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Baukrise: Massenpleiten an den Baustellen?

07.10.2008 | 18:59 |  PETER MARTOS (Die Presse)

Im EU-Boomland Rumänien und in Ungarn verschärft die globale Finanzkrise die Flaute.

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WIEN. Seit fast zwei Jahren kämpft Ungarns Baubranche mit einem veritablen Rückgang der einst zweistelligen Zuwachsraten. Seit zwei Monaten gesellt sich zur Flaute die Knausrigkeit der meisten Banken bei Kreditvergaben. Und vor gut zwei Wochen gingen die ersten Baufirmen pleite.

Verstärkt wird die Bauflaute durch ein Nachlassen der Immobilienblase, die auch die österreichische Immoeast (siehe Seite3) hart getroffen hat. Zusätzlich zu ihren Finanzierungsproblemen ist sie auch noch mit 25 Prozent am Baukonzern TriGránit des reichsten Ungarn Sándor Demján beteiligt. TriGránit hat in den Nachfolgestaaten des einstigen Ostblocks und in Russland Projekte im Gesamtwert von mehreren Milliarden Euro laufen.

 

Doppelte Krise

Die weltweite Finanzkrise „verschärft die Aussichten der ansonsten schon in einer schweren Lage befindlichen Bauindustrie noch weiter“, erklärte Tibor Tolnai, Präsident des ungarischen „Landesverbands der Bauunternehmer“, dem Rundfunksender InfoRádió. Da die Baustoffpreise rasant gestiegen seien, bräuchten die meisten Baufirmen plötzlich mehr Geld als zu Jahresbeginn prognostiziert. Doch die Banken vergäben Kredite nur mit beträchtlichen Aufschlägen, weil sie die Baufirmen für Schuldner mit erhöhtem Risiko hielten. Laut Tolnai würden viele Firmen mangels Liquidität in den Konkurs schlittern.

Inzwischen haben die ersten großen Wohnbaufirmen vorsorglich Personalabbau angemeldet. Der Wohnungsbau ist bereits seit gut zwei Jahren in der Krise – der nach der Wende begonnene Bauboom ist seit vielen Jahren zu Ende und paart sich seit 2004 mit der Wirtschaftskrise in Ungarn.

Der einzige Bereich, in dem munter weitergebaut wird, sind Autobahnen. Bei diesen sind aber meist die Ungarn-Töchter ausländischer Konzerne wie der österreichischen Strabag tätig. Obwohl innerhalb von drei Monaten drei größere Autobahnteilstücke dem Verkehr übergeben wurden, konnte die Aktivität die Gesamtstatistik nicht schönfärben: Im Juli sank die Bautätigkeit gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,6 Prozent.

 

Protest gegen Statistik

Aber nicht nur in Ungarn regiert an den Baustellen Nervosität. Auch Rumänien, das Bauboomland der Europäischen Union, gerät in eine Krise. Als das Nationalinstitut für Statistik (INS) am Montag bekannt gab, dass das Bauvolumen in den ersten acht Monaten des Jahres um 31,5 Prozent gewachsen sei, protestierten mehrere Baufirmen heftig. „Ich bin über diesen Zuwachs verwundert“, meinte Mircea Bulboaca, Chef von Con-A. „Soweit mir bekannt ist, stieg das Bauvolumen langsamer, weil es einen Finanzierungsengpass gibt und zahlreiche Projekte verspätet sind.“ Der Umsatz seiner Firma in der zentralrumänischen Stadt Sibiu (Hermannstadt) werde auf dem Niveau des Vorjahres stagnieren, also bei etwa 60 Mio. Euro. Bulboaca berichtete der Zeitung „Business Standard“ über ein Treffen mit Kollegen, die von fünf- bis zehnprozentigen Zuwächsen gesprochen hätten.

Auch Finanzminister Varujan Vosganian erntete Widerspruch seitens der Baubranche, als er über die nächsten Jahre sprach. Rumänien werde vom nächsten Jahr bis 2013 nicht weniger als 250 Mrd. Euro an Investitionen anziehen, das garantiere ein jährliches Wirtschaftswachstum von fünf bis sechs Prozent, sagte der Minister.

Falsch, meinte Adriana Iftime, Geschäftsführerin einer Baufirmenvereinigung. Die Branche kämpfe mit dem von Bulboaca beschriebenen doppelten Problem. Laut Iftime sind in der ersten Jahreshälfte bereits 800 kleinere Baufirmen in Konkurs gegangen. Und selbst wenn die Aufträge wider Erwarten wieder kämen, würde die Baubranche mangels Arbeitskraft das Tempo nicht halten können. Rumänien kämpft mit Facharbeitermangel und setzt fast alle Mittel ein, um einen Teil der 3,6 Millionen im Ausland tätigen Landsleute zur Heimkehr zu bewegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2008)

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