Fort Knox: Ist das Gold noch da?

Seit 1937 lagern die USA einen großen Teil ihrer Goldreserven im legendären Fort Knox. Doch manche glauben, dass die Speicher längst leer sind.

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(c) REUTERS (RICK WILKING)

Seit 1937 lagern die USA einen großen Teil ihrer Goldreserven im legendären Fort Knox. Geschützt von Mauern aus Granit und Stahlbeton sowie einer 20 Tonnen schweren Tür. Angeblich. Denn der republikanische Kongressabgeordnete Ron Paul zweifelt daran. Er schließt nicht aus, dass sich gar kein Gold in dem riesigen Speicher befindet. Er will daher die Tore von Fort Knox öffnen lassen. Bereits 2011 forderte er eine Überprüfung der tatsächlichen Anzahl an gelagerten Goldbarren. Zudem will er die Frage geklärt wissen, ob die Barren tatsächlich aus reinem Gold bestehen, wie die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg" vor einem Jahr berichtete.

"Ich denke, das Gold ist wahrscheinlich noch da, aber die Qualität ist möglicherweise nicht mehr so hoch, wie sie behaupten", heißt es laut "Financial Times Deutschland" in einem der Interviews auf seiner Homepage. "Es wäre für das amerikanische Volk schon schön zu wissen, wieviel Gold dort wirklich ist."

"Niemand weiß, wie viel Gold die USA besitzen"

Auch der bekannte Investor Jim Rogers hielt in seinem Buch "Rohstoffe - der attraktivste Markt der Welt" fest: "Niemand weiß, wie viel Gold die USA tatsächlich besitzen. Die Goldbestände in Fort Knox sind seit mehreren Jahrzehnten keiner unabhängigen Prüfung unterzogen worden, trotz vieler entsprechender Anträge".

Zweifel werden auch deshalb immer wieder genährt, weil kein Besucher das Golddepot betreten darf. Zuletzt öffneten sich im Jahr 1974 die Tore für Kongress-Abgeordnete, Journalisten und Fotografen. Es war das erste und bislang einzige Mal, dass die amerikanische Öffentlichkeit ihren Goldschatz zu Gesicht bekam, wie "Spiegel Online" schreibt.

Überprüfung kostet 15 Millionen Dollar

Paul, der sich momentan auch für die Präsidentschaftskandidatur bewirbt, gilt als einer der schärfsten Kritiker der US-Notenbank Federal Reserve. Er hat in der Vergangenheit mehrmals deren Abschaffung sowie die Rückkehr zum Goldstandard gefordert. Paul zweifelt auch an den Aussagen von Eric Thorson, dem Generalinspektor im US-Finanzministerium. Dieser überprüft regelmäßig die Goldreserven des Landes. Sein Schluss: Es sei alles in Ordnung. Eine genaue Überprüfung der rund 700.000 Goldbarren - wie von Paul gefordert - würde 400 Menschen sechs Monate lang beschäftigen und über 15 Millionen Dollar kosten. Einen einzigen Barren auf seinen Goldgehalt zu testen, würde eine halbe Stunde dauern. Paul sagte daraufhin, er gebe sich auch mit einer Stichprobe zufrieden. Daraus ist bis heute aber nichts geworden.

Dem "Spiegel Online"-Bericht zufolge verlief bereits der Transport des Goldes im Jahr 1937 geheimnisumwittert. Niemand sah je, wie das Gold nach Fort Knox verladen wurde: "Es hätten ebenso Ziegelsteine sein können". Am prallsten gefüllt dürfte Fort Knox 1949 gewesen sein. Damals sollen fast 40 Prozent der weltweiten Goldbestände in dem Fort in Kentucky befunden haben. Verschwörungstheorien blühten schon damals. So kam der Verdacht auf, Präsident Lyndon B. Johnson habe das Gold nach London verschiffen lassen. Spätestens sein Amtsnachfolger Richard Nixon habe die Goldbestände Stück für Stück verkauft, lauteten andere Vermutungen.

Größter Goldvorrat liegt heute in New York

Einer der lautstarksten Skeptiker war der antisemitische US-Anwalt und Finanzier Peter Beter, der in seinem 1973 veröffentlichten Buch "The Conspiracy Against the Dollar" erklärte, die Rockefellers hätten das meiste Gold aus Fort Knox entwendet, um es zu Preisen weit unter Marktwert an Europa zu verkaufen. Er sprach von einer "bolschewistisch-zionistischen Achse". Als eine Folge seiner Theorie durfte ein Jahr später, wie oben berichtet, eine Delegation den Goldspeicher besuchen.

Wieviel Gold auch immer in Fort Knox lagert: Der größte Teil der Goldvorräte der Welt lagert heute in den Kellern der Federal Reserve of New York in Manhattan, wie "Die Presse" unter dem Titel "Das Geheimnis um Österreichs Gold" schreibt. Dort haben 60 Länder große Teile ihrer Goldreserven gebunkert - darunter wohl auch Österreich.

Wilde Verschwörungstheorien bis heute

Der bekannteste aller fiktiven Geheimagenten, James Bond, kam ebenfalls nicht an Fort Knox vorbei. Sein Gegenspieler, der Bösewicht Auric Goldfinger, plante in dem Film "Goldfinger" (1964) mit Hilfe von chinesischen Agenten die radioaktive Verseuchung der US-Goldreserven. Die freie Welt würde in ein wirtschaftliches Chaos stürzen, Goldfingers eigene Bestände würden sich im Wert vervielfachen.

Verschwörungstheorien gibt es jedenfalls weiterhin wie Sand am Meer. Die Schweizer Boulevard-Zeitung "20 Minuten" berichtete erst vor einem Jahr davon, dass der russische Geheimdienst FSB im einem Bericht an Premierminister Wladimir Putin behauptet, Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn habe kurz vor seiner Verhaftung am 14. Mai 2011 erfahren, dass Fort Knox wirklich leer sei. Die Sex-Affäre sei demnach nur eine Erfindung der US-Geheimdienste, um Strauss-Kahn mundtot zu machen.

Fort Knox

Das sagenumwobene Fort wurde 1862 während des Bürgerkriegs erbaut und trug damals den Namen "Fort Duffield". Dann verfiel es. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Fort wieder in Betrieb genommen, vergrößert und nach Henry Knox, einem General des Unabhängigkeitskrieges und späteren Kriegsminister benannt.

1937 errichtete das US-Finanzministerium das an Fort Knox angrenzende "Bullion Depository" als Lager für einen Teil seiner Goldreserven.

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