Frankfurt/reuters, Die europäische Zentralbank (EZB) will den Einfluss der amerikanischen Ratingagenturen massiv beschneiden. Zumindest, was die Bewertung der Staatsanleihen im eigenen Portfolio betrifft. Derzeit würden Überlegungen angestellt, die Bonitätswächter bei der Entscheidung, welche Anleihen mit welchen Sicherheitsabschlägen ins Portfolio genommen werden, nicht mehr heranzuziehen, verlautete am Donnerstag aus Frankfurt.
Dabei geht es um Anleihen von Euroländern, die von Banken als Sicherstellung für erhaltene EZB-Darlehen bei der Zentralbank „abgeladen“ werden. Die EZB muss bei jeder dieser Transaktionen die Bonität des Anleiheschuldners feststellen, um bewerten zu können, ob und wenn ja, mit welchem Sicherheitsabschlag die Papiere akzeptiert werden dürfen. Bisher verlässt sich die EZB dabei auf die Ratings der amerikanischen Agenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's sowie auf die Einschätzung der kanadischen Agentur DBRS. Die Urteile der amerikanischen Agenturen waren zuletzt freilich öfter umstritten. Ihnen wurde vorgeworfen, politische Überlegungen in ihre Handlungen einfließen zu lassen. Besonders der Zeitpunkt der Veröffentlichung negativer Analysen war zuletzt häufig kritisiert worden. Die Agenturen hätten dabei die Rolle von „Brandbeschleunigern“ in der Eurokrise eingenommen, hieß es.
Klargestellt wurde am Donnerstag allerdings auch, dass die Überlegungen mittelfristiger Natur sind und noch nicht so schnell verwirklicht werden könnten. Auch die Kriterien, nach denen die EZB Staatsanleihen bewerten wird, wenn die Einschätzungen der amerikanischen Agenturen nicht mehr zur Verfügung stehen, sind weitgehend unklar. Fest stehe jedenfalls, dass die EZB auch weiterhin Abschläge für als Sicherheiten eingereichte Bonds je nach Bewertung des jeweiligen Landes vornehmen werde, verlautete gestern aus Frankfurt.
Überlegt werde, eigene Experten der Notenbank heranzuziehen. Die würden ihre Bewertungen allerdings nach ähnlichen Methoden wie die US-Agenturen vornehmen.
Der Aufbau eigener Ratings gilt allerdings als politisch extrem heikel. Wie es hieß, gebe es auch Überlegungen, gemeinsame Ratingexpertise der EZB, der amerikanischen Fed und der Bank of England aufzubauen, um so die amerikanischen Ratingagenturen auszuhebeln.
Kriterien schon aufgeweicht
Allzu strenge Kriterien kann die EZB für die Bewertung der Papiere, die sie als Sicherheiten von den Banken akzeptiert, derzeit ohnehin nicht anwenden. In den vergangenen Monaten waren die Anforderungen an die Sicherheiten laufend gesenkt worden. Andernfalls hätten sich zahlreiche Banken bei der EZB nicht mehr refinanzieren können. Die Deutsche Bundesbank hatte dies in jüngster Zeit scharf kritisiert.

AAA bis RamschSo kreditwürdig sind EU-Länder und USA