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Europäische Zentralbank plant eigene Ratings

21.06.2012 | 18:03 |   (Die Presse)

Die europäische Zentralbank (EZB) will ihr Anleiheportfolio künftig selbst bewerten und so die US-Ratingagenturen aushebeln. Die Urteile der amerikanischen Agenturen waren zuletzt freilich öfter umstritten.

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Frankfurt/reuters, Die europäische Zentralbank (EZB) will den Einfluss der amerikanischen Ratingagenturen massiv beschneiden. Zumindest, was die Bewertung der Staatsanleihen im eigenen Portfolio betrifft. Derzeit würden Überlegungen angestellt, die Bonitätswächter bei der Entscheidung, welche Anleihen mit welchen Sicherheitsabschlägen ins Portfolio genommen werden, nicht mehr heranzuziehen, verlautete am Donnerstag aus Frankfurt.

Dabei geht es um Anleihen von Euroländern, die von Banken als Sicherstellung für erhaltene EZB-Darlehen bei der Zentralbank „abgeladen“ werden. Die EZB muss bei jeder dieser Transaktionen die Bonität des Anleiheschuldners feststellen, um bewerten zu können, ob und wenn ja, mit welchem Sicherheitsabschlag die Papiere akzeptiert werden dürfen. Bisher verlässt sich die EZB dabei auf die Ratings der amerikanischen Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's sowie auf die Einschätzung der kanadischen Agentur DBRS. Die Urteile der amerikanischen Agenturen waren zuletzt freilich öfter umstritten. Ihnen wurde vorgeworfen, politische Überlegungen in ihre Handlungen einfließen zu lassen. Besonders der Zeitpunkt der Veröffentlichung negativer Analysen war zuletzt häufig kritisiert worden. Die Agenturen hätten dabei die Rolle von „Brandbeschleunigern“ in der Eurokrise eingenommen, hieß es.

Klargestellt wurde am Donnerstag allerdings auch, dass die Überlegungen mittelfristiger Natur sind und noch nicht so schnell verwirklicht werden könnten. Auch die Kriterien, nach denen die EZB Staatsanleihen bewerten wird, wenn die Einschätzungen der amerikanischen Agenturen nicht mehr zur Verfügung stehen, sind weitgehend unklar. Fest stehe jedenfalls, dass die EZB auch weiterhin Abschläge für als Sicherheiten eingereichte Bonds  je nach Bewertung des jeweiligen Landes vornehmen werde, verlautete gestern aus Frankfurt.
Überlegt werde, eigene Experten der Notenbank heranzuziehen. Die würden ihre Bewertungen allerdings nach ähnlichen Methoden wie die US-Agenturen vornehmen.
Der Aufbau eigener Ratings gilt allerdings als politisch extrem heikel. Wie es hieß, gebe es auch Überlegungen, gemeinsame Ratingexpertise der EZB, der amerikanischen Fed und der Bank of England aufzubauen, um so die amerikanischen Ratingagenturen auszuhebeln.

Kriterien schon aufgeweicht

Allzu strenge Kriterien kann die EZB für die Bewertung der Papiere, die sie als Sicherheiten von den Banken akzeptiert, derzeit ohnehin nicht anwenden. In den vergangenen Monaten waren die Anforderungen an die Sicherheiten laufend gesenkt worden. Andernfalls hätten sich zahlreiche Banken bei der EZB nicht mehr refinanzieren können. Die Deutsche Bundesbank hatte dies in jüngster Zeit scharf kritisiert.

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7 Kommentare
Gast: jaaaa
21.06.2012 20:20
0 0

ja zum euro

Kein Ende des Euros und eigene Ratings! So lassen wir die Nordamerikaner nicht die Weltherrschaft wiedererlangen!

Gast: EZB
21.06.2012 16:17
0 1

Völlig richtig

Die EZB sollte selbst in der Lage sein die Bonität der Länder zu beurteilen und sich nicht sklavisch an die Ratings der Agenturen binden.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
21.06.2012 17:02
2 0

Re: Völlig richtig

Die EZB kann die Bonität der Eurostaaten auch hervorragend beurteilen und macht das auch länger.

Anders kann die irre Geldschöpfung der EZB um das Verwirtschaften der europäischen Planwirtschafter zu kompensieren auch nicht gewertet werden.

Es ist doch vollkommen egal was die Anderen sagen, es kommt doch nur auf die Realität an. Die Realität ist, dass die Eurozone mit offiziellen Staatsschulden von etwa 10 Billionen Euro bankrott ist und die Refinanzierung nur noch, direkt oder indirekt, von der EZB sichergestellt wurde.

http://www.ecb.int/press/pr/wfs/2012/html/index.en.html

11.05.2012: 3.009.684 Mio. Euro
23.12.2011: 2.733.235
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Es geht nicht mehr um die Meinungen zur Bonitätsbeurteilung, es geht nur um die Realität, welche auch von der EZB nicht gebogen werden kann.

Antworten Antworten Gast: gebogenbistduselbst
21.06.2012 20:21
0 0

Re: Re: Völlig richtig

Vereinigte Staaten: 99% Schulden. Wir: unter 80%.


Gast: Achmadinedschad-Pröll-Muhm-Hollande-Draghi-Monti
21.06.2012 14:43
1 0

Ja, diese Beurteilungen hemmen unsere erfolgreiche Arbeit!

Sämtliche Kritiker, welche nicht unsere Meinung teilen, die nehmen wir ohnehin nicht ernst.

Jetzt geht *das* wieder los

Als wäre Spanien dann kreditwürdiger.
Ich bleibe dabei: Solange jene Länder, die Ihren Schuldenberg abtragen, nicht runtergestuft werden und damit für den Rest höhere Zinsen zahlen müssen, ist statistisch belegbar:
Die billigsten Schulden sind die, die man nicht hat.

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