Sie entdecken in einem der unzähligen Werbefolder, die tagtäglich an der Wohnungstür oder im Postkasten landen, ein schon lange ersehntes Produkt zu einem sensationell günstigen Preis. Die Logistik sorgt dafür, dass diese Ware auch tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort vorrätig und damit für den Konsumenten greifbar ist. Jeden Tag, in manchen Ländern sogar am Sonntag, macht es die Logistik möglich, dass man in Geschäften die neuesten Trends kaufen kann. Oder, dass die Tomaten trotz eines längeren Transportweges genau dann reif sind, wenn sie in das Supermarktregal einsortiert werden. Für den in Sachen Logistik nicht versierten Bürger scheinen diese Vorgänge eine Selbstverständlichkeit zu sein. Und doch müssen im Hintergrund die vielen Fäden zwischen Lieferanten, Transporteur und Händler richtig geknüpft werden, damit das Netzwerk auch wirklich funktioniert. Logistik ist unverzichtbar, egal ob es sich um lokale Kleinbetriebe oder um internationale Konzerne handelt.
Aber was verbirgt sich hinter diesem trockenen Begriff, den manch einer einwirft, wenn Dinge nicht so laufen wie sie es sollten: „Da hat die Logistik versagt!". Das Wort Logistik leitet sich aus dem Altgriechischen her und bedeutet so viel wie „praktische Rechenkunst". Viele werden mit dieser Erklärung nicht viel anfangen können, bringt man doch die Logistik eher mit Transport oder wie die Franzosen die „logistique" oder die Engländer „logistics" mit Nachschub in Verbindung. Doch sie ist mehr als das simple Befördern von Waren von A nach B. Da waren die alten Griechen schon klüger und besser im Detail verhaftet. Bei der Logistik laufen die Güterströme und die Informationsflüsse zusammen. Es geht um die optimale Versorgung des Handels und damit der Kunden. Damit die beiden Akteure Handel und Konsument auch auf ihre Rechnung kommen, müssen die sechs „R" der Logistik erfüllt sein.
„Wir liefern, was Sie brauchen"
Die richtige Ware muss zur richtigen Zeit in der richtigen Menge und richtigen Qualität zu den richtigen Kosten am richtigen Ort sein. Was dafür geleistet werden muss, nimmt die Öffentlichkeit nur teilweise und dann oft nur negativ wahr. Der Lkw auf der Straße, der wieder einmal die Weiterfahrt blockiert oder durch Ladetätigkeiten in zweiter Spur ungeduldige Autofahrer auf die Palme bringt, bleibt im Gedächtnis haften. Da helfen oft auch kluge Sprüche wie „Wir liefern, was Sie brauchen" oder „Wir fahren Gut" wenig, um die anderen Verkehrsteilnehmer gnädig zu stimmen.
Ein Anliegen der Logistiker bringt C&A-Transportmanager Christian Dreyer pragmatisch auf den Punkt: „Jeder Pkw-Fahrer, der fünf Minuten zu lange in der Kurzparkzone steht, wird gestraft. Es wird aber nicht darauf geachtet, dass die Anlieferungszonen für die Lkw freigehalten und nicht verstellt werden. Hier gibt es viel Potential zur Verbesserung und letztlich wären dann auch die Lkw wieder schneller aus der Stadt draußen".
Die Wirtschaftskammer Wien sieht in der überbordenden Ausübung des Demonstrationsrechts die Freiheit der Straßenbenützung immer mehr beeinträchtigt. Spartenobmann Erwin Pellet ortet in den Märschen, die oftmals auf den Zufahrtswegen zu den wichtigsten Wiener Shoppingmeilen durch die wichtigen „Handelsbezirke" Innere Stadt und Mariahilfer Straße stattfinden, gar einen Missbrauch des Demonstrationsrechtes. Dadurch werde ein anderes Grundrecht , nämlich das der Erwerbsfreiheit, stark eingeschränkt, sagt der Wiener Handelsobmann.
Nachtanlieferung könnte entlasten
Dabei sind sich die Spediteure schon der Tatsache bewusst, dass die Ursache für eine Verstärkung des Verkehrsaufkommens in den größeren Städten bei ihnen selbst liegt. Die Nachtanlieferung ist ein Thema, mit dem vieles erleichtert werden könnte, ist sich Andreas Kerschner, Director Partner Network des international tätigen Logistikdienstleisters Logwin, sicher. Das Problem rühre verstärkt daher, dass sich die Zustellung immer mehr auf wenige Stunden am Vormittag komprimiert. Seine Handelskunden in den Innenstädten wollen ihre Ware optimalerweise vor der Geschäftsöffnung zugestellt haben. Im Extremfall muss ein Spediteur in der gleichen Zone beispielsweise bei drei Kunden zeitgleich mit drei nur teilweise ausgelasteten Lkw anliefern. Diese Zusatztouren verstärken auch das Verkehrsaufkommen. Die Anlieferung während der Nacht, in der die Straßen frei sind, könnte die Problematik entschärfen. Kerschner weiß aber auch um den Konflikt zwischen dem Nachtfahrverbot, das die Privatsphäre der Anrainer vor dem Lärm schützen soll, und den Interessen der Wirtschaft.
Einig ist sich der Logistikexperte Kerschner mit Christian Dreyer von C&A in Sachen Citylogistik. Dreyer plädiert für die zentrale Ansammlung von Speditionen am Stadtrand, wo ein gemeinsames Warehouse betrieben werden könnte. Von dort aus, beispielsweise aus Inzersdorf, könnten in der Folge alle kleinen und mittleren Händler in den Innenstädten koordiniert beliefert werden. Dann wären nicht x-Transporte mit ein oder zwei Paletten auf der Ladefläche unterwegs, sondern eine überschaubare Anzahl von Fahrzeugen mit gut gefüllten Transporteinheiten.
Kerschner sieht hier die Politik in der Verpflichtung, die mehr Druck erzeugen müsse, um mit Kooperationsgedanken die notwendigen Effekte zu erzielen. Denn heute, so Kerschner, verhindere der Konkurrenzdruck zwischen den Spediteuren so manche gute Idee.
Komprimierte Anlieferung
Wie es anders gehen kann zeigt die Zusammenarbeit von Logwin mit dem Sportartikelhändler Hervis. Hier wurde eine Crossdocking-Plattform aufgebaut, bei der die Lieferungen von mehreren Hersteller nach Übernahme und Kommissionierung an einem zentralen Ort gesammelt und gebündelt in die Filialen des Händlers zugestellt werden. Anstatt dass mehrmals pro Tag zahlreiche Dienstleister oder Spediteure kleine Liefereinheiten in den Hervis-Filialen abladen, wird die Anlieferung durch Logwin nach abgestimmten Terminplänen mit einigen wenigen Touren pro Woche umgesetzt. Auch das sei eine Citylogistik im Kleinen, sagt Kerschner, für den diese Kooperation durchaus Vorbildcharakter hat.
Mit der Auslagerung von Teilbereichen der Logistikkette ist Hervis nicht alleine. Sehr viele Händler übertragen Teilaufgaben der Logistik an Dritte als spezialisierte Dienstleister. Die Lagerung von Waren, deren Kommissionierung auf die Filialen und Transport sind Aktivitäten, die Dritte durch eine bessere Auslastung der Ressourcen optimaler gestalten können. Besonders kleinere und mittlere Firmen arbeiten oftmals mit einem professionellen Dienstleistern zusammen, denn ein eigenes Verteilzentrum mit Zentrallager rechnet sich im Normalfall erst ab einer gewissen Unternehmensgröße.
Zudem werden damit auch mangelnde Auslastung aufgrund sinkender Verkäufe, Veränderungen in den Rahmenbedingungen, wie Fahrverbote und Anlieferungsbeschränkungen zum „Logistikpartner" verlagert. Zumeist werden Fixpreise für Einheiten vereinbart, was auch Vorteile für die Kostenkalkulation bringen kann. Die komplexen Systeme für die Bedarfsrechnung und die Berechnung, wie leer gekaufte Regale wieder aufgefüllt werden, bleiben hingegen gerne in den Händen der Händler. Diese Aufgaben stellen in vielen Unternehmen ein streng gehütetes Geheimnis dar.
Nur größere Filialisten leisten sich ein eigenes Zentrallager, wobei aber auch hier ein Trend festzustellen ist, dass sich Landesorganisationen eines Unternehmens über Ländergrenzen hinweg zusammenschließen. Ein eigenes Zentrallager steigert die Flexibilität. Schließlich gehören Lieferverzug zum Geschäft, Waren müssen zum Lieferanten zurücktransportiert oder zwischen Filialen verlagert werden.
Kooperationen nur eine Frage der Zeit
Logwin ortet speziell beim Transport einen Trend zu vermehrtem Outsourcing. Vor allem Mautgebühren, Personalkosten und steigende Treibstoffpreise führen bei sehr vielen Einzelhändlern zu einer Entscheidung zugunsten einer Auslagerung. Und im nächsten Schritt werde es auch auf internationaler Ebene zu mehr Kooperation zwischen den großen Spediteuren kommen, wagt Logwin-Manager Kerschner einen Blick in die Zukunft. Erst im April haben Logwin und die Deutsche Textil Logistik, der größte Spediteur Deutschlands im Bekleidungssektor, eine enge Zusammenarbeit im Transportnetzwerk gestartet. Ihre Kunden sollen dabei von optimierten Laufzeiten und einer verbesserten Flächenabdeckung profitieren. Die Umsetzung von solchen Allianzen auch auf den kurzen Wegen in die Innenstädte sollte dann nur mehr eine Frage der Zeit sein.

WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal

KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet