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In Honduras soll ein zweites Hongkong entstehen

18.09.2012 | 12:07 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Honduras hat die höchste Mordrate der Welt. Investoren halten sich von dem Land fern. Das soll sich ändern - mit Hilfe einer gewagten Idee.

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Es ist eine gewagte Idee: In Entwicklungsländern sollen Wirtschaftsmetropolen aus dem Boden gestampft werden, um mit eigenen Gesetzen und Steuern für einen Wirtschaftsboom zu sorgen. Dafür sollen die armen Länder unbesiedelte Flächen zur Verfügung stellen und die reichen westlichen Länder die Gesetze liefern. Bislang war das alles nur die Vision eines US-Ökonomen. Noch vor zwei Jahren sprach Paul Romer davon, dass Guantanamo eine ideale Teststadt sein könnte ("DiePresse.com" berichtete). Für seinen Plan dieser sogenannten "Charter Cities" (mehr dazu...) gab er sogar seine Professur an der Stanford University in Kalifornien auf. Doch nun dürften seine Ideen erstmals umgesetzt werden: Zum Experimentierfeld wird Honduras. Dort sollen drei Stadtstaaten entstehen.

Die Regierung von Honduras hat mit einer Gruppe internationaler Investoren ein entsprechendes Memorandum unterzeichnet, berichtet "orf.at". Und es soll schnell gehen. Projektstart ist im Oktober. 5000 neue Jobs sollen geschaffen werden. "Wir glauben, dass dadurch viel mehr Vertrauen in Honduras geschaffen wird. Unser Land hat große Probleme mit Verbrechen und organisierter Kriminalität durch den internationalen Drogenhandel. Daher ist es notwendig, einen anderen Weg zu finden, um internationale Investitionen anzulocken und damit das Leben der Menschen hier zu verbessern", zitiert "tagesschau.de" Octavio Ruben Sanchez, der in der Regierung für das Projekt zuständig ist.

Hongkong als Vorbild

Als Vorbild für seine "Charter Cities" dient Romer Hongkong. Die Stadt stand bis 1997 unter britischer Verwaltung, ehe sie China als Testfall für die Marktwirtschaft nutzte. Auch die chinesische Sonderwirtschaftszone Shenzhen betrachtet er als ein erfolgreiches Beispiel. "Die Stadt war stets unter der Kontrolle Pekings, hat aber viele Ideen aus Hongkong kopiert. Mehr als zehn Millionen Menschen sind binnen weniger Jahrzehnte nach Shenzhen gezogen und haben dort einen Job gefunden", sagte er im Juni im "Zeit"-Interview.

Romer betrachtet Korruption und mangelnde Sicherheit als Hemmschuh für den wirtschaftlichen Aufschwung in Entwicklungsländern. Die Charter Cities sollen daher eine eigene Verfassung haben. Für deren Einhaltung sowie die Verwaltung sollen ausländische Demokratien sorgen. Romer will damit auch verhindern, dass die Menschen weiterhin in die USA flüchten. "Eine Stadt mit ähnlichen Bedingungen in Honduras würde automatisch für Menschen aus ganz Zentral- und Südamerika attraktiv, wenn nicht gar für Menschen aus der ganzen Welt", zitiert ihn "Die Zeit".

Das Land mit der weltweit höchsten Mordrate

Tatsächlich ist Honduras das Land mit der höchsten Mordrate der Welt. Alle 74 Minuten wird in Honduras ein Mensch ermordet, berichtete das "ZDF" erst vor wenigen Tagen. Die Zahl der Todesopfer hat sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Mit 82,1 Morden je 100.000 Einwohnern ist Honduras weltweit Spitzenreiter. "Die wenigen Reichen verschanzen sich hinter hohen Mauern. Die Armen müssen in Vierteln hausen, in die sich die Polizei oft gar nicht mehr hineintraut. Verzweiflung und Armut treiben die Menschen dort in die Arme der Kartelle, Gangs und Dealer. Eine kriminelle Karriere ist oft die einzige Überlebensperspektive", heißt es in dem Bericht.

Die Lage hat sich seit dem Militärputsch vor drei Jahren verschärft. Damals wurde der linksgerichtete Präsident Manuel Zelaya vom Militär gestürzt, weil er eine zweite Amtszeit in der Verfassung verankern lassen wollte. Honduras steht damit allerdings nicht allein. Nach Einschätzung der UNO wird die Bandenkriminalität in den Karibikstaaten immer schlimmer. Sie kostet die Volkswirtschaften Milliarden. Den Verlust an der Gesamtwirtschaft der Region beziffert ein entsprechender UN-Bericht laut "orf.at" mit vier Prozent des gesamten Volumens.

"Das ist purer Kolonialismus"

Der Widerstand in Honduras ist groß. Bürgerrechtler und das indigene Volk der Garifuna (mehr dazu...) lehnen das Projekt ab. Denn eine der drei Städte soll auf Garifuna-Gebiet errichtet werden. "Dieses Land gehört dem Garifuna-Volk und kann nicht einfach an ausländische Kapitalgeber übergeben werden. Das ist purer Kolonialismus", kritisiert Miriam Miranda, Präsidentin der "Fraternal Black Organisation" in Honduras.

Diese Kritik ist nicht neu, seit Jahren wird die Idee der Charter Cities von Gegnern als "Neokolonialismus" bezeichnet. Ein "Staat im Staat" würde geschaffen. Die Lage in den Charter Cities würde sich eher verschlimmern als verbessern, warnen sie. Sie weisen darauf hin, dass sich Regeln aus der jeweiligen Gesellschaft heraus entwickeln müssen und nicht einfach übergestülpt werden können. Das benötige Jahrzehnte. Man könne auch nicht einfach eine Rechtsordnung von einem Land auf ein anderes übertragen. "Der Unterschied zwischen revolutionär und verrückt ist nicht groß", zitierte "Financial Times Deutschland" William Easterly, einen renommierten Ökonomen der New York University. "Romer balanciert mit seiner Idee genau auf dieser Grenzlinie".

Vater der Charter Cities ausgebootet?

Ein Blick auf die Charter-Cities-"Homepage" zeigt, dass sich das von Romer initiierte Projekt in Honduras möglicherweise bereits verselbständigt hat. "Wir haben zahlreiche Anfragen erhalten, die Presseberichte über die Einigung mit Investoren über Sonderwirtschaftszonen in Honduras betreffen", ist in einem aktuellen Beitrag zu lesen. "Wir haben von dieser Einigung aus den Medien erfahren und wissen nichts über deren Bedingungen, daher können wir auch keinen Kommentar dazu abgeben".

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16 Kommentare

bravo

wenn kommunismus / sozialismus nicht funktionieren und die interventionisten ihr monumentales scheitern erkennen, probiert man es wieder einmal mit raedern, die schon laengst erfunden sind: freiheit & marktwirtschaft

wenn es irgendwo aliens gibt die uns beobachten, die muessen sich zerkugeln ueber die dummheit unserer spezies, die sich andauernd selbst im weg steht.

Antworten Gast: gäst
19.09.2012 13:12
1 0

Re: bravo

Achja, Kommunismus, Sozialismus, überall sonst in Honduras und dem Rest der Karibik *hihi*

Re: Re: bravo

sie koennen dazu auch interventionismus sagen. welchen mantel sich diese staats-vergoetterer auch immer geben moegen, es geht um die minimierung der individuellen freiheit (wirtschaftlich und persoenlich) und die maximierung des staatseinflusses

Gast: bruce w
18.09.2012 16:33
0 0

ich will, ich will

ich will batman werden.

na und?

wollen kann man viel.

alleindie nachricht klingt ein wenig, als wäre diese einem zufallsgenerator entsprungen.

friedmann kriegt grad einen dauerständer

freie marktwirtschaft, gesetze kommen von aussen, wer nicht spurt wird umgnietet, fällt dort weiter nicht auf, hurra, das geld regiert die welt.

DIE SOZI-DEMOKRATEN!

Schon frustrierend, immer verar***t zu werden, nicht wahr? Tun S' aber lieber weniger jammern, mehr arbeiten wär besser.

Gast: Ein LA-Kenner
18.09.2012 14:32
0 1

Die kriminelle Regierung ist das Problem

Die von Obama und Clinton unterstützte kriminelle Regierung des Landes ist das Problem.
Die Oligarchen putschten gegen den amtierenden Präsidenten und haben diesen entmachtet.
Die Elite des Landes wurde dabei von den USA gegen den Widerstand fast aller Länder Lateinamerikas unterstützt.
Dieses Projekt ist unsozial und wird nur das wirtschaftliche Elend in diesen Ländern festigen.

Gast: Bilderberger News
18.09.2012 14:20
0 0

In Honduras soll ein zweites Hongkong entstehen

Hat das etwas mit dem derzeitigen Flaschenhals in unserem Schwarzgeldfluss zu tun?

2 0

Warum auch nicht?

Schlimmer kann es in Honduras (ähnlich in vielen anderen mittelamerikanischen Ländern) nicht mehr werden. Mit konventionellen, linksliberalen larifari Methoden kommt man dort nicht weiter, ebensowenig mit brachialer Polizei(und Armee-)gewalt. Also warum nicht etwas Neues probieren. Es wird wohl keiner bestreiten dass das Investoren anlocken kann, und dass Investoren Kapital und Arbeitsplätze mit sich bringen ist auch bekannt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das mittelfristig eine deutliche Verbesserung der Situation in diesen Ländern darstellen kann.

Antworten Gast: Antikapitalist
18.09.2012 14:07
0 7

Re: Warum auch nicht?

Noch ein Land das Investoren ausbeuten können!

Arbeitsplätze schaffen heißt doch nur, dass sich die Reichen neue Sklaven zulegen.

Naja, bald wird Honduras auch merken müssen, dass Geld nicht alles ist...

2 0

Re: Re: Warum auch nicht?

Besser Geld als erschossen werden. Leuchtet euch Kaviar-Sozialisten nicht so recht ein, ich weiss. Mit Unterstützung des Staates geht einem der Geist nun mal flöten...

Antworten Antworten Antworten Gast: Antikapitalist
18.09.2012 17:54
0 5

Re: Re: Re: Warum auch nicht?

Es ist nie besser ein Sklave von gierigen, geldgeilen Machtbesessenen zu sein!
Waffen gibt es nur wegen dem Kapitalismus. Ohne Geld, auch keine Waffen! Aber das wird die Welt erst verstehen wenn es zu spät ist...


Re: Re: Re: Re: Warum auch nicht?

Ausgezeichnete Parodie auf einen verblendeten Altkommunisten.

Nur weiter so, Genosse! ;)

Antworten Antworten Antworten Gast: Friedich Millstein
18.09.2012 15:28
0 3

Re: Re: Re: Warum auch nicht?

Wenn ich ihren lächerlichen Kommentar lese, muss ich immer an George W. Bush denken..warum wohl??

Re: Re: Re: Re: Warum auch nicht?

Können wir uns darauf einigen, dass beide vorstehenden Kommentare nicht wirklich sachlich sind? Ungeachtet dessen ist die Idee verfolgenswert und ohne genaue Kenntnis der Details würde ich Sie eher begrüßen als ablehnen (vorausgesetzt man findet eine Alternative zur Enteignung eines indigenen Volksstammes). Oder hat jemand eine bessere Idee, wie man dem Wahnsinn der Drogenkartelle vielleicht langsam Herr werden könnte?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ein Denkender
18.09.2012 19:59
0 3

Re: Re: Re: Re: Re: Warum auch nicht?

Drogen teilweise legalisieren; Grenze zu den USA dicht machen; und die US-Bevölkerung wieder sozial gerechter machen...das ist die einzige Lösung.
Das Problem in Honduras ist die ungerechte Landverteilung, die noch auf den Kolonialismus zurückgeht und von der herrschenden kriminellen Clique mit Zähnen und Klauen verteidigt wird.
Bush hat den Neo-Liberalismus gepflegt: das Ergebnis sollte selbst ihnen bekannt sein...

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