Fast 20 Jahre lang bediente sich Russell Wasendorf Senior am Geld seiner Kunden. Abermillionen sind futsch. Nun muss sich der Chef des pleitegegangenen US-Börsenmaklers Peregrine Financial Group (PFGBest) vor Gericht verantworten. "Ich habe betrogen. Dafür fühle ich anhaltende und hochgradige Schuld": In einem dramatischen Abschiedsbrief offenbart der Chef des zusammengebrochenen US-Börsenmaklers Peregrine Financial Group einen der dreistesten Betrugsfälle in der amerikanischen Finanzwelt. Er überlebte aber seinen Selbstmordversuch.
Der 64-Jährige erschien am Freitag erstmals vor dem Richter. Agenten der US-Bundespolizei FBI hatten ihn zuvor festgenommen. Die zuständige Bundesstaatsanwaltschaft wirft Wasendorf vor, die Finanzaufsicht hinters Licht geführt zu haben. Er habe die Bestände an Kundengeldern geschönt, hieß es.
Nur noch fünf Millionen Dollar
Der Börsenmakler Peregrine, auch PFGBest genannt, war am Mittwoch zusammengebrochen. Dabei kam ans Licht, dass Kundengelder in großem Umfang fehlten. Statt der in den Büchern stehendenden 220 Millionen Dollar (180 Millionen Euro) fanden die herbeigerufenen Finanzaufseher auf dem Geschäftskonto nur fünf Millionen Dollar vor.
In seinem Abschiedsbrief räumt Wasendorf ein, systematisch Kontoauszüge gefälscht und mit dem abgezweigten Geld seine Firma am Laufen gehalten zu haben. Das sei fast 20 Jahre lang nicht aufgefallen, weil er alleine Zugang zum entsprechenden Konto bei der Hausbank gehabt habe, schreibt Wasendorf in seinem Abschiedsbrief, der in der Klageschrift nachzulesen ist.
25.000 Gläubiger bangen um ihr Geld
Den Insolvenzunterlagen zufolge müssen bis zu 25.000 Gläubiger um ihr Geld bangen - darunter viele Farmer, die über den Börsenmakler aus dem kleinen Städtchen Cedar Falls im US-Bundesstaat Iowa ihre Warentermingeschäfte abgewickelt hatten. Bei derartigen Geschäften wird an der Börse schon heute ein Preis für eine Ware wie Getreide festgelegt, die erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Zukunft tatsächlich gekauft oder verkauft wird.
Die Geschichte erinnert an den Kollaps des US-Wertpapierhändlers MF Global im vergangenen Oktober, der die Wall Street erschüttert hatte. MF Global hatte sich mit riskanten Wetten auf europäische Staatsanleihen verzockt. Von einem "Mini-Lehman" war damals die Rede in Anspielung auf den Zusammenbruch der US-Investmentbank 2008. Bei MF Global waren Kundengelder von bis zu 1,6 Milliarden Dollar verschwunden.
(APA/dpa)




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