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Schwarze Zukunft: Die Renaissance der Kohle

03.09.2012 | 15:56 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Einst galt Kohle als Symbol industrieller Macht, ehe sie an Bedeutung verlor. Aber auch im 21. Jahrhundert ist Kohle nicht wegzudenken - im Gegenteil.

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Im 19. Jahrhundert galt sie als das Symbol industrieller Macht: Kohle. Sie befeuerte die Hochöfen für die Produktion von Eisen und Stahl und trieb die Eisenbahnen an. Sogar der Energieverbrauch wurde in Steinkohle-Einheiten gemessen. Dann folgte der Niedergang: Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie vom Erdöl abgelöst, viele Kohlegruben mussten schließen.

Doch mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimofolgenforschung, Ottmar Edenhofer, warnt sogar vor der "weltweit größten Kohlerenaissance der Industriegeschichte", wie "n-tv.de" im März 2012 berichtete. "Wir haben einfach zu viele Kohlereserven weltweit, die relativ billig sind", sagte er.

Eine unerwünschte Folge des Atomausstiegs

Es gebe noch rund 15.000 Milliarden Tonnen CO2 im Boden - vor allem als Kohle, sagt Edenhofer. Allerdings dürften nicht mehr als 1000 Milliarden Tonnen davon in der Atmosphäre abgelagert werden. "Wenn wir so weitermachen ist die Atmosphäre in zwei oder drei Dekaden voll. Dann würde der Anstieg der globalen Mitteltemperatur um vier, fünf Grad wahrscheinlich".

Die weltweite Renaissance der Kohle hat mehrere Gründe. Einer liegt auf der Hand: "Das ist eine unerwünschte Folge des Atomausstiegs", sagt Greenpeace-Experte Gerald Neubauer zur Situation in Deutschland. Dort hat laut "n-tv.de" nach der Abschaltung von Atomkraftwerken die Verstromung von Braunkohle um 3,3 Prozent zugenommen. In Deutschland befinden sich sogar 23 neue Kohlekraftwerke in Bau oder Planung.

Umsiedlungen, um Kohleabbau zu sichern

Um ausreichend Braunkohle fördern zu können, werden in den nächsten Jahren daher rund 1000 Einwohner der Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz in der Nähe des riesigen 3000-Megawatt-Kraftwerk in der deutschen Lausitz zur Umsiedlung gezwungen werden, berichtet "Die Welt".

Die Kohle wird nicht nur aufgrund des Atomausstiegs - infolge der Atom-Katastrophe im japanischen AKW Fukushima - auch in den nächsten Jahrzehnten bei der Stromgewinnung dringend gebraucht werden: Denn geht der Wind nicht oder scheint die Sonne nicht, erweist sich die alternative Stromgewinnung als höchst unzuverlässig.

China und Indien hängen von Kohle ab

Entscheidender ist aber, dass die zwei aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien bis heute in der Stromerzeugung überwiegend von der Kohle abhängen. China und Indien machen zusammen über 45 Prozent des weltweiten Kohleverbrauchs aus, bis 2030 werden sie für 80 Prozent des angestiegenen Verbrauchs verantwortlich sein.

Nach Berechnungen der Europäischen Kommission und der Internationalen Energieagentur (IEA) wird der Kohle-Anteil bei der Stromerzeugung in China 2015 rund 80 Prozent betragen, im Jahr 2030 rund 78 Prozent. In Indien wird der Wert laut dieser Prognose 2015 bei 67 Prozent und 2030 gar bei 71 Prozent liegen. Berücksichtigt sind darin alle staatlichen Maßnahmen und Politiken, die bis 2007 beschlossen wurden.

Greenpeace: "Die wahren Kosten der Kohle"

Unabhängig davon ist der Kohlebergbau eine schmutzige und gefährliche Angelegenheit, wie die Greenpeace-Studie "Die wahren Kosten der Kohle" zeigt. Ein paar Beispiele sind darin angeführt: "In Jharia, Indien, leben Tausende von Menschen in der Umgebung verfallener Kohlebergwerke unter grauenhaften Bedingungen, die durch unkontrollierbare Kohlebrände verursacht werden. In Russland haben Hunderte von Arbeitern wegen unsicherer Bergbaubedingungen Verletzungen erlitten oder sind ums Leben gekommen. In der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen hat der Bergbau zu einer drastischen Senkung des Wasserpegels im Ostrowski-See geführt."

Die Verfeuerung von Kohle trägt Greenpeace zufolge mehr zum Klimawandel bei als jeder andere fossile Brennstoff. Zudem ist die Kohleindustrie der größte einzelne Verursacher von Quecksilber-Emmissionen weltweit. Von den 2190 Tonnen Quecksilber, die jährlich emittiert werden, stammen mehr als die Hälfte aus Kohlekraftwerken.

Auszug aus "Germinal" von Emile Zola
Ein Röcheln stieg wieder in seiner Kehle auf, und er spie aus.

"Ist das Blut?" wagte Etienne endlich zu fragen.

Bonnemort wischte sich mit dem Handrücken langsam den Mund ab.

"Das ist Kohle", sagte er. "Ich habe in meinem Leibe genug davon, um mich bis an das Ende meiner Tage zu wärmen. Und doch habe ich seit fünf Jahren keinen Fuß mehr in die Gruben gesetzt. Wie es scheint, habe ich die Kohle aufgespeichert, ohne es zu wissen. Bah! Das hält die Knochen zusammen!"

Kein anderer Rohstoff ist so billig

Dennoch dürfte sich auch im 21. Jahrhundert nichts an der zunehmenden Bedeutung von Kohle ändern. Das hat vor allem zwei handfeste Gründe. "Kein anderer fossiler Rohstoff ist in solchen Mengen vorhanden: Die Reserven reichen noch für Generationen. Keiner ist so vergleichsweise billig: Nur rund 5 Cent kostet es, eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen; mit Sonnenkraft sind es etwa 40 Cent", schrieb der "Spiegel" 2010 in einem Beitrag unter dem Titel "Die Zukunft ist schwarz".

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36 Kommentare
 
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Gast: Bioeffekt
06.09.2012 15:47
0 0

Biochar ist ein Lösungsansatz

Bodenverbesserung mit Kohlenstaub. Klingt seltsam, funktioniert aber prächtig - seit Jahrtausenden. Kohle aus minderwertiger Biomasse (z.B. Stroh) wieder in den Boden einbringen hat viele positive Effekte: Düngereinsparungen, Verbesserung des Wasserspeicherverhaltens, Absorbtion von Giftstoffen, Verbesserung der Krümelstruktur, etc.
Im Amazonasgebiet ist die älteste Terra-preta (Schwarzhumus mit Kohleanteil) seit 3500 Jahren STABIL FRUCHTBAR!
Laut Boku haben wir das Potential ca. 19 mal so viel CO2 einzulagern, wie derzeit in der Athmospäre vorhanden.

LETS DO IT!!

Gast: X15TN
06.09.2012 10:09
0 0

In den USA ...

... ist die Renaissance der schon Kohle wieder vorbei, dank günstigen Schiefergas.


Gast: TOM22
05.09.2012 22:12
1 0

Kohle für 100te Jahre

Kohle ist genial, lässt sie sich doch auch billig und leicht in Dieselöl umwandeln. Kohle verlängert somit das Erdölzeitalter um hunderte Jahre. Die Energiedichte von Kohle und Diesel ist einfach genial hoch! Die Emmissionsseite ist einfach in den Griff zu kriegen - leichter als bei Holzöfen etc.

Gast: Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei!
05.09.2012 00:36
0 2

Das Beste an diesem Beitrag....

....ist das Büderl!

Abgesehen von den CO2 Emissionen...

sollte man hinterfragen ob es eine gute Idee ist, Ressourcen, die Millionen von Jahren für die Entstehung gebraucht haben, in wenigen Jahrzehnten zu verheizen...

Re: Abgesehen von den CO2 Emissionen...

Kohle ist dazu da,dass sie von Menschen genutzt wird und nicht in der Erde sinnlos verrottet und irgenwann durch die Plattentekonik ja eh über Vulkane verbrannt wird.

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Wie gesagt,

Bergbau gibt es seit Jahrhunderten.
Die Bedingungen kann man verbessern, wenn man nur möchte.

Man will keine Kernkraft, keine Kohle, kein Öl, kein Erdgas,... Strom kommt aus der Stckdose, das wissen alle.

Was will man eigentlich? Den Schritt zurück ins Mittelalter? Holz ist wieder in. Unsere Politiker sind gerade dabei diesen Schrittt vorzubereiten.

Antworten Gast: Die Freiheit ist Grenzenlos, die Welt voller Grenzen...
04.09.2012 17:50
0 1

Re: Wie gesagt,

Solange die Individualität vor der Gemeinsamkeit geht, wird sich nichts ändern, und Gemeinsamkeiten scheint ein rotes Tuch zu sein selbst für die roten Parteien.

Das beginnt bei er eigenen Hütte mit dem Gemüsegarten und hört auf bei Dingen wie dem Auto.

Einer der wenigen Dinge die heute noch Gemeinsam sind, ist Fliegen, das eigene Flugzeug ist selbst für die Reichen eine Kapitalfrage, und schließlich will man an jeden Punkt der Welt um seine Individualität dort weiter ausleben zu können.

1890 schaute das noch ein wenig anders aus, Städte und Ortschaften mit verdichteter Bauweise war die einzige Möglichkeit mit den damals noch knappen Rohstoffen umzugehen, dazu gehörte auch der Gemeinsame Bahnhof samt der Gemeinsamen Bahn, ebenso wie die Gemeinsame Post samt dem gemeinsamen Telegrammdienst...

Auch wenn wir von Retro nichts hören wollen, wir haben weit mehr Möglichkeiten heute als 1890, das Problem damals wie heute die lieben Rohstoffe, dazwischen war eine Zeit der grenzenlosen Rohstoffe...

Antworten Gast: Störrisch...
04.09.2012 17:29
4 1

Ich will...

...dass die nächsten Generation was zu Essen, zu trinken und zu lachen hat, atmen kann und noch ein bissi intakte Natur vorfindet. (Lebensqualität)

Wenn wir dafür die Produktion von Gütern runterfahren, die viel Energie und Wasser unnütz verbrauchen, da diese Masssengüter sowieso nach kurzer Zeit entsorgt werden, wäre ich sehr dafür...und bereit mich (noch mehr) einzuschränken...

Es braucht so wenig für ein gutes Leben...

0 0

Re: Ich will...

DAs ist ja wirklich eine sehr vorbildliche Einstellung, ABER das wollen, fürchte ich, die Wenigsten.

Antworten Antworten Antworten Gast: Der Mensch will schon...
04.09.2012 18:07
2 0

Re: Re: Ich will...

Der Mensch will schon einen Kühlschrank der auch nach 30 Jahren noch geht, ebenso einen Computer der 20 Jahre später nicht zu Sondermüll wird, auch das Auto das 50 Jahre noch fahrtüchtig ist, ist keine Utopie...

Nur die Industrie hat was dagegen, mit immer neuer Software der alte Rechner schon nach wenigen Jahren unbrach werden lassen, Autos die schlicht nach 5 Jahren verrostet ist, und Kühlschränke die nach 5 Jahren zu entsorgen sind, das ist der Traum.

Das wir uns das ganze schon längst nicht mehr leisten können, ist ja kein sonderliches Geheimnis...

Re: Re: Re: Ich will...

Das ist kein wirkliches Problem. Meine bisher entsorgten Computer waren im Schnitt über 10 Jahre in Betrieb (einen habe ich noch, der ist ein P3 von 1997 - als Reserve, falls das jetzt vor allem verwendete Notebook ausfallen sollte), mein Auto ist 16 Jahre alt (Z3) und meinen Kühlschrank habe ich seit 10 Jahren und ich habe nicht vor, mir bald einen neuen zu kaufen. Mein Beamer ist erst ein paar Jahre alt, soll aber angeblich 30.000 Stunden halten, und seit in der Schule, an der ich arbeite, in fast allen Klassen Beamer montiert sind, brauche ich ihn nur noch selten, weshalb er mich eventuell überleben könnte ;-). Leider hat mein Entsafter nach ca. 7 Jahren den Geist aufgegeben, weil ich ihn nicht rechtzeitig entleert habe. Dem neuen wünsche ich ein sehr langes "Leben".

Wenn man ein wenig auf Qualität achtet und auf seine Sachen aufpasst, kann man das haben, trotz geplanter Oboleszenz.


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: X15TN
05.09.2012 10:50
0 0

Re: Re: Re: Ich will...

Mal abgesehen davon, dass ein Kühlschrank nach 30 Jahren ein biserl grindig ist, was hindert sie daran Elektronik länger zu nutzen?
Die meisten ausgemusterten PCs funktionieren noch noch. Ich traue mich zu behaupten, dass die meisten Rechner 10 Jahre halten. Aktuelle Spielen laufen natürlich nicht mehr, aber sonst so gut wie alles, ja auch aktuelle Programme.
Ich sitze hinter einem 7 Jahre alten Laptop, und da läuft wirklich alles was ich brauche.

Wenn sie haltbare Dinge haben wollen, müsse Sie beim Kauf schon darauf achten, und Zeit und Geld in die Pflege investieren.

Antworten Antworten Antworten Gast: Störrisch...
04.09.2012 17:52
0 0

Ja, das fürchte ich auch...

....aber alle behaupten ja, dass sie deren Kinder ja soooo sehr lieben.

Das Recht auf hohen Energieverbrauch, Weg-werf-Güter etc. dürften diese aber noch mehr lieben!

Worte und Taten...machen auch nur Sinn, wenn eine Einheit!

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Re: Ja, das fürchte ich auch...

Ich gehöre auch noch eher zu jenen, die versuchen Nachhaltigkeit zu leben. Kurzlebige Konsumgüter mag ich gar nicht.


Gast: Hanibal L.
04.09.2012 16:49
0 3

weiter mit der CO2 luege ... wer's glaubt


Gast: 64E
04.09.2012 12:02
2 5

Man sollte dazu sagen, dass

Deutschland den Kohleabbau mit Milliarden fördert ...

3 3

Re: Man sollte dazu sagen, dass

Na und, der staat foerdert alles moegliche was fuer die gesellschaft einen wert ueber dem kostendeckenden marktpreis hat.

Gast: Hellboy
04.09.2012 10:39
6 2

@ Klimaschuetzer

oje, das wird wohl ein Schuss ins Bein...

lol

Antworten Gast: Störrisch...
04.09.2012 17:19
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lol?

...über die in den Gruben verunglück(t)en, oder über die, deren Grundwasser und Lebensgrundlage im Popo oder über die, deren Gesundheit deswegen Geschichte ist?

Oder lachen Sie am Ende über Ihre Kinder, die unsere Verbrechen (egal ob Erdöl, Kohle, Atom-energie) an Mutter Natur ausbaden müssen?

Ich meine, wer braucht schon eine saubere Luft, Wasser und Nahrung?

Was im Artikel vergessen wurde

dass mittels Energiezufuhr(zb. Alternativer Energie) die Kohle hydriert werden kann und somit für Treibstofferzeugung nutzbar wird.

Re: Was im Artikel vergessen wurde

Da kriegen's eine Anzeige wegen Wiederbetaetigung :)

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Re: Was im Artikel vergessen wurde

Kohleverflüssigung (Fischer-Tropsch Verfahren).
In den 1930er Jahren gab es in DE einige Anlagen.

Heute ist jedoch Rohöl anscheinend noch immer billiger als die Kohlehydrierung.

SASOL baut aber solche Anlagen.

Re: Was im Artikel vergessen wurde


Das ist auch wesentlich Umweltschonender als der sogenannte "Biosprit"!

Früher hat es geheißen, daß die Kohlehydrierung ab einem Ölpreis von 50 US$ rentabel ist.

Unverständlich, warum die Politik oder auch Privatinvestoren in Europa noch keine Hydrierwerke gebaut haben!

Offenbar geht das Öl doch nicht zur Neige, wie uns immer erzählt wird!

Alles Spekulation, genau wie in der Landwirtschaft!


Re: Re: Was im Artikel vergessen wurde

Korrekt!

Es gibt genügend Erdöl,Erdgas und Kohle.

Antworten Antworten Antworten Gast: Störrisch...
04.09.2012 17:20
0 0

Re: Re: Re: Was im Artikel vergessen wurde

...für wie lange denn?

Und wer kann das genau sagen, wäre noch viel wichtiger?

 
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