Edelmetalle auf dem Weg nach oben

Nach dem Brexit steigen die Preise für Gold – und vor allem Silber – weiter. Der Grund: Anleger erwarten jetzt keine Straffung der Zinspolitik mehr, sondern eher das Gegenteil.

Sind die Umstände unsicher, greifen die Anleger zu Gold und Silber.
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Sind die Umstände unsicher, greifen die Anleger zu Gold und Silber.
Sind die Umstände unsicher, greifen die Anleger zu Gold und Silber. – (c) REUTERS (Neil Hall)

Wien/London/New York. Am Montag waren die US-Börsen wegen eines Feiertags geschlossen, aber die vom Brexit weiter angefeuerten Edelmetalle ließen sich davon nicht bremsen. Im Gegenteil. Vor allem Silber, oft als der „kleine Bruder“ des Goldes bezeichnet, legte ordentlich zu. Silber stieg erstmals seit zwei Jahren über die Marke von 20 Dollar. Zeitweise verteuerte es sich um sieben Prozent auf 21,10 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Gold gewann ein Prozent auf 1352 Dollar je Feinunze. Es war der stärkste Anstieg binnen eines Tages seit September 2013.

Von der 20-Euro-Marke ist Silber zwar noch entfernt – am Montag erreichte der Silberpreis im Euro aber fast 19 Euro. Gold stieg wieder über 1200 Euro pro Unze und setzte sich dort fest (bei etwa 1214 Euro). Damit stehen beide Edelmetalle im Zuge der Unsicherheiten nach dem Brexit-Votum so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Im Euro liegt Gold nur noch zwölf Prozent unter seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2012. Anders als im Dollar hat Gold in Euro bereits seit Anfang 2014 wieder einen starken Aufwärtstrend gefunden.

Die aktuelle Stärke der Edelmetalle hat freilich nicht mit Angst allein zu tun. Nicht nur hat Gold seine Trendwende im Dollar just nach der „Zinswende“ in den USA im Dezember 2015 eingeleitet. Diese „Zinswende“ scheint jetzt verschoben zu sein – oder sogar abgesagt. Das „Wall Street Journal“ schrieb am Montag, dass die Normalisierung der Geldpolitik seit der Lehman-Krise selten so fern gewesen sei.

 

EZB pumpt weiter Geld

Der Brexit habe „eine neue Phase des globalen Zentralbanken-Experiments“ eingeläutet, so das „WSJ“. Gleichzeitig regt sich aber auch die Inflation wieder. In der Eurozone ist sie zuletzt über den Nullpunkt gekommen. Die Gefahr einer Deflation konnte abgewendet werden, sagt auch der OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. In trockenen Tüchern ist dieser „Aufschwung“ bei der Inflationsrate freilich nicht – weshalb von der EZB in absehbarer Zeit keine Bewegung in Richtung höherer Zinsen zu erwarten ist. Zuerst müsse man entscheiden, wie man mit den umstrittenen Programmen zum Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen weitermache, so Nowotny. Seit März 2015 pumpt die EZB monatlich 80 Mrd. Euro in den Markt.

Der Brexit bringt auch die Schweizerische Notenbank (SNB) ins Schwitzen. Sie hat sich in den vergangenen zwei Wochen rund um das Votum für einen britischen EU-Austritt mit insgesamt rund elf Mrd. Franken (zehn Mrd. Euro) schweren Käufen auf dem Devisenmarkt gegen eine Aufwertung der heimischen Währung gestemmt, wie am Montag veröffentlichte Daten zeigen.

Doch mit den Interventionen hat sich die SNB Experten zufolge lediglich eine Verschnaufpause erkauft: Denn der unsichere Fahrplan für den Brexit und eine mögliche weitere Geldschwemme der EZB dürften auch künftig auf dem Euro lasten und die SNB unter Druck setzen, eine Aufwertung des Franken zu verhindern.

Die Schweizer Währung gilt bei Investoren – wie auch Gold und Silber – als vergleichsweise sichere Anlage und ist deshalb in turbulenten Zeiten wie jetzt nach dem überraschenden Kurswechsel auf der Insel besonders gefragt. Doch ein noch stärkerer Franken ist Gift für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. „Der Brexit hat eine starke Nachfrage nach sicheren Häfen wie dem Franken ausgelöst, also muss die SNB aktiv bleiben“, sagt Währungsstrategin Ursina Kubli von der Privatbank Safra-Sarasin. Die Notenbanker werden nach Einschätzung von Beobachtern weiterhin auf Stützungskäufe auf dem Devisenmarkt setzen, um den Franken zu schwächen. (ag./jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2016)

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