'It's the economy, stupid!': Ein Spruch macht Geschichte

Vor 20 Jahren erfanden die Wahlkampfstrategen von Bill Clinton einen Slogan, der Geschichte machte. Doch wie sehr hat er heute noch Gültigkeit?

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(c) AP (Mark Lennihan)

"It's the economy, stupid!". Mit diesem Wahlkampf-Slogan gewann Bill Clinton 1992 die US-Präsidentschaftswahlen. Und das, obwohl der damalige Amtsinhaber George Bush ein Jahr davor - kurz nach der Invasion im Irak - noch Zustimmungswerte von 90 Prozent erhalten hatte. Glaubt man diesem Spruch auch heute, dann müsste der Sieger der US-Wahlen schon jetzt feststehen - und Mitt Romney heißen. "Eigentlich dürfte Obama bei dieser schlechten Wirtschaftslage keine Chance mehr haben", sagte dazu auch der USA-Experte Josef Braml kürzlich im "DiePresse.com"-Interview.

"Wird Obama wiedergewählt? Nun, das hängt vor allem vom Zustand der Wirtschaft ab", meinte auch die "New York Times" zu Jahresbeginn. Es ist für viele Experten die alles entscheidende Frage. Der Hobbyökonom wirft daher einen Blick zurück. Wie ist der Slogan eigentlich entstanden? Und was ist dran, an ihm? Hat der Spruch auch 20 Jahre später noch Gültigkeit?

Der Ursprung des Slogans

Geprägt wurde der Spruch 1992 von Clintons Wahlstrategen James Carville im Hauptquartier in Little Rock. Carvilles Original-Phrase "The economy, stupid" war eigentlich intern für die Mitarbeiter der Wahlkampagne Clintons gedacht. Auf ein Schild schrieb er drei Botschaften, auf die sich die Helfer konzentrieren sollten:

  • Change vs. more of the same
  • The economy, stupid
  • Don't forget health care

Tatsächlich wurde die Botschaft aber zum wichtigsten Slogan der Wahlkampagne Clintons. Schon bald wurde dem Spruch "it's" beigefügt. Seitdem wird die Phrase "it's the economy, stupid" ("Es ist die Wirtschaft, Dummkopf") oft und gerne, auch in Abwandlung, verwendet. So sind "it's the deficit, stupid" und "it's the corporation, stupid" in den USA durchaus gebräuchlich.

Auch der republikanische Obama-Konkurrent Mitt Romney selbst griff übrigens im April in einer Grundsatzrede auf Clintons Rhetorik zurück. "Es ist immer noch die Wirtschaft - und wir sind keine Dummköpfe", sagte er damals laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung".

"Es ist die Mittelklasse, Dummkopf!"

James Carville und Stan Greenberg, der 1992 ebenfalls für der Clinton-Kampagne tätig war, haben im Sommer ein Buch geschrieben, in dem auch sie ihren Spruch abgewandelt haben. In "It's the middle class, stupid" erkennen sie den Mittelstand als das entscheidende Problem. "Der Wahlkampf sollte sich nicht um das Haushaltsdefizit oder Außenpolitik drehen, sondern rein um die Mittelschicht", sagte Greenberg laut "Spiegel Online" vor Kurzem bei einer Buchvorstellung.

Und glaubt man dem Bericht, haben die zwei Bewerber um die US-Präsidentschaft die Zeichen der Zeit erkannt. "Ich weiß, wie ich der Mittelschicht zu Arbeitsplätzen verhelfe", sagte Romney demnach in jedem der drei TV-Duelle. "Ich werde die Steuerlast für die Mittelschicht reduzieren", versprach "Spiegel Online" zufolge auch der derzeitige Präsident Obama.

Wirtschaftslage ein entscheidender Faktor

Seit der erfolgreichen Clinton-Wahlkampagne gibt es jedenfalls die vorherrschende Meinung, dass die Wirtschaftslage Wahlen entscheidet. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit scheint das zu bestätigen. Auch 2008, als sich Obama bei der Präsidentschaftswahl durchsetzte, spielte die Finanz- und Wirtschaftskrise eine große Rolle. Bei den Kongresswahlen 2010 waren hohe Arbeitslosigkeit und die anhaltende Rezession zwei wichtige Gründe für das gute Abschneiden der Republikaner.

Wer nun letztlich wen wählt, ist aber nicht so einfach zu erklären. Die Politikwissenschaft hat zwei Erklärungsansätze. Einerseits strafen Wähler Präsidenten für eine verschlechterte Wirtschaftslage ab oder belohnen sie für eine Verbesserung. Andererseits wählen sie aber auch den Kandidaten, dem sie die Kompetenz zur Lösung wirtschaftlicher Probleme zutrauen.

Obama würde Rekord aufstellen

Fest steht: Sollte Obama die Wahl tatsächlich gewinnen, würde er damit einen Rekord aufstellen. Die höchste Arbeitslosenquote, bei der je ein Präsident die Wiederwahl gewann, lag laut der Schweizer "Handelszeitung" bei 7,2 Prozent. Das Kunststück gelang dem Republikaner Ronald Reagan 1984. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote bei 7,9 Prozent.

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