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Wirtschaftskrise: Österreichs Sport fürchtet 2009 Folgen

29.12.2008 | 12:26 |   (DiePresse.com)

Vor allem bei den Randsportarten regieren vor dem Jahreswechsel Sorgen. Viele Sponsoren würden sich angesichts der Krise zieren. Bei etablierten Großevents sieht die Zukunft rosiger aus.

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Österreichs Sport blickt nicht ohne Sorge auf das Jahr 2009: Die weltweite Wirtschaftskrise droht auch hier ihre Spuren zu hinterlassen. Und während Großevents und medial gut eingeführte Bewerbe weniger gefährdet scheinen, könnten sich vor allem die "Kleinen" mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert sehen. Auf allzu düstere Prognosen will sich freilich kaum jemand einlassen, noch gelte es, die Entwicklungen der nächsten Monate abzuwarten.

Fußball: Mit blauem Auge durch die Krise

Österreichs Profi-Fußball scheint mit einem blauen Auge davonzukommen. Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) selbst verweist auf ein gesichertes Budget, darf statutengemäß zudem kein Geld in Aktien anlegen und hat den Vertrag mit Großsponsor Raiffeisen bereits im Sommer für zwei Jahre verlängert. Auch vonseiten der Bundesliga bestehen keine großen Befürchtungen. "Es schaut danach aus, dass wir ungeschoren davonkommen", erklärte Bundesliga-Vorstand Georg Pangl. Lediglich der nunmehrige Ex-Präsident von Erstligist DSV Leoben, Hans Linz, musste mit seiner Finanzberatung GmbH Konkurs anmelden. "Ansonsten glaube ich nicht, dass es für einen Klub wirklich gefährlich wird", meinte Pangl.

Tennis: Große Events gesichert

In Sachen Tennis sind die Turniere von Kitzbühel und Pörtschach im ATP-Kalender bereits Geschichte. Um die Wiener Tennis Trophy braucht man sich derzeit keine Sorgen zu machen - ebenso wenig um die WTA-Stationen in Linz und Gastein. Das Generali Ladies in Linz, das seit vielen Jahren einen WTA-Fixpunkt darstellt, ist auch für 2009 gesichert. "Mit Generali ist alles erledigt. Mit den größeren Sponsoren haben wir unsere Deals", meinte Turnierdirektorin Sandra Reichel. Noch sei aber nicht mit allen kleineren Sponsoren verhandelt worden. In Gastein ist die Stadt hauptsächlich für die Finanzierung verantwortlich, dies wird auch bei der dritten Auflage so sein. "Einen Hauptsponsor zu finden wird da freilich schwierig sein", gestand Reichel.

Motorsport: Trend weg von Groß-Sponsoren

Während im Motorsport auf internationaler Ebene kein Stein auf dem anderen geblieben ist, gelten die großen Meisterschaften in Österreich vorerst als gesichert. Zu bemerken ist aber ein starker Trend weg von Groß-Sponsoren zu mehreren kleinen Geldgebern. In der Rallye-ÖM etwa stehen 2009 weiterhin sieben Läufe auf dem Programm, nachdem bereits im Vorjahr die Ostarrichi-Rallye weggefallen war. Auch die traditionelle Jänner-Rallye (IQ) war ebenso wie die Lavanttal-Rallye (Pirelli) schon vor dem großen Wirtschafts-Einbruch ihres Hauptsponsors verlustig gegangen.

"Alle Ereignisse werden Krise spüren"

Für Reinhard Grohs, Experte für Sportsponsoring am Lehrstuhl für Marketing der Universität Wien, ist jedenfalls klar, dass "alle Ereignisse die Krise spüren werden". Grohs prophezeite freilich vor allem den mittelgroßen Sportarten harte Zeiten, während die etablierten Großevents beziehungsweise medial dauerpräsenten Sportarten relativ unbeschädigt durch den Sturm segeln könnten. Denn die Aufwendungen der Sponsoren, die sich im Bereich von 100.000 Euro bewegten, seien relativ groß, die Wirkung aber werde zu wenig abgefragt - das Risiko erscheine demgemäß zu hoch.

Volleyball: Kleinmann mit Sorgen

Ähnliche Befürchtungen hegt Volleyball-Verbandspräsident Peter Kleinmann, zugleich Manager des Champions-League-Teilnehmers aon hotVolleys. "Große Sportarten können die Einbußen leichter verkraften als Volleyball oder Handball. Ich mache mir Sorgen", so Kleinmann, der nicht nur bemerkt haben will, das Sponsoren ins Grübeln geraten, sondern auch die sozialpolitische Rolle vieler Vereine gefährdet sieht. Denn durch sinkende Sponsoreinnahmen seien sowohl Spitzenleistungen als auch die Nachwuchsarbeit bedroht.

Eishockey: "Uns fehlt einiges"

Gerade Letztere würde laut Dieter Kalt, Präsident des Eishockeyverbands (ÖEHV), zu den Verlierern der Krise gehören. "Da fehlt uns einiges, ich hoffe, dass wir das durchtauchen", betonte Kalt, der für den Profisport aber beruhigte: "Der Hauptsponsor hat verlängert, andere haben sich freilich geziert. Sie sind zufrieden mit den Leistungen, aber warten die Konjunkturprognosen für 2010 ab."

Handball: Schmerzhafte Sponsor-Absagen

Für den Generalsekretär des Handballbundes (ÖHB), Martin Hausleitner, dem die Heim-EM im Jänner 2010 ins Haus steht, hat die Krise bereits spürbare Auswirkungen gezeitigt. "Natürlich spüren wir das, wir haben Absagen von Sponsoren gehabt, die im 100.000-Euro-Bereich liegen. Das tut weh", bestätigte Hausleitner. Handball-Liga-Austria-Generalsekretär Thomas Menzl wiederum verbindet mit dem gestiegenen Kostendruck auch eine gewisse Hoffnung: "Mancher Funktionär wird in punkto Spielergehälter in Zukunft wohl etwas vorsichtiger sein."

Basketball: Wichtige Verträge verlängert

Im Basketball zeigte sich Liga-Präsident Norbert Steger froh, die "wichtigen Verträge" mit einem Ligasponsor (Admiral Sportwetten) bis 2011 und mit dem TV-Sender Premiere (um drei Jahre verlängert) bereits im vergangenen Sommer abgeschlossen zu haben.

Schwimmen: "Bei uns schaut es gut aus"

Keine dunklen Wolken sieht Schwimm-Verbandspräsident Paul Schauer heraufziehen. "Für uns schaut es gut aus, wir sind ein guter Verband und haben mit Ströck einen Grundnahrungsmittelproduzenten als Hauptsponsor. Ich mache mir keine Sorgen."

Wien-Marathon: Veranstalter gelassen

Ebenso gelassen gab sich Wolfgang Konrad, Veranstalter des Wien-Marathons. "Ich habe noch keine Auswirkungen gespürt, wir sind für 2009 durchfinanziert und führen sogar Gespräche mit neuen Sponsoren", erklärte der Wiener, der die Großveranstaltung bereits zum 21. Mal vorbereitet. Auch die Teilnehmer betreffend - zuletzt erreichte man die Rekordmarke von 29.228 - sieht er kein Problem. "Die Sportart basiert auf einem Mythos, diese letzte Passion lassen sich die Leute nicht nehmen."

BSO gänzlich unaufgeregt

Aus Sicht der Bundessportorganisation (BSO) fällt der Blick ins Jahr 2009 grundsätzlich unaufgeregt aus. Denn das Budget von rund 60 Millionen Euro, das die BSO verwaltet, ist der Spielfreude der Österreicher zu verdanken. Das Glücksspielgesetz sichert der BSO drei Prozent der Umsatzerlöse der Österreichischen Lotterien.

"Allgemein weiß man, dass mehr gespielt wird, wenn die Zeiten schlechter werden. Da werden wir also eher mehr bekommen, was die Grundausstattung betrifft", vermutete BSO-Präsident Peter Wittmann. Was die Sponsorzuwendungen an die Verbände und Vereine betreffe, gab er sich aber doch besorgt. "Das fängt beim kleinen Verein im Ort an und geht hin bis zum Großsponsor", fürchtet der SP-Nationalratsabgeordnete. Zu weit wolle er sich allerdings nicht aus dem Fenster lehnen: "Zu Tode gejammert ist auch tot, schauen wir, was kommt."

(APA)

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