D-Day: Wenn die D-Mark zurückkehrt

16.10.2012 | 09:29 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Ökonomie einmal anders: Thriller-Autor Markus Will schreibt über die Sehnsucht nach alten Währungen und Menschen, die Gold im Garten vergraben.

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"Seit Mitternacht lief 'Operation D-Day' - die streng geheime Wiedereinführung der D-Mark in Deutschland. Nach Dienstanweisung der Deutschen Bundesbank war die frische Liquidität verpackt: Scheine und Münzen nach Wert geordnet in Säcken, mit Siegel und zwei Unterschriften versehen - vom Pfennig bis zum 1.000-D-Mark-Schein. Das musste ordentlich, aber auch möglichst schnell ausgebucht werden. Laster für Laster, Charge für Charge, 60 tonnenschwere Lkws pro Stunde. Wenn es neues Geld gab, sah das nicht viel anders aus als eine allgemeine Mobilmachung. Und die D-Mark war eine sehr scharfe Waffe in diesem Währungskrieg mit den anderen Eurostaaten."

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Noch ist eine Rückkehr zur D-Mark, wie sie der deutsche Autor Markus A. Will in seinem Thriller "Die Stunde des Adlers" zu Papier gebracht hat, nur Fiktion. Will ist nicht der Erste, der die Thematik der Wiederkehr der D-Mark aufgegriffen hat. Die "Welt am Sonntag" spielte im Juni ernsthaft Szenarien einer Rückkehr zur D-Mark durch, zahlreiche Sachbücher und Aufsätze sind darüber geschrieben worden. Für die meisten Ökonomen ist es ein Horror-Szenario. Aber es ist nicht so weit hergeholt, wie es im ersten Moment klingt. Zwei Drittel der Deutschen sind nach einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung der Ansicht, dass es ihnen besser ginge, wenn es statt des Euros noch die D-Mark gäbe. Großinvestor George Soros sagte kürzlich im "Presse"-Interview sogar, dass alle Probleme gelöst wären, wenn Deutschland den Euro verlässt.

Ich hoffe, dass die D-Mark nicht wiederkommt.
Autor Markus A. Will

Als Thriller hat das Thema im deutschsprachigen Raum bisher jedenfalls keiner umgesetzt. "Sachbücher werden nur von einem relativ kleinen Teil der Bevölkerung gelesen, dabei handelt es sich um ein Thema, das am besten alle verstehen sollten", begründet Will im Gespräch mit "DiePresse.com" die Wahl des Spannungs-Genres. Er will spannend unterhalten und gleichzeitig sollen die Leser am Ende der Lektüre sagen können, "jetzt hab ich kapiert, worum es bei einer Währung eigentlich geht". Der Autor ist so etwas wie ein Finanzthriller-Veteran. Vor "Die Stunde des Adlers" hat er bereits "Bad Banker" (2010) und "Der Schwur von Piräus" (2011) geschrieben. Während er in seinem Debüt die Banken- und Finanzkrise des Jahres 2008 reflektiert - seine Hauptfigur heißt nicht zufällig Mitch Lehman - spielt er im Nachfolger mit der Idee der Einführung einer Alternativwährung zum Euro. Der 49-jährige Deutsche, der in der Schweiz lebt, weiß, wovon er schreibt. Er ist Privatdozent an der Schweizer Eliteuniversität HSG in St. Gallen, Betriebs- und Volkswirt und war als Berater sowie Journalist tätig.(c) Finanzbuchverlag (c) Finanzbuchverlag

(c) Finanzbuchverlag (c) Finanzbuchverlag

Warnung vor Währungsidioten

Die Sehnsucht der Menschen nach den alten Währungen scheint groß zu sein, wie auch die kurzzeitigen Schilling-Pläne von Neoparteichef Frank Stronach bestätigen, ehe er auf sein "Jedem sein eigener Euro"-Modell umschwenkte. Einige vehemente Kritiker versuchen diese Anti-Euro-Stimmung zu nutzen. "Wir brauche ein Fukushima beim Euro", forderte etwa der deutsche Euro-Kritiker und Buchautor ("Rettet unser Geld") Hans-Olaf Henkel im Mai in der Monatszeitung "Cicero". Und Wilhelm Hankel profilierte sich ebenfalls Anfang des Jahres, als er sich im Magazin "Euro" offen für die Wiedereinführung von D-Mark und Co. aussprach.

In Wills Buch mag es zwar genau um diese herbeigesehnte Wiedereinführung der D-Mark gehen, der Autor selbst ist aber ein strenger Verfechter des Euros. "Ich hoffe, dass die D-Mark nicht wiederkommt", stellt er klar. Mit seinem Buch will er die Leser dazu animieren, darüber nachzudenken, ob jene Leute, die durch die TV-Talkshows tingeln und "vorgaukeln, man könnte den Nord-Euro oder die D-Mark einführen, ob das nicht nur absolute Phantasten, sondern sogar Währungsidioten sind".

 Der Autor Markus Will

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"Die Stunde des Adlers" gibt auf leicht verständliche Weise ökonomischen Aufklärungsunterricht in Sachen Geld und Währungspolitik. Als spannender Thriller funktioniert das Buch dadurch aber nur bedingt. Zudem trägt der Autor stellenweise einfach zu dick auf: Die Finanzstaatssekretärin der "Deutsche Mark Partei" erscheint als fast allmächtig, trägt den Spitznamen "Schwarze Pest" und schreckt nicht einmal vor Mord zurück.

Wer vergräbt Gold im Garten?

Manches, was auf den ersten Blick an den Haaren herbeigezogen wirkt, ist es aber nicht. Sollte es etwa tatsächlich zum Fall der Fälle kommen, dann würde die D-Mark wohl in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wieder eingeführt werden. "Neues Geld kommt immer montags", sagt der Autor. Das sei schon 1948 so gewesen, als die Allierten Westmächte in einer Art geheimer Kommandosache beschlossen, die D-Mark einzuführen. Das Wochenende eigne sich zur finalen technischen, infrastrukturellen und logistischen Vorbereitung. Das deckt sich auch mit der Einschätzung der britischen Finanzanalysten von Variant Perceptions, die in ihrer Studie "A Primer on the Euro Breakup" schreiben, dass ein Euro-Ausstieg "auf einen Schlag" - wohl während eines Wochenendes - erfolgen würde. Euro-Banknoten würden gestempelt oder eingefärbt werden.

Auch der Aufstieg einer "Deutschen Mark Partei", deren einziges Ziel die Wiedereinführung der alten Währung ist, scheint nicht so ganz weit hergeholt. Wer hätte vor kurzem noch gedacht, dass eine "Piraten-Partei" die deutschen Landesparlamente entern würde. Der Autor will sich nicht ausmalen, was passieren könnte, "wenn so eine internetgetriebene intelligente Klientel plötzlich mit einer 'Deutschen Mark Partei' um die Ecke kommt". Und auch in Österreich gibt es Umfragen, wonach sich immerhin jeder dritte Österreicher vorstellen kann, Frank Stronachs Eurozweifler-Partei zu wählen.

Wer über die Krise des Geldes schreibt, kommt auch an einem anderen Thema nicht vorbei: Gold. Als die Frau des fiktiven deutschen Bundesbankpräsidenten ihrem Mann gleich zu Beginn des Buches verrät, dass sie das Edelmetall im Garten vergraben hat, bringt das nach Ansicht des Autors die Perfidität der Thematik gut auf den Punkt. Will hat übrigens kurz vor Beginn des Schreibens von "Die Stunde des Adlers" mit jemandem gesprochen, der sagt: "Ich kenne jemanden, der hat Gold im Garten vergraben. Das muss man in einen Kupferkessel verpacken, dann kann der Detektor das nicht entdecken." Fakten und Fiktion sind manchmal nur schwer zu trennen.

Buchtipps:

Markus Will: Die Stunde des Adlers (2012)

Markus Will: Der Schwur von Piräus (2011)

Markus Will: Bad Banker (2010)

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27 Kommentare
 
12
Gast: Weiskeinen
22.10.2012 14:05
0 0

Bankgedanken im Park - wenn ich das lese!

Ich hätt gern mein Liacht wieder zurück - denn wenn da Herrgott des Liacht abdreht, dann kimmt man drauf das Geld koa Liacht net gibt.
Egal was fia Währung - Net des Affenhitz -
das Licht hätt ich gern wieder zurück - das Licht das man Mensh nennt - Menschen die das Geld ins Grab trieben - Augenlicht und Lichter die ohne Geld regierten und keinen Groschen oder Euro oder je eine Markt ausgegeben haben. Diesen Lichtschirm hätt ich gern wieder über mir und meine Mitmenschnen - koan Rettungsschirm der die Herzen meiner Mitmenschen verfinstert und die Herzen verhärtet.

Die meisten Ökonomen liegen in ihren Prognosen falsch

Befragt man 5 Ökonomen bekommt man 10 Meinungen von denen dann ca. 9 nicht eintreffen. I bin selber einer und weis wovon ich spreche. Die allermeisten Ökonomen geben die von Ihnen erwartete Prognose ab auch wenn es absolut unmöglich ist manche dinge vorauszusagen. Ende der Durchsage.


7 2

Gold oder silberbasierende Geldsysteme haben die Jahrhunderte überdauert...


dem ist nichts hinzuzufügen

Antworten Gast: Forma Tol
17.10.2012 14:59
0 0

Nein Danke.

Sie kennen wohl den Grund nicht, warum China sowas 1934 aufgeben musste. Das war weil die USA den Edelmetallpreis deartig nach oben manipuliert hatten, dass die chinesische Wirtschaft beinahe umgefallen wäre ....

Re: Gold oder silberbasierende Geldsysteme haben die Jahrhunderte überdauert...

mit geld, gold fixing kann es keine inflation geben und inflation ist diebstahl. seit dem ersten weltkrieg ist es dem rothschildclan gelungen die goldbindung unserer währung zu verhindern.
wir bezahlen mit einer 10% geldentwertung.

0 2

Re: Gold oder silberbasierende Geldsysteme haben die Jahrhunderte überdauert...

Alles eine reine Glaubensfrage!

Re: Re: Gold oder silberbasierende Geldsysteme haben die Jahrhunderte überdauert...

wer postet sollte zumindest ein wenig wissen haben.

0 1

Re: Re: Re: Gold oder silberbasierende Geldsysteme haben die Jahrhunderte überdauert...

Danke thomasaltendorf für das inhaltschwere und tiefsinnige enorm bereichernde posting

4 0

Alles keine Glaubensfrage...


sondern eine Frage historischen Wissens.

Seit 4.000 Jahren hat Gold seinen Wert behauptet - inzwischen sind x Währungen verschwunden.

Geschichtlich ist niemand bekannt der durch übermäßigen Goldbesitz an den Bettelstab gekommen ist - bei allen anderen Anlageformen schon.

1 1

Re: Alles keine Glaubensfrage...

Vieles steht nicht in den Geschichtsbüchern.

Mit Silber gibt zumindest einen bekannten großen Fall.

Übrigens Whisky verliert auch nicht an Wert und hat den Vorteil, wenns für Gold nix mehr bekommen, können sie ihn saufen. Alles reine Glaubensfreiheit.

1 0

Mit Silber gibt zumindest einen bekannten großen Fall.


korrekt.

Aber geschichtlich gesehen war das ein kurzfristiger oben/unten Zacken der langfristig in der Gauss'schen Normalverteilung als einzelner Ausreißer ausgeschieden wird.

Gast: PÖHSE
16.10.2012 12:45
6 1

Der Herr Auftragsschreiber möge


sich seinen Roman selber lesen !

EU-Werbung- Nein, Danke !

Was sich als falsch und dumm erwiesen hat, kann man noch so bewerben- es wird nix !

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
16.10.2012 12:17
7 1

nachtrag

markus will war kommunikationschef zweier investmentbanken, kommunikationsdirektor von merrill lynch!
wäre nicht schlecht, wenn die presse das hinzufügt, damit man sich wirklich ein bild machen kann von dem mann!

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
16.10.2012 12:13
12 2

was nicht alles...

... unternommen wird, um die euro-kritiker bzw. einzelwährungsanhänger als verschwörungstheoretiker und anti-ökonomen darzustellen.
jetzt werden schon thriller in auftrag gegeben! ich pack es nicht.

Gast: PÖHSE
16.10.2012 10:56
18 4

Die D-Mark, der Schilling, das war GELD,


der Euro ist nur Geldvernichtung !

Gast: Ferenck
16.10.2012 10:38
5 3

Ich will den k.u.k. Gulden zurück

Aber dalli!

5 2

Re: Ich will den k.u.k. Gulden zurück

oder den maria-theresien thaler. das in alten muenzen enthaltene silber hat seinen wert jedenfalls zumindest behalten.

0 4

Re: Re: Ich will den k.u.k. Gulden zurück

eine tiefe Weisheit...

Antworten Antworten Antworten Gast: drkdnl
16.10.2012 22:15
1 0

Re: Re: Re: Ich will den k.u.k. Gulden zurück

Die Richtigkeit kannst du nicht leugnen!

Gast: Paradigmenwechsel
16.10.2012 10:36
11 1

Aus Spaß wurde Ernst, und Ernst ist jetzt zwei Jahre alt.


Wir haben eine tiefe Vertrauenskrise, weite Teile der Bevöölkerung fühlen sich von der Politik nicht mehr vertreten. Zunehmend entsteht der Eindruck, die Politik betreibt einen Inkassodienst für die Banken: vom IWF über HAA usw., Griechenland - Rettung, ESM - Milliarden von mit Leistung gedecktem Steuergeld verschwinden auf Nimmerwiedersehn.

Das Finanzsystem ist dem Gemeinwohl nicht dienlich, im Gegenteil. Und viele haben es mittlerweile satt, vom Moloch ausgesaugt zu werden, und von ihren diversen Helfern, die die Feudalherrschaft mit einem pseudodemokrarischen Mäntelchen behübschen.

Würde in Deutschland jemand schlicht DM drucken lassen, und zum Umtausch anbieten, es würden viele auf das Expertengeschwätz pfeifen.

Geld ist ein Macht - Mittel, und ein souveräner Staat schöpft sein Geld selber. Früher oder später werden freie Bürger das selbst in die Hand nehmen, wenn die Politik so weiter macht.

Wenn sich zwei Drittel bereits jetzt vorstellen können, den 80jährigen Stronach zu wählen, da ist ordentlich was im Rutschen.

1 0

Re: Aus Spaß wurde Ernst, und Ernst ist jetzt zwei Jahre alt.

Geld ist Macht und deshalb blökt dieser verschlagene Schäuble,die Kontrolle über deutsches Geld an die Sowjet-EU und an einen Kommisar abzugeben.Das ist das Ende jeder Pseudo-Unabhängigkeit.

Gast: Peterundich
16.10.2012 10:31
3 1

Gold vergraben?

Meine Großmutter hatte mir erzählt.
Als die Russen kamen hat der Garten danach ausgesehen als ob wir Monstermaulwürfe hätten. Die haben nichts übersehen!

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Katastrophale Folgen???

und was ist das ,was jetzt passiert?

Gast: Hans im Glück
16.10.2012 09:42
8 1

Die DM kommt nicht wieder. Es wird die Neue DM (NDM) sein.

Die NDM kommt sicher und mit ihr verschwinden die Staatsschulden und die Schulden der Länder und Gemeinden.

Nur mit einer Währungsreform hat die neue Währung einen Sinn.

So kann anschließend die Wirtschaft aufatmen und das Spiel beginnt von vorn.

Antworten Gast: Peterundich
16.10.2012 10:36
3 1

Re: Die DM kommt nicht wieder. Es wird die Neue DM (NDM) sein.

Genau so wird es im besten Fall kommen weil dann haben wir und unsere Nachfolgegeneration noch eine halbwegs lebenswerte Welt. Was danach kommt?
Da habe ich es mit der Politik. Nach mir die Sintflut.
Grundsätzlich kann ich nur raten. Macht so weiter. Es wird sichern noch ein paar Jahre klappen. Wenn wir Glück haben übersteht das Europa sogar ohne wesentliche Todesopfer (die wird es geben. Berlin ist nur ein Anfang).
Ich habe erst kürzlich zu meiner Frau gesagt. Wenn alles so weiterläuft könnten wir Glück haben und ohne gröbere Schrammen Alt und Grau werden (also das Grau hat mich leider schon erreicht).
Und was ist mit den jungen Menschen und Kindern?
Die werden die Politiker und die Medienvertreter irgendwann geschlossen aufhängen und bevor das passiert hoffe ich wir haben das Zeitliche gesegnet.

 
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