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Söldner, die ersten Lohnempfänger der Geschichte

28.08.2012 | 10:01 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Bei den Griechen der Antike wurden Söldner regelrecht zu Markenartikeln, profitiert haben von den "Handwerkern des Todes" aber zumeist andere.

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Söldner sind von keinem aktuellen Kriegsschauplatz wegzudenken. Vor einem Jahr griffen sowohl Libyens Machthaber Gaddafi als auch die Rebellen auf bezahlte Kämpfer zurück. Und auch in Syrien weiß zwar niemand genau, wie viele Ausländer derzeit kämpfen - doch es dürften Tausende sein. Gleichzeitig hat die Militärgroßmacht USA die Ökonomisierung und Privatisierung der Gewalt vorangetrieben. Ein Trend, dem auch Länder wie Deutschland folgen (mehr dazu...). Der Hobbyökonom nimmt das als Anlass, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen: Seit wann gibt es Söldner und wer profitiert von den "Handwerkern des Todes"?

Es gilt als eines der ältesten Gewerbe der Welt: das Söldnertum. Das Wort Söldner leitet sich vom "Sold" (lat. "solidus", eine von Kaiser Severus Alexander eingeführte Goldmünze) ab, wie der Soldat selbst übrigens auch. Der Lohnempfänger basiert also "auf der Vorstellungswelt des Krieges und des Söldnerdienstes", schreibt Christina von Braun in ihrer Kulturgeschichte "Der Preis des Geldes". Folgerichtig war der Söldner "der erste monetäre Lohnempfänger" der Geschichte. Söldner traten von Braun zufolge erstmals kurz nach Erfindung des Geldes auf - irgendwann zwischen 700 und 500 vor Christus. Der Aufstieg des Geldes ist also eng verknüpft mit der Entstehung des Söldnertums.

Griechische Söldner als "Markenartikel"

Wie es dazu kam? In den griechischen Stadtstaaten hatte sich eine wohlhabende Schicht aus Bauern-, Handwerker- und Händlerfamilien herausgebildet, "die für ihre eigenen Interessen kämpfte und reich genug war, um sich aufwendige Kriegsausrüstungen zu leisten", schreibt Rolf Uesseler in seinem Buch "Krieg als Dienstleistung". "Zugleich konnte sich die Bevölkerung von den relativ dürftigen Böden nicht ausreichend ernähren, ohne ein 'Zubrot' in der Fremde zu verdienen - so boten sie (...) ihre Fähigkeiten nun Herrschern außerhalb Griechenlands an, auf Zeit und gegen Bezahlung."

Dieser neue Söldnertypus wurde "Hoplit" genannt. Und schon bald waren die griechischen Kämpfer begehrt. Sie konnten sich laut Uesseler vor Großaufträgen kaum retten. Persien und Ägypten führten immer wieder Kriege. "Die Hopliten waren zum Markenartikel geworden, den kleine Herrscher manchmal erfolgreich zu nutzen wussten, indem sie ihre eigenen Soldaten in griechische Uniformen steckten und dem Gegner vorgaukelten, sie würden das Original in die Schlacht schicken."

Söldner und Hilfstruppen sind nutzlos und gefährlich.
Niccoló Machiavelli, Der Fürst (1513)

Von Braun weist darauf hin, dass Kriege oft nur deshalb geführt wurden, um an das nötige Geld für die Söldner zu gelangen. Es sei ein Teufelskreis entstanden: "Die Bezahlung von Söldnern führte zu Kriegen, die ihrerseits nach dem Aufstocken von Söldnerheeren verlangten, für die man Geld brauchte."

Ein Teufelskreis

Auch beim "Kriegsunternehmertum" im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) standen Profitinteressen im Vordergrund. Privatgeschäfte mit den Heereslieferanten, veruntreuter Sold und Einsparungen bei der Verpflegung füllten die Kassen der Unternehmer und Offiziere, schreiben Claus von Wagner und Niclas Müller in "Der Söldner im Dreißigjährigen Krieg". Aber auch Händler spielten eine wichtige Rolle beim Söldnerwesen. "Sie spezialisierten sich auf die Bedürfnisse des Militärs und verkauften den Söldnern was diese für ihr Kriegshandwerk benötigten", schreiben die beiden Autoren. Denn nur selten stellten die Kriegsherren selbst Ausrüstung und Waffen zur Verfügung.

Viele Kriegsherren waren zudem in ständiger Geldnot. Die Bezahlung der Söldner blieb daher oft aus oder wurde auf den Entlassungstag verschoben. Für im Kampf gefallene Söldner musste dann nicht mehr gezahlt werden. Wurde der Sold nicht ausbezahlt, musste das oft die Bevölkerung büßen. Die Söldner hielten sich bei Bauern und Bürgern schadlos. Die Kriegsbeute war auch ein wesentlicher Anreiz zum Eintritt in ein Söldnerheer. "Das Beuterecht gehörte schon seit dem Mittelalter zum Selbstverständnis der Soldaten. Dörfer und Städte entlang der Kriegsrouten sowie fahrende Kaufleute und Händler waren daher besonders von Plünderungen betroffen", ist auf "habsburger.net" nachzulesen.

Exkurs: Der Schweizer Weg

Ein interessantes Kapitel im Buch des Söldnerwesens schrieben die Schweizer. Insgesamt 1,5 Millionen Schweizer Söldner führten im Lauf der Zeit Krieg für Fremde. So gelang es der Schweiz auch, sich aus kriegerischen Auseinandersetzungen herauszuhalten. "Der helvetische Söldner-Export sorgte indirekt dafür, dass das Land so lange unversehrt blieb", schrieb der Journalist Jost Auf der Maur, Autor des Buches "Söldner für Europa. Mehr als eine Schwyzer Familiengeschichte", in der "Zeit" über die Schweizer Söldner. Denn: "Die europäischen Höfe, die sich gerne mit Schweizertruppen eindeckten, sahen sich durch die Verträge mit der Eidgenossenschaft und den Kantonen gezwungen, die Eidgenossenschaft zu schonen. Das war ein sicherheitspolitisches System, das die Großmächte mit einer raffinierten Beißhemmung gegenüber der Schweiz versehen hatte."

Und auch die Schweizer Bankhäuser stiegen durch die Söldner auf. Die Banken stellten Gelder bereit, damit fremde Machthaber ihre Kriege führen konnten, so Auf der Maur. Das spülte den Söldnern Sold in den Beutel und wenn diese aus dem Krieg zurückkehrten, natürlich auch der Eidgenossenschaft, die zudem von dem angehäuften Wissen der Heimkehrer profitierte. Das Söldnerwesen ist also ein wichtiger Grund, warum die Schweiz über die Jahrhunderte in einer kriegerischen Nachbarschaft bestehen konnte. "Da die Militärunternehmerfamilien auch die politische Elite stellten, vermochten sie den Fortbestand ihres Kriegsgewerbes und die Oligarchie so lange zu sichern", erklärt Jost Auf der Maur.

Söldner als Spiegelbild der Gesellschaft

Frank Westenfelder lehnt es in seinem Buch "Eine kleine Geschichte der Söldner" ab, "Söldner als finstere Schergen zu präsentieren". Ihm liegt vielmehr daran, die historische Gestalt des Söldners zu verstehen. "Im historischen Kontext waren sie weit weniger Agierende, sondern notwendige Werkzeuge, aber eben auch Produkte auf dem Weg zu Gewaltmonopol und Nationalstaat, durch den sie schließlich obsolet wurden. Geformt von einer zunehmend arbeitsteiligen, am Geld orientierten Gesellschaft, sind sie zugleich Ausdruck und Spiegelbild derselben", schreibt er.

Und spätestens seit 9/11 erlebt das Söldnertum eine Renaissance. Manche Experten verwenden bereits den ökonomischen Begriff "Outsourcing". Eine "Privatisierung" der Kriege ist zu erkennen - "geführt von Soldaten, die keine Gesichter mehr haben, deren Namen niemand kennt und deren Angehörige im Todesfall auch keinen öffentlichen Anspruch auf Mitleid haben", wie Michael Rühle, stellvertretender Leiter der politischen Planungseinheit im Kabinett des Nato-Generalsekretärs, in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über die Ökonomisierung der Sicherheitspolitik schrieb.

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20 Kommentare
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Immer wieder Christina von Braun ...

"Folgerichtig war der Söldner "der erste monetäre Lohnempfänger" der Geschichte. Söldner traten von Braun zufolge erstmals kurz nach Erfindung des Geldes auf - irgendwann zwischen 700 und 500 vor Christus."
Das stimmt nicht, Söldner gab es schon davor. Z. B. heuerten die Ägypter Bogenschützen aus Nubien an. Insbesondere als Leibwächter wurden gerne Söldner engagiert, z. B. die berühmten "Kreti und Plethi" Davids.

Aufstieg des Söldnertums...

Ein Hauptgrund für die Einführung von "Privatfirmen" im "Konfiktmanagement" ist, dass die mächtigen Hintermänner nicht mehr daran glauben langfristig auf konventionellem Wege die Kontrolle über die angeschlagenen Demokratien des Westens behalten zu können. So entziehen sie den gewählten Autoritäten das Machtmonopol und bauen sich selbst eine professionelle Streitmacht auf. Im Krisenfall werden die Kommunikationskanäle des offizielle Systems blockiert und die Schnittstellen besetzt bzw. überbrückt. Dies wird nicht einfach für die wenigen Freiheits- und Gerechtigkeitsfreunde, aber am Beispiel des alten Roms sehen wir ja, dass "Brot und Spiele" auch nicht so schelcht sind.

Gast: Frontschwein (pic)
29.08.2012 12:10
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Söldner sind von keinem aktuellen Kriegsschauplatz wegzudenken

Söldnertum ist Terrorismus, denn ob sich einer aus Glaubensgründen oder wegen des Geldes einer Gruppe anschließt um irgendwo gegen irgendwen zu kämpfen ist dem Grunde nach egal.

0 1

Re: Söldner sind von keinem aktuellen Kriegsschauplatz wegzudenken

Söldner sind Berufssoldaten, nur eben ohne Staatsbürgerschaft. Wenn Söldner Terroristen sind, dann sind es wohl Soldaten mit Staatsbürgerschaft auch.

Re: Re: Söldner sind von keinem aktuellen Kriegsschauplatz wegzudenken

soeldner mit soldaten gleichzusetzen, zeugt von immenser ignoranz.

soldaten kaempfen mit anstand fuer die verteidigung des vaterlands

soeldner sind prostituierte, die je nach hoehe des bonuses die auftraggeber wechseln


falsch.

soldaten sind die handlanger von wechselnden regierungen, die sich - je nach bedarf - eine bedrohung kreieren, provozieren oder auf eine solche reagieren.

nicht ohne grund ist der wortstamm soldat-söldner identisch. ein unterschied jedoch besteht: ein teil des soldes eines soldaten besteht in der anerkennung jener "ehre", die bereits eingang in ihr posting gefunden hat.

1 0

Re: Re: Re: Söldner sind von keinem aktuellen Kriegsschauplatz wegzudenken

Sie sollten Ideale nicht mit der Realität verwechseln. Soldaten sollten mit Anstand kämpfen, das bedeutet nicht, dass sie es tun.
Nebenbei gesagt, haben sich klassische Söldner wie Gurkhas und Schweizer als wesentlich zuverlässiger erwiesen als typische Wehrpflichtige.

Re: Re: Re: Re: Söldner sind von keinem aktuellen Kriegsschauplatz wegzudenken

gute soldaten sind niemals wehr"pflichtig" sondern verteidigen das vaterland freiwillig


Antworten Antworten Gast: Frontschwein (pic)
30.08.2012 05:53
2 0

Re: Re: Söldner sind von keinem aktuellen Kriegsschauplatz wegzudenken

Der grundlegende Denkfehler liegt darin, Söldner als Berufssoldaten anzusehen.

1 0

Äh, wie geht das?

"In den griechischen Stadtstaaten hatte sich eine wohlhabende Schicht aus Bauern-, Handwerker- und Händlerfamilien herausgebildet"

und

"Zugleich konnte sich die Bevölkerung von den relativ dürftigen Böden nicht ausreichend ernähren"

Wohlhabend und arm zugleich? Ist ja bloß ein Widerspruch...

man kann auch wenig getreide teuer verkaufen.


3 0

outsourcing

Wer das gewaltmonopol der staaten privatisiert, ist ein verräter am volk!
Meist stecken dreckige geschäfte und schmierige, geldgeile private's dahinter.
Pfui teufel!

Gast: Altkater1
28.08.2012 21:07
1 0

Wechseljob

Naja, wanns mit dem "Söldnern" mal nicht so recht klappen sollte, satteln halt manche auf "Asylos" um.
Zwar kein Adrenalinkick, aber etwas sicherer.

0 0

Re: Wechseljob

Worin liegt der Unterschied? In den USA gibt es die "green card soldiers", de facto Söldner, die für den Erhalt der Staatsbürgerschaft kämpfen. José Antonio Gutierrez, einer der ersten US-Gefallenen im Golfkrieg von 2003, war z.B. Guatemalteke, der erst posthum die US-Staatsbürgerschaft erhielt. Spanien und Italien haben angeblich ähnliche Modelle.

Antworten Antworten Gast: Altkater1
30.08.2012 08:56
0 0

Re: Re: Wechseljob

Ich hab das eigentlich nur in Bezug auf den nordafrikanischen und nahöstlichen Raum gemeint, auch im Zusammenhang mit den ganzen eigentümlichen "Glaubenskriegern" ohne genauere Staatszugehörigkeit. Die sich nur ihrem "Glauben" - oder was sie halt dafür halten und wie es eben jeder auslegt und auch ihren Geldgebern - verpflichtet fühlen.
Die sich nach getaner "Arbeit" wieder in ihre sicheren Rückzugsgebiete (oft auch das "ungläubige" Europa) zurückziehen.

Dieses "amerik." Söldnertum ist eher ein "outsourcing" für heiklere Arbeiten und ist so nicht mit diesen Glaubens(?)söldnern vergleichbar.

Antworten Antworten Gast: Frontschein (pic)
29.08.2012 14:28
2 0

Der Unterschied liegt offensichtlich darin,

dass in den USA zuerst etwas für den Staat geleistet werden muss und dann der Staat den Bewerber als Bürger anerkennt.

Gast: schlÄchter
28.08.2012 10:29
13 1

sg herr redakteur huber!

das moderne söldnerwesen hat 2 wesentliche gründe:
1. söldner - beschäftigt über private unternehmen wie sandline oder blackwater unterliegen nicht dem kriegsvölkerrecht-wie es staatliche armeeangehörige tun. man kann die drecksarbeit von ihnene -speziell in asymetrischen kriegen gegen ebenfalls einen nichtkombattantenstatus verfügende partisanen/terrostiscten/freiheitskämpfer auf gleicher ebene erledigen lassen.
2. söldner die getötete werden scheinen nicht in den offiziellen gefallenenlisten auf - man kann die eigenen verluste besser verkaufen.

mfg
s.

Antworten Gast: sandviper
28.08.2012 15:00
6 0

Re: sg herr redakteur huber!

Blackwater gibt es nicht mehr, heißt jetzt Academi nachdem es kurz Xe Services geheißen hat.

Ist zwar nicht sehr entscheidend da der Rest ihres Posts im Großen und Ganzen stimmt, aber der Vollständigkeit halber.

sg herr redakteur huber!

2a. Eine Söldnerfirma veröffentlicht werder Zahl noch Namen der verstorbenen Mitarbeiter, daher gibt es der Öffentlichkeit auch nichts "zu verkaufen".

3. Der Vorwurf nationalstaatlicher Einmischung kann ebenfalls umgehend dementiert und zurückgewiesen werden.

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
29.08.2012 08:07
2 0

Re: sg herr redakteur huber!

sge sandviper und leser!
danke für die richtigen ergänzungen.
mfg
s.

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