21.05.2013 15:01 Merkliste 0

Madrid ruft nach der EZB: Renditen erreichen die Todeszone

18.06.2012 | 17:36 |   (Die Presse)

Spaniens Anleihenzinsen waren seit Euro-Einführung nie so hoch. Mit mehr als sieben Prozent ist kritische Zone erreicht. Die Regierung verlangt nach dem Einsatz der EZB-Notenpresse.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien/Madrid/JIL. Die Erleichterung über das Wahlergebnis aus Griechenland währte am Montag an den Märkten nur kurz. Sehr kurz.
Die europäische Schuldenkrise ist weiter in vollem Gang, und im Zentrum steht längst nicht mehr das kleine Griechenland, sondern die „Elefanten“ Spanien und Italien. Nach einer kurzen Phase der Entspannung stiegen die spanischen Renditen auf zehnjährige Anleihen am Montag zum ersten Mal seit der Einführung des Euro auf ein Rekordhoch: 7,10 Prozent. Damit hat Spanien die „Todeszone“ erreicht. Sieben Prozent gilt allgemein als Grenze zwischen erträglichen Refinanzierungskosten und der akuten Gefahr, von den Märkten ausgeschlossen zu werden. Griechenland, Irland und Portugal mussten bei mehr als sieben Prozent Rendite unter den EU-Rettungsschirm. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mithilfe ihres Notfall-Anleihenkaufprogramms SMP (Special Market Program) mehrmals die Renditen für Italien und wohl auch für Spanien gedrückt. Das SMP ist derzeit auf Eis gelegt – soll nun aber reaktiviert werden.

Zumindest, wenn es nach der spanischen Regierung in Madrid geht. „Die EZB muss auf die Lage auf den Märkten entschieden und zuverlässig reagieren“, sagte der spanische Finanzminister Cristobal Montoro am Montag.

Letzte Geldspritze verpufft

Der EZB ist die direkte Staatsfinanzierung über Anleihenkäufe eigentlich strikt untersagt. Wegen der Einführung des SMP haben zwei deutsche Notenbanker aus Protest die EZB verlassen. Und auch der neue EZB-Chef Mario Draghi scheint derzeit nicht geneigt, das SMP wieder zu aktivieren. Er hat versucht, den europäischen Anleihenmarkt mittels einer Geldspritze für die Banken in der Höhe von einer Billion Euro zu beleben – ein Unterfangen, das zwar gelungen ist, dessen positive Effekte sich aber wieder aufgelöst haben. Spanische Banken waren Großabnehmer des Programms.

Diese haben aber noch andere Probleme als die Anleihen ihres Staates. So ist der Anteil der „notleidenden“ Kredite in den Büchern der spanischen Banken laut aktuellen Daten der Zentralbank im April auf 8,72 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit 1994. Und auch diese Zahl ist freilich eine Schätzung. Niemand weiß, wie viele der Kredite, die in Spanien in den Jahren des Booms vergeben wurden, wirklich zurückgezahlt werden können.

Deutschland als Fluchtpunkt

Während am Montag auch die Rendite der italienischen Bonds um 14 Basispunkte auf 6,05 Prozent stieg, sind deutsche Bundesanleihen als sicherer Hafen wieder stark gefragt. Die Rendite fiel am Montag auf unter 1,40 Prozent. Deutschland gilt als der einzige zweifelsfrei solvente Eurostaat und zieht deshalb Investoren auf der Suche nach Sicherheit an. Auch Österreich musste als sicherer Hafen zuletzt deutlich niedrigere Zinsen zahlen.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

9 Kommentare
0 0

TODESZONE

...welch journalistisches meisterwerk ;-))))

Gast: EZB
19.06.2012 22:32
0 0

Special Market Progam

SMP - Securities Market Program

Gast: EFF EFF
19.06.2012 01:53
0 0

Computergeld - nein Danke

Wenn ich mich schon mit dem blöden Geld abfinden muss, dann bitteschön in echtem, zum freien Warenverkehr zugelassenen, physischen Papiergeld.

...

was ist das eigentlich in den letzten jahren... die Politik erklärt uns mit ihren aberwitzigen Handlungen verhindert sie den Domino Effekt... also ich bemerke nur, dass die Domino Steine langsamer umfallen...
und gestern bei im Zentrum hat Herr Swoboda eher mit Unwissenheit geglänzt!
jeder der ein wenig Sinn, hankel usw verfolgt hat mehr wissen als der höchste sozialist in der eu!
das ist schon fast peinlich wie ahnungslos und hilflos unsere eu Politiker sind!

Und der nächste Krisengipfel dürft schon in Vorbereitung sein

Und nach dem Jubel ist die angekündigte Katerstimmung auch schon da, weil mit der Wahl in Griechenland die Probleme nicht gelöst wurden. Die Länder der Eurozone müssen sich entscheiden entweder goodbye Euro (z. B. Nord- und Südeuro) oder Konzentration der Macht in Brüssel, da divergierende nationale Interessen mit einer Währung kaum vereinbar sind.

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/goodbye-euro-d201491.html

Gast: Bänkster
18.06.2012 18:29
1 0

Folge des Griechen-Haircut

klar verkaufen nun private Investoren die spanischen Bonds !!!

Man hat die EZB beim griechenischen Haircut ungeschoren davon kommen lassen, während man private Investoren einen 80 % Verlust zugemutet hat. Freiwillig war da gar nichts trotz medialer Beteuerung.

Gut und schön bisher. Nur....

...soll von an niemand mehr annehmen, dass private Investoren das Risiko von spanischen Bonds wie jenes von deutschen Bonds bewerten. Von nun muss das Risiko (inkl. Haircut) den privaten Investoren bezahlt werden. Aktuell bei Spanien eben über 7 % (wäre noch höher, wenn die EZB sich an die Statuten gehalten hätte und erst gar keinen Bail Out betrieben hätte).

Prinzipiell ein Schritt in die richtige Richtung (höhere Zinsen für Spanien) - WENN die EZB nicht neuerlich umfällt und nun wieder spanische Bonds aufkauft......

je mehr man in diesen Markt eingreift - umso schlimmer wird es. Dabei haben uns schon die AMIS gezeigt wie es NICHT funktioniert (Aufkauf von Staatsanleihen durch den Staat).....

Prinzipiell aber nichts neues. Die Politik geht schon seit tausenden Jahren den (kurzfristig) leichteren Weg über Inflationierung.

Und das ist auch diesesmal so - trotz oder wegen dem Euro, ganz egal.

Schütze sich wer kann (wohl am besten mit Gold?) - dem einzigen Geld, welches man nicht beliebig vermehren kann.

Antworten Gast: EFF EFF
19.06.2012 01:10
0 0

Re: Folge des Griechen-Haircut

Schon das selbstgeschöpfte Giralgeld ohne Computer ging nicht mit Gold zusammen. Dann geht Gold mit Computergrld erst recht nicht zusammen. Im Computerzeitalter würde eine goldgedeckte Währung nicht einen einzigen Giralgeldangriff überleben.
Hinzufügend müsste der Goldwert künstlich soweit erhöht werden, dass man auch gleich beim Fiatgeld bleiben kann.

Antworten Gast: EFF EFF
18.06.2012 23:26
0 0

Re: Folge des Griechen-Haircut

Gold und Computergeld gehen nicht zusammen. Das Giralgeld muss eliminiert und leistungslose Einkommen auf Sozialhilfeniveau beschränkt werden.

Gebetsmühlenartig:

Liebe Presse, "Zinsen" ungleich "Rendite". Bitte.

Spanien zahlt je nach Laufzeit zwischen 4,5 und 6% Zinsen (Kupon) p.a.
Da die Anleihen am Sekundarmarkt unter 100% notieren, ergeben sich über der Verzinsung liegende Renditen für den Käufer.

Detail am Rande: Wer jetzt eine spanische Anleihe um 80% kauft und 5% p.a. will, muss in ein paar Jahren "gerettet" werden, da der Zahlungsausfall ja unabsehbar war.

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...