Mit dem Franchising verhält es sich ähnlich wie im Hausbau. Dort haben in den letzten beiden Jahrzehnten hochwertige und erprobte Fertighauskonzepte den Markt erobert. Es ist eine Grundstruktur vorgegeben, aber der Individualität sind keine Grenzen gesetzt. Der Bauherr beginnt nicht bei Null, sondern profitiert von einem erprobten System und den Erfahrungen anderer.
Franchising verbindet als Konzept die Marktnähe der Franchisenehmer mit der Marktmacht des Franchise-Systems. Die Arbeitsteilung zwischen beiden Seiten bringt Flexibilität, die finanzielle Beteilung beider verringert das unternehmerische Risiko erheblich. Gute Einzelsportler, die zu einer starken Mannschaft zusammengestellt werden, mögen ebenso als Vergleich für die Wirksamkeit eines Franchise-Systems herhalten.
Erprobte Geschäftsidee reduziert Risiko
„Ich verkaufe Waren oder Dienstleistungen einer erprobten Geschäftsidee auf mein eigenes Risiko", formuliert Kaufmann Martin Kowatsch Franchising. Er ist einer von sechs Franchisepartnern von „Das Futterhaus", einem aus Deutschland stammenden Konzept für Heimtiernahrung und -zubehör. Neben Österreich gilt Deutschland als Hauptlieferant der hierzulande aktiven Franchisesysteme. Bekannte Marken im Handel, die über Franchise betrieben werden, sind Palmers, Obi, Tally Weijl, Jones, BackWerk, Skinny, Yves Rocher, A1-Shop, OMV-Tankstelle, Marc O‘Polo, Tom Tailor, Street One, Swarovski und Mango.
Faktum ist, dass in Österreich das Unternehmertum mit einer vom Markt bereits akzeptierten Geschäftsidee stark wächst. Allein in den Jahren von 2008 bis 2010 wuchs die Zahl der Franchise-Nehmer in Österreich um mehr als zehn Prozent auf 6700. Die Franchisenehmer sind Unternehmer, die bereits anerkannte Geschäftsideen nutzen und so das Risiko minimieren, in ihrer Laufbahn als Selbständige zu scheitern. 2010 lag die Schließungsquote bei Franchise-Systemen bei etwa 4,1 Prozent und damit unter der gesamtwirtschaftlichen Quote von 6,1 Prozent.
„Conversion Franchising"
Für Handelsprofi Kowatsch sind diese Zahlen durchaus nachvollziehbar. Er vertreibt selbst derzeit an zwei Standorten mit „Das Futterhaus" Tiernahrung und -zubehör. Erst kürzlich wurde dieses Konzept vom Österreichischen Franchiseverband zum Aufsteiger des Jahres 2011 gekürt. „Ein wesentlicher Vorteil in meinem Business ist es, dass ich mich auf Kernaufgaben wie den Verkauf und die Mitarbeiterführung konzentrieren kann", sagt Kowatsch. Andere Aufgabenbereiche wie Beschaffung, Controlling und Marketing sind in die Franchisezentrale ausgelagert. Da Franchisenehmer im Normalfall mehr Unternehmer als Verwalter sind, lässt diese Konstellation eine „Win-Win"-Situation sehr wahrscheinlich werden.
„Die Einsamkeit im eigenen Unternehmen" nennt Waltraud Martius als Hauptgrund, dass auch viele bereits existierende Kaufleute zum Franchising konvertieren. Sie spricht das „Conversion Franchising" an. „Man kann solche Veränderungen mit einer Form des Religionswechsels vergleichen", lässt die Doyenne des österreichischen Franchising wissen. Und mit dem Umstieg in die „intelligente Selbständigkeit" werde die Gefahr, zum „einsamen Wolf" zu werden, deutlich reduziert.
In den Anfangszeiten des Franchising wurden Franchisenehmer manchmal abschätzig als „Unternehmer zweiter Klasse" bezeichnet.
Der Imagewandel zum Positiven hin wurde auch durch hippe Franchisesysteme wie das im Frühjahr in Wien gestartete System „eyes+more" gefördert. Das in Deutschland entwickelte System verkauft zum Modeaccessoire aufgestiegene Brillen zu Fixpreisen. Im Gastronomiebereich hat sich Vapiano (frei übersetzt: Geh's locker an) zu einem Anziehungspunkt für Liebhaber italienischer Küche gemausert. Im Bistrostil eingerichtet werden italienische Schnellgerichte wie Nudeln und Pizza frisch zubereitet werden und der Kunde holt sich die Speisen an der Theke ab.
Administration kostet Umsatzbeteiligung
Die Risiko liegt für Franchisenehmer in der wirtschaftlichen Umsetzung. Diese Gefahr versucht der Franchisegeber zu minimieren, indem er Eigenkapitalnachweis verlangt. Eine 100prozentige Fremdfinanzierung soll stets vermieden werden. Die Unterschrift unter den Vertrag verpflichtet zur Zahlung einer einmaligen Eintrittsgebühr. Damit sind alle Leistungen des Vertragspartners bis zur Eröffnung des Standortes abgedeckt. Die Gebühr dient dem Systemgeber auch als eine Art Refinanzierung der Kosten der Systementwicklung.
Ab Geschäftsstart ist eine laufende Franchise-Gebühr, in der Regel definiert als Prozentsatz vom Umsatz, zu entrichten. Das monatliche Entgelt beträgt bei Handelssystemen im Mittel zwischen zwei und zehn Prozent und soll die Verwaltungskosten der Systemzentrale abdecken.
„Fairplay"
Eine spezielle Situation ist im Modehandel anzutreffen. Die Handelsware wird mit einer Rücknahmegarantie übergeben, was das Risiko des Franchisenehmers, auf Ladenhüter sitzenzubleiben, gegen Null reduziert. Der Haken an der Sache ist aber, dass der Franchisegeber die Kollektion vorgibt und so der Einfluss des Händlers auf Farben, Designs und Modetrends nicht gegeben ist.
Lücken in den Verträgen haben schon den einen oder anderen Franchisenehmer stolpern lassen. Fehlende Optionen über Verlängerungen der Erstkontrakte, die im Regelfall zehn Jahre laufen, haben schon so manches Geschäft überraschend beendet. „Seriöses Franchising erfordert langfristiges Denken und verantwortungsvolles Investieren", sagt Waltraud Martius . Ihre 25-jährige Erfahrung auf dem Gebiet hat die in ihrem Ratgeber „Fairplay Franchising" zusammengefaßt. Partnerloyalität nennt sein als einen wesentlichen Faktor für den Erfolg von Franchising.
Der oft zitierte Satz "None of us is as good as all of us", der von Ray Kroc, dem Erfinder des wohl weltweit bekanntesten Franchise-Systems von McDonald stammt, bringt die Quintessenz im Franchising auf den Punkt.
Vorteil in fremden Märkten
International agierende Unternehmen versuchen bei ihrer Expansion in neue, aber noch unsichere Märkte das Risiko mit Franchising zu minimieren. Es werden Partner gesucht, die mit den Gegebenheiten des lokalen Marktes vertraut sind und das Geschäft auf eigene Rechnung durchführen. Gerade bei Rechtsunsicherheiten im Immobilienbereich, fehlenden Sprachkenntnisse und dem Fehlen vertrauenswürdiger Kontaktpersonen macht diese Form des Vertriebes für neue Länder Sinn.
Mit etwa 180 Franchise-Systemen hat in Österreich der Handel den größten Anteil an den rund 420 Franchise-Systemen. Noch höher, nämlich bei 55 Prozent, liegt die Zahl der Franchisenehmer, die 27.000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten.

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