21.11.2009 17:20 | Meine Presse Merkliste0

USA droht größte Gemeinde-Pleite aller Zeiten

20.10.2009 | 15:14 |   (DiePresse.com)

Der Bezirk Jefferson County im US-Bundesstaat Alabama hat sich mit Wetten auf Zins-Swaps verspekuliert und sieht sich mit einem "finanziellen Armageddon" konfrontiert. Die Folgen sind nicht absehbar.

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Noch stemmt sich Jefferson County im US-Bundesstaat Alabama dagegen, freiwillig in die Pleite zu gehen. Doch der US-Bezirk sieht sich mit einem "finanziellen Armageddon" konfrontiert, wie es ein Lokal-Politiker beschreibt. Denn die 600.000-Seelengemeinde ist drauf und dran das kalifornische Orange County zu übetreffen, das 1994 mit Derivaten 1,6 Milliarden Dollar verlor und die bislang größte kommunale Pleite der USA hinlegte.

Verspekuliert mit Zins-Swaps

Im konkreten Fall hat der Bezirk auf sogenannte Zins-Swaps gewettet, bei denen feste und variable Zinsverpflichtungen getauscht werden: Variable statt fixe Zinsen hieß die Zauberformel. So drehte JPMorgan dem County Zinsswaps in der Höhe von 3,2 Milliarden Dollar an. Insgesamt wurden 18 Zinsswap-Geschäfte abgeschlossen. Finanziert werden sollte damit eigentlich die Modernisierung des maroden Abwassersystems des Bezirks.

Doch dann kam die Finanzkrise, die Ratings der Anleihenversicherer fielen in den Keller. Statt die Zinskosten zu senken, blähten sich diese auf. Zudem wird der Bezirk von rezessionbedingten Steuerausfällen gebeutelt, rund 1000 öffentliche Angestellte sind mittlerweile beurlaubt worden.

Angst vor steigender Kriminalität

Aber was würde eine Pleite von Jefferson County bedeuten? Kaum jemand wagt es, den Vergleich mit der kalifornischen Kleinstadt Vallejo zu ziehen, die 2008 Insolvenz anmelden musste. Verträge mit öffentlichen Angestellten dürfen dort seitdem neu ausverhandelt werden. Das hatte einen Exodus von Polizisten und Feuerwehrleuten zur Folge, die anderswo mehr verdienen. Eine weitere Folgeerscheinung: Die Kriminalität steigt.

Das Debakel von Jefferson County kann als Blaupause für das Schicksal tausender US-Gemeinden gesehen werden. Nachdem ihre Stadt- und Gemeindeoberhäupter Milliarden verspekulierten, bleiben die Steuerzahler nun auf den Schulden sitzen. Übrigens: Jene 160.000 Haushalte, die an das neue Abwassersystem angeschlossen sind, mussten seit dem Ausbau eine Vervierfachung der Gebühren hinnehmen.

(phu)

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10 Kommentare
Thonet H.
21.10.2009 16:36
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Klassischer Fall von Realitätsverweigerung ist

die Tatsache, dass die Gewinne des einen die Verluste des anderen bedeuten oder die rasant wachsenden Vermögen der einen die rasant wachsenden Schulden der anderen. In den meisten Fällen sind die anderen wir Staatsbürger, weil wir für die Schulden die von unseren Politikern angehäuft werden, für den Staat bürgen.
Zur Beruhigung aller nicht nur inden USA: Von Kalabrien bis ins kleinste Kaff in Österreich war und ist das gängige Praxis, weil auf normalen Weg die Staaten/Gemeinden sich all den Luxus und dann nicht einmal die Abwasserentsorgung leisten können. Sie haben Jahrzehnte ihre Lobbies bedient und alles auf Kosten des Staates entsorgt, einschließlich ihrer abgehalfterten Politiker, für die dann irgendwelche Fantasiejobs oder Provisionsgeschäfte aus dem Nichts kreiert werden. Genauso wie das viele Geld aus dem Nichts, weil sie in Wirklichkeit nackt dastehen, der Klüngel aus Politik, Wirtschaft und Banken-mit wenigen Ausnahmen, die es noch ernst nehmen.

Gast: selber schuld
21.10.2009 09:47
0 0

Folge

Die "Hirten" dort haben diese verantwortungslosen Politiker (die möglicherweise für die Swaps auch schön kassiert haben) ja selbst gewählt. Seriöse Politiker "kommen ja nicht an" beim Volk. Und dann jammert das Volk über die Folgen der selbst gewählten Unseriösen.

Gast: Moejoe
20.10.2009 22:16
0 0

passt zwar nicht dazu...

... aber irgendwie interessant zu hören, dass es mit der Wirtschaft wieder Berg auf geht angesichts solcher berückenden Nachrichten. im sept. 30%+ Arbeitslose 25% weniger Arbeit (wirtschaftsblatt) Zahl der Insolvenzschulden und Arbeitslosen durch Insolvenzen +50%. Komisch dass Banken in solchen Zeiten wieder Gewinne schreiben und Aktienmärkte florieren... Ich frage mich was die wohl gewinnbringendes mit dem Geld anstellen, das sie in Form von Krediten vergeben sollten! Die Vernunft siegt anscheinend doch nicht immer...

Antworten Gast: Gast
20.10.2009 23:14
0 0

Re: passt zwar nicht dazu...

die Aktienmärkte florieren derzeit, weil sich das billige "gedruckte" Geld der Zentralbanken ein Ventil sucht und deshalb in Spekus geht. Es wird ganz fröhlich und ungeniert gezockt solange es noch geht.

Paco
20.10.2009 22:15
0 0

Auch verspekuliert?


In Gringonien gehen nicht nur weltliche Gemeinden über den Jordan ...

>> Dies ist eine schmerzliche Entscheidung. Ich habe gehofft und gebetet, sie nie treffen zu müssen. Nach eingehender Überlegung bin ich aber überzeugt, keine Wahl zu haben, als Gläubigerschutz nach Kapitel 11 zu beantragen." Mit diesen Worten hat Bischof Francis Malooly die rund 230 000 Seelen des katholischen Bistums Wilmington im US-Staat Delaware am Sonntag über jenen dramatischen Schritt informiert, mit dem er seinen Sprengel nun zu retten versucht. Malooly ist in den USA schon der siebte Bischof, dessen Diözese sich im Zuge des vor sieben Jahren aufgeflogenen Missbrauchs-Skandals in den Gläubigerschutz rettet. Vor ihm mussten bereits die Bischöfe in San Diego, Portland, Tucson, Spokane, Davenport und Fairbanks den Gang zum Konkursrichter antreten. Das traditionsreiche Bistum Wilmington, dem auch Vizepräsident Joe Biden angehört, ist nun das erste an der Ostküste, dem unter der Last der Entschädigungsforderungen von Opfern priesterlichen Missbrauchs der finanzielle Ruin droht. <<

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Re: Auch verspekuliert?

Genuin mit der Finanzmarktkrise haben diese Konkursanträge diverser katholischer Diözesen freilich nichts zu tun! Vielmehr beruhen diese auf den horrenden Schadenersatzforderungen nach vielen Jahrzehnten vertuschter sexueller Mißbräuche an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen...

Einfach schier unglaublich, was da so alles im "Schoße" der Kirche über die Bühne ging, ehe mutige Gläubige es überhaupt wagten, vor Gericht zu klagen! Zu groß war das Ansehen des Klerus in der Öffentlichkeit...

Gast: John Doe
20.10.2009 16:45
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ameeericaaaa, f*** yeah!

tjaaaa. ob die schafherde irgendwann mal aufwacht und realisiert wasfür ein betrug in ihrem namen betrieben wurde? gilt nicht nur für amerika, auch hierzulande sind die misthaufen der politik bisher immer erfolgreich unter den teppich gekehrt worden.

mein vorkommentator hat die medizin verschrieben, allerdings will der patient garnicht gesunden: politische verantwortung heißt persönlich verantwortung nehmen für das miteinander der menschen. diese verantwortung hat der egoistische mensch schon immer gerne ausgelagert auf "politiker". und deshalb wird er weiter sklave bleiben und irgendwann der schlachtbank zugeführt werden

Antworten Gast: Gast
20.10.2009 21:46
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Re: ameeericaaaa, f*** yeah!

die Politiker sind gerade dabei die Schlinge um ihre eigenen Bürger immer enger zu ziehen und die Überwachung in der EU auszubauen. Stichwort: Stockholmprogramm. So wie in US, England die Menschen immer mehr Rechte verlieren und überwacht werden.

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Re: Re: ameeericaaaa, f*** yeah!

Die einzigen noch nicht überwachten (und dies auch so bleibenden!) Bereiche sind leider Banken und Hedgefonds, die sich in deren dubiosen Finanzgeschäfte nicht reinspucken lassen wollen...

Gast: picard
20.10.2009 15:41
0 1

und was tut man nun?!

1. verantwortliche politiker verhaften
2. verantwortliche banker verhaften wegen fehlberatung!
3. alle verantwortlichen verurteilen
4. vermögen aller parteien einkassieren

Schlagzeilen Wirtschaft