Dagobert Duck: Der Feind des Kapitalismus

05.12.2012 | 06:38 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Die reichste Ente der Welt feiert 65. Geburtstag. Ökonomen-Misstöne trüben das Jubiläum. Kritisiert wird vor allem Dagoberts Neigung zum Geldhorten.

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13 Trillionen 224 Billionen 567 Milliarden 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer besitzt die reichste Ente der Welt momentan. Das ist im "Micky Maus Spezial" zum 65. Geburtstag von Dagobert Duck nachzulesen. Der reiche Erpel ist damit regelmäßig auf der "Forbes"-Liste der fiktiven Milliardäre zu finden. Nur aus der Liste 2012 ist er geflogen, weil er eine Wette gegen MacMoneysac verloren hat. Von Dauer dürfte diese Verbannung aber nicht sein, denn Dagobert hat bereits Protest eingelegt.

Fest steht: Dagobert Duck hat es auf seine alten Tage nicht einfach. Die Occupy-Bewegung hat ihn zur Symbolfigur des menschenverachtenden Finanzkapitalismus gemacht. Dabei ist er alles andere als ein Finanzkapitalist. Dafür ist er viel zu geizig. Und muss auch dafür vehemente Kritik einstecken. Der deutsche Ökonom und Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnt sogar: "Aus makroökonomischer Sicht halte ich die Grundeinstellung von Onkel Dagobert für höchst gefährlich." Bofinger stößt sich vor allem an Dagoberts Neigung zum Geldhorten. "Dagobert Duck ist die personifizierte Liquiditätsfalle", sagt er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Durch dieses geizige Verhalten wird dem Wirtschaftskreislauf das Geld entzogen. Die Folgen sind im Extremfall Stagnation und Rezession.

"Dagobert ist Feind des Kapitalismus"

"Dagobert ist ein absoluter Feind des kapitalistischen Systems: Er würde es innerhalb eines Jahres zerstören", gestand einst auch Disney-Zeichner und Dagobert-Erfinder Carl Barks ein. "Er würde alle Vorgänge, die den Kapitalismus ausmachen, einfrieren. Er würde niemals etwas ausgeben, und nach einer gewissen Zeit hätte keiner außer ihm noch Geld. Das wäre das Ende des Kapitalismus", wird Barks von Detlef Gürtler in dessen Buch "Die Dagoberts. Eine Weltgeschichte des Reichtums" zitiert.

Sogar die Wissenschaft widmet sich mittlerweile dem Phänomen Onkel Dagobert. An der Frankfurter Goethe-Universität forscht der Literaturwissenschafter Bernd Dolle-Weinkauff über den geldbadenden Fantastillionär. Und auch er kann in Dagobert keinen typischen Kapitalisten erkennen. "Ein Kapitalist gibt sein Geld für Autos, Villen oder ähnliches aus. Dagobert hortet es, und es gibt keine einzige Geschichte, wo er sein Geld für etwas ausgibt", sagt Dolle-Weinkauff in der "Frankfurter Rundschau".

So wird man nicht zum Milliardär

Doch die Knausrigkeit ist nicht sein einziges Makel. Gürtler nennt vier Gründe, warum Dagobert in Wirklichkeit niemals zum Multimilliardär werden könnte. Drei davon seien hier erwähnt:

  • Dagobert verzettelt sich

Dagobert kann nicht delegieren. Er muss ständig alle operativen Entscheidungen selbst treffen und probiert ein Geschäftsfeld nach dem anderen aus: Ob es sich um die Erfindung von Pfefferminzeis handelt oder den Verkauf von Rasenmähern in der Wüste.

  • Dagobert lässt sein Geld nicht arbeiten

Es gibt nichts, was Dagobert mehr schmerzt: Seinem legendären Geldspeicher Geld zu entnehmen. Beim Goldanteil seines Speichers ist das ja noch vernünftig - dieser ist vor Inflation geschützt. Seine Neigung zum Bargeldhorten hingegen "bringt keine Einnahmen, verursacht Sicherungs- und Pflegekosten und unterliegt obendrein noch der Geldentwertung".

  • Dagobert verachtet seine Kunden

Für den kurzfristigen finanziellen Vorteil setzt Dagobert langfristige Kundenbeziehungen aufs Spiel. Dräger führt ein klassisches Beispiel an: "Dagobert richtet einen kostenlosen Skilift ein, während die Konkurrenz mindestens einen Taler verlangt. An der Bergstation angekommen, müssen die Skiläufer feststellen, dass der Steilhang dort eine Abfahrt unmöglich macht. Und für die Rückfahrt mit dem Lift kassiert Dagobert drei Taler." Clever, könnte man meinen. Als Unternehmer wäre er damit aber dem Untergang geweiht.

Dagobert und das Geld

Im Widerspruch steht dazu allerdings ein Video aus den 1960er Jahren, in dem Dagobert Duck den Umgang mit Geld erklärt. Der Beitrag "Scrooge McDuck and Money" ist leicht auf YouTube (Teil 1, Teil 2) zu finden. Darin finden sich Geld-Weisheiten, die auch heute wieder aktuell sind. Nicht zufällig hat sogar Stewart Cowley, Manager bei Old Mutual Assett Managers, seinen Kunden den Beitrag in einem "Investment Update" ausdrücklich empfohlen.

Es ist fast so, also hätte die reiche Ente bereits vor fünfzig Jahren der Welt von heute einen Spiegel vorgehalten. Alle grundlegenden Problemstellungen sind enthalten. Dagoberts Lehren über Geld lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Geld muss zirkulieren
  • Geld, dass nicht hinterlegt ist (etwa durch Gold), ist wertlos
  • Wer viel "wertloses", ungedecktes Geld kreiert, schafft Inflation
  • Regierungen haben kein eigenes Geld - sie nehmen es von den Bürgern

Dagobert Duck
Im englischsprachigen Raum heißt Dagobert Duck "Scrooge McDuck" in Anlehnung an den Geizkragen "Ebenezer Scrooge"- einer Charles-Dickens-Figur aus der Erzählung "A Christmas Carol" von 1843.

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46 Kommentare
 
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. . . Politiker möchten nicht delegieren, sondern das Rad selbst erfinden.


Kritisiert wird vor allem Dagoberts Neigung zum Geldhorten.

No deppert wird er sei, und sei Kohle beim Madoff sein Hedgefond anlegen!

Kluge Lehren - eine jedoch vergessen, eine andere US-amerikanisch verdreht (also typisch kapitalistisch!)....


Wurde diese weitere Lehre absichtlich vergessen??

"Dagobert verachtet seine Kunden" - wie die Hedge-Fonds, Goldman-Sachs und andere Finanz-Anbieter.

"Für den kurzfristigen finanziellen Vorteil setzt Dagobert langfristige Kundenbeziehungen aufs Spiel." - wie die....siehe oben!

Und zur letztgenannten Lehre: "Regierungen haben kein eigenes Geld - sie nehmen es von den Bürgern" - Regierungen sind nicht die Feinde der Bürger, sondern von den Bürgern gewählt, um für faire und gerechte Verhältnisse zu sorgen, für Prosperität und ein gutes Gemeinswesen, an dem möglichst alle teilhaben können!!!

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nope . . . Politiker sind Dagoberte


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so ein sch... artikel

...haben die leute nichts anderes zu tun???

aber vielleicht ist es nur die fiktive angst von menschen, die nurmehr mit fiktiven zahlen und sicherheiten denken und angst vor einen fiktiven figur haben, die die fiktion in den köpfen der menschen zu ihren ungunsten beeinflussen könnte...

...ich habe dagobert duck schon immer als großes vorbild gesehen - und springe jeden morgen in den becher meiner wechselgeldsammlung ;-)))

die liquiditaetsfalle ist ein oximoron, die keynesianer als propaganda verwenden

um staatliche intervention zu rechtfertigen, die glaubt etwas zu wissen, was der markt nicht weiss (und sich deswegen "falsch" verhaelt)

Den Artikel

muss ein Mitgllied der FMA geschrieben haben.

Hurra!

... und wieder hat man einen imaginären Sündenbock gefunden, um von den eigentlichen Verursachern (mit ihren unfinanzierbaren Sozialprogrammen) abzulenken!

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Dagobert Duck

Die Grundeinstellung einer Comicfigur ist wirklich höchst gefährlich :)

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Re: Dagobert Duck

Ja und die Panzerknacker sind für Bofinger die Guten! Sie befreien die Leut aus den Liquiditätsfallen.

"13 "Trillionen 224 Billionen 567 Milliarden 778 Millionen"

Die Inflation in Entenhausen muss enorm sein, wenn es dort möglich ist, solche Beträge anzuhäufen!

Eine überaus sehenswerte Doku...

Jedem empfohlen!

http://videos.arte.tv/de/videos/740-park-avenue--7081948.html

Vergeßt mir den Donald nicht!

Also ich finde es gut, wenn sich Wissenschafter mit Dagobert beschäftigen - erinnert mich an die Juristen, die bekannte Märchen aus heutiger Sicht betrachtet haben und z.B. den Wolf als Vergewaltiger angeklagt haben, weil er mit Rotkäppchen ....

Aber vergeßt mir Donald nicht!

In den beinahe unzähligen Geschichten stellt er immer wieder sein Können unter Beweis: er kann Schiffe auf Hochsee genauso steuern wie Raketen im Weltraum, ebenso Flugzeuge jeden Typs, Hubschrauber, usw.; ist Gärtner wie auch Fußballtrainer, Bahnwärter, Lehrer, Tiefseetaucher und was nicht noch alles.

Versuchen Sie heutzutage all diese Fähigkeiten in Ihrem Lebenslauf zu beschreiben - Sie werden sofort als "überqualifiziert" abgelehnt, und wenn Sie dann keinen reichen Onkel haben, der Sie gnadenhalber um wenig Lohn für irgend etwas engagiert, dann bleiben Sie übrig; denn ein Sozialsystem ist in Entenhausen nicht vorhanden.


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Re: Vergeßt mir den Donald nicht!

Der kann fast so viel, wie ein(e) Finanzminister(in) in Österreich können muss!!
(Zuerst Aussen- dann Finanzministerin)
So wie die ausschaut, kann sie mit einem Besen auch noch fliegen.

Ist die makroökonomische Sicht Dagobert's nicht eher die Grundeinstellung eines fiktiven Staates, der in Voraussicht, nun sein Vermögen vor der Erosion des Wettbewerbs

in Form von Goldtaler hortet?

;-)

Dank Dagobert Duck habe ich schon mit 8 Jahren Inflation verstanden

als er sein Geld an alle Einwohner von Entenhausen verteilte, was die Geldmenge explodieren liess und damit die Preise für seine Produkte. Alles Geld landete wieder in seinem Speicher...

Die Banken zocken ihre Kunden in regelmäßigen Abständen ab

und die kommen trotzdem immer wieder, und fallen erneut auf die Rattenfänger rein.

Es ist Fiktion

Warum sollte mich stören dass eine Ente so nicht zum reichsten Mann der Welt werden kann? Wenn ich akzeptieren kann dass eine ENTE der reichste Mann der Welt ist, hab ich auch kein Problem mit dem Postulat dass bei ihm das Geld nur in den Geldspeicher rein- aber eben (so gut wie) niemals wieder rausfliesst.

Es ist ein Spiegel mancher Facetten der Gesellschaft, verpackt in einem unterhaltsamen Comic nicht nur für Kinder. Andere Charaktere aus Entenhausen stehen für andere Aspekte des Lebens. Wie der arme Donald, der für mich Murphy's Law symbolisiert (Was schiefgehen kann geht auch schief). Oder im Gegensatz Gustav Gans der 3x pro Jahr sechs Richtige im Lotto hat obwohl er niemals mitspielt. Wie wahrscheinlich ist das?

Es ist ein Comic. Er soll uns unterhalten, teils mit mahnendem Zeigefinger ein wenig zum Nachdenken anregen. Den Anspruch realistisch zu sein haben Barks und Disney nie gestellt. So what?

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Es ist ein Komik...

Ehrlich, was wäre an Dagober Duck interessant, wenn er nicht genau diese lustigen Eigenschaften hätte. Auch über Superhelden lässt sich trefflich streiten. Es handelt sich aber um fantasy!

Sorry aber das ist einfac h idiootisch Scrooge MacDuck den Kapitalisten abzusprechen

Das Horten kommt ja davon daß er irgendwo Geschäfte machen muß die Geld bringen. Dh auch ein anderer muß davon profitieren (sonst würd er ja das Geschäft nicht machen). Und daß Kapitalisten sich a priori dadurch auszeichnen Geld auszugeben ist einfach gelinde gesagt Schwachsinn.

Re: Sorry aber das ist einfac h idiootisch Scrooge MacDuck den Kapitalisten abzusprechen

Die meisten Unternehmer investieren allerdings ständig. Es gibt ja einen Grund warum auf der Passiva-Seite der meisten Bilanzen Fremdkapital steht.

Allerdings kann ein Unternehmer im Normalfall nicht so viel Geld im Umlauf halten wie er als Vermögen ansammelt. Also die Differenz dessen was er als Gewinn verdient und nicht reinvestiert, was von Unternehmer zu Unternehmer unglaubliche Summen sein können, ist das Geld, das den Kapitalismusverlierern fehlt.

Das ist übrigens der Punkt der auch oben vollkommen außer Acht gelassen wird. Onkel Dagobert verfügt über eine schier unermässliche Menge an Betrieben, vor allem darum um sich eine Monopolstellung zu sichern. Er investiert also schon aber eben nicht in dem Umfang wie er "könnte" bzw. müsste.

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Donald

Die Donald Ducks im richtigen leben sind die Rothschilds,die duerften nicht viel weniger besitzen

Re: Donald

Donald?
Oder doch Dagobert?

Ganz komisch...

Ich habe gerade gestern noch über genau das Thema nachgedacht...

Dagobert Duck sollte besser seine Taler in Goldbaren investieren um es zu horten

Immer nach dem Vorbild der Nationalbanken.

Aber ein bisserl aufpassen muss er schon, dass ihm nicht Goldbaren mit Messing oder Wolframkern untergejubelt werden.

Re: Dagobert Duck sollte besser seine Taler in Goldbaren investieren um es zu horten

wie denn? aufschneiden und eine schaun? = zerstörende prüfung.

und jz bitte nicht mit ultraschall oda so kommen das ist einen eigene industrie.

 
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