Vor über 100 Jahren, am 19. Oktober 1912, starb der Schweizer Julius Maggi (1846-1912). Er war ein Pionier der Lebensmittelbranche und gilt als Erfinder der Packerlsuppe. Bis heute steht sein Name für eine der erfolgreichsten Marken im deutschsprachigen Einzelhandel. Berühmt machte ihn vor allem die "Maggi Würze", die er 1886 erfand und die das Kochen revolutionierte. In einem Kochbuch seiner Zeit heißt es: "Es gibt nur eine Fertigkäufliche, die für die gute sparsame Küche in Frage kommt, die richtig angewendet den ursprünglichen Eigengeschmack der Speisen nicht deckt, sondern im Gegenteil hebt".
Julius Maggi erkannte das Problem seiner Zeit: Den schlecht ernährten Fabrikarbeitern in den Städten fehlten schlicht Platz, Zeit und Geld, um Obst und Gemüse anzubauen oder gute Lebensmittel zu kaufen. Er wollte daher ein billig und schnell zuzubereitendes Produkt schaffen.
Die Geburtsstunde der Fertigsuppe
Ein wichtiger Grundstein war zwei Jahrzehnte zuvor gelegt worden: 1863 hatte die großindustrielle Produktion von Fleischextrakten zur Herstellung von Suppen begonnen. Traditionelle Suppen aus Bier, Obst, Milch, Brot und Mehl verloren an Bedeutung. Die Basis für den Aufstieg auf Pflanzen basierender Würze und Suppen war geebnet. "Konkurrenz erhielt der Fleischextrakt gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch billigere, aus Pflanzen und Kochsalz hergestellte, Suppenwürzen", ist in der "Geschichte der Konsumgesellschaft" von Wolfgang König nachzulesen.
Die hohe Kindersterblichkeit und viele Krankheiten zählten in der Arbeiterschicht zum Alltag. Einseitige und mangelhafter Ernährung wurden dafür verantwortlich gemacht. Maggi experimentierte daher mit eiweißhaltigen Hülsenfrüchten als Ersatz für das teure Fleisch. 1883 wurde das erste Leguminosenmehl (Leguminosen sind Hülsenfrüchte, Anm.) auf den Markt gebracht. 1886 kamen die ersten kochfertigen Suppen aus Erbsen- und Bohnenmehl in den Handel. Die Fertigsuppe war geboren.
Maggi enthält kein Liebstöckl
Maggi gründete ein "Reclame- und Pressbüro" und dachte sich laut Firmen-Homepage auch "die eigenwillige Form der Würzeflasche aus, sowie die gelb-roten Etiketten und ihre Schriftzüge". Diese sind bis heute ein wertvolles Markenzeichen geblieben. Da der Geruch und Geschmack von Maggi sehr dem von Liebstöckl ähnelt, wird dieses im Volksmund "Maggi Kraut" genannt. Was nur wenige wissen: In Maggi ist gar kein Liebstöckl enthalten.
Als wichtigster Konkurrent etablierte sich neben Maggi auch der deutsche Lebensmittelhändler Carl Heinrich Knorr (1800-1875). Knorr musste zu Beginn die geschützte Markenbezeichnung "Suppenwürze" von Maggi anerkennen und nannte sein Produkt daher "Knorr-Sos".
Markenstreit um 1900
Nicht immer wurde dabei mit fairen Mitteln gekämpft: "Er (Knorr, Anm.) ahmte die originelle Flaschenform der Maggi-Würze nach und konnte im erbitterten Preiswettbewerb und auch durch ein wenig Industriespionage Maggis monopolartige Vorrangstellung auf diesem neuen äußerst ergiebigen Gewürzmarkt niederringen", heißt es im kulturgeschichtlichen Handbuch "Genussmittel" von Thomas Hengartner und Christoph Maria Meriki.
Aus beiden Firmen wurden schließlich international tätige Großunternehmen mit einer breiten Produktpalette. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Maggi und Knorr zwischenzeitlichen einen Marktanteil von 90 Prozent am deutschen Suppenmarkt. Und bis heute sind die Produkte der beiden Lebensmittelriesen aus den heimischen Haushalten nicht wegzudenken.


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