Die Bawag schließt das Geschäftsjahr mit einem Verlust von 547,5 Millionen Euro ab. Die Erlöse konnten zwar im Jahresvergleich gesteigert werden, jedoch verhagelten hohe Abschreibungen das Gesamtergebnis.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
| Bawag | Veränderung | |||
| 2008 | 2007 | in Mio. € | in % | |
| Zinserträge | 652,50 | 602,90 | 49,60 | 8,23 |
| Provisionserträge | 143,90 | 145,50 | -1,60 | -1,10 |
| Finanzabschreibungen | 595,80 | 0,50 | 595,30 | |
| Impairments | 281,40 | 758,00 | -476,60 | -62,88 |
| Nettoergebnis | -547,50 | -452,50 | -95,00 | 20,99 |
Erstes Quartal profitabel
Das erste Quartal 2009 sei profitabel gewesen. Aus heutiger Sicht sei das auch für das Gesamtjahr geplant. Allerdings sind Vorhersagen unsicher. Wohl um ein bis zwei Jahre verschoben wird der Plan, auf Sicht eine halbe Milliarde Gewinn zu machen. Das war bisher für 2012 geplant. Jetzt dürfte es 2013 oder 2014 werden. Auch mit Dividendenzahlungen wird es bis auf weiteres nichts. Roberts ist dafür, das Geld in der Bank zu lassen.
550 Millionen Euro PS-Kapital vom Staat
Die Bawag P.S.K. hat gestern Nacht mit der Republik Österreich ein Grundsatzabkommen für staatliche Hilfen geschlossen. Demnach wird der Staat 550 Mio. Euro Partizipationskapital (PS-Kapital, 9,3 Prozent Verzinsung) zeichnen. Um das Kapital von nach Rating-Herabstufungen problembeladenen Papieren zu entlasten, übernimmt der Bund für fünf Jahre außerdem eine Garantie für 400 Mio. Euro auf abwertungsbedrohte Assets.
Im Wesentlichen sind PS-Scheine stimmrechtslose Wertpapiere. Jedoch werden die 9,3 Prozent Zinsen nur bezahlt, wenn die Bank Gewinne schreibt. Geht sie aber pleite, fallen Anleger aber auch um das investierte das Geld um.
Auch Cerberus schießt ein: Der Hauptaktionär sicherte zu, dass die Eigentümer 205 Mio. Euro Kapitalspritze aufstellen werden - bestehend aus rund 50 Mio. Euro PS-Kapital und rund 150 Mio. Euro echtem Eigenkapital. Weitere 50 Mio. Euro holt sich die Bank über eine sogenannte Tier-II-Kapital-Emission, voraussichtlich über Ergänzungskapital. Das hat zwar den Charakter von Eigenkapital, steht dem Unternehmen aber nicht auf Dauer zur Verfügung. Außerdem ist Ergänzungskapital "nachrangig", d.h. es darf nur bei Gewinn verzinst werden.
1,2 Milliarden von der Republik
Macht in Summe mehr als 1,2 Mrd. Euro. Von Republik und Eigentümern kommen demnach zusammen 805 Mio. Euro Eigenkapitaleinschuss, dazu kommt die 400-Millionen-Garantie vom Bund, die nach fünf Jahren erlöschen soll. Den Eigenkapitalzuschuss der Eigentümer hat vorerst Cerberus unterschrieben. Inwieweit die Minderheitsaktionäre (Post, Generali) dabei sind, haben diese selber zu befinden.
Die Kapitalspritzen sollen bis Ende Juni fließen, die EU muss über den Deal befinden. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass der Staat Unterstützung gibt. Die Bawag hatte nach Fehlspekulationen des früheren Managements und wegen der Refco-Krise 2006 mit einer (mittlerweile aufgelösten) Bundesgarantie aufgefangen werden müssen, bevor sie im Mai 2007 an Cerberus & Co verkauft wurde.
Privatplatzierung bei Institutionellen
Das 550-Millionen-PS-Kapital, das mit dem Bund vereinbart ist, wird vorerst die Republik voll zeichnen. Die Bank plant aber, 30 Prozent bei Dritten zu platzieren. Nach Privatplatzierung verblieben dann 385 Mio. Euro PS vom Staat. Für eine Privatplatzierung kommen institutionelle Investoren in Frage, hieß es.
Details zur jetzigen Grundsatzvereinbarung mit dem Bund gab Bawag-Chef David Roberts am Mittwoch zugleich mit den wegen der Finalverhandlungen mit Republik und Eignern um eine Woche verspäteten Jahresbilanzzahlen 2008 bekannt. Der Jahresverlust fiel wegen Abschreibungen und Abwertungen auf strukturierte Papiere ("Structured Credit Portfolio") noch höher aus als erwartet. Unterm Strich lag der Konzernjahresfehlbetrag (Nettoverlust) damit bei 547,5 Mio. Euro. Im Jahr 2007, als Cerberus den ÖGB als Eigentümer ablöste, waren es 452,5 Mio. Euro Verlust gewesen.
Laut Roberts und seinem Vize Stephan Koren garantiert die Republik ausschließlich "für Forderungen, die in den Büchern der Bank sind". "Es gibt keine Bad Bank in der Bawag", sagte Roberts. Das Volumen an strukturierten Krediten wurde laut Roberts ("alte Papiere") primär von 2003 bis 2005 aufgebaut, also vor dem Einstieg von Cerberus, wie er festhielt. Staatsgarantierte Anleihen werden nicht beansprucht.
Sonderertrag durch Verkauf von Töchtern
Auf 596 Mio. Euro beliefen sich die Verluste aus Finanzinstrumenten, die hauptsächlich nicht realisierte Bewertungsverluste enthalten, wie die Bank betont. Als Totalabschreibungsposten fielen etwa US-Bankenpapiere wie Lehman ( 9 Mio. Euro) und Island-Bankenpapiere (33 Mio. Euro) an. Mitsamt diesen Bewertungskosten mussten für Rückstellungen und Wertberichtigungen noch 281 Mio. Euro aufgewendet werden. Weitere 88 Mio. Euro machten Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände aus.
Als Sonderertrag fielen rund 260 Mio. Euro aus dem Verkauf von Banktöchtern in Tschechien und der Slowakei sowie von Immobilien und anderen Nichtbankbeteiligungen an. 2008 hat die Bawag ihr Ost-Exposure von zuvor 15 auf weniger als 5 Prozent der Bilanzsumme reduziert. Die Bilanzsumme ist 2008 von 44,8 auf 41,6 Mrd. Euro gesunken. Das Zehntel an der ungarischen Bank MKB will Roberts behalten.
Keine Teilverstaatlichung
Debatten um eine Teilverstaatlichung der Bawag wies Roberts heute gegenüber der APA ebenso als unmöglich zurück wie die damit zusammenhängende Spekulation, der US-Fonds Cerberus könnte durch seine US-Auto-Engagements so klamm sein, dass kein Geld für die Bawag über sei. Er wisse nicht, wer so etwas sage, meinte Roberts. Der signifikante Beitrag von Cerberus zur Kapitalstärkung sei Beweis genug, wie nachhaltig das Investment und wie hoch das Vertrauen in die Bank sei. Der Sanierungsprozess - Bereinigung der Altlasten - sei noch nicht abgeschlossen. Die "neue" Bawag sei eine gesunde Bank.
(Ag./ebl)


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