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Lehman-Pleite trifft Österreich mit einer Milliarde Euro

17.09.2008 | 18:45 |   (Die Presse)

Banken und Versicherungen halten Lehman-Anleihen. Am stärksten ist die Raiffeisen Zentralbank (RZB) engagiert.

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Wien. (höll). Der Kollaps von Lehman Brothers geht an Österreichs Banken und Versicherungen nicht spurlos vorüber. Dem Vernehmen nach ist die Finanzbranche mit einer Milliarde Euro betroffen. Davon entfallen 600 Mio. Euro auf die Banken. Bei den Versicherungen geht es um 200 bis 300 Mio. Euro. Hinzu kommen noch Fondsgesellschaften und Pensionskassen.

Am stärksten ist die Raiffeisen Zentralbank (RZB) engagiert. Um die Spekulationen zu beenden, räumte das Institut am Mittwoch ein, Lehman-Positionen von 252 Mio. Euro in den Büchern zu haben. In diesem Betrag ist auch das Lehman-Exposure der Osteuropa-Tochter Raiffeisen International enthalten. Dabei geht es meist um Anleihen.

 

Abschläge von 60 Prozent

Lehman-Bonds sind zwar nicht wertlos, doch sie werden derzeit mit einem Abschlag von rund 60 Prozent bewertet. Optimisten in den Banken hoffen, dass unter dem Strich nur ein Abschreibungsbedarf von 40 Prozent anfällt.

Auf Platz zwei unter den Kreditinstituten liegt die Österreichische Volksbanken AG, die das „maximale Ausfallsrisiko“ mit 50 Mio. Euro beziffert. Bei der Bank Austria liegt das Lehman-Exposure „unter 50 Mio. Euro“, was nicht verwundert. Denn innerhalb der UniCredit-Gruppe gab es zuletzt Umstrukturierungen. Die Bank Austria musste Investment-Aktivitäten nach München und nach Mailand transferieren.

Die Erste Bank gibt ihr Lehman-Engagement mit „rund 40 Mio. Euro“ an. Dabei handelt es sich um Anleihen, syndizierte Kredite und Derivate. „Das Ausmaß ist gering. Unser gesamtes Kreditportfolio hat einen Umfang von 122 Mrd. Euro“, beruhigt ein Banksprecher. Die Bawag-PSK versichert, dass sie „weder über Bonds oder Kredite bei Lehman Brothers“ investiert sei. Die Constantia Privatbank hat Garantiezertifikate in der Höhe von 35 Mio. Euro verkauft. „Wir halten keines der Zertifikate im Eigenvermögen und tragen daher kein Abwertungsrisiko“, sagt ein Banksprecher. Die Meinl Bank erklärte auf Anfrage, vom Lehman-Desaster komplett unberührt zu sein.

Die Wiener Städtische besitzt Insidern zufolge Lehman-Anleihen von 60 bis 70 Mio. Euro. Ein Teil davon stammt von der kürzlich übernommenen Erste-Bank-Tochter S-Versicherung. Bei der Uniqa geht es um 40 bis 50 Mio. Euro. Nicht zu unterschätzen sind die Auswirkungen auf die Fondsgesellschaften. Die Raiffeisen Capital Management (RCM), die größte Fondsgesellschaft des Landes, hält Lehman-Anleihen von 30 Mio. Euro. Die RCM kommt auf einen Marktanteil von 20 Prozent.

Wäre der US-Versicherungsriese AIG in die Pleite geschlittert, hätten sich für manche Versicherungen dramatische Auswirkungen ergeben. So gab die Wüstenrot-Versicherung gestern zu, dass AIG ihr Garantiegeber bei allen prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge-Produkten ist. Laut Wüstenrot-Chef Helmut Geier werde es bei den Pensionskassen noch „böse Überraschungen“ geben.

Auf einen Blick

Viele heimische Finanzinstitutehaben Anleihen der in die Pleite geschlitterten US-Investmentbank Lehman Brothers in den Büchern. Dem Vernehmen nach geht es um eine Mrd. Euro. Die Anleihen sind nicht wertlos, doch sie werden aktuell mit einem Abschlag von rund 60 Prozent gehandelt. Optimisten in den Banken hoffen, dass unterm Strich nur ein Abschreibungsbedarf von 40 Prozent übrig bleibt. Am stärksten hat es die Raiffeisen Zentralbank erwischt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2008)

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8 Kommentare
pivo1
18.09.2008 16:35
0 0

Molterer liegt daneben?

irgendwie hat der Molterer gestern noch behauptet, dass das Finanzdebakel Österreich "gar nicht" bis nur "ganz leicht" betreffen wird...und jetzt 1.000.000.000 EUR!
So a Lettn is des jo a net, oder?

bbss22
18.09.2008 13:57
0 0

BAWAG

"weder über Bonds oder Kredite bei Lehman Brothers“ investiert".
Das heisst also über alle anderen möglichen Finanzinstrumente doch bei Lehmann investiert; z.B. über CDOs oder CDSs ?
Steht die BAWAG nicht unter enormen Rendite-Druck?
Hat sie nicht US Eigentümer ?

Ja, ja ganz bestimmt ist sie von der US-Immobilien-, Kredit- und Finanzkriese nicht betroffen.
Ganz besonders glaube ich das dann, wenn der Gouverneur unserer Nationalbank sich plötzlich veranlasst sieht, mir genau das weismachen zu wollen.

Die Us-Krisen werden die Steuerzahler weltweit mehr als 3.000 Milliarden Euro kosten. Und die österreichischen Banken werden mindestens 4 - 5 Milliarden Verluste erlitten haben, bzw noch erleiden.

Die Immobilien-Krise in den USA hat noch nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht. Der kommt im Frühjahr 2009.

Gast: Spartacus
18.09.2008 00:09
0 0

DER NEUE

Hat nicht vor einigen Tagen der neue Nationalbankpräsident versichert, die Bankenwelt in
Österreich sei in Ordnung und keiner muss sich Sorgen
machen, außer um die Konjunktur?

Wo haben unsere Bankenfürsten denn noch unser Geld angelegt?

Denn da kommt noch eine größere Lawine auf uns zu, der
ganze Zauber beginnt erst.

Möglicherweise haben die noch Geld in Spanien, England,
Irland und anderen Gefahrenherden!
Kann man diesen "weitblickenden" Experten trauen, wenn die sogar bei der ersten Pleite(Lehmann) bereits ablegen?

Gast: Christian
17.09.2008 22:44
0 0

R A I F F E I S E N

gemeinsam mit den ehemaligen roten Brüdern BankAustria die höchsten Gebühren einzustreifen, die lausigsten Zinsen zu zahlen und den imperialen Machtanspruch den proellschen Vize- oder Bundeskanzler von Raiffeisens Gnaden küren zu können. Lästige Tierschützer, die die eigenen Jagdgeilheit stören, im Kerker dunsten zu lassen. Moralische Überlegenheit aus jeder Pore schwitzen. Und jedes Jahr brav nach Mariazell marschieren. Und weil dies soviel Zeit erfordert, im eigenen Kerngeschäft langsam aber sicher den Anschluss verlieren- das ist Raiffeisen unter den bekannten Seiteblickegesichtern. Zeit für die Pense!

Antworten Gast: ASVG-Sklave
18.09.2008 09:33
0 0

apropos R A I F F E I S E N (und leere Tresore)

Ich hielt Raiffeisen Internat. Aktien und stieß diese Gott sei Dank im Herbst 2007 noch rechtzeitig ab (bei ca. € 95 , mit etwas Verlust). Heute notiert die Aktie bei € 60, obwohl seit Jahren davon die Rede ist, wie toll die Raiffeisen im Osten auf Kurs ist. Die österreichischen Banken kochen mit dem gleichen Seifenwasser wie die amerikanischen: Viele Blasen ohne wirkliche Substanz! Alles Makulatur. Wenn morgen ein Run auf die Banken beginnen sollte, würde sich schnell herausstellen, dass hinter den mächtigen Tresortüren nur gähnende Leere und ein paar wertlose Papierln liegen.

Gast: Konrad
17.09.2008 22:04
0 0

3,5 Milliarden öS bei Raiffeisen verzockt

Da bin ich aber beruhigt, dass bei Raiffeisen "nur" 3,5 Milliarden Schilling den Bach runter gegangen sind. Das sind ca 1000 Einfamilienhäuser, wenn man im Lagerhaus einkauft.

Gast: gast
17.09.2008 20:51
0 0

Abzocken und abgezockt werden.

In Österreich kann Raiffeisen unbedarfte Bauern einseifen und über den Tisch ziehen. Auf dem internationalen Parkett sind die Raiffeisenleute selbst die kleinen, dummen Bauern die über den Tisch gezogen werden. Zahlen tun es ohnehin ihre Kunden.

Gast: zantana
17.09.2008 20:08
0 0

nsere cleveren Banker

Na endlich müssen auch diese Leute zugeben, dass sie
eigentlich unser aller Geld falsch anlegen.Bis dato haben
Sie immer Optimisten gespielt. Der bärtige Häuptling der
Raiffeisen International hat auch davon gefaselt, wie sehr
sein Institut von der Hypokrise profitiert hat, Russland
und der ehem. Ostblock wären ja überhaupz nicht betroffen. Bla, Bla.....

Dann legen die auch noch Geld bei Lehmann an!!!!

Frage an die Experten: warum haben sie die Anleihen nicht schon vor dem sich ankündigenden Konkurs bzw.
bei Erkennen der Immokrise verkauft?
Dafür kassiert man eine hohe Gage?! CLEVER!!

Mein Geld

  • Kein Plan vom eigenen Geld
    Um das Finanzwissen in Europa ist es schlecht bestellt. 93 Prozent der Österreicher wünschen sich mehr Finanzbildung in der Schule.

Hobbyökonom