Goldkäufer legen nach: "Es wird ja nicht schlecht"

Was für eine Woche.

Da crasht Gold an den Märkten auf unter 1400 USD - und kaum haben die Journalisten ihre "Nachrufe" auf das Metall fertig, stellen sie erstaunt fest: Den Menschen ist das egal. Was heißt egal, sie stürmen die Goldläden. Und zwar weltweit. 

In Österreich und Deutschland, Japan, China und Indien, Australien und Amerika bietet sich dasselbe Bild. Während die Börsen noch nach den Gründen für den "Preisverfall" suchen, legen die kleinen Goldkäufer in Ruhe nach. So etwas hat man noch nicht gesehen.

Oder doch? Sehen Sie, all diese Meldungen sagen uns erstmal nicht wahnsinnig viel. Es handelt sich dabei bisher nur um Indizien, keine Beweise für irgendwas. Wobei durchaus davon auszugehen ist, dass die "harten" Zahlen diesen physischen "Goldrausch" sehr wohl widerspiegeln werden, wenn sie veröffentlicht werden. Und: Ja, es gibt auch Hinweise darauf, dass man den "Abverkauf" an den "Märkten" mit einer "Flucht ins physische Gold" erklären kann. Aber dazu ein ander mal.

Was mich heute interessiert: Erstens, dass es diese Meldungen überhaupt gibt und zweitens, was sie uns über die Beziehung der Menschen zum Gold erzählen.

 

Da staunen die Medien nicht schlecht

Punkt eins fällt nur auf, wenn man Medien und Goldmarkt gleichzeitig im Auge hat. Denn was derzeit geschieht, ist nicht neu. Tatsächlich weisen die Geschehnisse starke Ähnlichkeit mit 2008 auf, als der Goldpreis auch gesunken ist und die Nachfrage nach physischem Gold gleichzeitig gen Himmel schoss. Damals (in der akuten Krise) mussten Investoren einerseits "Positionen in Gold" abstoßen, um an Liquidität (Geld) zu kommen und die verunsicherte Bevölkerung griff andererseits zum Metall. Einzig: Die Medien schenkten dem kaum Aufmerksamkeit, war man doch ganz und gar mit der Aufarbeitung der Krise an den Börsen beschäftigt.

Diesmal ist das anders. Ausgerechnet ein Crash des Goldpreises bringt das Metall in die Medien. Und was machen die Kollegen? Na, was Journalisten eben machen - sie gehen "an die Front", zu den Goldhändlern, und reiben sich die Augen. Am schönsten hat es die deutsche ARD formuliert.

"Wie passt das zusammen? Während der Goldpreis in den letzten Tagen wahrhaft abgestürzt ist, begann ein wahrer Run auf Goldmünzen."

Und die Antwort gibt man sich schon im Titel selbst: 

"Nur echtes Gold ist wahres Gold" (ARD)

 

"Gold bringt Glück"

Wer von der emotional geführten Debatte um das Metall relativ unbeeinflusste Meinungen zur Bedeutung des Goldes für die Menschen einholen will, der tut gut daran, Europa zu verlassen. In den arabischen und asiatischen Ländern (dort, wo "das Geld" heute ist) gehört Gold seit jeher zum Normalzustand - und zwar nicht als "Investment" auf einer Ebene mit Aktien, Anleihen oder exotischen Derivaten, sondern einfach als Sparvehikel.

Japan spielt gleich eine doppelte Sonderrolle in diesen Tagen. Das neueste Geldpolitiklockerungsprogramm der Regierung hat den Goldpreis in Yen nämlich in lichte Höhen geschickt. Weil Japan aber auf Teufel komm raus Inflation verursachen will, ist Gold trotzdem plötzlich interessant.

So berichtet die New York Times via Reuters: 

"When he woke up to the news of a collapse in gold prices, Yujiro Yamashita, 63, made his way to the posh Ginza district of Tokyo to make his first purchase of the metal in 20 years." (NYT)

 

Und die "Welt" gönnt uns den vielleicht "schönsten" Gold-Artikel in dieser Woche, weil er "normale" Chinesen zu Wort kommen lässt.

"Gold bringt Glück", sagt Lisa Zhou aus Shanghai, die bei Chow Tai Fook Gold und einen Diamantring kauft. "Wir Chinesen hoffen immer, ein Geschäft zu machen, wenn der Goldpreis nachgibt." Sie hat schon mehrfach in der Vergangenheit Gold gekauft, als der Preis niedrig war. "Gold ist sehr viel werthaltiger als Geld", sagt Zhou.

"Gold ist das beste Geschenk für eine Hochzeit", meint Lisa Zhou. "Zur Not kann man es immer liegen lassen, es wird ja nicht schlecht." Investitionen in Gold seien in China unabhängig von der sozialen Schicht und der Einkommensklasse. "Selbst wenn es nur wenige Gramm sind, die sie sich leisten können, kaufen die Leute Gold", sagt Zhou. (Welt)

 

2013 ist nicht 1980

Man sollte sich zusätzlich vor Augen halten: Der "Goldbulle" 1980 war zwar viel mehr ein "physischer" als heute, wo der Preis eher durch Spekulanten am Computer als durch Käufer in Münzshops getrieben wird (zumindest bisher). Aber damals (als Gold auf 850 Dollar stieg, was heute inflationsbereinigt rund 2300 Dollar wären) waren die Chinesen und viele andere Asiaten und Araber wegen politischer Sanktionen und fehlender Kaufkraft vom Markt ausgeschlossen. Anders gesagt: 1980 war ein "Goldbulle" der "westlichen" Welt. Heute (hab ich mir sagen lassen) ist die Welt "viel globaler".

 

 

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