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Als der "Bankier Gottes" unter der Brücke baumelte

26.06.2012 | 12:30 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Bankchef Roberto Calvi wickelte schmutzige Finanzgeschäfte für Mafia und Vatikan ab. Vor 30 Jahren beging er angeblich Selbstmord. Ein Rückblick.

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Am 18. Juni 1982 fand ein Briefträger den italienischen Banker Roberto Calvi erhängt unter der Londoner Blackfriars Bridge. Selbstmord lautete das Ergebnis der Autopsie des britischen Pathologen: "Wir stellen einen Erstickungstod beim Erhängen fest". Calvi, der den Spitznamen "Bankier Gottes" trug, war nicht irgendjemand. Er wickelte für Vatikan und Mafia Finanzgeschäfte ab und verbrachte seine letzten irdischen Tage auf der Flucht, die ihn auch durch Österreich führte. Bis heute ranken sich zahlreiche Gerüchte um seinen Tod.

An die Selbstmord-These glaubte schon vor 30 Jahren kaum jemand. "Ein Mensch wie Roberto Calvi überquert nicht drei Grenzen mit einem falschen Ausweis, um sich unter einer Themse-Brücke aufzuhängen, noch dazu unter extrem widrigen Umständen", schrieb die italienische Tageszeitung "La Repubblica" laut "Spiegel Online". Heute weiß man: Er wurde ermordet.

Mafia, Vatikan und die Geldwäsche

Calvi war als Chef der italienischen Banco Ambrosiano - auch "Bank der Priester" genannt - einst der mächtigste Privatbankier der Welt. 1971 war er Direktor des Instituts geworden, das unter Aufsicht der Erzdiözese Mailand stand. Calvi paktierte sowohl mit der Freimaurerloge "P 2" als auch mit dem sizilianischen Bankier Michele Sindona, dem Papst Paul VI. Gelder anvertraut hatte, wie "Die Presse" bereits anlässlich der 25. Todestages des Bankiers berichtete. Über Sindona kam Calvi ins Zentrum der Vatikanbank IOR, des "Instituts für religiöse Werke". "Die Vatikanbank diente ihm mit ihrem Namen, mit Bürgschaften, mit ihrer Undurchsichtigkeit und Unzugänglichkeit für staatliche Ermittler."

Sindona stand zudem im Bund mit der sizilianischen Mafia. Das wusste auch Calvi zu nutzen. "Calvi wusch Mafiageld und spekulierte mit Vatikan-Millionen, machte sich bei Papst Johannes Paul II. aber auch durch diskrete Geldtransfers an die polnische Gewerkschaft 'Solidarnosc' um 1980 unentbehrlich", schrieb "Die Presse". Sindona war für Calvi offenbar so etwas wie ein Lehrmeister. Er lernte laut "Tagesspiegel" die Schwachstellen des feudalistisch organisierten italienischen Bankensystems zu nutzen und sich Politiker und Kirchenleute gefällig zu machen. Und als der Finanz-Zampano Sindona Ende der 1970er Jahre vor allem als Pleitier für Aufsehen sorgte, stand Roberto Calvi bereit, um in dessen Fußstapfen zu treten. Auf den Bahamas und in Panama wurden Briefkastenfirmen gegründet, um das Geld der Mafia zu waschen.(c) AP Roberto Calvi

(c) AP Roberto Calvi

Eine gigantische Geldwaschanlage

Neben der Vatikanbank und der Mafia zählten auch Drogenbosse aus Mittel- und Südamerika zu seinen Kunden. "Er war die Schlüsselfigur in einem schillernden Beziehungsgeflecht aus Mafiosi, Priestern und Politikern. Unter seiner Führung wurde die Banco Ambrosiano zu einer gigantischen Geldwaschanlage mit Briefkastenfirmen auf den Bahamas, Panama, in Vaduz, Zürich und Luxemburg, schreibt "Spiegel Online".

Calvi und "Der Pate"
Regisseur Francis Ford Coppola nahm im dritten Teil seines Mafia-Epos "Der Pate" Bezug auf den Geldwäscheskandal um Roberto Calvi und die Vatikanbank.

Die Filmfigur Don Altobello entspricht in der Realität Michele Sindona, der übrigens vier Monate nach Calvi in einem Hochsicherheitsgefängnis ermordet wurde. Calvi diente der Filmfigur Frederick Keinszig als Vorbild. Der reale Erzbischof Marcinkus ist im Film als Erzbischof Gilday zu erkennen.

Doch auch Calvi stolperte und schlitterte in die Pleite. Im Zuge dessen wurden die illegalen Geschäfte des Bankers publik. Ermittlungen der italienischen Nationalbank ergaben, dass Calvi über 27 Milliarden Lire illegal ins Ausland transferiert hatte. Dafür wurde er in erster Instanz zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt, die jedoch wieder aufgehoben wurde. Calvis wohl fatalster Fehler: Er verspekulierte Mafia-Gelder. Daraufhin drohte er Vatikanbankchef Erzbischof Marcinkus, die illegalen Geldgeschäfte zu veröffentlichen, wenn dieser ihm nicht dabei half, die Löcher in den Bilanzen der Banco Ambrosiano zu stopfen. Doch Marcinkus verwehrte den erhofften Geldsegen und Calvi machte sich einen weiteren ehemaligen und mächtigen Verbündeten zum Feind.

Der falsche Freund

Calvi wurde für seine Gegenspieler zu einer Gefahr. Er hatte belastende Dokumente gesammelt. Zu seiner Frau soll er laut "Zeit Online" gesagt haben: "Wenn mir etwas zustößt, muss der Papst zurücktreten". Doch was Calvi für seine Lebensversicherung hielt, dürfte sein Schicksal endgültig besiegelt zu haben. Zudem vertraut er offenbar dem falschen Mann. Der sardische Geschäftsmann Flavio Carboni inszenierte sich als Fluchthelfer, lockte ihn aber nach London, wo er dann getötet wurde. Als Täter galt für viele der Mafioso Francesco di Carlo, "der Würger". Er bestritt die Tat aber immer und belastete zwei Camorra-Killer.

1998 stellten Pathologen "Spiegel Online" zufolge jedenfalls fest: "Calvi wurde auf einem Müllplatz erdrosselt und dann erst an der Brücke aufgehängt. Darauf ließen Blutergüsse im Hirn schließen, Spuren am Hals und viele andere Indizien. So hatte er keine Nylonfasern des Seils an den Händen, was unzweifelhaft der Fall gewesen wäre, wenn er sich die Schlinge selbst um den Hals gelegt hätte". Ein Mordprozess (Carboni und ein Calvi-Bodyguard befanden sich unter den Angeklagten), der im Jahr 2005 begann, endete schließlich mit Freisprüchen - aus Mangel an Beweisen.

Geheimnisumwitterte Vatikanbank

Die Vatikanbank steht übrigens bis heute im Zwielicht. Bankchef Gotti Tedeschi wurde im Mai nach drei Jahren im Amt fristlos entlassen. Offizielle Begründung: Er sei den "grundlegenden Anforderungen seines Amts" nicht mehr gerecht geworden sein. Tatsächlich wird gegen ihn wegen Geldwäsche ermittelt. Ist er also über das strenge Anti-Geldwäsche-Gesetz gestolpert, das Papst Benedikt XVI. 2011 ausarbeiten ließ?

Das ist nur eine Leseweise. Denn möglicherweise war Tedeschi der Bank unangenehm geworden. Immerhin unterrichtete er einst an der Universität Turin Finanzethik und war geholt worden, um den schlechten Ruf der Vatikanbank aufzupolieren. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie sich Tedeschi heute rechtfertigt. Er zahle den Preis dafür, das vom Papst erlassene Anti-Geldwäsche-Gesetz verteidigt zu haben. Denn das Gesetz wurde mittlerweile - gegen den Willen Tedeschis - abgeändert. "Verwässert, wie Gotti Tedeschi moniert. Verbessert, wie die Revisoren versichern", wie der "Tagesspiegel" schreibt.

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21 Kommentare
Gast: gast22
01.07.2012 20:16
0 0

An demselben Tag, an dem Calvi in London unter der Blackfriars-Brücke hängend aufgefunden wurde

stürzte in Mailand Calvis Sekretärin Teresa Graziella Corrocher aus einem Fenster des Banco Ambrosiano zu Tode.

Banco Ambrosiano und Istituto per le Opere Religiose (IOR) hatten auf den Bahamas eine Tochterbank namens Cisalpina, für die Calvi und der Erzbischof Paul Marcinkus (IOR) verantwortlich zeichneten. Aufgabe dieser Bank war das Waschen von Kokaingeldern aus Mittel- und Südamerika, die dann über die "World Finance Corporation" in Miami in das weltweite Finanzsystem eingeschleust wurden.

Gast: Gruftmaus
30.06.2012 00:29
1 0

entweder - oder

Himbeer oder Soda.

Man kann nicht Gott UND dem Mammon dienen.
Wer das eine liebt, wird das andere hassen.

Dies alles wirft ein schlechtes Bild auf den Vatikan!

Der Papst täte gut daran die Finanzen der Kirche transparent zu machen. Ein Christengebot eigentlich, Jesus hat ja die Geldwechsler nicht umsonst aus dem Tempel geprügelt.

Wenn er mit BAWAG-Geldern spekuliert hätte, und diese dabei verschwunden wären

dann wäre er jetzt ein reicher Mann und würde in irgend einem Luxus-Altersheim einen geruhsamen Lebensabend verbringen.

Gast: africano
26.06.2012 20:12
2 0

La bella Italia .läßt die Banker baumeln .


3 0

Läppische 27 000 000 000 Lire

Etwa 2 Mio Euro.
Soviel feinen Zwirn gibt es ja gar nicht um jeden korrupten Banker aufzuhängen.
Darum mehr Brücken um die Verbindung der Banker zu gewährleisten.

Gast: Peter Müller
26.06.2012 19:14
1 0

Der Banker Gottes ist korrekt, weil er war der Banker des Papstes

Papst Johannes XXII.: "Der Papst allein sitzt in dem Stuhl des heiligen Petrus, nicht als ein Mann bloß, sondern als Mann und Gott."

Papst Gregor IX.: "Der Papst nimmt nicht die Stellung eines bloßen Menschen ein, sondern die des wahrhaftigen Gottes."
Ferraris in "Prompta Bibliotheca, Art. Papa":

"Der Papst ist von so großer Würde und Erhabenheit, daß er nicht einfach ein Mensch, sondern wie Gott und der Stellvertreter Gottes ist."

Papst Innocenz III.: "Der Papst nimmt die Stelle des wahrhaftigen Gottes auf dieser Welt ein." (De transl. Episc. 7/3 Corp. Jur. Can., Paris 1612)

Papst Leo XIII.: "Wir haben auf dieser Erde den Platz des allmächtigen Gottes inne." (Enzykl. vom 20.6.1894)
Dr. Clarke: "Er wird sprechen als ob er Gott wäre."

Labbe und Kossarts: "Ja, du bist ein anderer Gott auf Erden." (Hist. of the Councils, 1672)

Antworten Gast: So ned !
27.06.2012 17:49
0 0

Re: Der Banker Gottes ist korrekt, weil er war der Banker des Papstes

Aber was ist denn Gott?

Gott ist die Lüge, die seine selbsternannten Stellvertreter erfunden haben und von dieser dann ihre Autorität ableiten.

Wenn das alles nicht so absurd und verlogen wäre, könnte man grad einen Lachkrampf bekommen.

Antworten Antworten Gast: Peter Müller
28.06.2012 05:04
0 0

Re: Re: Der Banker Gottes ist korrekt, weil er war der Banker des Papstes

Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen.

Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

Offenbarung 1,4

Antworten Antworten Antworten Gast: Toni Hand-Schuhmacher
28.06.2012 12:18
0 0

Re: Re: Re: Der Banker Gottes ist korrekt, weil er war der Banker des Papstes

Statt der Wiedergabe von religiösem Blah-Blah sollten Sie einmal anfangen, selbständig zu denken.

Antworten Antworten Gast: Peter Müller
27.06.2012 19:15
0 0

Re: Re: Der Banker Gottes ist korrekt, weil er war der Banker des Papstes

3 Und als Jesus auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?

4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.

5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.

6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.

7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.

8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen.

9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.

10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.

11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.

12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.

14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Matthäus 24

4 0

Der Banker Gottes ist heute Llyod Blankfein

von Goldman Sucks, der nach eigenen Worten "Gottes Werk verrichtet".
In Wahrheit tut er die Werke Rothschilds, der sich aber möglicherweise selbst als Gott sieht - besser gesagt als der Satan, dem schönsten von Gottes Engeln und somit sein Prachtstück...die Unterschiede sind fließend, man kann es oft nicht genau sagen...
Jedenfalls sind weitere Todesengel gerade dabei, die EU auch öffentlich zu übernehmen, es fallen einem da Namen wie Draghi oder Monti ein...lustig, diese Gottesvertreter.

Gast: xi-berger
26.06.2012 18:19
3 0

Platz genug

Unter der Brücke wäre noch viel Platz für so manchen Banker.

... beging er angeblich Selbstmord?

Daran darf gezweifelt werden. Im Vatikan werden solche Leute "heimgefahren"!

Gast: moneydriver
26.06.2012 15:49
0 0

"Bankier des Papstes." - Nicht "des Gottes."


Gast: AAA
26.06.2012 14:29
0 3

Regieren nicht schon länger die Freimaurer im Vatikan?

Haben diese nicht schon länger den Vatikan unterwandert?

Haust nicht im

Mons Vaticanus der Teufel

in unterirdischen Gewölben und Gängen,z.B. in der Engelsburg?

Garantiert!


Gast: Eggnogg
26.06.2012 12:47
6 5

"Die Vatikanbank steht übrigens bis heute ..."

Die Vatikanbank ist nicht die Banco Ambrosiano, auch wenn der Artikel in ueblicher Hetzmanier sich reichlich Muehe gibt, diesen Umstand zu verwischen. Aber Hauptsache, man kann "Mafia" und "Vatikan" moeglichst oft in einem Satz erwaehnen, gell?

Antworten Gast: toro
28.06.2012 11:08
0 0

Re: "Die Vatikanbank steht übrigens bis heute ..."

Das steht auch gar nicht im Artikel. Da wird auf die IOR verwiesen.
Analphabet?

6 2

ist es nicht so?

der Vatikan hilft alten und gebrechlichne, die Mafia auch.

Die Kirche schult und besudelt Kinder. Die Mafia auch.

Die Kirche ist ein Männerverein, die Mafia auch.

Die Kirche Predigt Wasser und säuft Wein, die Mafia auch.

wo bitte ist da der Unterschied?

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