Gold statt Sparbuch: Warum die Menschen in Asien auf zehntausenden Tonnen "Schmuck" sitzen

Papiergold hin, Derivate her - die Menschen in Asien halten fast die Hälfte allen Goldes als "Schmuck". Und sie wollen mehr.

Lassen wir die hochtrabend philosophischen Betrachtungen zu Gold, Geld und Wert mal beiseite und sehen uns die harten Fakten an. Im 21. Jahrhundert nach Christus ist das glänzende (und in der Industrie kaum verbrauchte) Metall nämlich noch immer ein riesiger und wichtiger Markt.

Ein Markt mit Geschichte. Der lydische König Krösus war für seinen Wohlstand bekannt (daher der sprichwörtliche Name). Er prägte die ersten Goldmünzen. Das war rund 550 vor Christus. Und solte es damals schon penetrante Goldfans gegeben haben, die ständig auf der langen Geschichte des Metalls herumgeritten sind - es wäre nicht verwunderlich, denn die Prägung der ersten Münzen ist mitnichten der "Beginn" von Gold als "Asset" gewesen. Soweit man das heute beurteilen kann, fasziniert das Metall die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes "seit Anbeginn". Zigaretten, Muscheln, Papier, Bitcoins(?): fast alles kann "Geld" sein. Die Henne-Ei-Frage ist in diesem Fall aber leicht zu klären: zuerst kam das Gold, dann das Geld.

Die heutige Goldwelt würde Krösus freilich nicht verstehen. Nach den (konservativen) Schätzungen des World Gold Council werden an den "Märkten" heute etwa 2300 Tonnen Gold gehandelt - rund die weltweite Minenproduktion eines Jahres - und zwar täglich.

 

8,6 Billionen Dollar 

Vergessen wir aber auch diese Spielerei an den "Märkten" und konzentrieren uns auf das physische Gold. Weil es praktisch unzerstörbar ist und von den Menschen seit jeher als wertvoll betrachtet wird, passen wir auch ganz gut darauf auf. Die meisten seriösen Schätzungen gehen deshalb davon aus, dass fast alles in der Geschichte geförderte Gold noch da ist: 171.000 Tonnen. Gegenwert beim aktuellen "Goldkurs": rund 8,6 Billionen Dollar - also 8600 Milliarden - knapp mehr als die Hälfte der von den USA aufgehäuften Schulden.

Dieses Kapital liegt einfach so rum - und wird (relativ zu allen anderen Dingen) je wichtiger, desto höher der Preis steigt. Die Geschichte ist voll von "Neubewertungen" dieser rumliegenden Goldreserven. Das ist ein beliebter und praktischer Trick in Krisenzeiten, wenn das aktuelle Papiergeld ins Strudeln gerät. Es ist auch eine Form der "Enteignung der Sparer" - aber nur derjenigen, die nicht (auch) in Gold sondern (nur) in Papiergeld oder Papier-nominierten Anlageformen gespart haben. Das Sparbuch grüßt aus dem Zypern-Urlaub!

Aber wo liegen sie rum, diese "stillen Reserven"? Bei solchen Fragen ist eine Tortengrafik immer hilfreich.

 

InlineBild (3049fa06)

Die Verteilung aller Goldbestände

(Quelle: Thompson Reuters GFMS)

 

Gold als Massenware

Jetzt wird es interessant: Das World Gold Council betrachtet generell die Official Holdings (also Zentralbanken plus IWF) und das Private Investment als den "Goldmarkt" im Sinne von "handelbaren Beständen". Zusammen 37 Prozent des Goldes.

Aber das ist eine sehr westliche Denkweise. Wenn wir Jewellery lesen, wir denken an sündhaft teure Schmuckstücke aus der Innenstadt - deren Kaufpreis den Materialwert des verwendeten Goldes meist weit übersteigt. Aber waren Sie schon mal auf einem Goldmarkt in Asien? Am Gold Souk in Dubai zum Beispiel?

Dort ist Gold Massenware und die Gestaltung der Stücke zweitrangig. Der "Schmuck" wird nah am Goldpreis verkauft - ähnlich wie Barren und Anlagemünzen - bei denen man auch nicht "viel" für die Prägung aufzahlen muss.

Was auf solchen Märkten als "Schmuck" gekauft wird, kann im Fall der Fälle "zu Barem" gemacht - oder sogar eingeschmolzen werden. Ok, vielleicht hindert der Schmuckstatus des Goldes vor dem allzu schnellen Verkauf - und hilft so beim langfristigen Sparen. But you get the picture. (Die Schmuckform hilft auch vor allzu gierigen Regierungen; Stichwort Goldverbot. Anders als Münzen und Barren sind Schmuckstücke von einer etwaigen Gold-Abgabepflicht meist entbunden gewesen.)

Gut. Die nächste Grafik sollte jetzt nicht mehr sehr überraschend sein.

 

InlineBild (710521c8)

Wo der "Goldschmuck" liegt

(Quelle: World Gold Council)

 

Gute und schlechte Nachrichten

Die Hälfte allen weltweit vorhandenen Goldes ist als "Schmuck" zum Zwecke der Absicherung und des langfristigen Sparens gebunden. Mehr als ein Viertel in Indien und China alleine, die "dicken Brocken" Vietnam, Türkei, Thailand und die arabische Welt "verstecken" sich unter "Rest der Welt". Die Massen in Asien kaufen Gold, weil man eben Gold kauft, wenn man "zu viel" Geld hat. Und man verkauft erst, wenn man "zu wenig" Geld hat - ziemlich unabhängig vom Preis.

Die "schlechte" Nachricht für den Westen: Auch das Private Investment Gold geht in Form von Münzen und Barren inzwischen verstärkt in Richtung Osten. In Europa und den USA sitzen hingegen oft Anleger, die glauben, man könne "eine Position" in Gold "per Knopfdruck" eröffnen (Stichwort: ETF). Die werden sich noch wundern.

Die "gute" Nachricht für den Westen: In manchen Ländern (wie Österreich, Deutschland und der Schweiz) gehört physischer Goldbesitz sehr wohl zur "Tradition". Die verheerenden Inflations-Erfahrungen des 20. Jahrhunderts stecken vor allem den Deutschen noch immer in den Knochen. Sie halten laut mehr oder weniger verlässlichen Schätzungen rund 8000 Tonnen Gold in Privatbesitz. Das ist freilich nur ein Bruchteil des "Gesamtvermögens" und auch nur die Hälfte der privaten "Goldreserven" in Indien - aber es gibt auch zehnmal so viele Inder wie Deutsche. 

Und: Die "westlichen" Zentralbanken halten den größten Teil der Official Holdings. Dazu mehr beim nächsten mal.

above ground gold
Schließen
above ground gold
above ground gold –
schmuckverteilung
Schließen
schmuckverteilung
schmuckverteilung –

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.