Ungarns Notenbank-Gouverneur Andras Simor hält es für unzulässig, im Zusammenhang mit der Finanzkrise Parallelen zwischen Ungarn und Island zu ziehen. Die Banken in Ungarn seien der globalen Finanzkrise in weit geringerem Maße ausgesetzt als jene in Island, sagte Simor in einem Interview mit dem "Wall Street Journal".
Ungarn brauche kein EZB-Geld
Sein Land habe nicht vor, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche eingeräumte Kreditlinie über fünf Mrd. Euro zu nützen. "Wir brauchen das Geld der EZB nicht. Sie hat nur die Funktion eines Kreditgebers letzter Instanz", sagte Simor in dem Interview. "Wir würden diesen Kredit nur abrufen, wenn alle Stricke reißen."
"Haben schlimmere Krisen überstanden"
"Ungarn hat schon viele Finanzkrisen überstanden. Wir sind ein Land, das seine Zahlungsverpflichtungen immer, immer erfüllt hat. Wir haben die großen Krisen von 1956, 1981 und in den frühen 1990-er Jahren überstanden. Alle drei Krisen waren schlimmer als die Marktsituation, mit der wir jetzt konfrontiert sind", zeigte sich Simor zuversichtlich.
Schulden bei den "eigenen Leuten"
40 Prozent der kurzfristigen Auslandsschulden der ungarischen Banken seien Schulden dieser Banken bei ihren ausländischen Muttergesellschaften. "Das kann man nicht mit Schulden gegenüber Dritten vergleichen."
Island-Vergleiche: "Ein Witz"
Marktgerüchte, wonach die ungarischen Banken der Krise ähnlich ausgesetzt seien wie isländische Banken, sind für Simor "ein Witz". Ungarn werde die gegenwärtige Krise überstehen, da "die meisten seiner Banken im Großen und Ganzen großen europäischen Banken gehören, die zum Glück die Exzesse anderer Banken in Europa vermieden haben und daher über eine sichere Kapitalbasis verfügen. Außerdem werden ihre Muttergesellschaften alle von den verschiedenen Behörden in Europa unterstützt".
Psychologen statt Ökonomen am Markt
Den ungewöhnlichen Schritt der ungarischen Notenbank, die EZB um einen Kredit zu ersuchen, begründete Simor mit dem "völlig irrationalen Verhalten und "bösartigen Gerüchten" am Markt. "In der heutigen Welt braucht man einen Psychologen und nicht Ökonomen, um die Märkte zu verstehen. Wenn solche Sachen passieren, muss man alle zur Verfügung stehenden Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um sich zu schützen. Es spielt keine Rolle, ob es logisch ist, oder nicht."
(APA)


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