen Politikern vergötterte EU mit all ihren "Experten" wegen ihrer Schimäre Euro bankrott geht.

Meerraiiiaaaa !

Du hast uns ja was ganz anderes versprochen. Du hast gesagt, das sei ein tolles Geschäft!

"Griechenland wird seine Schulden nie ganz zurückzahlen"

.
Welche geniale Erkenntnisse und Rückschlüsse eines „Wirtschaftsexperten“ im Monat Juni 2012.

Normal sterbliche Kaufleute *wussten* das bereits am Beginn der „Krise“ das Griechenland bei Betrachtung aller „Wirtschafts- und Finanzzahlen“ von allen nach Griechenland fließenden Hilfen lediglich 20-30% zurückkommen werden. Beim Austritt aus der EU Gemeinschaft bzw. aus dem Euro werden es eher 15-20% werden. Falls überhaupt dann was zurückkommt. Vielleicht Oliven.

Wenn ich mir die heutigen gegenüber den früheren Aussagen der „Politiker“ und „Experten“ heute anhöre muss ich überlegen ob ich lachen soll oder kotzen.

Gast: Kein Lehrer
15.06.2012 10:02
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Nachhilfeunterricht

Griechenland kommt mir vor wie ein Schüler dem ein 5er im Zeugnis angedroht wird, aber der Schüler hat keine Ahnung, wie er den 5er verhindern soll, er wird aber mit seinem Problem allein gelassen.

Griechenland braucht nicht nur Finanzhilfe, Griechenland braucht vor allem zielführenden Nachhilfeunterricht in Finanz- und Wirtschaftspolitik.


Gast: tendenziöses "Experten"-Gerede eines Lobbyisten der Konzerne
15.06.2012 09:39
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Und wenn Griechenland im Euro bleibt, zahlen im Endeffekt Deutschland und Österreich kaum weniger

Der Euro nützt nur den Konzernen,
kostet jedoch den Steuerzahlern zu viel.

Der Rückzug auf ein starkes Kerneuropa unter der Führung der Deutschen mit DM wäre der klügere Schachzug.

Doch die USA+GB und F tun alles, um dieses für sie als Horrozszenario geltende Projekt zu verhindern, denn

(a) die Wallstreet-Banken (inkl. Goldman Sachs) verdienen durch fette Risikoaufschläge an der selbst via Ratinagenturen initiierten EU-Finanzkrise hervorragendst und

(b) das abgewirtschaftete GB (ausgenommen der am US-Gewinngeschäft mitpartizipierende Finanzdistrikt Londons) und das ebenfalls durch zu viel Migration geschwächte F

haben null Interesse an einem gestärkten, selbstbewußten da dominanten Deutschland.

Ihr Ziel ist die Schwächung Deutschlands, das unter dem Steiefel der USA (Wallstreet) gedrückt nach dessen Pfeife tanzen muß (man betrachte die Befehlskette in Sachen Finanzkrise! Obama+Cameron+Monti+Draghi/EZB, unterstütz von ihren "Experten", gegen die in Finanzbelangen unerfahrene, als ostdeutsche Antikommunistin USA-hörige Merkel), damit die gutdressierten deutschen Steuerzahler & Co. (inklusive Ö) auf Dauer brav extraviel für die südländischen Pleitiers zahlen, sprich: die enormen Gewinne der Wallstreetbanken aus diesem Geschäft widerstandslos langfristig quersubventionieren.

USA+Konzerne+Milliardäre wollen den Euro, da ihre Lobbyisten so nur Brüssel und nicht 27 Hauptstädte bestechen und manipulieren müssen, was ihnen viel teurer köme.

Der Bürger wird dafür teilenteignet.

Gast: Gretzky L.
15.06.2012 09:34
0 0

Wirklich "no alternative" ??

Na so was Griechenland kann seine Schulden nicht zurück zahlen ?? Auf die Idee wäre ja außer Herrn
Fichtner wohl sonst niemand gekommen.

Natürlich müßte Griechenland nach einem Austritt unterstützt werden aber es wäre absehbar , dass Griechenland irgendwann wieder einmal auf den Status vor dem Euroeintritt kommen würde.

Antworten Gast: Hudriwudri
15.06.2012 10:35
0 0

Re: Wirklich "no alternative" ??

Wir leisten uns immerhin eine Finanzministerin, die auf diese Idee nicht gekommen ist und das Fass ohne Boden dort fuer ein "gutes Geschaeft" haelt. Insofern ist auch die Veroeffentlichung solcher "nona"-Erkenntnisse ein Schritt vorwaerts.

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Die griechischen Reeder

könnten doch auch einmal einen Solidaritätsbeitrag für ihr Land leisten.

Die haben in GR niemals Steuern bezahlt!
Warum sollen wir jetzt zahlen?


Das ist keine ernsthafte Wirtschaftswissenschaft

Reiner Schwachsinn, was sogenannte Experten verzapfen. Es werden weitere Milliarden bei einem Verbleib Griechenlands in der Eurozone verbrannt werden, so wie jetzt in Spanien und danach in Iatlien. Dann ist ganz Europa ein Sanierungsfall und Spekulaten, vor allem aus den USA, werden sich billigst Filetstücke herauspicken.

Gast: TT1
15.06.2012 08:58
0 0

Fichtner hat keine Ahnung

Fekter! Wo ist Fekter? Sie kann Herrn Fichtner erklären, wie das in der Wirtschaft WIRKLICH funktioniert. MIZZI BITTE SPRICH!!!!

Gast: super
15.06.2012 08:25
1 0

man braucht kein experte zu sein...


um zu erkennen, dass die griechen jemals auch nur einen cent zurückzahlen werden.

ganz im gegenteil, es wird ein fass ohne boden - für immer....

Artikel lesen, eigene Meinung bilden und bei Gefallen weiterempfehlen

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/goodbye-euro-d201491.html

Gast: Rawutzel
15.06.2012 07:56
2 0

"Griechenland wird seine Schulden nie ganz zurückzahlen"

Welche Bank gewährt Kredite, wenn sie von Vornherein weiß, dass sie das Geld nicht zurück bekommt????

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Re: "Griechenland wird seine Schulden nie ganz zurückzahlen"

die Bank namens "Steuerzahler des DM-blocks"?

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sie werden - so oder so - niemals zurückzahlen

es rennen so viele Besserwisser herum, Jeder darf etwas sagen.
insgesamt ist es die Szene des unaufhaltsamen Untergangs.
die Akteure sind überfordert, bzw wissen, daß der Zug bereits abgefahren ist.

Gast: DerPatriot
15.06.2012 07:28
4 0

Griechenland zahlt seine Schulden nicht mehr??

Na Gottseidank haben das die EXPERTEN jetzt nach jahrelanger Arbeit analysiert!

Schon komisch dass das sogar der gemeine Pöbel ohne Analyse das schon lange vorher wußte.

Gast: Pips
15.06.2012 07:02
2 0

Das

größte Problem der Neuzeit sind die Heerscharen
von "Experten" die zwar nichts können aber viel reden. Genau wie seinerzeit Karajan die "Kulturkritiker" taxierte:-Ein Kritiker das ist ein Mann der alles weiß aber gar nichts kann-.

Gast: Na und?
15.06.2012 07:00
0 0

Der normale Wahnsinn:

Die Griechen erpressen den Rest der EU ganz offen.

Reiche drohen mit Abwanderung und Vermögensverlagerung ins Nirwana.

Mittelstand und Arme gehen auf die Straße protestieren.

Auf die Idee, die Steuern halbwegs regelmäßig zu zahlen, sind beide Gruppen nicht gekommen. Daher wäre ich für einen Ausschluß der Griechen aus der EU und dem Euro.

Erbärmlich, wie vor einem so kleinen und präpotenten Land zu Kreuze gekrochen wird!!!

Gast: 3by
15.06.2012 05:39
4 0

Eigentlich

sind die Griechen in einer recht bequemen Situation: Wenn sie nicht zurückzahlen, passiert gar nix, weil sie ja trotzdem nicht aus dem Euro rausfliegen. Angeblich reisst das ja den Rest Europas ins Verderben. Also muss der Rest Europas zahlen, um dem Verderben zu entgehen.

An deren Stelle würd ich Geld verlangen ohne Ende. Die könnten sogar zynischerweise gleich dazusagen, dass es sich um ein Geschenk und kein Darlehen handelt.

Diese Politikerdeppen haben sich freiwillig erpressbar gemacht, was mir im Prinzip wurscht wär, wenn ich nicht dazuzahlen müsste.

Also - ohne diesem spezialisten,................

waere ich nie auf das gekommen - :O)) ...........................

irgendwann bleib i dann dort


Irgendwo in Griechenland,
Jede Menge weißer Sand

STS lässt grüßen....


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Die Nichtrückzahlung ist noch das geringste Problem...

aber wenn die eingegangenen Haftungen schlagend werden, dann sind wir wirklich endgültig im Siphon unter der Muschel.

Gast: speibender regenbogen
14.06.2012 23:45
2 0

egal, ob griechenland im €rror bleibt oder nicht: die werden gaaaar nixxx zurück zahlen!

nur: wenn sie im €rror bleiben, dann werden sie unsere volxzertreter weiterhin bis in alle ewigkeit alimentieren, wenn sie aussteigen, brauchen wir ihnen nix mehr zahlen. also wäre es aus rein wirtschaftlicher sicht ein vorteil für uns, wenn die griechen die €rrorzone verlassen. aus politischer sicht ist es mir schnurzpiepegal, was die "experten" da so meinen, schließlich vertritt die "politische" ansicht schon längst nicht mehr die der völker europas.

Gast: LegendIn
14.06.2012 23:24
7 0

Frage: Ministeranklage? Amtshaftung? Oder zumindest Amtsarzt?



Gusenbauer: "Die Griechenland-Hilfe wird ein gutes Geschäft für Österreich"

Pröll: "Wir profitieren von den Zinsen aus Griechenland"

Faymann: "Wir übernehmen nur Haftungen, hihi, die nicht schlagend werden *grins* "

Fekter: "Wir haben noch keinen Euro verloren, ganz im Gegenteil einen Zinsgewinn lukriert"

Frage: Könnte sich der Amtsarzt für die Innere Stadt nicht mal im Parlament umsehen? Möglicherweise haben diese Herrschaften sogar eine Lenkerberechtigung, nicht auszudenken, was solche unz. urech . nungsfähigen Gestalten bspw. als KfZ-Lenker anrichten könnten.

Re: Frage: Ministeranklage? Amtshaftung? Oder zumindest Amtsarzt?

was soll man dazu noch sagen, außer,........ähhhh,.......ich will diese Beamtenkasperln oder Möchtegernakademiker, Rechtsanwälte..ha ha ha.....nutzloses Pack ja nicht in Schutz nehmen, aber, ..... übernehmen die nicht immer die Politische Verantwortung ? :-) Das diese Leute keine Angst vor Uns haben zeigt mit welchen perversen Charakteren wir es zu tun haben. Früher wurde man Politiker aus Überzeugung, heute, um sich zu bereichern.

 
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