Älteste Bank: Die "Melkkuh" gibt keine Milch mehr

20.03.2012 | 10:20 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Die Bank Monte dei Paschi di Siena hat in ihrer 540-jährigen Geschichte Pestepidemien und Kriege überstanden. Nun steckt sie in ihrer größten Krise.

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Es war eine unauffällige Meldung: Alessandro Profumo, der ehemalige Chef der Bank-Austria-Mutter UniCredit, wird neuer Präsident der toskanischen Bank Monte dei Paschi di Siena. Die Bank ist mit rund einer Milliarde Euro verschuldet und gilt als Übernahmeziel. Da drängt sich die Frage auf: Warum tut sich das der einst mächtigste Banker Italiens an? Die Antwort: Es ist nicht irgendeine Bank, sondern die älteste der Welt.

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Die 1472 als Leihanstalt für die Schafweiden der Region gegründete Bank wird als ältestes noch aktives Geldinstitut der Welt betrachtet. Sie verfolgte stets eine lokal orientierte Strategie, was auch darin begründet liegt, dass die örtliche Sparkassenstiftung mit ihrer Aktienmehrheit die Richtung vorgab. Die Aufgabe der Stiftung ist die Förderung von Kunst, Wissenschaft, Gesundheit und Sozialem - mit besonderem Bezug zur Stadt Siena. So finanzierte sie großzügig Projekte in der Region. Sie ist auch einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt. Doch dann passierte etwas, dass auch die toskanische Idylle nicht unberührt ließ.

Lokale Strategie rächte sich in der Finanzkrise

Die weltweite Finanzkrise machte vor der Bank aus Siena nicht halt, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt. Die Bank sei mehr an Macht als an Gewinn orientiert gewesen und habe wenig Kapital vorgehalten. 2008 und 2011 wurden zwei Kapitalaufstockungen vorgenommen, die teilweise mit Krediten finanziert wurden. Als Sicherheit musste die Stiftung den Gläubigern - mehreren internationalen Kreditgebern (Großgläubiger ist Credit Suisse) - ihre Bankaktien überlassen.

Dem "Handelsblatt" zufolge rächte sich mit einiger Verspätung auch der neun Milliarden Euro teure Kauf der Banca Antonveneta Ende 2007 - also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Damit wollte die Bank zur Nummer drei in Italiens Bankenlandschaft aufsteigen. Und auch die Staatsschuldenkrise trug ihren Teil dazu bei. Monte dei Paschi hatte 25 Milliarden Euro in italienischen Staatsanleihen angelegt. Als Folge der Herabstufungen der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagenturen verloren die Papiere empfindlich an Wert.

Krisen, Kriege und Pestepidemien überlebt

Zu Beginn des laufenden Jahres fiel dann der Kurs der Aktie auf den historischen Tiefstand von 19 Cent, nachdem der Aktienkurs bereits im Gesamtjahr 2011 um 65 Prozent eingebrochen war. Die Folge: Die Kreditgeber forderten eine Reduzierung der Schuldensumme. Darüber hinaus zwingt die Europäische Bankenaufsicht die Bank zu einer weiteren Kapitalaufstockung von mehr als drei Milliarden Euro. Als Konsequenz muss die Stiftung Monte dei Paschi Macht abgeben und sich von 15 Prozent ihres zuletzt rund 45 Prozent fassenden Anteils trennen. Damit sollen die Schulden eingedämmt werden. Der Investmentfonds Equinox hat bereits Interesse bekundet und will zwölf Prozent übernehmen.

Die Bank hat in ihrer 540-jährigen Geschichte zahlreiche Krisen, Kriege und sogar Pestepidemien überstanden. "Auf das goldene Dreieck war bis gestern Verlass: Die Bank erwirtschaftet Profit, die Stiftung kassiert als Großaktionärin die Dividenden und verteilt die Gewinne über die Stadt", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" vor wenigen Tagen über die goldene Vergangenheit der Bank. Die Einwohner von Siena nennen ihr Geldhaus daher auch "la mucchina", die Melkkuh. Damit scheint es vorerst aber vorbei zu sein.

(c) Reuters (GIAMPIERO SPOSITO) Einwohner von Siena demonstrieren gegen den Tod der Bank.

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7 Kommentare

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Das verstehe ich jetzt nicht:

"Die italienischen Anleihen verloren durch die Herabstufungen der Kreditwürdigkeit an Wert"?
Das kann so nicht stimmen: Auch nach einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit ist hat die Anleihe noch einen nominellen Wert von 100%. Das Bankhaus müsste sogar von höheren Zinsen auf die Anleihen profitieren. Nach der Beschreibung in diesem Artikel wäre Griechenland schon allein aufgrund der Herabstufungen entschuldet worden und es hätte keines separaten Haircuts mehr bedurft.
Nix für ungut, aber der Bericht ist sachlich Bullshit.

Antworten Gast: geest
20.03.2012 19:15
1 0

Re: Das verstehe ich jetzt nicht:

Der Bericht ist nicht Bullshit.

Sie mögen damit recht haben, dass der Nominalwert als solches nach wie vor vorhanden ist. Dennoch sind die Zinsen gestiegen --> der mögliche Verkaufs- bzw. Kaufpreis gesunken.
(Stellen Sie sich das wie bei einer Aktie vor, dort sinkt ja auch nicht der Nominalwert sondern der Marktwert.)

Würde die Bank die Anleihen bis zum Schluss halten, würde sie einen Verlust einfahren, weil sie die Anleihen zu einem anderen Zinssatz hätten kaufen können. (nennen wir es einen "Papier-verlust", weil sie z.B.: statt 3% vielleicht 5% hätte bekommen können)

Wenn man die Anleihen vorher verkauft, dann macht man effektiv einen Verlust, weil man weniger zurückbekommt, als man bezahlt hat.

Bitte vergessen sie auch nicht, dass Banken Anleihen im Regelfall nicht bis zum Ende der Laufzeit halten. (Das hat nichts mit spekulieren zu tun, sondern einfach damit, dass Banken ja auch Zinsen auf Einlagen zahlen und sich daher finanzieren müssen.)

Dies ändert aber die Bewertungsmethode der Anleihen in der Bilanz und kann dadurch zu Löchern in selbiger führen.

Hoffe ich konnte Ihnen helfen.
Mfg aus Italien

und zum Kommentar von "mochtnixehoisleiwand": Die Bank hat wirklich viel für die Leute in Siena und Umgebung getan. Sie geriet zum ersten Mal in ihrer Geschichte in richtige Probleme. Ich bezweifle, dass der Steuerzahler dafür aufkommt, und selbst wenn, wird es nichts sein im Verhältnis zu dem, was die Bank für die Menschen getan hat.

Re: Re: Das verstehe ich jetzt nicht:

Danke für die Aufklärung. Das habe ich nicht gewusst.

Re: Re: Das verstehe ich jetzt nicht:

Danke für die Aufklärung. Das habe ich nicht gewusst.

Antworten Gast: hans2
20.03.2012 19:09
0 1

Re: Das verstehe ich jetzt nicht:

In der Tat besteht ein Verständnisproblem.

Jedes Land hat eigene Bewertungsrichtlinien, aber allen ist gemein: Sie haben eine Vorsichtskomponente. Soll konkret heißen: Ein Vermögensgegenstand (hier ein Wertpapier) wird mit dem Betrag bewertet, den man bei einem Verkauf sicher noch bekommt. (Gut, zumindest ist das ein möglicher Wertansatz, bei IFRS ja kein zwingender. Aber das ist eine andere Geschichte.) Ist das Papier am Markt weniger wert als in den Büchern, wird es abgewertet, auch wenn man es nicht verkaufen will.

Durch die Herabstufungen Italiens wurde es offiziell, dass Italien den Verpflichtungen aus seinen Anleihen weniger wahrscheinlich nachkommt als gedacht. Deshalb sanken die Papiere im Kurs (höheres Risiko als gedacht), und die Bank musste abwerten.

Weil Italien aber nicht pleite gegangen ist, muss es seine Schulden weiterhin bezahlen, ist also nicht entschuldet. Die Herabstufung hat daher für Italien (und auch Griechenland usw.) keine schuldmindernden Effekt. Sie werden ihre Anleihen nur schwerer los (weil das Risiko wohl gestiegen ist) und müssen daher mit höheren Zinsen locken. Natürlich nur für die neuen Anleihen.

Und weil diese Bank offensichtlich kein Geld für neue Staatsanleihen hat und Staatsanleihen Fixzinspapiere sind, hat diese Bank auch nix von den neuen, höher verzinsten italienischen Staatsanleihen und bleibt auf den alten (mit niedrigeren Zinsen, aber gleichem Risiko) sitzen.

Somit ist der Bericht sachlich auch ok.

Gast: mochtnixehoisleiwand
20.03.2012 13:06
0 1

zahlt ja doch der steuerzahler.


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