Mariahilfer Straße: Spätes Einlenken der Bezirkspolitik

17.05.2013 | 06:01 |  von Herbert Asamer (DiePresse.com)

Die Einkaufsmeile wird ab August zur Fußgängerzone auf Zeit. Jetzt wollen Handel und Politik gemeinsam Erfolgskriterien für den Probegalopp festlegen.

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Noch in diesem Jahr soll auf der Mariahilfer Straße eine Fußgängerzone mit verkehrsberuhigten Abschnitten umgesetzt werden. Ein Vorhaben, das schon seit Jahren für Kontroversen sorgt. „Mehrere Monate soll der Testbetrieb dauern, bis Jänner oder Februar 2014 kann er sich die Dauer einer Probephase durchaus vorstellen" sagte Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher vom 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau beim Standorttag des Handelsverbandes. Konkrete Ziele, anhand derer der Erfolg oder Misserfolg des Probelaufs beurteilt werden soll, konnte Blimlinger jedoch nicht nennen und verwies auf noch laufende Gespräche. Der grüne Politiker gab aber Verbesserungspotential für die Politiker in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu. "Manche Dinge hätte man in der Vergangenheit besser machen können", sagte der Bezirksvorsteher. In einer Diskussionsrunde zeigte sich Blimlinger jedenfalls bereit, gemeinsam mit Handelsvertretern vorab einen Kriterienkatalog für die Bewertung des Testbetriebs zu erstellen.

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Trotz dieses späten Teilerfolgs waren die Händler insgesamt mit der Vorgangsweise der Politik nicht einverstanden. „Einen Alleingang der Wiener Stadtpolitik" nannte es einer der Teilnehmer, im Halbjahrestakt seien die Wirtschaftstreibenden vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Auch Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, sowie führende Vertreter von Unternehmen in der Mariahilfer Straße wie Gerngross-Manager Günther Meier und C&A-Geschäftsführer Norbert Scheele kritisierten die fehlende Einbindung der Händler in die geplanten Veränderungen von Österreichs wichtigster Einkaufsstraße.

Sie befürchten massive Umsatzverluste ebenso wie erschwerte Rahmenbedingungen. „Wir haben eine Lieferzeit von sechs bis 14 Uhr gefordert, was abgelehnt wurde. Es ist völlig absurd, die Unternehmer dermaßen zu vergraulen", zeigte Jank beim Standorttag offen ihren Ärger. Zudem werden Händler, die in der eigentlichen Fußgängerzone ihre Geschäfte haben, gegenüber der restlichen Konkurrenz benachteiligt.

Start am 15. August

Die Fußgängerzone, auf der sich Passanten, Radfahrer und die Buslinie 13A begegnen werden, wird sich von der Andreasgasse bis zur Kirchengasse erstrecken. Angrenzend an diesen Bereich werden zwei Begegnungszonen bis zur 2er-Linie bzw. zur Kaiserstraße eingerichtet. Dort sollen rund um die Uhr Fußgänger Radfahrer, Passanten und Lieferverkehr gleichberechtigt und mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h die Fläche nutzen. Querungen zwischen den Bezirken sind im am 15. August startenden Probegalopp nicht vorgesehen. Dafür werden umfangreiche Einbahnregelungen den Autofahrern das Leben in den Seitenstraßen der Mariahilfer Straße schwer machen. Auf den drei noch verbleibenden Durchzugsstraßen in Mariahilf und Neubau, der Burggasse, der Gumpendorferstraße und der Neustiftgasse, wird eine Tempo-30-Regelung in Kraft treten.

(c) APA Wann Probelauf einer Fussgaengerzone

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Diese Schritte sind für Hannes Lindner von der Standort + Markt Beratungsgesellschaft GmbH nicht ohne Risiko. „Jede Maßnahme verkehrlicher Natur kann für die Mariahilfer Straße extrem gefährlich werden", stellt Lindner in den Raum. Über zwei Millionen Menschen, die im Einzugsgebiet leben, nutzen die Mariahilfer Straße für ihre Einkäufe. „Da viele tendenziell einkommensstärkere Konsumenten mit dem Pkw auf die Mariahilfer Straße kommen, sollte bedacht werden, dass eine Verkehrs¬beruhigung zu massiven finanziellen Einbußen führen kann", so Lindner.

Autoverkehr ruiniert lokale Geschäfte

Gegenteiliger Meinung ist in der Verkehrsfrage Hermann Knoflacher. „Durch das Auto kommt es zu einem Ruin lokaler Geschäfte in den Städten. Laut der Befragung von Kunden stehen ausreichend viele Parkplätze zur Verfügung. Lediglich seitens der Handelsunternehmen wird ein Mangel empfunden", appelliert der Experte von der Technischen Universität Wien an die Händler. Die Mariahilfer Straße erfüllt für ihn alle Erfolgsfaktoren einer Einkaufsstraße: „Sie bietet ein enormes Angebot an Shops und mit ihren vier U-Bahn-Stationen einen hohen Anteil an öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn jemand zu Fuß bei einem Geschäft vorbei geht, dann muss er keinen Parkplatz suchen, hat einen kurzen ‚Bremsweg‘ und ist umso schneller im Geschäft", stellte Knoflacher die Vorteile der Fußgängerzone mit verkehrsberuhigten Abschnitten dar.

Dabei soll mit Shared Space auf der Mariahilferstraße ein in Wien vollkommen neues Konzept zum Einsatz kommen. „Es ist ein Grundbedürfnis der Menschen, im öffentlichen Raum zusammenzukommen und dort den Austausch zu pflegen. Erst im letzten Jahrhundert begann der Straßenverkehr, den Fußgängern den Raum streitig zu machen.", klärt der Grazer Experte Thomas Pilz auf. In Hinblick auf die Mariahilfer Straße bestätigte Pilz den Eindruck der Händler, dass das Pferd hier momentan von hinten aufgezäumt wird: „Erst muss man gemeinsam mit allen Stakeholdern überlegen, was mit der Begegnungszone erreicht werden soll - erst dann kann man sinnvoll über eine Verkehrslösung sprechen ."

Trotzdem zeigten sich die Händler vom Konzept der geplanten Begegnungszonen angetan und können sich eine positive Umsetzung durchaus auf der Wiener Einkaufsmeile Nummer eins vorstellen. Denn in London wurde auf der Exhibition Road auf eine Länge von etwa einem Kilometern eine solche Zone problemlos eingeführt, und das sogar mit zahlreichen Querungen.

 

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74 Kommentare
 
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wie absurd. ausgerechnet die verkehrsstadrätin hat sich in die mariahilfer einkaufsstraße verbissen

und lässt nicht mehr los.
koste es was es wolle.
man könnte direkt meinen, sie würde sogar ihr leben geben um den größten handelsketten der welt noch mehr geld zuzuschanzen.
hat schon jemand ausgerechnet welcher schaden restwien dadurch entsteht?

ver- kehrte Welt

Knoflacher ist, was Verkehr betrifft, immer gegenteiliger Meinung, Wurscht wer was sagt und was da gesagt wurde. Will man bei ihm was durchsetzen, dann sagt man das was man nicht will, und bekommt von ihm das, was man eigentlich wollte....

Und wer schützt die Fußgänger vor den Kamekazeradlern?

Schon jetzt ist der 7. Bezirk voll von "Kamekazeradlern" die sich um überhaupt nichts scheren.

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blödheit hat eine farbe.


Re: blödheit hat eine farbe.

blau!

Re: Re: blödheit hat eine farbe.

die Grünen Striche sagen alles.

ich weiß nicht

ob das eine gute oder schlechte idee ist. jedoch wünsche ich mir folgendes:

grüne, zieht doch bitte ans land oder in die berge. eine stadt ist eine stadt und da kann man nun mal keinen wald pflanzen und autos mit fahrrädern ersetzen!

Die Hölle soll das grüne Pack verschlingen.

Die peitschen ihren Wahnsinn durch, weil sie genau wissen, daß es für sie und ihresgleichen kein Morgen geben wird.

Re: Die Hölle soll das grüne Pack verschlingen.

bin ganz ihrer meinung!

Die Grünen mausern sich zum Schutzpatron für Regalbetreuer.

. . . Shopping Centers und der Onlinehandel der Multinationalen machen Stadt und Land zu Wohnghettos und sind der Sargnagel für Fachmann, Handel und Gewerbe.
Nebst Filialketten wird nun am Shopping Boulevard in Mariahilf Prostitution und Drughandel grünen.

Was haben Grüne und die Wirtschaft gemeinsam?

nix

Re: Was haben Grüne und die Wirtschaft gemeinsam?

...wenn jemande eine "Wirtschaft anrichtet" muss er nicht unbedingt "grün" sein...

in einem jahr

regt sich keiner von den geschäftsleuten auf, weil alle mehr verdienen! wirschaftsstandort und lebensqualität profitieren.

Eigentlich egal

Mal ehrlich: Schon jetzt fährt doch kein normaler Mensch zum Einkaufen in die Mariahilfer Str., wenn er dabei das Auto nutzen will.

Und diejenigen, die dort wohnen, wählen seit Jahrzehnten mehrheitlich rot/grün. Also badet euren Umleitungszirkus jetzt auch gefälligst aus.

Sinnlose Geldverschwendung bleibt es natürlich dennoch!

Re: Eigentlich egal

ist absolut auch meine Meinung. Bloß die gekappten Querverbindungen Schottenfeldgasse/Webgasse und Kaiserstraße/Stumpergasse werden zu mehr Verkehr auf den anderen Straßen führen. Also Mehrbelastung vieler zu Gunsten weniger.

Re: Eigentlich egal

dem kann Mann nu zustimmen!!

Einkaufen in der Mariahilferstrasse wird auch in Zukunft keinen Spaß machen egal ob mi oder ohne Fußgeherzone den die Geschäftsauswahl ist nicht einmalig und ist in jedem Shoppingcenter am Stadtrand oder anderen Einkaufsstraßen ebenfalls möglich. Also warum sollte man dort Einkaufen?? wegen der vielen billig Läden sicher nicht!

Re: Eigentlich egal

natürlich fährt da kein mensch mit dem auto zum einkaufen rein wenn er nicht etwas sperriges kauft und selbiges nicht am kopf balancierend durch den spießrutenlauf westbahnhof tragen will.

selbiges wird dann in der scs gekauft.

Re: Re: Eigentlich egal

Oder bei Amazon.

Re: Re: Eigentlich egal

Selbiges wurde schon vorher woanders gekauft bzw. abgeholt.

wird die neue Fuzo dann auch grün angemalt??


Re: wird die neue Fuzo dann auch grün angemalt??

Ja, aber mit dicken, roten Querstreifen. Die zweite Stadtregierungspartei muss ja schließlich auch farblich berücksichtigt werden.

Re: Re: wird die neue Fuzo dann auch grün angemalt??

eine partei blöder als die andere :-(
und wir BEZAHLEN

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mit absicht verschweigt man

die probleme der autofahrer die irgendwann vom süden oder norden wiens auf gegenüberliegende landesteile fahren wollen.

man wird sich im stau am gürtel bzw. der 2- er linie quälen müßen.

Re: mit absicht verschweigt man

Sie haben absolut recht. Ich grüble schon seit tagen, wie ich in zukunft von floridsdorf nach favoriten komme, wenn ich nicht mehr durch die quergassen der mariahilferstraße (wie heißen die eigentlich?) fahren kann, wenn ich gerade einmal nicht ubahn fahre sondern mit dem auto...

Re: mit absicht verschweigt man

Autos raus aus Wien!

Re: Re: mit absicht verschweigt man

tja, stadt ist stadt. wien ist keine grüne oase und wirds auch nicht werden. wenn sie gesund leben wollen, müssens halt ein bissl geld in die hand nehmen und in den wienerwald ziehen. allerdings gibts dort halt nicht an jeder ecke eine fressbude oder einen coffe-2-go-schupfen, dass wird einige schon nervös machen.

 
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