Straße von Hormus: Die Aorta des Ölgeschäfts

Rund ein Fünftel des weltweiten Ölexports geht durch dieses Nadelöhr. Im Fall einer Sperre durch den Iran könnte der Ölpreis explodieren.

Strasse Hormus heikle Meerenge
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Strasse Hormus heikle Meerenge
(c) Reuters (Kyodo Kyodo)

Das Säbelrasseln der iranischen Führung zur Verteidigung seines Atomprogramms lässt eine Eskalation des Konflikts mit den USA und Israel befürchten. Das hätte auch Folgen für die Weltwirtschaft. Denn der Iran ist der drittgrößte Ölexporteur der Welt. Und hat ein besonderes Druckmittel in der Hand: Die Blockade einer wichtigen Meerenge - der 180 Kilometer langen Straße von Hormus.

Straße von Hormus

Bereits im 13. Jahrhundert bezeichnete Marco Polo die Straße von Hormus als Drehscheibe des Fernhandels. Er berichtete davon, dass zu seiner Zeit die Perser Pferde zu enormen Preisen nach Indien verkauften.

Rund ein Fünftel des weltweiten Ölexports geht durch dieses Nadelöhr. Im Schnitt befahren 14 Öltanker pro Tag die Wasserstraße. Im Fall einer Sperre der Straße könnte der Ölpreis auf 150 bis 200 Dollar steigen. "Der Spiegel" schrieb daher im Februar von der "Alp-Traumstraße der Welt": "Die Straße von Hormus ist keine Ader des Ölgeschäfts. Sie ist seine Aorta."

Die seit Jahresanfang um rund neun Prozent gestiegenen Ölpreise sind auch auf die geopolitische Unsicherheit zurückzuführen. Händler haben diese bereits eingepreist. Der Zeitpunkt ist ungünstig. Der hohe Ölpreis fällt mit einer schwächelnden Weltkonjunktur zusammen. Nimmt man die Faustformel "zehn Dollar höherer Ölpreis = 0,1 bis 0,2 Prozent weniger Wirtschaftswachstum" her, sind das wenig rosige Aussichten.

Die Straße von Hormus zu blockieren, wäre für uns ebenso leicht wie ein Glas Wasser zu trinken.

Habibulah Sajari, Befehlshaber der iranischen Marine

China und Japan wären stark betroffen

Alternative Transportwege gibt es nicht. "Eine Pipeline durch Saudi-Arabien zum Roten Meer hat nur begrenzte Kapazitäten. Das gilt ebenso für das Pipelinesystem, das den Irak mit der Türkei verbindet. Eine dritte Pipeline, mit der die arabischen Emirate die Meerenge einfach umgehen, ist noch nicht ganz fertiggestellt, und iranische Medien haben darauf hingewiesen, dass sie in der Reichweite iranischer Raketen liegt", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

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Wer wäre am stärksten von einer Blockade betroffen? China und Japan, heißt es im aktuellen Öl-Report der Erste Bank. 40 Prozent der chinesischen Ölimporte fließen demnach durch die Meerenge. Für China ist iranisches Öl somit wichtiger als saudi-arabisches Öl für die USA. Japan wiederum wäre doppelt betroffen. Neben einem stark steigenden Ölpreis hätte Japan mit verringerten Gaslieferungen zu kämpfen: Ein Großteil der Exporte von verflüssigtem Erdgas geht über den Persischen Golf nach Asien. Japan hat nach der Atom-Katastrophe von Fukushima vor einem Jahr stark auf Gas umgestellt und wäre besonders hart getroffen. Das Land könnte zu Energie-Rationierungen gezwungen sein.

Blockade als selbstmörderischer Akt

Doch es ist ein zweischneidiges Schwer. Der Iran würde sich mit einer Blockade allerdings ins eigene Fleisch schneiden. Die Abhängigkeit des Landes vom Öl ist groß. Mehr als 60 Prozent der Steuereinnahmen und 80 Prozent der Exporterlöse stammen aus dem Verkauf von Erdöl, heißt es im Erste-Bank-Öl-Report. Den Ausfall Europas als Kunden könnte der Iran noch recht problemlos verschmerzen, ein Wegfall der asiatischen Großkunden wäre aber wirtschaftlich wohl kaum zu verkraften. "Sollten die USA auch Japan und Südkorea dazu bewegen, ihre Importe aus Iran zu stoppen, wird Teheran buchstäblich gelähmt sein", urteilt Analyst Joseph Kechichian laut Spiegel.

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"Wenn der Iran also tatsächlich die Straße von Hormus abriegeln wollte, wäre das fast schon ein selbstmörderischer Akt", urteilt daher auch "Die Zeit".

 

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