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Anleihen als "Zeitbombe": Warnung vor "Coco-Bonds"

06.11.2009 | 16:48 |   (DiePresse.com)

Auf der Suche nach Eigenkapital erweisen sich Banken als erfinderisch. So wurde eine neue Anleiheform erfunden: der sogenannte Coco Bonds. Kritiker warnen allerdings vor einer sich ankündigenden "Todesspirale".

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"Wir werden ihnen ein Angebot machen, das Sie nicht ablehnen können". Dieser Satz aus Francis Ford Coppollas "Der Pate" kommt dem Kreditstrategen Gary Jenkins von der britischen Evolution Securities Ltd. in den Sinn, wenn von einer neuen Anleiheform die Rede ist: Den "Contingent Convertibles", auch Coco-Bonds genannt. Sie sorgen momentan unter Investoren und Aufsichtsbehörden für Aufsehen, berichtet die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Die britische Bank Lloyds Banking gab am Dienstag bekannt, 7,5 Milliarden Pfund über diese neue Art von Anleihe aufnehmen zu wollen. Was sind nun aber diese ominösen Coco-Bonds? Darunter versteht man Anleihen, die in Aktien getauscht werden. Der Unterschied zur traditionellen Wandelanleihe besteht darin, dass sich die Tauschkonditionen nach dem Kernkapital richten. Bei herkömmlichen Wandelanleihen sind diese an einen bestimmten Aktienkurs geknüpft.

Hohe Verzinsung für Investoren

Fällt also das Eigenkapital einer Bank unter eine bestimmte Schwelle, wird das Fremdkapital in Aktien umgewandelt, berichtet "Financial Times Deutschland". Das stärkt die Kapitalbasis der Bank. Bei Lloyds würde die Wandlung dann schlagend, wenn die Kernkapitalquote (derzeit 8,6 Prozent) unter 5,0 Prozent fällt. Britische Nationalbank und Finanzaufsicht halten Cocos für geeignete Instrumente, um die Kapitalbasis zu ergänzen. So sollen Banken stabiler gemacht werden.

Für Investoren sind Coco-Bonds auf alle Fälle reizvoll. Sie sind ein riskanteres Wertpapier, das daher auch höher verzinst werden muss. So werden die neuen Anleihen 1,5 bis 2,5 Prozent mehr Zinsen auszahlen als herkömmliche Wandelanleihen.

"Extra-Maß an Risiko"

Hybridkapital - wie zum Beispiel stille Einlagen - soll künftig nicht mehr zum Kernkapital zählen. Für Banken bietet sich mit den Cocos ein Ausweg - denn diese gelten als dem Kernkapital zurechenbar. Das lässt Experten aber vor einem Missbrauch dieser Anleihen warnen: Diese könnten "Unordnung bringen und ein besonderes Maß an Risiko für die Kapitalmärkte bedeuten", berichtet die britische "Financial Times". Ein Investor spricht von einer "Zeitbombe".

Kritiker warnen konkret vor der prozyklischen Wirkung: In Krisenzeiten, in denen der Aktienkurs ohnehin niedrig sei, würden neue Aktien auf dem Markt den Abwärtstrend nur beschleunigen. Sie ziehen den Vergleich mit den "Death-Spiral"-Bonds im Japan der 1990er Jahre.

(phu)

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5 Kommentare
komajo
08.11.2009 10:56
0 0

Was mich interessiert

Wieviel %MwSt zahlt man beim Kauf solcher Bonds. Wahrscheinlich 0%. Daher sind meiner Ansicht nach solche Geschäfte sofort einzustellen.

Keynell
07.11.2009 22:12
0 0

Schwachsinn in reinster Form

Eine Anleihe, die sich im Wert selbst vernichtet. Wenn das Eigenkapital wegen Dummheit verbraucht wird, dann löst sich das Fremdkapital in wertlose Stückaktien auf ?? Sehr dumm.
Das sollten Banken auch mit Schulden mit notleidenden Darlehen machen, wenn der Kreditschuldner nicht mehr zahlen kann, gibt er als Sicherheit seine leere Geldbörse ab. Dann kann die Bank mit leeren Geldbörsen handeln. Der Kunden ist aber dann auch seine Schulden los.
Es scheint als wird Blödsinn, aber einer gewissen Dimension nicht mehr erkannt. Der Nebeneffekt dabei ist, dass Aktien immer weniger mit echten Werten verbunden werden und zum Zocken einladen. begonnen hat das vor 20 Jahren mit dem Verschwinden der Nennwertaktien zugunsten der Stückaktien. Das war der erste Schritt um den Überlick zu verlieren.


demedici
09.11.2009 11:13
0 0

Re: Schwachsinn in reinster Form

Sie scheinen überlesen zu haben, dass diese Anleihe nicht als Fremdkapital, sondern als Eigenkapital verbucht wird. Und jeder der sie zeichnet, sollte das auch wissen.

Im Grunde bin ich aber ganz auf ihrer Seite. Diese Produkte führen letztlich nur dazu, Investoren zu verwirren und den Menschen "spekulative Aktien als hochsichere Anleihen" zu verkaufen, und gehebelte Instrumente zu schaffen, die mehr krachen, wenn sie krachen. Niemand auf der Welt hat mehr auch nur annähernd einen Überblick, was es da alles gibt und wie viel davon. Man weiß nur, dass Derivative mittlerweile das weltweite BNP um ein Vielfaches übersteigen, und das ist bedenklich.

Keynell
09.11.2009 11:38
0 0

Re: Re: Schwachsinn in reinster Form

Danke für den Hinweis. Aber Anleihe ist Anleihe. Es gibt eine Rechtsgrundlage Dinge nicht nach dem Schein ("Eigenkapital") sondern nach dem Sein ( "Fremdkapital") zu bewerten.
Sonst stimme ich ihren Ergänzungen vollständig zu. Aber leider reicht das noch nicht für sinnvolle politische Entscheidungen.

Gast: bankster
07.11.2009 11:48
0 0

Schon wieder so ein Junk ...

Solange wir Staaten solche Banken unterstützen ist der Bürger Freiwild.

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