„Wie Äpfel mit Birnen“: Lebensmittelhandel kontert VKI-Preisvergleich

Eine Erhebung des VKI mit großen Preisunterschieden bei gleichen Produkten im Lebensmittelhandel schlägt hohe Wellen. Die großen Fünf der Branche setzen sich zur Wehr.

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Lebensmittelhandel versus VKI – Erwin Wodicka - BilderBox.com

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat im August bei einer Erhebung im heimischen Lebensmittelhandel festgestellt, dass bei einem knappen Drittel der Waren Preisunterschiede von 50 bis 257 Prozent für die gleichen Produkte bestehen. Verglichen wurde dabei Produkte von Hofer, Lidl, Mpreis, Rewe und der Spar-Gruppe. Nun wehren sich die großen Lebensmittelfilialisten in einer Aussendung des Österreichischen Handelsverbandes, die der „Presse“ vorab exklusiv vorliegt.

Preisvergleiche seien eine komplexe Angelegenheit, sodass Fehler bei Untersuchungen entstehen können, gestehen die großen Händler den Konsumentenschützern zu. Der Handel schätze den VKI als unabhängige Kontrollinstanz, die Konsumenten regelmäßig über Produkte, Qualität und Preise informiert. Doch damit ist es aber auch schon genug der Höflichkeiten gegenüber dem Verein.

„Die Erhebung des VKI ist mehr als mangelhaft“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Selten habe die Metapher „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“ besser gepasst als bei der August-Untersuchung des VKI, behaupten die Lebensmittelhändler. Sie werfen dem VKI unter anderem vor, bei Toilettenpapier die unterschiedliche Blattanzahl und die Rollenlänge unter den Tisch fallen zu lassen, Großpackungen Maschinensemmeln mit Backofensemmeln zu vergleichen und Qualitätsunterschiede bei den Preisvergleichen nicht zu berücksichtigen. Zudem werden regionale Aspekte wie die Produktherkunft sowie Mengenvorteile nicht entsprechend dargestellt. Und überhaupt vergleiche der VKI falsche Produkte miteinander und zieht irreführende Schlüsse.

Hohe Filialdichte zugunsten der Konsumenten

Dabei sei gerade die objektive Darstellung der Produkte in puncto Qualität und Preis von höchster Bedeutung, so der Handel. Es sei auch bedauerlich, dass solche Vergleiche immer nur den Preis in den Vordergrund stellen, die Qualität hingegen vernachlässigt werde. Einmal mehr weisen die Lebensmittelhändler auf die europaweit einmalige Filialdichte hierzulande hin, durch die eine „außergewöhnliche Versorgungssicherheit“geschaffen wurde. Ein Vorteil für den Konsumenten, der auf der Unternehmensseite Einbußen bei Umsatz pro Filiale und in der Folge geringere Margen zur Folge habe.

Die latenten Anschuldigungen des VKI, dass es zwischen den Händlern Preisabsprachen gebe, seien unangebracht und nichts mehr als falsche und kontraproduktive Unterstellungen, wettern die Händler. Der VKI hatte von Preisen gesprochen, die „natürlich rein zufällig und ohne jegliche Absprache“ entstehen. „Im übrigen könnten solche Falschmeldungen dem Standort Österreich Schaden zufügen“, befürchtet Will vom Handelsverband. Denn im Gegenteil, der Fall Zielpunkt und die in der VKI-Untersuchung dargestellten divergierenden Preise würden zeigen, so der Lebensmittelhandel, wie hart der Wettbewerb unter den Marktteilnehmern geführt werde.

Falschaussagen verhindern

Auch den vom VKI erwähnten alten Preistrick, wonach Preise, die fast jeder im Kopf hat, niedrig und auf gleichem Niveau gehalten werden, versucht der Handel zu kontern. Vor 30 Jahren konnte man mit Eckartikeln wie Eier, Milch und Tomaten noch relevante Margen einfahren, heute sei dies aufgrund des herausfordernden Wettbewerbs unmöglich. Durch die permanente Marktbeobachtung sind alle Mitbewerber in der Lage, auf gesenkte Preise von einem der Konkurrenten rasch zu reagieren.

Dem VKI empfiehlt der Handel in der Aussendung, sich besser darüber zu informieren, wie die Preise in Österreich zustandekommen. Hohe Lohn – und Lohnnebenkosten, eine herausfordernde Topografie, eine hohe Filialdichte in einem kleinen Markt, der hohe Bio-Anteil in den heimischen Geschäften sowie hohe gesetzliche Standards seien als wesentliche Faktoren relevant für die Preisfindung.

Um in Zukunft Falschaussagen zu verhindern schlagen die Lebensmittelhändler dem VKI vor, Rückmeldungen der geprüften Unternehmen einzuholen. Denn Falschaussagen seien nicht im Sinne der Konsumenten.

(red.)

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