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Handel: Kampf um die Vorherrschaft im Norden von Wien

26.09.2012 | 13:58 |  Von Herbert Asamer (DiePresse.com)

In Gerasdorf sagt das „letzte große Einkaufszentrum Österreichs" Wien den Kampf an. Unter den Mietern findet sich auch der irische Modefilialist Primark.

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In wenigen Wochen wird in Gerasdorf ein spannendes Match angepfiffen. Mit dem G3 Resort eröffnet dort ein neues Shoppingcenter, das durchaus eine nähere Analyse wert ist. Die Gemeinde Gerasdorf mit ihren mittlerweile über 10.000 Einwohnern grenzt direkt an den Norden der Bundeshauptstadt an. Händler haben sich in den vergangenen drei Jahren um die zu vergebenden 70.000 Quadratmeter Mietfläche gerissen. Fast jeder wollte eine Fläche mieten, weil das G3 bis auf Weiteres das letzte Einkaufszentrum in einer solchen Dimensionierung in Österreich sein wird. Die Flächenwidmungen lassen derartige Flagships in Zukunft nicht mehr zu. Darüber und wie man einen neuen Stern am Modehimmel auf die Grüne Wiese holt, hat DiePresse.com mit Kurt Schneider, dem Geschäftsführer der mit der Vermietung des Konsumtempels beauftragten Ekazent, gesprochen.

Alle Augen sind auf Primark gerichtet

Drei Mitarbeiter des Ekazent-Chefs waren rund um die Uhr mit der Vermietung beschäftigt. Denn bei einer derart großen Gesamtfläche dürfen die Besucher doch einen Branchenmix erwarten, der dem Who ist Who des Handels gleichkommt. Auf der Mieterliste befinden sich viele große und bekannte Namen, einer davon wird mit Spannung zum ersten Mal in Ostösterreich erwartet. Die Rede ist von Primark. Der aus Irland stammende Bekleidungsfilialist wird auf 5500 qm sein erstes Geschäft in Ostösterreich eröffnen. Die Großen Drei des österreichischen Textilhandels, Marktführer H&M, C&A und Peek & Cloppenburg, werden den Auftritt des neuen Konkurrenten im gut aufgeteilten österreichischen Modemarkt mit Argusaugen beobachten und ihre Aktionsangebote in Stellung bringen. Ein Händler, der nicht genannt werden wollte, brachte es auch den Punkt: „Besser Primark ist im G3 als anderswo und trägt zur Frequenzsteigerung bei."

„Ein unangenehmer, aber sehr professioneller Partner in den Mietverhandlungen", zeigt sich Kurt Schneider, über seinen prominenten Neuzugang Primark bestens informiert. Arrivierte Bekleidungshändler haben in Spanien, Deutschland, Belgien und Niederlande, wo der Insel-Textilianer bereits den Kontinent betreten hat, nach dem Markteintritt durchwegs mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Dass bei Filialeröffnungen des neuen Modelieblings über tausend Kunden auf den Startschuss warten, soll keine Seltenheit sein. Schneider glaubt mit seinem prominenten Neuzugang einen großen Fisch an der Angel zu haben, der Kunden aller Kategorien anspricht. Alle Handelsprofis, die Primark in Deutschland gesehen haben, sind voll des Lobes. Im Essener Geschäft auf sechs Etagen mit jeweils 1000 Quadratmeter gebe es auf jedem Geschoss zehn Kassen, an denen die Kunden wie am Flughafen beim Einchecken angestellt sind.

Monopol im Elektronikhandel

Nicht so einfach wie in der Modebranche war es für Schneider im Elektronikbereich, den Marktführer nach Gerasdorf zu lotsen. De facto nimmt Mediamarkt/Saturn am österreichischen Markt eine Monopolstellung ein. Die Metro-Tochter ist der einzige Anbieter in diesem Marktsegment, der durch Werbung und Bekanntheit über eine Anziehungskraft verfügt, die schon so manchen Mitbewerber vom Markt verdrängt hat. Die Frage, ob denn das Gerücht stimme, dass hier ein Mieter aufgrund seiner Marktposition die Konditionen in den Verhandlungen diktiere, sei deutlich zu bejahen, gibt Ekazent-Chef Schneider zu. In den Gesprächen gehe es dann nicht allein um die Miete, sondern um gesamte Vertragspakete, wo auch Ausstattungsleistungen der Geschäfte, Deckelung der Betriebskosten und niedrige Werbekostenbeiträge eine große Rolle spielen.

Dass sich im konkreten Fall Vermieter und Mieter dann doch geeinigt haben, lag auch an den Betriebskosten, die für ein Einkaufszentrum dieser Kategorie als eindeutig unterdurchschnittlich zu beurteilen sind. Dazu habe die eingeschossige Bauweise, eine Besonderheit für ein Shoppingcenter dieser Größenordnung, beigetragen. Diese wirke sich sehr günstig auf die Betriebskosten aus, die zwischen sechs und sieben Euro pro Quadratmeter liegen sollen. Es sind keine aufwendigen Vertikalverbindungen wie Rolltreppen und Aufzüge notwendig. Zudem hat das „Eine-Ebene-System" auch einen Vorteil bei Heizung und Kühlung. Es wird nur der Boden der Shoppingmall beheizt und gekühlt, womit für den Kunden in Bodennähe ein angenehmes Raumklima geschaffen werden soll. Was sich dann in zehn oder 20 Meter Höhe abspielt, wird dem Kunden des Einkaufszentrum egal sein. Und ein Teil der Belichtung soll überhaupt nichts kosten. Denn an Sonnentagen soll die Tageslichteinstrahlung für die Helligkeit sorgen. Dann kann die LED-Beleuchtung, die in der Anschaffung teurer, in der Instandhaltung aber günstiger ist als herkömmliche Beleuchtungstechnik, ausgeschaltet bleiben. Hier zeigen Berechnungsmodelle, dass nach spätestens acht Jahren ein Amortisationseffekt eintreten soll, sagt Ekazent-Geschäftsführer Schneider.

Fünf Jahre Anlauf

Schon wesentlich früher, nämlich nach drei bis spätestens fünf Jahren soll das Zentrum auch in Bezug auf Umsatzzahlen in einem Atemzug mit den Top-Unternehmen wie SCS, Plus-City, Europark und Donauzentrum genannt werden. Dazu wird es notwendig sein, dass auch Stammkunden des nicht weit entfernten Donauzentrums nach Gerasdorf pilgern. Interessanterweise wurde das Donauzentrum, bald größter Mitbewerber, 1975 auch von der Ekazent errichtet und 1995 weiterverkauft. Das DZ hat 2010 unter Unibail-Rodamco - seit 2003 ist der Konzern 90 Prozent-Mehrheitseigentümer- einen größeren Umbau hinter sich gebracht und verkauft heute auf einer Fläche von 100.000 Quadratmetern.

Dass die Kunden den Weg zum G3 einfach finden werden, dazu haben auch die zuständigen Behörden wesentlich beigetragen. Denn im Umweltverträglichkeitsprüfung-Bescheid wurden den G3-Entwicklern entsprechende Verkehrslösungen auferlegt. Früher wären die Genehmigungen ohne Auflagen problemlos erteilt worden, erzählt der Ekazent-Chef von seinen Erfahrungen. Da hätte man abgewartet, wie sich das Verkehrsaufkommen entwickle und dann erst reagiert. Die zum Ring geschlossene S1 und die Erschließung des Weinviertels mit der Nordautobahn A5 bis über die tschechische Grenze haben auch die Erreichbarkeit des "letzten großen Einkaufszentrums" wesentlich verbessert. Im Westen sehen die Vermieter ihre Kundenklientel bis nach Tulln, im Süden wird die Donau eine große natürliche Grenze bilden.

Wachsendes Umfeld

Dass mit der Errichtung eines Zentrums in dieser Größenordnung auf der Grünen Wiese doch ein beträchtliches Risiko eingegangen werde, entgegnet Ekazent-Geschäftsführer Schneider wieder mit dem Argument vom Donauzentrum. Als dieses vor 37 Jahren gebaut wurde, gab es rundherum auch nur Grüne Wiese und nicht einmal eine Verkehrsinfrastruktur. Und heute ist der 22. Bezirk ohne Donauzentrum nicht mehr vorstellbar. Die 300.000 Einwohner alleine in den Wiener Bezirken 21 und 22 wertet Schneider als stabile Basis. Zumal diese beiden Bezirke die höchsten Zuwachsraten bei den Einwohnern in Wien aufweisen. Rodamco-Chef Markus Pichler, mit der Shopping City Süd und dem Donauzentrum Marktführer, hält sich zum neuen Mitbewerber bedeckt.

Wesentlich offener, aber umso vorsichtiger schätzt Heribert Krammer, Geschäftsführender Gesellschafter von Krammer & Wagner, dem nach eigenen Aussagen österreichischen Marktführer im Bereich der Vermietung von Handelsimmobilien, die Chancen des G3 im überfüllten Handelsmarkt Österreich ein. Das erste halbe Jahr werde sicherlich aufgrund des Eröffnungsbooms und des Primark gut laufen. Erst dann werde sich weisen, ob die Kunden speziell aus Wien bereit seien, nur wegen eines großen neuen Magneten ins G3 zu fahren. Denn alle anderen Mieter seien ohnehin mehrmals in den großen Zentren und Einkaufsstraßen vertreten. Und ohne die Kundschaft aus Wien werde das Gerasdorfer Zentrum nicht bestehen können, so Krammer, der für die Ausstattung und Bauweise des neuen Shoppincenters nur lobende Worte findet. Interessant werde es auch sein, die Entwicklung der Besucherfrequenz unter der Woche zu beobachten, wo innerstädtische Zentren im Vorteil sind. Auch er erwartet für umliegende Zentren wie das Donauzentrum und das Shopping Center Nord Umsatzeinbußen.

Ekazent
Ekazent ist eine Tochter der Immobilienprivatstiftung und beschäftigt sich mit der Beratung, Vermietung und dem Management von Handelsimmobilien.

 

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15 Kommentare
Gast: no suuuuuper
02.10.2012 08:39
0 0

wow

wieder ein riesiger beton-stahl-ungetüm, dass eine weitere region verschandelt, ein enormes verkehrsaufkommen generiert und in dem haufenweise chinaramsch verramscht wird.

ich frage mich wo unser gesellschaft noch hindriften wird, wenn das so weitergeht.

Gast: igitigit
29.09.2012 10:58
0 0

warum nur

also bei so einem projekt wird mir wirklich übel

0 0

Klar ist,

dass das Verkehrsaufkommen (Auto) in dieser Region dramatisch zunehmen wird.

Ist wohl das neue Verkehrskonzept der Wiener Grünen?

Es wird auch einen Verdrängungswettbewerb geben, wie wir ihn schon lange nicht mehr erlebt haben. Konsumenten müssen ihre Ausgaben zurückschrauben, während die Angebote massiv ausgeweitet werden ??

Antworten Gast: Matilda
28.09.2012 18:31
4 0

Re: Klar ist,

Ich find´s gut, dass ich zum Shoppen nicht mehr nach Wien fahren muss.

Das spart mir viel Zeit und Geld (Benzin UND Parkgebühren!) und beides wird nun der Weinviertler Gastronomie zugutekommen.
Das ist doch kein schlechter Deal.

Antworten Gast: merchant
28.09.2012 15:36
0 0

Re: Klar ist,

Die Wiener Grünen betreiben ein Shopping Center in NÖ?
Sachen gibts...

waldviertler schuhe

jede wette, es gibt keine original waldviertler in diesem shoppingtempel, aber jede menge chinaschrott. lieber teurere österreichische produkte, wo österreicherer ein faires gehalt verdienen und die qualität in ordnung ist.

Und wieder mal....

riesige Flächen zubetoniert. Im nächsten Artikel wird dann wieder mal beklagt, dass soooooo viel Grünland versiegelt wird. Es sollte einmal Schluss sein mit dem dauernden Zubetonieren.

Gast: 2810
27.09.2012 15:57
6 0

kennst du eines kennst du alle...

von shanghai bis gerasdorf die selben mitspieler.
langeweile pur !!!!
von interesse wäre mal liebe politiker arbeitsplätze in der forschung & entwicklung und industrie zu schaffen. nicht alle menschen in österreich haben eine komfortable pragmatisierung. die handelsangestellten werden nach dem prinzip hungerlohn, hire and fire bewirtschaftet....

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Re: kennst du eines kennst du alle...

Die Industrie und damit gut bezahlte (weil hoch qualifizierte) Arbeitsplätze wurden in den vergangenen Jahren politisch konsequent ruiniert. Man betrachte nur die Energiebranche, wo viel Arbeitsplätze vernichtet wurden.

Hoch Qualifizierte Techniker gehen damit immer mehr ins Ausland - RECHT haben sie.
Was bleibt sind billgst-bezahlte Handelsangestellte, die von dem geschützen Bereich (Beamten, etc.) auf Schulden finanziert werden.

Das ist keine Zukunftsperspektive, das ist eine kommende Katastrophe. Da hat der Stronach schon recht.


Antworten Antworten Gast: isis osiris
28.09.2012 15:34
0 0

Re: Re: kennst du eines kennst du alle...

Bitte welche Arbeitsplätze in der "Energiebranche" wurden in AT vernichtet?

Gast: Wasserlaeufer
27.09.2012 15:14
2 2

Zum Bild

Und gib uns heute unser taegliches Brot
und verschone uns von Shopping-Tempeln.

Die Habgier:

Habgier, Raffgier, Habsucht oder Raffsucht ist das übersteigerte Streben nach materiellem Besitz, unabhängig von dessen Nutzen, und eng verwandt mit dem Geiz, der übertriebenen Sparsamkeit und dem Unwillen zu teilen.

Die Habgier wird in vielen Kulturen moralisch verurteilt und zieht auch in Sagen, Märchen und Religionen Strafen nach sich.

So wird in der griechischen Mythologie vom phrygischen König Midas erzählt, er habe, um sich von seiner Tributpflicht zu lösen und selbst Reichtum anzuhäufen, Dionysos gebeten, alles, was er berühre, möge zu Gold werden. Dionysos gewährte ihm diesen Wunsch, doch nun war Midas zum Verhungern verdammt, da sich auch seine Nahrung in Gold verwandelte. Schließlich gelang es ihm, sich durch ein Bad im Fluss Paktolos von diesem Geschenk zu befreien.

http://de.wikipedia.org/wiki/Habgier


optimismus?

der optimismus der zentrumbetreiber viele wiener anzulocken ist bewundernswert. außer primark sind die läden genau die gleichen wie überall anders. und man fährt doch nicht freiwillig unnötige kilometer! umgekehrt ist es aber genauso - die weinviertler werden nicht mehr nach wien fahren um im scn das zu kaufen, was man auch in gerasdorf findet.
ob der umsatz mit den weinviertlern allerdings reicht um ein zentrum in dieser dimension auf dauer am leben zu erhalten wird sich erst zeigen.

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mir gefällt

das wundervolle Dach aus Holz, es kamen endlich einmal bei einem Großprojekt auch umweltfreundliche Rohstoffe zum Einsatz statt ser ewig kalte Beton, Weiter so und viel Glück beim Start!

Gast: WKO Mittelösterreich
27.09.2012 10:26
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In tiefer Trauer geben wir das Ableben von

Mistelbach, Korneuburg, Stockerau, Hollabrunn, SCN, Donauzentrum (?), bekannt. Manche Geschäftsleute in den vorgenannten Orten haben sich das zwar redlich verdient (schnarchende Schlafmützen), doch die Umwandlung in reine Schlafstäfte kann es auch nicht gewesen sein.

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Ein neuer Konsumtempel nach dem Anderen und die Leute mit immer weniger Geld in der Tasche.

Das kann ja was werden.

Hobbyökonom

Ökonomenstimme