wien/Mailand (dom/ag.).Krisenstimmung herrscht seit Tagen in der Mailänder Konzernzentrale der UniCredit, der Mutter der Bank Austria (BA). Gestern, Sonntag, spitzte sich die Lage nochmals zu: Die UniCredit-Spitze wurde zu einer Krisensitzung zusammengetrommelt. Es ging vor allem um eine Aufstockung des Kapitals um nicht weniger als fünf bis sechs Mrd. Euro. Laut italienischen Medienberichten plant UniCredit-Boss Alessandro Profumo, der in der Vorwoche wiederholt Gerüchte über seinen bevorstehenden Rücktritt dementieren musste, den Verkauf von Immobilien und Beteiligungen, darunter jener an der Generali-Versicherung und am Mautbetreiber Atlantica. Auch eine Wandelanleihe in Höhe von zwei Mrd. Euro ist im Gespräch. Die Sitzung war zu Redaktionsschluss noch im Gange.
Problem Hypo Real Estate
Durch den Überlebenskampf der deutschen Hypo Real Estate hatte sich die Situation bei der UniCredit am Wochenende nochmals zugespitzt. Die Hypo Real Estate war bis 2003 ein Teil der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank. Dem Vernehmen nach gibt es noch immer starke finanzielle Verflechtungen zwischen der UniCredit und der Hypo Real Estate. Exakte Zahlen hat man in Mailand nicht genannt. Was die Nervosität noch verstärkt haben dürfte.
In der Vorwoche war die UniCredit-Aktie an mehreren Tagen nach massiven Kursstürzen vom Handel ausgesetzt worden. Am Freitag legte die Aktie dann knapp zehn Prozent zu. Ihre ursprüngliche Gewinnprognose für 2008 von 52 bis 56 Cent je Aktie wollte Profumo in der Vorwoche nicht bestätigen.
Durch die Probleme in Mailand ist auch die Bank Austria unter Druck gekommen. Die Kunden reagierten nervös. Medienberichte, dass einigen BA-Filialen das Bargeld ausgegangen sei, wurden vom Sprecher der Bank umgehend dementiert. Es wurden zwar in der Vorwoche relativ hohe Summen abgehoben, das sei aber immer rund um den Monatsanfang so. Über die Höhe der abgehobenen Beträge gab es keine Auskünfte.
Einen Wettbewerbsnachteil hat die BA beim Thema Einlagensicherung, das derzeit heimische Bankkunden besonders interessiert. Bei der BA sind Einlagen im Ernstfall bis zu 20.000 Euro pro Kunden gesichert. Die dezentralen Sektoren der heimischen Finanzbranche, also Raiffeisenkassen, Volksbanken und Sparkassen, haben hingegen sektoreigene Sicherungssysteme, die Einlagen unabhängig von der Höhe bis zu 100 Prozent absichern.
Die spanische Zeitung „El Economista“ hatte in der Vorwoche berichtet, dass die spanische Großbank Santander Appetit auf das großteils von der BA gesteuerte Ostgeschäft der UniCredit habe.
Die UniCredit dementierte derartige Verkaufspläne. Auch Analysten halten es für unwahrscheinlich, dass sich die Italiener von der Bank Austria bzw. dem Ostgeschäft trennen. Das Ostgeschäft sei noch immer ein Wachstumsmotor der Bank, in Österreich habe die BA durch ihr dichtes Filialnetz eine breite Einlagenbasis, was für Banken in Krisenzeiten wie jetzt besonders wichtig sei.
Verkäufe auch in Österreich
In Österreich will Profumo die Anteile an den Regionalbanken Oberbank, Bank für Kärnten und Steiermark sowie Bank für Tirol und Vorarlberg verkaufen. Der Wert der Aktienpakete wird zusammen auf 700 Mio. Euro geschätzt. Laut „Kronen Zeitung“ könnte eine Gruppe von österreichischen Investoren, darunter Miba-Chef Peter Mitterbauer, zum Zug kommen. Gestoppt wurde hingegen der Verkauf der BA-Immobilienstiftung.
Ein Problem ist die schwache Verfassung der UniCredit auch für die Gemeinde-Wien-nahe AVZ (Privatstiftung zur Verwaltung von Anteilsrechten). Sie hält noch immer rund vier Prozent der UniCredit-Aktien und hat diese – so hört man – zu einem Wert in ihren Büchern stehen, der um einiges über dem aktuellen Kurs liegt. Für 13.Oktober ist eine außerordentliche Sitzung des Stiftungsvorstandes anberaumt.