23.05.2013 10:45 Merkliste 0

Leere Staatskassen? Gold aus Meerwasser!

31.07.2012 | 09:57 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Vor 100 Jahren war man überzeugt, dass die Meere einen Goldvorrat von bis zu acht Milliarden Tonnen enthalten. Über das Platzen eines Traums.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

"Das Gold ist ein herzlich wenig verwendbares Metall. Es eignet sich zu Schmuck und zu Zahnplomben", urteilte der deutsche Chemiker und Nobelpreisträger Fritz Haber (1868-1934) nüchtern über Gold. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich mit Gold intensiv zu beschäftigen. Genau genommen, mit dessen Gewinnung. Um die leeren Staatskassen Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg wieder aufzufüllen, versuchte er Gold aus dem Meerwasser zu lösen. Denn Haber war, wie viele Experten seiner Zeit, davon überzeugt, dass in jeder Tonne Meerwasser bis zu zehn Milligramm Gold schwimmen.

Heute mag das unwahrscheinlich klingen, damals war es das nicht. Der Mitbegründer der physikalischen Chemie und Nobelpreisträger Svante Arrhenius hatte 1903 einen Gehalt von sechs Milligramm Gold pro Tonne Meerwasser ermittelt. Folglich bargen die Weltmeere einen Goldvorrat von acht Milliarden Tonnen. Auch der englische Chemie-Nobelpreisträger William Ramsay war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Es fehlte lediglich ein Verfahren zur Goldgewinnung.

Das Ziel: 50.000 Tonnen Gold aus dem Meer

Haber war ein Patriot und stellte sich in den Dienst des Staates. Das Problem: Die Deutschen mussten 132 Milliarden Goldmark an Reparationszahlungen leisten. Der Chemiker wollte es auf seine Art und Weise lösen. Er rechnete die Summe in Feingold um und setzte sich ein Ziel: Er musste 50.000 Tonnen Gold aus dem Meer gewinnen. Dabei fühlte sich Haber laut seiner Biografin Margit Szöllösi-Janze zusätzlich unter Druck gesetzt: Unter anderem "vom Anziehen der Inflation bis zur Hyperinflation des Jahres 1923, die den Bestand seines Institutes gefährdete".

"Die Goldmacher"
Nobelpreisträger Fritz Haber war nicht der einzige, der in den 1920er Jahren in Deutschland versuchte, Gold zu gewinnen. Der deutsche Foto-Pionier Adolf Miethe versuchte Gold aus Quecksilber zu synthetisieren und der japanische Physiker Hantaro Nagaoka experimentierte mit starken elektrischen Feldern.

Viele "Goldmacher" waren aber einfach nur Betrüger. Fritz Tausend etwa wollte Gold durch "Transmutation" chemisch herstellen. Heinz Kurschildgen versuchte sogar SS-Chef Heinrich Himmler davon zu überzeugen, dass er aus Sand Gold und aus Wasser Benzin machen könne.

Haber, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem (heute Fritz-Haber-Institut), gründete die geheime Arbeitsgruppe M. Der "Meerwasser-Gruppe" gehörten bis zu 20 Mitarbeiter an. Wegen der Beschlagnahme der deutschen Kriegs- und Handelsflotte durch die Alliierten war der Zugriff auf Ozeanwasser aber nur indirekt möglich, heißt es in einer Festschrift anlässlich der hundertjährigen Geschichte des Instituts im Jahr 2011: "Erst 1923 konnte man auf Linienschiffen kleine Laboratorien installieren, die auf der Passage nach New York bzw. Buenos Aires Wasserproben des Nord- und Südatlantiks direkt analysierten."

"Stecknadel im Heuhaufen"

Die Ergebnisse waren ernüchternd. "Im Lauf der Jahre wurden die Mikrogramme je Liter Meerwasser zu Zehntel- und Hundertstelmikrogrammen, um schließlich bei Millimikrogrammen zu enden", schreibt Haber-Biografin Szöllösi-Janze. Der Goldgehalt des Meerwassers belief sich also nicht einmal auf den tausendsten Teil der ursprünglich vermuteten Konzentration. "Damit wurde das Projekt wirtschaftlich uninteressant, da an eine industrielle Ausbeutung nicht mehr zu denken war", heißt es in der Festschrift des Instituts. Im Mai 1926 verkündete Haber daher, dass er es aufgegeben habe, "nach dieser zweifelhaften Stecknadel in einem Heuhaufen zu suchen".

Auch wenn es Haber als persönlichen Misserfolg betrachtete, so leistete das Meergoldprojekt doch einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag. "Aus dem Versuch, der deutschen Wirtschaft zu nutzen, indem man eine Technologie zur Meerwasserentgoldung entwickelte, war ein Langzeitprojekt der ozeanographischen Grundlagenforschung geworden, das die unterschiedliche Verteilung von Edelmetallen in den Weltmeeren untersuchte", schließt Szöllösi-Janze. Auch über die Strömungsverhältnisse in den Weltmeeren wurden wichtige Erkenntnisse gewonnen.

''Fritz Haber Institut'' und Zyklon B
Das nach Fritz Haber und dem BASF-Chemiker Carl Bosch benannte Haber-Bosch-Verfahren hat es ermöglicht, Stickstoff in Dünger zu verwandeln, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt. Die Hälfte der Weltbevölkerung könnte ohne das Haber-Bosch-Verfahren nicht überleben, urteilte das Fachmagazin "Nature Geoscience".

Andererseits leistete Haber wesentliche Vorarbeiten bei der Entwicklung des Schädlingsbekämpfungsmittels Zyklon B, das im Dritten Reich eine todbringende Karriere machte.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

17 Kommentare

es ist infantil, in der goldgrube ozean nach diesem gelben zeugs zu suchen.

denn das wahre gold der ozeane macht einen millionenfachen wert der optimistischsten goldgräber-phantasien aus: es ist die nahezu unendliche fast-gratis energie, die darin steckt.

unseren vorfahren ist der vorwurf der fast unendlichen dummheit zu machen, weil sie ihre geistigen (und finanziellen!) energien in atomkraft und fossile energieträger gesteckt haben, anstatt nur einen teil dieses aufwands in die erforschung und entwicklung von energiegewinnung aus dem banalen meerwasser.

ob wir gescheiter sein können? es wäre höchste zeit dafür!

132 Mrd Goldmark (so hoch waren die Reparationsschulden) wären beim heutigen Goldpreis 1,9 Bio Euro wert

Im September 2010 zahlte Deutschland die letzte Rate dieser Kriegsschulden ab. Das waren zuletzt zwar nur mehr sehr kleine, symbolische Beträge, aber immerhin. Endlich Kriegsschuldenfrei...

Leider nur kommt der Frieden wohl noch teurer. Mit ESM, Target2 Salden und der Griechenland Rettung steckt Deutschland schon wieder mit rund einer Bio Euro drin, diesmal nicht als Schuld sondern als Guthaben. Theoretisch zumindest, weil das Geld nicht zurückkommen wird. Ohne Gegenleistung Geld zahlen das man selber nicht hat, lauft am Ende aufs Gleiche raus.

Das Ende ist der Fahnenstange ist aber noch nicht erreicht. Zusätzlich kauft die EZB Staatsanleihen einzelner Länder auf, die Kosten in Form von Inflation werden jedoch alle zu tragen haben. Und der ESM ist nach oben hin nicht begrenzt..

Antworten Gast: django
02.08.2012 02:48
0 0

Re: 132 Mrd Goldmark (so hoch waren die Reparationsschulden) wären beim heutigen Goldpreis 1,9 Bio Euro wert

Na ja, strenggenommen warens eh noch die 132 x 3 = 396 Mrd. Goldmark (3 x mehr Schäden) von WK II schuldig.

Wären dann also 5,7 Bio Euro, na das ist ja noch etwas Luft zum Guthaben...

0 0

Zwang

Gold muss irgendwie mit aller Gewalt in den Medien bleiben.

Antworten Gast: Bei.
01.08.2012 17:05
0 0

Bei

Bei der Presse taucht das Goldthema laufend auf. Ob sie selber damit spekulieren?

Falscher Ansatz

So wie man vor Hundert Jahren glaubte mit Gold aus dem Meer die leere Staatskasse zu füllen, ist man heute nahezu besessen davon durch die Vergemeinschaftung der Schulden die Eurozone zu erhalten.

In beiden Fällen werden die Geschichtsbücher vom Scheitern dieser Vorhaben berichten:

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/475558_Milliardengrab-Eurorettung.html

Gast: 1. Parteiloser
31.07.2012 15:22
2 0

Die heutige Lösung für die maroden Staatskassen:

Die EZB!

Wird am Ende den gleichen Effekt habe, weil dadurch keine Werte geschaffen werden.

das mach ich schon lang

man muss nur tägl. Meerwasser trinken, der Körper wandelt es dann um.

Gast: alatheus
31.07.2012 13:16
1 6

Nicht zu vergessen,

dass Fritz Haber während des Ersten Weltkriegs auch eine der treibenden Kräfte hinter dem Chlorgaseinsatz an der Westfront im belgischen Ypern gewesen ist.

Stimmt.

Und man sollte auch nicht vergessen, daß die Ammoniakproduktion mit dem von ihm entwickelten Verfahren erst die industrielle Herstellung von Kunstdünger ermöglichte, der die heute üblichen landwirtschaftlichen Erträge und damit die Existenz von 7 Milliarden menschen auf diesem Planeten erst möglich machte.

Wahrscheinlich verdankt mehr als die Hälfte davon ihm indirekt ihr Leben.

Sicher, das Verfahren hätte ein paar Jahre später wohl auch ein Anderer erfunden, dasselbe gilt aber auch für Giftgas.

Und jetzt?

Re: Stimmt.

gut gemeint ist meist schlecht gemacht.

manche allerdings, wie zb alfred nobel, haben die größe, ihre unbeabsichtigten fehler und die dadurch verursachten probleme einzugestehen und teilweise wiedergutmachung zu leisten.

und jetzt: wie steht es diesbezüglich mit haber?

Re: Nicht zu vergessen,

und außerdem sollte nicht vergessen werde, dass die französische staatsführung DIE kriegstreibende kraft im 1.wk war, die alles daran setzte deutschland zu schädigen

aber das ist ja zu wenig einseitig und passt daher wohl nicht in ihr deutschlandhassendes weltbild

Millimikrogrammen ?

aber nicht ernsthaft oder ?

Re: Millimikrogrammen ?

Vielleich Millimillimilligramme, das wäre dann noch schlimmer.
Alleine die Mehrzahl von Gramm bleibt Gramm und dann noch Millimikro als Vorsilbe. Eigentlich unglaublich für einen "Fachredakteuer", oder war da etwa der Praktikant am Werk?

Re: Millimikrogrammen ?

Nanogramm würd ja wieder keiner verstehen :)

Re: Re: Millimikrogrammen ?

Also normal wird wo immer möglich mit dem Modewort "nano" herumgeworfen.

Gast: Raffzahn Schani
31.07.2012 10:37
0 0


Meinung

Wirtschaftskolumnen auf DiePresse.com »