Dagobert Duck: Der Feind des Kapitalismus

Die reichste Ente der Welt feiert 65. Geburtstag. Ökonomen-Misstöne trüben das Jubiläum. Kritisiert wird vor allem Dagoberts Neigung zum Geldhorten.

Dagobert Duck Heuschrecke Erpelform
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Dagobert Duck Heuschrecke Erpelform
(c) APA

13 Trillionen 224 Billionen 567 Milliarden 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer besitzt die reichste Ente der Welt momentan. Das ist im "Micky Maus Spezial" zum 65. Geburtstag von Dagobert Duck nachzulesen. Der reiche Erpel ist damit regelmäßig auf der "Forbes"-Liste der fiktiven Milliardäre zu finden. Nur aus der Liste 2012 ist er geflogen, weil er eine Wette gegen MacMoneysac verloren hat. Von Dauer dürfte diese Verbannung aber nicht sein, denn Dagobert hat bereits Protest eingelegt.

Fest steht: Dagobert Duck hat es auf seine alten Tage nicht einfach. Die Occupy-Bewegung hat ihn zur Symbolfigur des menschenverachtenden Finanzkapitalismus gemacht. Dabei ist er alles andere als ein Finanzkapitalist. Dafür ist er viel zu geizig. Und muss auch dafür vehemente Kritik einstecken. Der deutsche Ökonom und Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnt sogar: "Aus makroökonomischer Sicht halte ich die Grundeinstellung von Onkel Dagobert für höchst gefährlich." Bofinger stößt sich vor allem an Dagoberts Neigung zum Geldhorten. "Dagobert Duck ist die personifizierte Liquiditätsfalle", sagt er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Durch dieses geizige Verhalten wird dem Wirtschaftskreislauf das Geld entzogen. Die Folgen sind im Extremfall Stagnation und Rezession.

"Dagobert ist Feind des Kapitalismus"

"Dagobert ist ein absoluter Feind des kapitalistischen Systems: Er würde es innerhalb eines Jahres zerstören", gestand einst auch Disney-Zeichner und Dagobert-Erfinder Carl Barks ein. "Er würde alle Vorgänge, die den Kapitalismus ausmachen, einfrieren. Er würde niemals etwas ausgeben, und nach einer gewissen Zeit hätte keiner außer ihm noch Geld. Das wäre das Ende des Kapitalismus", wird Barks von Detlef Gürtler in dessen Buch "Die Dagoberts. Eine Weltgeschichte des Reichtums" zitiert.

Sogar die Wissenschaft widmet sich mittlerweile dem Phänomen Onkel Dagobert. An der Frankfurter Goethe-Universität forscht der Literaturwissenschafter Bernd Dolle-Weinkauff über den geldbadenden Fantastillionär. Und auch er kann in Dagobert keinen typischen Kapitalisten erkennen. "Ein Kapitalist gibt sein Geld für Autos, Villen oder ähnliches aus. Dagobert hortet es, und es gibt keine einzige Geschichte, wo er sein Geld für etwas ausgibt", sagt Dolle-Weinkauff in der "Frankfurter Rundschau".

So wird man nicht zum Milliardär

Doch die Knausrigkeit ist nicht sein einziges Makel. Gürtler nennt vier Gründe, warum Dagobert in Wirklichkeit niemals zum Multimilliardär werden könnte. Drei davon seien hier erwähnt:

  • Dagobert verzettelt sich

Dagobert kann nicht delegieren. Er muss ständig alle operativen Entscheidungen selbst treffen und probiert ein Geschäftsfeld nach dem anderen aus: Ob es sich um die Erfindung von Pfefferminzeis handelt oder den Verkauf von Rasenmähern in der Wüste.

  • Dagobert lässt sein Geld nicht arbeiten

Es gibt nichts, was Dagobert mehr schmerzt: Seinem legendären Geldspeicher Geld zu entnehmen. Beim Goldanteil seines Speichers ist das ja noch vernünftig - dieser ist vor Inflation geschützt. Seine Neigung zum Bargeldhorten hingegen "bringt keine Einnahmen, verursacht Sicherungs- und Pflegekosten und unterliegt obendrein noch der Geldentwertung".

  • Dagobert verachtet seine Kunden

Für den kurzfristigen finanziellen Vorteil setzt Dagobert langfristige Kundenbeziehungen aufs Spiel. Dräger führt ein klassisches Beispiel an: "Dagobert richtet einen kostenlosen Skilift ein, während die Konkurrenz mindestens einen Taler verlangt. An der Bergstation angekommen, müssen die Skiläufer feststellen, dass der Steilhang dort eine Abfahrt unmöglich macht. Und für die Rückfahrt mit dem Lift kassiert Dagobert drei Taler." Clever, könnte man meinen. Als Unternehmer wäre er damit aber dem Untergang geweiht.

Dagobert und das Geld

Im Widerspruch steht dazu allerdings ein Video aus den 1960er Jahren, in dem Dagobert Duck den Umgang mit Geld erklärt. Der Beitrag "Scrooge McDuck and Money" ist leicht auf YouTube (Teil 1, Teil 2) zu finden. Darin finden sich Geld-Weisheiten, die auch heute wieder aktuell sind. Nicht zufällig hat sogar Stewart Cowley, Manager bei Old Mutual Assett Managers, seinen Kunden den Beitrag in einem "Investment Update" ausdrücklich empfohlen.

Es ist fast so, also hätte die reiche Ente bereits vor fünfzig Jahren der Welt von heute einen Spiegel vorgehalten. Alle grundlegenden Problemstellungen sind enthalten. Dagoberts Lehren über Geld lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Geld muss zirkulieren
  • Geld, dass nicht hinterlegt ist (etwa durch Gold), ist wertlos
  • Wer viel "wertloses", ungedecktes Geld kreiert, schafft Inflation
  • Regierungen haben kein eigenes Geld - sie nehmen es von den Bürgern

Dagobert Duck

Im englischsprachigen Raum heißt Dagobert Duck "Scrooge McDuck" in Anlehnung an den Geizkragen "Ebenezer Scrooge"- einer Charles-Dickens-Figur aus der Erzählung "A Christmas Carol" von 1843.

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