Dollar: Das Rätsel um die perfekte Fälschung

Perfekt gefälschte 100-Dollar-Scheine stellen die USA vor Rätsel. Ihre Spur führt über den Iran, Ost-Berlin sowie Pjöngjang und endet in den USA.

Falsche und echte 100-Dollar-Note
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Falsche und echte 100-Dollar-Note
Falsche und echte 100-Dollar-Note – (c) AP (Lee Jin-man)

Im Jahr 1989 ereignete sich für die das amerikanische "Bureau of Engraving and Printing", das für den Dollar-Druck zuständig ist, eine Art "Supergau". Eine perfekt gefälschte 100-Dollar-Note, die sogenannte "Supernote", tauchte in einer Bank auf den Philippinen auf. Sie waren scheinbar auf Original-Dollar-Papier mit einer Original-Dollar-Druckmaschine hergestellt worden. Die Scheine waren so gut gefälscht, dass selbst Experten sie ohne Hilfsmittel kaum entlarven konnten. Als mehrere Supernotes auftauchten, setzten die Republikaner eine Untersuchungskommission ein. Diese hatte rasch eine Erklärung für den Hintergrund der Fälschungen: "Ökonomische Kriegsführung" gegen die USA.

Der Verdacht fiel gleich einmal auf den Iran. Zu Schah-Zeiten hatte das Land "De-La-Rue-Goiri-Banknotendruckmaschinen" gekauft. Ein ähnliches Modell dieser Erzeugerfirma, eine Stichtiefdruckmaschine des Typs "Intaglio" wird für die Produktion der Original-Dollarnoten verwendet. Der Iran wies die Urheberschaft für die Fälschungen natürlich zurück.

Know-How aus der DDR?

Dann wurde die frühere DDR verdächtigt. In einer "Spezialdruckerei" waren die falschen Dollars gedruckt worden, vermuteten die USA. Doch bei einer Untersuchung der Druckerei nach dem Mauerfall wurden keine für die Herstellung benötigten Maschinen (mehr) gefunden. Vielmehr wurden in der Druckerei Ausweise und Dokumente professionell gefälscht. Es war also denkbar, dass die Ostdeutschen eventuell Know-How für Fälschungen an kommunistische Bruderländer weitergegeben hatten.

Als nächstes richtete sich der Verdacht gen Asien. Im Gepäck von abgefangenen nordkoreanischen Diplomaten waren angeblich große Mengen von "Supernotes" gefunden worden. Aus Sicht der USA sprachen mehrere Umstände für Fälschungen durch die Nordkoreaner: Diese würden unter Devisennot leiden und wollten das US-Währungssystem unterminieren. Die Regierung unter George Bush bezichtigte nun offiziell die Regierung in Pjöngjang der Geldfälschung. Die USA brachen deswegen im Herbst 2005 die Verhandlungen der Sechser-Runde über das nordkoreanische Atomwaffen-Programm ab. Bush warf den Koreanern vor, ihre Atomwaffen mit gefälschten Dollar zu finanzieren.

Vertrieb über Russland

Laut Aussagen von nordkoreanischen Überläufern soll die Dollar-Fälschung für die Regierung des kommunistischen Landes höchste Priorität gehabt haben. Auch soll Nordkorea laut US-Geheimdienst-Informationen seit 1980 eine "Intaglio"-Druckmaschine der Firma "De-La-Rue-Goiri" besessen haben. Es war das gleiche - allerdings veraltete - Modell, mit dem auch die USA ihre Dollars druckten. Vertrieben sollen die Fälschungen mit Hilfe nordkoreanischer Diplomaten und Mitglieder des organisierten Verbrechens in Russland worden sein.

Geld drucken

Die US-Dollarscheine werden mit einer Itaglio-Stichtiefdruckmaschine, die von dem Unternehmen "KBA Giori" hergestellt wird, gedruckt. Diese Maschinen sind nicht frei erhältlich, Verkäufe - auch von gebrauchten Maschinen - müssen der Interpol gemeldet werden.

Die gefälschten "Supernotes" wurden mit einer ebensolchen Maschine gedruckt. Die Zusammensetzung des Papiers, auf dem die Supernotes gedruckt wurden, entspricht exakt jener, die auch die echten Dollarnoten aufweisen. Sogar die für das Papier verwendete Baumwolle stammt aus den USA.

Die Sicherheitsfarben für den echten und den falschen Dollar stammen von der Schweizer Firma Sicpa. Sie werden in hochgesicherten Produktionsräumen hergestellt. Sipca hat vor geraumer Zeit ein freiwilliges Embargo über Nordkorea verhängt.

Doch spricht laut Fälschungs-Experten viel dagegen, dass Nordkorea die Supernotes tatsächlich produziert hat. Denn das Land hatte zwar eine entsprechende Druckmaschine gekauft, das Modell war aber veraltet. Nordkorea war und ist dermaßen bankrott, dass es nicht einmal Geld für die Produktion der eigenen Landeswährung, des Won, hat.

War "Fehler" Absicht?

Die gefälschten 100-Dollar-Noten wurden zwar extrem aufwändig hergestellt und sind für den Menschen ohne Hilfsmittel nicht vom Original unterscheidbar, doch fehlt ihnen ein magnetisches Sicherheitsmerkmal. Durch diesen "Fehler" werden sie von Maschinen sofort als Fälschung erkannt. Es scheint fast so, als sei das Merkmal absichtlich weggelassen worden, weitaus aufwändigere Merkmale wurden nämlich sehr wohl in die falschen Noten eingearbeitet. Und es ist fraglich, warum gerade 100-Dollar-Scheine gefälscht wurden. Im Alltag werden diese in den USA kaum verwendet, schon wesentlich kleinere Beträge werden normalerweise mit Kreditkarte beglichen. 100-Dollar-Scheine werden in Geschäften kaum entgegengenommen. Es stellte sich also die Frage, wer ein Interesse an der Verbreitung solcher Fälschungen hatte.

Auch die Behauptung, die Fälschungen würden hauptsächlich aus Asien kommen, war nicht ganz haltbar. Im deutschen Finanzzentrum Frankfurt etwa waren größere Mengen der falschen Scheine aufgetaucht, deren Spur durch Fahnder nach Afrika und in den Mittleren Osten verfolgt werden konnte. Größere Mengen der Supernotes tauchten regelmäßig während des Fastenmonats Ramadan auf. So wurden auch in Zürich, wo sich große Clearingstellen für Banknoten befinden, während des islamischen Fastenmonats verstärkt Superdollars aus dem Verkehr gezogen.

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US-Außenpolitik

Damit gibt es eine weitere Auffälligkeit: Supernotes häufen sich in Regionen, in denen die US-Außenpolitik in Konflikte involviert ist oder Interessen stärken will. So stellt sich die Frage, ob die USA mit falschen Dollarscheinen Rebellen oder Oppositionspolitiker finanzieren.

Unverständlich ist auch, warum die weltweit tätigen US-Geheimdienste trotz angeblich jahrelanger Nachforschungen kaum haltbare Ergebnisse vorweisen können. Die USA versuchen dabei, den Gesamtschaden durch Supernotes-Fälschungen herunter zu spielen. So würden in manchen Jahren falsche Noten mit einem Nennbetrag von 200 Millionen Dollar eingezogen, da wären Supernotes im Nominalwert von 50 Millionen Dollar über mehrere Jahre verteilt zu vernachlässigen.

Über eine mögliche Lösung des Rätsels der Herkunft der Supernotes berichtet die FAZ vom 6. Jänner 2007: "Der amerikanische Geheimdienst CIA könnte für die Herstellung (...) verantwortlich sein." Der Geheimdienst besitzt nämlich eine "De-La-Rue-Goiri"-Druckmaschine.

DiePresse.com nimmt das Jubiläum "150 Jahre Greenback" in den folgenden Wochen zum Anlass für einen Dollar-Schwerpunkt.

Quellen:

BBC: What is the superdollar?

FAZ: Die Spur der Superblüte

FAZ: Das Geheimnis der gefälschten Dollarnoten

Wikipedia: Superdollar

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