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Griechische Regierung will Sparpaket massiv abändern

24.06.2012 | 16:17 |   (DiePresse.com)

Die Regierung in Athen beansprucht zwei Jahre mehr Zeit für die Umsetzung der Sparauflagen. Zudem sollen weniger Beamte entlassen und das Arbeitslosengeld erhöht werden.

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Griechenlands neue Regierung rüstet sich für die Verhandlungen mit den Geldgebern. Die Sparvorschriften sollen gelockert, Wachstum gefördert werden. An diesem Montag werden in Athen die Kontrollore von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) erwartet. Die Vertreter der sogenannten Troika wollen einen Kassensturz machen und die nächsten Schritte bei der Umsetzung des Sparprogramms besprechen.

Der neue Ministerpräsident Antonis Samaras kann nach erfolgreicher Augenoperation wohl bald wieder die Arbeit aufnehmen. Auch sein designierter Finanzminister Vassilis Rapanos, der am Freitag vermutlich wegen Übermüdung in Ohnmacht gefallen war und ins Krankenhaus gebracht wurde, scheine auf dem Weg der Besserung, meldeten griechische Medien am Samstag.

Die Regierung will zwei Jahre mehr Zeit für die Umsetzung des mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Sparprogramms. Zudem sollen weniger Beamte entlassen werden als vereinbart, wie aus einem am Samstag in Athen veröffentlichten Strategiepapier hervorgeht. Die "Reformen zur Haushaltsanpassung" sollten um mindestens zwei Jahre bis 2016 gestreckt werden. Ziel sei es, ohne neue Kürzungen bei Löhnen, Pensionen und öffentlichen Investitionen das Haushaltsdefizit abzubauen. Die Regierung wolle zudem die Entlassung von fest angestellten Staatsdienern vermeiden und stattdessen durch den Abbau von Bürokratie sparen. Das Arbeitslosengeld solle wieder erhöht werden. Auch die Kürzung des Mindestlohnes sowie die Anfang des Jahres beschlossenen erleichterten Kündigungsmöglichkeiten durch private Arbeitgeber sollen nach dem Willen der neuen Regierung auf den Prüfstand kommen.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte bereits eine "Aktualisierung" der Vereinbarungen mit Griechenland über die Spar-und Reformmaßnahmen angedeutet. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte eine Lockerung der Auflagen dagegen bisher ab.

Das Kabinett unter dem konservativen Premier Samaras ist aus Vertretern von dessen "Nea Dimokratia" (ND) und aus parteiunabhängigen Technokraten zusammengesetzt. Die beiden linken Juniorpartner - die Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK) von Evangelos Venizelos und die Demokratische Linke (DIMAR) von Fotis Kouvelis - stellen keine eigenen Minister, sondern sind durch ihnen nahestehende Experten vertreten. Der neue Finanzminister Rapanos gilt als PASOK-nahe. Die Regierung, die sich im Parlament auf 179 der 300 Abgeordneten stützen kann, erklärte, ihr Ziel sei eine Nachverhandlung des Abkommens mit den Gläubigern, ohne Griechenlands Platz im Euro zu gefährden.

"Ungerechtigkeiten rückgängig machen"

Man wolle den Weg für "Wachstum einschlagen" und Teile des Sparpakts ändern, "ohne dabei den europäischen Kurs des Landes oder seinen Verbleib in der Eurozone Gefahren auszusetzen", heißt es in der Präambel des Drei-Parteien-Abkommens. Die Regierung werde aber auch "Ungerechtigkeiten rückgängig machen", die es bei Renten und kleinen Gehältern in den letzten Jahren gegeben habe. Zudem soll Arbeitslosengeld statt bisher ein Jahr künftig 24 Monate ausgezahlt werden.

Stufenweise soll der Steuerfreibetrag von heute 5000 Euro erhöht werden. Angestrebt werde ein Freibetrag von 8000 Euro, war aus Regierungskreisen zu erfahren. "Keine weiteren Kürzungen der Löhne und Renten; keine neuen Steuern", führt der Koalitionsvertrag wörtlich als "allgemeine Bestrebung" an. Bei aller Verschlankung der staatlichen Strukturen soll es keine Entlassungen mehr geben. Die Zahl der Staatsbediensteten soll stufenweise reduziert werden, indem nur eine von zehn Stellen wieder besetzt wird, die durch Pensionierung frei werden. Der Sparpakt sieht bisher vor, dass in den nächsten zwei Jahren rund 150.000 Staatsbedienstete entlassen werden. Am Plan weitreichender Privatisierungen will das Kabinett festhalten.

Wesentliche Punkte der von Athen erwünschten Änderungen:

  • Streckung der Frist für neue Sparauflagen: Athen wünscht eine Streckung um mindestens zwei Jahre. Es geht um Sparmaßnahmen in Höhe von schätzungsweise 11,5 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten diese 2013 und 2014 umgesetzt werden. Athen will nun bis Ende 2016 Zeit.
  • Arbeitsmarkt/Verschlankung des Staates: "Keine weiteren Kürzungen der Löhne und Renten; keine neuen Steuern", lautet das Motto. Die geplante Entlassung von 150 000 Staatsbediensteten soll nicht wie ursprünglich vorgesehen erfolgen, stattdessen wird ein stufenweiser Abbau angestrebt. Stufenweise sollen auch wieder die niedrigeren Renten und Löhne angehoben werden. Arbeitslosengeld soll statt bisher ein Jahr künftig 24 Monate ausgezahlt werden.
  • Steuerreform/Wachstum: Angestrebt wird ein neues, gerechteres und langfristigeres Steuersystem. Im wirtschaftlich wichtigen Bereich Tourismus und Gastronomie ist eine Reduktion der Mehrwehrsteuer (23 Prozent) vorgesehen. Schwer verschuldete Haushalte und Personen sollen ihre Schulden stufenweise zurückbezahlen, wobei niemand mehr als 25 Prozent seines Einkommens für den Schuldenabbau investieren muss. Gelder aus den Strukturfonds der EU sollen intensiv genutzt werden.
  • Landwirtschaft: Ziel ist eine Reduktion des Imports landwirtschaftlicher Produkte. Junger Leute sollen wieder verstärkt in der Landwirtschaft tätig sein.
  • Gesundheit/Versicherungen: Alle Bürger sollen die Möglichkeit haben, ärztlich behandelt und medizinisch versorgt zu werden - unabhängig davon, ob sie arbeiten oder keinen Job haben. Das zusammenbrechende Versicherungssystem soll wieder auf die Beine gestellt werden.
  • Staat / Politisches System: Die Immunität von Ministern wird eingeschränkt, der Bürokratie der Kampf angesagt. Dies gilt auch für die Steuerhinterziehung.
  • Migration: Die Flüchtlingswelle soll durch strengere Kontrollen der Grenzen eingedämmt werden. Verantwortliche für Übergriffe auf Migranten sollen konsequent strafrechtlich verfolgt werden.
  • Außenpolitik: Griechenland soll eine stabilisierende Rolle in der Region des östlichen Mittelmeeres spielen. Gute Nachbarschaft mit allen Ländern der Region. Förderung einer Europäischen Politik für das Mittelmeer.

(Ag.)

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187 Kommentare
 
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Widersprüchlich

Die wollen "wachsen", aber die Löhne (und damit die Produktionskosten) dürfen nicht sinken.
Die wollen die Steuern sofort senken, aber das überdimensionierte griechische Beamtentum wird nur langfristig und halbherzig angepasst.

Bitte schickt's DEN nach China.

Dort ist er mit seinem Demokratieverständnis daham.


Gast: gäst
24.06.2012 18:28
1 0

Da spricht

die Verzweiflung aus Brüssel wie aus den Hauptstädten. Wenn das ungezogene Volk nicht mitziehen will, braucht es verbindliche "Empfehlungen" aus Brüssel von einem gewissen Herrn Rompuy, den kein Mensch gewählt hat. Und der macht auch natürlich die allerbeste Politik für alle, gell? Pensionsantrittsalter wird natürlich an die durchschnittliche Lebenserwartung (die zwischen den sozialen Schichten ziemlich stark differiert) gekoppelt, nicht etwa an die Produktivität...man möchte ja meinen, wenn weniger mehr produzieren, ist mehr für alle da. Nicht so in EU Europa.

Träum weiter Van Rompuy

Ein Video zum Thema "Krisen sind das Ziel der Eliten"

http://youtu.be/5qqGisr9m0w

1 0

und Tschüss!


1 0

EUdssR neu!

Merke: Zwang ist dann gut, wenn er zum Vorteil der Eliteneurokraten ist ansonsten ist Zwang gaaaanz schlimm!


Gast: trust 12
24.06.2012 16:48
14 2

Die EU ist

ein menschenverachtendes Umverteilungssystem von fleißig zu reich.
wir geraten in eine neue Diktatur.
die Politiker der Nationalstaaten verraten ohne Bedenken ihre Bürger.


Die ganzen Bürger leben im EU-Zwang und können nicht fliehen!

Was ist der Unterschied ob ein Bürger im Gefängnis sitzt oder in der Freiheit lebt?

Im Gefängnis bezahlt man nichts für den Treibstoff. Ansonsten wird der Bürger wie ein Schwerverbrecher überwacht, ausgebeutet, bevormundet und ist unter Zwang den Politischen Diktatoren schutzlos ausgeliefert!

Gast: nano 2
24.06.2012 16:32
4 0

Danke

Frau Fekter für das gute Geschäft mit den Griechen

Gast: gast1984
24.06.2012 16:21
4 1

Der möchtegern Diktator spricht...


Stoppt den europäischen Menschenversuch!


Gast: Fekter Fan
24.06.2012 15:56
2 1

Das große Geschäft

Wir leihen auf unbestimmte Zeit den Griechen unsere Finanzministerin, die macht aus allem ein großes Geschäft

Antworten Gast: Vogel Strauss
24.06.2012 16:33
3 0

Re: Das große Geschäft

Ich wäre dafür, die ganze Regierung für - sagen wir - zwei Jahre an GR auszuleihen ...


Re: so right ...


Sehr gut, wie Strache!

Die haben es immer schon gesagt!

Aber die unheilige rotschwarzgrüne Allianz versucht noch immer, einen toten Hund wiederzubeleben!

Was haben sie davon???


Gast: Hans Berger
24.06.2012 14:48
7 2

Was für ein Sieg der sozialistischen Internationale - Umverteilung!

.

Wir, die "Reichen" (Österreich, Deutschland, Holland,...) dürfen für die "Armen" bezahlen. Das Sparpaket der Regierung Faymann mit Pensionskürzungen und Steuererhöhungen für Alle ist somit eigentlich nur eine einzige "Reichensteuer". Denn jeder Österreicher ist ja reich und jeder Grieche ist arm. Auch wenn er tausende Millionen Euro ins Ausland bringt: der Grieche muss unterstützt werden.

Das nennt man "soziale Wärme" und das ist voll ganz total gut für Alle!

Also liebe Landsleute, stellt euch schon mal auf Pension mit 70 ein, damit die armen Griechen auch weiterhin mit 56 in Pension gehen können. Und für längst tote Angehörige die Pension kassieren. Usw. usw.

Und Frankreich wird unter dem Kommunisten Hollande (PensionsalterSENKUNG!) zum nächsten Sozialfall der EU.

Jetzt erleben Faymann und Co-Kasperl das Gefühl, reich zu sein und etwas Weggenommen zu bekommen müssen.

Hoch die internationale Solidarität, gell?

Gast: ROTFRONT
24.06.2012 14:21
1 1

Den Kschperl nimmt doch keiner enst.



Re: Panik auf der Titanic?

Ich nehme an, die Griechen wollen die Kredite nicht mehr zurückzahlen. Also ist es ihnen auch egal, vielleicht sogar unangenehm, ob sie Hilfszahlungen bekommen, die sowieso nur Durchlaufposten sind.

Gast: Bürger01
24.06.2012 13:30
7 0

Der Preis der zu tode regulierten EU

sind ausgetrocknete Kapitalmärkte . Viele EU-Mitgliedsländer leiden unter den 2% Inflation , einer sinnlosen Subventionierungspolitik und einer besserwisserischen Beamtenwirtschaft ......
Es wird Zeit , diese Macht den EU-Politikern zu nehmen !

Gast: gasti
24.06.2012 12:52
14 2

ich finde leute wie den v.r. toll

es sollte mehr von ihnen geben und sie sollten öfters ihre sprüche loslassen, damit wir schneller mit der eudssr abschließen können und zurück zur demokratie und souveränität gelangen

Gast: weldi
24.06.2012 12:50
6 2

Van Rompuy sehe ich gelassen...

Er gibt jedes halbe Jahr zum Wechsel des EU-Vorsitzes ein knappes Kommentar ab, dann wird er wieder von den Mitgliedsstaaten ruhig gestellt!

Wortbruch, Lügen und Volksverdummung

so weit sind wir schon. Aber was wird noch alles auf uns zukommen? Hier die Analyse eines wahren Experten:http://www.rottmeyer.de/prof-hankel-wortbruch-lugen-und-volksverdummung/

Re: Wortbruch, Lügen und Volksverdummung

http://www.youtube.com/watch?v=fyjKvx4eRjs

Sehr informatives Interview!

Gast: E.T.
24.06.2012 12:28
9 0

Warum schlagen wir immer nur die Griechen

Für mich ist es unverständlich, warum wir Griechenland als Sündenbock für ein komplett inhomogenes und absurdes EU- und Euro-Projekt verwenden.

Griechenland ist ein schönen Land mit freundlichen Menschen, aber auch ein Land des Südens und einer anderen Einstellung zu Arbeit und Wirtschaft überhaupt eine andere Art zu Leben und das haben alle gewusst.

Wenn wir nicht sehen wollen, dass Europa ein Fleckerlteppich aus vielen Völkern, vielen Eigenarten, vielen Sprachen, komplett unterschiedlichen Lebenszielen, ist, dann ist uns allen wirklich nicht zu helfen.

Aus meiner Sicht sollten wir beide Verträge auflösen und von vorne beginnen. Ein Europa, ein Staatenbund der europäischen Länder, wäre aus meiner Sicht erfolgsversprechender, als alles war wir derzeit haben. Der Euro war aus meines Verständnisses nach ebenfalls von vornherein zum Scheitern verurteilt. Entweder wieder nationale Währungen oder eben nur Länder mit ähnlichen Zielen und Voraussetzungen zusammengefasst in einer Währung.

Natürlich verlieren damit vor allem die Superreichen - in Griechenland etwa alle die jetzt Geld ins Ausland schaffen - insgesamt aber profitiert ein Großteil der Bevölkerung dadurch.

Selbstverständlich ist auch ein diktatorischer Staat mit zentralistischer Regierung ein Lösung - wohin das aber im Endeffekt führt - zeigte uns DDR sehr anschaulich - ich jedenfalls würde das erste Modell dem Superstaat vorziehen.

Re: Warum schlagen wir immer nur die Griechen

Tja wissen Sie, Korruption als Lebensart darzustellen ist schon sehr dreist. Von mir aus können die Griechen machen was sie wollen, mit ihrem eigenen Geld.

 
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