26.05.2012 18:28 | Meine Presse Merkliste 0

Australien: Jede Krise hat ihre Gewinner

18.10.2009 | 18:33 |  PETER MARTENS (Die Presse)

Als erste der 20 wichtigsten Industrienationen setzt Australien ein eindeutiges Zeichen: Bei uns geht es wieder aufwärts. Es sieht also so aus, als hätte Australien eine Sonderstellung inne.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WIEN. Der fünfte Kontinent steht selten oben in den Wirtschaftsnachrichten – Australien glänzt eher als Ziel für Fernreisen denn als wichtiger Spieler auf der ökonomischen Weltbühne. Trotzdem war vor wenigen Tagen das Echo auf eine kurze Nachricht aus Sydney weltweit zu hören: Die Notenbank RBA hat den Leitzins, also den wichtigsten Zinssatz einer Volkswirtschaft, von drei auf 3,25 Prozent erhöht – und zugleich weitere Anhebungen angedeutet.

Ein Schritt mit großer Symbolwirkung. Als erste der 20 wichtigsten Industrienationen setzt Australien ein eindeutiges Zeichen: Bei uns geht es wieder aufwärts. Und das, während alle anderen wichtigen Notenbanken ihre Leitzinsen auf historischen Tiefstständen belassen, um der Wirtschaft mit billigem Geld wieder auf die Beine zu helfen. So bleibt der zentrale Zins in den USA weiterhin praktisch bei null und im Euroraum bei einem Prozent.

Es sieht also so aus, als hätte Australien eine Sonderstellung unter den entwickelten Industriestaaten inne. Aber was ist hier anders als in den USA oder im Euroraum – von den zahllosen Sandstränden einmal abgesehen?

 

Ökonomie und Rohstoffe

Es ist zum einen die Volkswirtschaft selbst. Im September gab es wieder mehr Jobs, die Arbeitslosenrate ist auf 5,7Prozent gesunken. Während andere Volkswirtschaften schrumpfen, legte das australische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Halbjahr 2009 um einen Prozentpunkt zu. Für 2010 prognostiziert der Internationale Währungsfonds den USA ein Plus von 1,5Prozent, Deutschland 0,3 – undAustralien zwei Prozent.

Dahinter steht eine Ökonomie, die vor der Krise eine 17 Jahre währende Wachstumsphase erlebt hat und dank hoher Haushaltsüberschüsse für eine Flaute besser gewappnet ist als andere. Die Banken sind solide kapitalisiert. Weil sie sich kaum am US-Handel mit Risikopapieren beteiligt haben, waren hier die Ausfälle überschaubar.

Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Nach wie vor fehlen Fachkräfte, die Leistungsbilanz ist chronisch defizitär, die Auslandsverschuldung des privaten Sektors hoch, und die Landwirte müssen schon heute mit den ersten drastischen Folgen des Klimawandels zurechtkommen. Außerdem ist der Anteil von Industrieprodukten am Export relativ gering. Über drei Viertel der Ausfuhren machen Agrarerzeugnisse und Bodenschätze aus: Steinkohle, Eisenerz, Gold, Aluminium.

Genau darin liegt die zweite Ursache für die Sonderstellung des Landes. „Ohne seinen Rohstoffreichtum würde Australien wohl anders dastehen, als es das jetzt tut“, sagt Thomas Herrmann, Leiter der Forschungsstelle Global Economic Research bei Credit Suisse. Auf dem Weltmarkt treffen australische Ausfuhren nämlich auf den Rohstoffhunger Asiens. Wichtigste Exportpartner des Landes sind Japan, China, Südkorea und Indien. China ist bereits heute der größte Rohstoffkonsument der Welt, und die Nachfrage aus dem Reich der Mitte steigt weiter.

So gehen etwa 80Prozent der australischen Eisenerze nach China. Auch die wirtschaftlichen Verflechtungen werden ständig enger. Die Investitionen Chinas in Australiens Rohstoffsektor belaufen sich heuer auf knapp 50 Mrd. Dollar. Das entspricht etwa der Summe, die Peking 2008 weltweit investiert hat.

 

„Kein kuscheliges Vakuum“

Gleichzeitig zeigt das Beispiel deutlicher denn je, dass China dabei ist, neben den USA die Rolle einer zweiten Lokomotive der Weltwirtschaft zu übernehmen – und mit seiner Nachfrage den ganzen Wirtschaftsraum Australiens an der Rezession vorbeizieht. Auch China konnte der Krise besser begegnen als westliche Industrieländer.

Vor dem globalen Einbruch verfügte Peking über Devisenreserven von knapp zwei Billionen Dollar, die Staatsverschuldung war sehr viel geringer als in den USA. Das ermöglichte Peking, Staatshilfen von umgerechnet 450 Mrd. Euro zu gewähren – mit elf Prozent des chinesischen BIP das größte Konjunkturpaket der Welt.

„Die Chinesen haben sehr schnell auf die Krise reagiert – auch, weil sie so schnell reagieren konnten“, sagt Thomas Herrmann. Ihre Wirtschaftshilfen investieren sie jetzt nicht etwa in die Rettung heimischer Banken und Autohersteller, sondern in die Infrastruktur. Auch dieser Aufschwung hat seine dunklen Seiten: unwürdige Arbeitsverhältnisse, wachsende soziale Spannungen und die Struktur einer Diktatur, die gerade in Krisenzeiten viel schneller und rücksichtsloser agieren kann als eine Demokratie.

In Australien wird bei allem Optimismus noch etwas ganz anderes kritisiert. Natürlich profitiere man enorm von China, schreibt etwa der „Business Spectator“. „Aber Australien und China leben nicht in einem kuscheligen Vakuum.“ Nach wie vor sei auch der Einfluss der USA enorm, die allerdings weiterhin mit massiven Turbulenzen zu kämpfen hätten. Und es sei fatal, so zu tun, als bliebe die US-Konjunktur für Australien in den kommenden Monaten ohne Folgen.

AUF EINEN BLICK

Australien hat als erstes und bisher einziges der zwanzig wichtigsten Industrieländer den Leitzins auf 3,25Prozent erhöht. Das Land geht damit von einem einsetzenden Aufschwung aus, während Europa und USA noch weit davon entfernt sind. Hinter der Sonderstellung Australiens steht der Rohstoffhunger Asiens – und deutlicher denn je wird damit die neue Rolle Chinas als eine zweite Lokomotive der Weltwirtschaft sichtbar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

14 Kommentare
Alfie
19.10.2009 10:35
0 0

Immigration

Fuer alle, die hier wiedermal eine andere Einwanderungspolitik als Hauptgrund vermuten:

http://www.abs.gov.au/ausstats/abs@.nsf/mf/3101.0/

Hier ist klar nachzulesen, dass ein Grossteil des Bevoelkerungswachstums durch Migration erfolgt ist. Insgesamt sind im letzten Jahr 280000 Personen nach Australien migriert und das waren bei weitem nicht nur qualifizierte Fachkraefte (bei einer Gesamtbevoelkerung, die nur knapp 3 mal so gross ist wie die von Oesterreich). Die Asylgesetze von Australien sind sehr grosszuegig ausgelegt, auf der anderen Seite ist es natuerlich schwieriger, ueberhaupt illegal einzureisen.

Antworten Gast: gast1
19.10.2009 11:53
0 0

Re: Immigration

1. Der Großteil sind ostasiatische Studenten, die wieder gehen, da Jobfinden in AUS schwer ist.

2. Natürlich sind das nur qualifizierte Arbeitskräfte, als Nichtqualifizierter bekommst du kein Visum. Selbst Familiennachzug ist ohne Qualifikation der Nachziehenden nicht möglich.

3. Die Asylgesetze sind nicht großzügig. Außerdem bewegt sich die Zahl der Asylanten pro Quartal im zweistelligen Bereich aufgrund der geographischen Lage und weil die Flüchtlinge in Indonesien und Malaysia aufgehalten werden.

Gast: sirnicha
19.10.2009 09:31
0 0

suderer und queangler

auf ihr österreichbesudler - auf in ein besseres leben - auf nach china - auf nach australien - auf nach indien usw.
niemand weint euch eine träne nach...
alles gute übrigens für ebendort...

Gast: Marco Polo
19.10.2009 07:51
0 0

Stereotype

Wenn man hier in China lebt und arbeitet, dann wundert man sich jedesmal, wenn ein oesterreichischer oder deutscher Journalist ueber China berichtet oder einen Kommentar abgibt. Langsam hat es sich zwar herumgesprochen, dass China die Lokomotive der Weltwirtschaft geworden ist, ohne die heute praktisch nichts mehr geht. Da kommt aber immer dann der moralische Seitenhieb, Arbeitsbedingungen, soziale Spannungen, Diktatur etc.... Tatsaechlich hat sich China ueber die letzten Jahre auch hier sehr veraendert. In den Tiefen der Provinzen sind die Arbeitsbedingungen tatsaechlich noch sehr fragwuerdig. In den Staedten hingegen stehen sie teilweise ueber den Bedingungen in Europa. Fachkraefte kosten hier 20% weniger als in Euroapa, Schaufler kosten nur ein 10tel. Und soziale Spannungen sind momentan nicht zu spueren, weil es hier kaum Arbeitslose gibt. Die Chinesen sind nicht nur zaeh, sondern ungeheuer erfindungsreich, wenn es darum geht sich Arbeit zu beschaffen. Hier laesst sich niemand fallen und wartet auf staatliche Unterstuetzung. Betrachtet man China mit den Augen eines Europaers, dann sieht man noch vieles das hinter unserem Standart liegt, aber vieles hat auch gleich gezogen und in vielen Bereichen uns laengst ueberholt. Also herkommen anschauen und dann schreiben.

2 0

Australien muss sich nicht mit einem perversen Sozialsektor auf Schulden abschleppen.


"Dahinter steht eine Ökonomie, die vor der Krise eine 17 Jahre währende Wachstumsphase erlebt hat und dank hoher Haushaltsüberschüsse für eine Flaute besser gewappnet ist als andere. Die Banken sind solide kapitalisiert. Weil sie sich kaum am US-Handel mit Risikopapieren beteiligt haben, waren hier die Ausfälle überschaubar."

Haushaltsüberschüsse!
Solide Banken!
Selektive Zuwanderung!
Straffe Verwaltung!
Kein perverses Sozialsystem!

So kommt man unbeschadet aus der Krise.

Antworten Alfie
19.10.2009 10:25
0 0

Re: Australien muss sich nicht mit einem perversen Sozialsektor auf Schulden abschleppen.

naja, selektive Zuwanderung kann ich hier nicht unbedingt beobachten. Auf dem normalen Wege (Arbeitsvisum) - ja vielleicht. Aber die Regeln fuer Asylsuchende sind meiner Meinung nach sehr grosszuegig ausgelegt, das wird auch gerade heiss debattiert und soll verschaerft werden.

Darueber hinaus ist es auch noch sehr hilfreich, wenn man auf Bergen von Bodenschaetzen sitzt, die einer relativ kleinen Bevoelkerung zugute kommen.

1 0

Jede Krise hat ihre Gewinner

... und diese heißen hierzulande Faymann und Pröll.

Solche Leute haben es sich ganz schön gerichtet - Milliarden für Banken und nichts fürs Volk? Wie rechtfertigt man das als "Volksvertreter" einer "modernen Partei"????

Antworten TheAlien
19.10.2009 11:32
0 0

Re: Jede Krise hat ihre Gewinner

Pröll & Faymann - ja, nur vergessen Sie deren Vorgänger nicht!

Jene "Verursacher" der derzeitigen Krise durch einen nicht nachhaltigen Wachstumskurs, die nun via Beamtenpensionen 2,6% des BIP für 200.000 Beamte als Pension der Volkswirtschaft entziehen (vergl. ASVG: 2% des BIP für 2 Millionen Pensionisten).

Der Krisengewinnler und Verursacher ist in A der gleiche: eine ineffiziente, unnötige Bürokratie, ermöglicht durch dumme Durchschnittsösterreicher, die diese bis in alle Ewigkeit weiter wählen, damit sich blos nichts ändert, auf der Insel der Dümmlichen (beati pauperi spiritu - seelig sind die geistig Armen).

Antworten ger49
18.10.2009 22:25
0 0

Re: Jede Krise hat ihre Gewinner

Und weil diese beiden so super sind, werden sie auch bestimmt wieder gewählt! ;-)))

0 0

Re: Re: Jede Krise hat ihre Gewinner

besonders die SPÖ, boomt momentan! Faymann der Magnet?

lucio
18.10.2009 20:03
6 0

^^

Man muss nur die Einwanderungspolitik zwischen Austria und Australia vergleichen und schon weiß man warum dieses Land besser dasteht.

3 0

Re: ^^

und dort wo australien wahllos aufnahm (libanesen/pakistanis) gibt es riesen probleme ...

man bilde sich ein urteil.

Gast: LvMises
18.10.2009 19:53
5 0

Auswandern

Jeder der halbwegs was in der brine hat sollte oesterreich so schnell wie moeglich gen Asien oder Australien verlassen. Hier regieren die Hundstorders und Blechas das Land in den untergang.

mfg

0 0

Re: Auswandern

für's dableiben spricht: Die Freude auf den Tag an dem diese Leute ihre Belohnung erhalten. "Im Prater blühen wieder die Bäume..." das Volk vergisst selten und es gibt immer einen der "Gärtnern" wird! Man muss bei Auswurf eiskalt vorgehen...

Mein Geld

  • Kein Plan vom eigenen Geld
    Um das Finanzwissen in Europa ist es schlecht bestellt. 93 Prozent der Österreicher wünschen sich mehr Finanzbildung in der Schule.

Hobbyökonom